Montag, 6. November 2006
Wie Nazis Kinder und Jugendliche manipulieren…und der Staat wegguckt!
“Heimattreue Deutsche Jugend” veranstaltet Zeltlager auf dem Lammberg bei Bad Meinberg - Protestbrief an den Bürgermeister
Guten Tag Herr Bürgermeister Eberhard Block!
In Zusammenhang mit dem jüngsten Angriff der Neonaziszene auf Journalisten in Sachen Berichterstattung über die “Heimattreue Deutsche Jugend” (die TAGESSCHAU berichtete darüber) recherchierte ich, dass vom 5. bis 13. August ein Zeltlager dieser der verbotenen Wiking-Jugend nahestehenden Jugendorganisation in Ihrer Nähe (auf dem Lammberg) stattgefunden hat.
Als besorgter Pädagoge, der darüber hinaus als gebürtiger Bielefelder der Gegend um Bad Meinberg und Horn nachbarschaftlich verbunden ist, bin ich erstaunt, dass solche Lager von der Stadt Horn-Bad Meinberg überhaupt zugelassen werden. Darüber hinaus werden sie offensichtlich auch von den Einwohnern bzw. den Mitgliedern der politischen Fraktionen geduldet. Und last not least scheint es Un-Verantwortliche zu geben, die dieses Grundstück einer Organisation, die vom Verfassungsschutz beäugt wird, frei zur Verfügung stellen…unglaublich!
Wussten Sie davon?
Ganz abgesehen von dem politischen Unbehagen, was mich bei Lektüre dieser Fakten ergreift, bin ich betroffen von der Naivität und Blauäugigkeit, mit der in einer anerkannten Tourismusregion das Image aufs Spiel gesetzt wird. Am Beispiel Ueckermünde wird u.a. doch deutlich, wie negativ sich die Präsenz von Nationalsozialismus auf die Besucherzahlen auswirkt. Wenigstens das muss doch gesehen werden!
Viel schlimmer noch als zurückgehende Touristenzahlen ist die Ausstrahlung solcher Nazi-Aktionen auf die Jugendlichen Ihrer Region! Mittels suggestiver Beeinflussung wird Kindern der Nationalsozialismus als “heile gute Welt” verkauft (wer will nicht “Kameradschaft”?) und Thesen wie “Kampfgeist fördern” oder “Glut schüren” werden ihnen eingeimpft, ohne dass sie sich dagegen wehren können. Kinder können die Tragweite dieser Botschaften, die darin enthaltene Aggressivität nicht kritisch durchdringen und sind Opfer in solchen Situationen. Bitte informieren Sie sich selber über die suggestive Wirkung der HDJ-Botschaften über das unten angegebene Link.
Seit Jahrzehnten betrachte ich mit Unbehagen die Sonnenwendfeiern an den Externsteinern: dort sind es nicht nur Nazis, sondern auch Sekten und Anthroposophen die dort feiern und einem den Spass an einem landschaftlich sehr schönen und für die Region wichtigen Erholungs- und Wandergebiet gewaltig nehmen können. Das reicht doch nun wirklich schon als erholungsminderndes Moment! Müssen da jetzt auch noch HDJ-Zeltlager her, wo die Mehrheit von Eltern, Pädagogen und politischen Verantwortlichen diese Organisation lieber jetzt als später verschwunden sehen möchte?
In der Annahme, dass über die HDJ bei der Stadt Horn-Bad Meinberg keine Informationen vorliegen, füge ich hier ein Link mit Originalinformation an: (...)
[man findet das Link zur HDJ sehr einfach über Suchmaschinen, d.Red.]
Wenn Ihnen nach Lektüre dieser Texte oder nach Betrachten des Videos immer noch nach HDJ-Zeltlagern in Ihrer Region ist….ja, dann würde ich sicherlich nie mehr zum Wandern kommen. Und wie ich denken viele.
Ich bitte Sie also als wandernder Gast, aber auch als auf dem Boden des Grundgesetzes stehender deutscher Staatsbürger herzlich und mit Nachdruck, in Zukunft keine HDJ-Zeltlager mehr auf dem Lammberg oder anderswo in Ihrer Nähe zu dulden!
Unter folgendem Link finden Sie die Diskussion, die das Lager im NRW-Landtag verursacht hat:
Mit freundlichen Grüssen,
Martin Rzeszut aus Kiel
[Auf das Hyperlink der besagten und von mir inhaltlich kritisierten HDL-Website wurde ausschliesslich verzichtet, weil aufgrund der noch unklaren Rechtsprechung in Sachen Internetpraxis (Thema Verlinkung) das Missverständnis gegeben sein könnte, dass die Inhalte der zitierten Website mit den Inhalten des TÖNCHEN! inhaltlich konstruktiv(!) in Verbindung stehen könnten. Die Inhalte der HDL-Seite sehe ich dagegen als äusserst bedenklich und kritisch, weil sie die Ideologie des Nationalsozialismus spiegeln, die von mir offen bekämpft wird, weil sie nicht mit der freiheitlich demokratischen Grundordnung unserer Verfassung in Einklang steht oder jemals gestanden hat. Die Ideologie des Nationalsozialismus erwuchs aus einem Grössenwahn heraus und hatte Diktatur, Verachtung von Menschenrechten und vielfachen Mord zur Folge. Texte, die diese Ideologie zum Inhalt haben und sich auch sprachlich sowie optisch nicht von den Originalvorlagen wesentlich unterscheiden müssen meiner Meinung nach einschränkungslos und besonders auch im Interesse eines wirkungsvollen Kinder- und Jugendschutzes aufgedeckt und besprochen werden. Obwohl diese meine Meinung klar aus dem Gesamtzusammenhang dieses Artikels hervorgeht, wäre eine inhaltliche Trennung beider Medien rein rechtlich vielleicht (noch) ein Streitfall und selbst durch eine schriftliche Anmerkung (Distanzierungsverweis) wäre der Vorwurf der inhaltlichen Verbindung aufrechterhaltbar. Das Hyperlink wurde ausdrücklich nicht eleminiert, weil auf der HDL-Seite offensichtlich in Unkenntnis des Rechtes auf freie Meinungsäusserung Verlinkungen “durch linksextreme oder behördliche Internet-Seiten oder andere Medien…ausdrücklich untersagt” werden. Für mich hat eine Verlinkung im fortlaufenden Text ausschliesslich dieselbe Bedeutung wie eine etwa in wissenschaftlichen Texten übliche Quellenangabe! Selbstredend stehen derartig zitierte Quellen im Sinnzusammenhang eines wissenschaftlichen Werkes: sie werden besprochen. Niemand dagegen würde im wissenschaftlichen Bereich auf die Idee kommen, dass ein zitiertes Werk - mit dessen Inhalt der Autor nicht einverstanden ist und das er kritisch behandelt - die Meinung des Autors widerspiegeln könnte, bloss weil die Quellenangabe sich in dem Buch befindet, welches der Autor geschrieben hat. Besonders im Interesse einer qualitativ hochwertigen, ungehinderten und freien Presseberichterstattung wäre es Zeit für erheblich mehr rechtliche Klarheit im Bereich des Internetjournalismus. D. Red.]


Tolle, freundliche, informative und mit profunder Fachkenntnis geschriebene Rezension. Da lernt auch ein dicker Hippie noch was. Tausend goldene Fleißpunkte!