Jugend Folk Band Schleswig-Holstein
Die Jugend Folk Band Schleswig-Holstein (JFB S-H) ist im Frühjahr 2000 von mehreren Pädagogen - und auch von mir, Martin Rzeszut - als Rahmenkonzept für regionale pädagogische Arbeit (Bereich Jugendmusik) angedacht worden. Der Jugendhof Scheersberg und die LAG Folk standen zunächst hinter diesem Konzept, haben sich dann aber bald wieder zurückgezogen. Man hatte das Projekt sehr früh auf eine einzige(!) und ausschließlich schwedisch musizierende “Vorzeigeband” reduzieren wollen, was inhaltlich nicht dem ursprünglich gefassten Konzept (europäische Folkmusik einschließlich Eigenkompositionen der Jugendlichen) entsprach und allgemein bedauert wurde. Natürlich habe ich mich von dieser Auslegung der Dinge sofort (Frühjahr 2001) distanziert.
Geplant war nämlich dies: in ganz Schleswig-Holstein sollten Musiklehrer an Schulen oder private Volksmusiklehrer Jugendliche für Folkmusik interessieren. Es sollten aus den jeweiligen Schülerschaften kleine Gruppen oder Bands gegründet werden, die dann untereinander evtl. per Internet sich austauschen, zu gemeinsamen Proben oder musikalischen Freizeiten sich treffen würden. Unterstützung bei öffentliche Auftritten und notwendige finanzielle Förderung der Jugendlichen sollte von den zuständigen Landesarbeitsgemeinschaften organisiert werden.
Als Nahziele waren zunächst formuliert, Jugendliche zum aktiven Musizieren zu motivieren, zur Selbständigkeit im Rahmen einer Gruppe zu erziehen und somit sozial relevante musikalisch orientierte Jugendarbeit auf regionaler Basis zu leisten. Als weiteres Ziel war gesetzt, Jugendlichen - ob musikalisch qualifiziert oder nicht - Chancen im kulturellen Wettbewerb zu öffnen.
Hartmut v. Hentig (Allgemeine Lernziele der Gesamtschule, 1971) fordert jene Lerninhalte im Unterricht, die den Jugendlichen eine Chance verschaffen, selbständig die gesellschaftlichen Verhältnisse (etwa Musikkultur und Musikmarketing,M.R.) zu erkunden und konstruktiv nach ihren Vorstellungen und Bedürfnissen evtl. auch zu ändern. So wird Mitspracheinteresse und Handlungsfreiraum für die Jugendlichen gesichert, andrerseits muss die Öffentlichkeit (etwa in Gestalt von Kulturpolitik M.R.) auf dieses Anliegen deutlich reagieren.
Standen in der ersten Phase des Konzepts die Volksmusiklehrer noch mit Einzel- und Gruppenunterricht für die Ausbildung zur Verfügung, so sollten sie sich später zugunsten der ja eingeplanten Selbständigkeit der Jugendlichen zurückziehen. In dieser zweiten Phase sollten die Jugendlichen eben weitesgehend selbständig, doch mit LAG-Unterstützung bandmusikalisches Auftreten lernen: auf Folk-Festivals oder beim selbst organisierten Austausch mit anderen Jugend Folk Bands in anderen Städten.
Im Herbst 2000 gründete sich dann die erste Jugend Folk Band nach diesem neuen Konzept in der Musikwerkstatt Rzeszut. Die Mehrzahl der Mitglieder waren meine Schüler bzw. Teilnehmer einer Rhythmik-Werkstatt (Scheersberg), die ich geleitet hatte. Insofern ist es nur logisch, daß wir uns weiterhin im Sinne dieses Konzeptes einsetzen. Angesichts des noch nicht sehr grossen allgemeinen Interesses für dieses Rahmenkonzept sehen wir unsere Aufgabe vornehmlich noch im Einzelunterricht. Denn auch ohne besonderes JFB-Konzept unterrichten wir Jugendliche schon sehr lange mit folksmusikalischem Material.
Eine JFB-Gruppe kannn sich gründen, sobald mehrere jugendliche Schüler (bzw. deren Eltern) sich untereinander bzw. mit uns - den Lehrenden - darüber einig sind und eine Gruppe starten wollen.Voraussetzung ist, dass alle Teilnehmer genügend lange bei uns Unterricht hatten, um für ein solches Projekt auch spieltechnisch in der Lage zu sein.
Nach einer Zeit gemeinsamer musikalischer Arbeit in der Gruppe - ergänzt wieder durch Einzelunterricht - wird ein überschaubares Repertoire erarbeitet sein, bei dem jedes Mitglied sich genügend beteiligt sieht. Jede(r) der Jugendlichen “führt” seine/ihre Stücke, spielt selbst ausgewählte Solostücke oder -Passagen, ist aber auch in der Lage, innerhalb der Band “nur” Begleitfunktion einzunehmen. Die Lehrenden spielen nur während der Frühphase, später dann nicht mehr mit. Es ist ja eine Jugendband.
Spass soll es machen. Ziel wäre eine kreative Stimmung in der Band, keiner soll über seine technischen und psychischen Grenzen hinaus beansprucht werden. Der Langsamste bestimmt mit, ohne dass deshalb automatisch die Schnelleren sich gebremst fühlen müssen. Die Lehrenden sollten in der Lage sein, dieses Ziel methodisch zu meistern. Notenarbeit sollte gleichrangig neben freier musikalischer Improvisation stehen.
Entsteht nach regelmäßig stattfinden Proben dann bei den Jugendlichen der Wunsch zum öffentlichen Auftritt, so werden die Möglichkeiten besprochen (besonders auch mit den Eltern bei Minderjährigen) und es wird ein Auftrittstermin angepeilt, für den die Jugendlichen sich selbst bewerben könnten. Nach dem ersten Auftritt sollte die Gruppe “selbständig” sein. Sie wird von uns dann nur noch beratend betreut bzw. es wird im Gruppen- oder Einzelunterricht lockerer weitergearbeitet und am musikalischen Material “gefeilt”.
Solange es noch kein dichtes Netzwerk von Pädagogen und Musikern gibt, die sich über diese Konzeption einig sind und sie stützen, solange können wir über die oben beschriebene Verwirklichung der zweite Phase (selbständig organisierte Auftritte / Austausch von Jugendbands) nur spekulieren. Inwieweit und für wieviele Jugendbands Auftrittsmöglichkeiten, musikalische Freizeiten usw. durchgeführt werden können, steht in den Sternen.
Ich ermuntere deshalb alle interessierten Musiklehrer namentlich aus dem Schulmusikbereich, sich mit uns in Verbindung zu setzen, um über die Realisierung dieses ja eigentlich simplen Konzepts nachzudenken.
Es wäre vielleicht auch an der Zeit, das inzwischen veraltete Konzept in Hinblick auf praktische Durchführbarkeit und Förderungswürdigkeit (z.B. EU-Fördermittel) noch einmal und zusammen mit an landesweiter Jugendarbeit interessierten Autoren neu zu fassen.
Eine andere Möglichkeit zur Realisierung des Konzepts bestünde darin, dass Musiklehrer an öffentlichen und privaten Schulen sowie private Musiklehrer miteinander ohne irgend ein fest formuliertes Konzept in Verbindung träten, denn nur in Hinblick auf die Beantragung von Fördermitteln wäre ein solches Konzept eigentlich notwendig. Man müsste sich dann gegenseitig mit vorhandenen Ressourcen zu helfen wissen.
Von zentraler Bedeutung scheint mir der Städte-Austausch von Jugendbands zu sein und die Organisation gegenseitiger Gastspiele. Dies könnten evtl. die Schulen selbst leisten.
Über weiterführende Ideen oder Anregungen zu diesem Thema würden wir uns freuen!
Die Jugend Folk Band Schleswig-Holstein (JFB S-H) ist im Frühjahr 2000 von mehreren Pädagogen - und auch von mir, Martin Rzeszut - als Rahmenkonzept für regionale pädagogische Arbeit (Bereich Jugendmusik) angedacht worden. Der Jugendhof Scheersberg und die LAG Folk standen zunächst hinter diesem Konzept, haben sich dann aber bald wieder zurückgezogen. Man hatte das Projekt sehr früh auf eine einzige(!) und ausschließlich schwedisch musizierende “Vorzeigeband” reduzieren wollen, was inhaltlich nicht dem ursprünglich gefassten Konzept (europäische Folkmusik einschließlich Eigenkompositionen der Jugendlichen) entsprach und allgemein bedauert wurde. Natürlich habe ich mich von dieser Auslegung der Dinge sofort (Frühjahr 2001) distanziert.
Geplant war nämlich dies: in ganz Schleswig-Holstein sollten Musiklehrer an Schulen oder private Volksmusiklehrer Jugendliche für Folkmusik interessieren. Es sollten aus den jeweiligen Schülerschaften kleine Gruppen oder Bands gegründet werden, die dann untereinander evtl. per Internet sich austauschen, zu gemeinsamen Proben oder musikalischen Freizeiten sich treffen würden. Unterstützung bei öffentliche Auftritten und notwendige finanzielle Förderung der Jugendlichen sollte von den zuständigen Landesarbeitsgemeinschaften organisiert werden.
Als Nahziele waren zunächst formuliert, Jugendliche zum aktiven Musizieren zu motivieren, zur Selbständigkeit im Rahmen einer Gruppe zu erziehen und somit sozial relevante musikalisch orientierte Jugendarbeit auf regionaler Basis zu leisten. Als weiteres Ziel war gesetzt, Jugendlichen - ob musikalisch qualifiziert oder nicht - Chancen im kulturellen Wettbewerb zu öffnen.
Hartmut v. Hentig (Allgemeine Lernziele der Gesamtschule, 1971) fordert jene Lerninhalte im Unterricht, die den Jugendlichen eine Chance verschaffen, selbständig die gesellschaftlichen Verhältnisse (etwa Musikkultur und Musikmarketing,M.R.) zu erkunden und konstruktiv nach ihren Vorstellungen und Bedürfnissen evtl. auch zu ändern. So wird Mitspracheinteresse und Handlungsfreiraum für die Jugendlichen gesichert, andrerseits muss die Öffentlichkeit (etwa in Gestalt von Kulturpolitik M.R.) auf dieses Anliegen deutlich reagieren.
Standen in der ersten Phase des Konzepts die Volksmusiklehrer noch mit Einzel- und Gruppenunterricht für die Ausbildung zur Verfügung, so sollten sie sich später zugunsten der ja eingeplanten Selbständigkeit der Jugendlichen zurückziehen. In dieser zweiten Phase sollten die Jugendlichen eben weitesgehend selbständig, doch mit LAG-Unterstützung bandmusikalisches Auftreten lernen: auf Folk-Festivals oder beim selbst organisierten Austausch mit anderen Jugend Folk Bands in anderen Städten.
Im Herbst 2000 gründete sich dann die erste Jugend Folk Band nach diesem neuen Konzept in der Musikwerkstatt Rzeszut. Die Mehrzahl der Mitglieder waren meine Schüler bzw. Teilnehmer einer Rhythmik-Werkstatt (Scheersberg), die ich geleitet hatte. Insofern ist es nur logisch, daß wir uns weiterhin im Sinne dieses Konzeptes einsetzen. Angesichts des noch nicht sehr grossen allgemeinen Interesses für dieses Rahmenkonzept sehen wir unsere Aufgabe vornehmlich noch im Einzelunterricht. Denn auch ohne besonderes JFB-Konzept unterrichten wir Jugendliche schon sehr lange mit folksmusikalischem Material.
Eine JFB-Gruppe kannn sich gründen, sobald mehrere jugendliche Schüler (bzw. deren Eltern) sich untereinander bzw. mit uns - den Lehrenden - darüber einig sind und eine Gruppe starten wollen.Voraussetzung ist, dass alle Teilnehmer genügend lange bei uns Unterricht hatten, um für ein solches Projekt auch spieltechnisch in der Lage zu sein.
Nach einer Zeit gemeinsamer musikalischer Arbeit in der Gruppe - ergänzt wieder durch Einzelunterricht - wird ein überschaubares Repertoire erarbeitet sein, bei dem jedes Mitglied sich genügend beteiligt sieht. Jede(r) der Jugendlichen “führt” seine/ihre Stücke, spielt selbst ausgewählte Solostücke oder -Passagen, ist aber auch in der Lage, innerhalb der Band “nur” Begleitfunktion einzunehmen. Die Lehrenden spielen nur während der Frühphase, später dann nicht mehr mit. Es ist ja eine Jugendband.
Spass soll es machen. Ziel wäre eine kreative Stimmung in der Band, keiner soll über seine technischen und psychischen Grenzen hinaus beansprucht werden. Der Langsamste bestimmt mit, ohne dass deshalb automatisch die Schnelleren sich gebremst fühlen müssen. Die Lehrenden sollten in der Lage sein, dieses Ziel methodisch zu meistern. Notenarbeit sollte gleichrangig neben freier musikalischer Improvisation stehen.
Entsteht nach regelmäßig stattfinden Proben dann bei den Jugendlichen der Wunsch zum öffentlichen Auftritt, so werden die Möglichkeiten besprochen (besonders auch mit den Eltern bei Minderjährigen) und es wird ein Auftrittstermin angepeilt, für den die Jugendlichen sich selbst bewerben könnten. Nach dem ersten Auftritt sollte die Gruppe “selbständig” sein. Sie wird von uns dann nur noch beratend betreut bzw. es wird im Gruppen- oder Einzelunterricht lockerer weitergearbeitet und am musikalischen Material “gefeilt”.
Solange es noch kein dichtes Netzwerk von Pädagogen und Musikern gibt, die sich über diese Konzeption einig sind und sie stützen, solange können wir über die oben beschriebene Verwirklichung der zweite Phase (selbständig organisierte Auftritte / Austausch von Jugendbands) nur spekulieren. Inwieweit und für wieviele Jugendbands Auftrittsmöglichkeiten, musikalische Freizeiten usw. durchgeführt werden können, steht in den Sternen.
Ich ermuntere deshalb alle interessierten Musiklehrer namentlich aus dem Schulmusikbereich, sich mit uns in Verbindung zu setzen, um über die Realisierung dieses ja eigentlich simplen Konzepts nachzudenken.
Es wäre vielleicht auch an der Zeit, das inzwischen veraltete Konzept in Hinblick auf praktische Durchführbarkeit und Förderungswürdigkeit (z.B. EU-Fördermittel) noch einmal und zusammen mit an landesweiter Jugendarbeit interessierten Autoren neu zu fassen.
Eine andere Möglichkeit zur Realisierung des Konzepts bestünde darin, dass Musiklehrer an öffentlichen und privaten Schulen sowie private Musiklehrer miteinander ohne irgend ein fest formuliertes Konzept in Verbindung träten, denn nur in Hinblick auf die Beantragung von Fördermitteln wäre ein solches Konzept eigentlich notwendig. Man müsste sich dann gegenseitig mit vorhandenen Ressourcen zu helfen wissen.
Von zentraler Bedeutung scheint mir der Städte-Austausch von Jugendbands zu sein und die Organisation gegenseitiger Gastspiele. Dies könnten evtl. die Schulen selbst leisten.
Über weiterführende Ideen oder Anregungen zu diesem Thema würden wir uns freuen!