Sonntag, 13. November 2005
Gipsy Style - Alles andere als Schnitzel: die Aufführung!
Kiel-Hassee - Beim Eintritt in die Michaeliskirche ist heute was anders als sonst bei Sonntagsgottesdiensten: weit aufgerissene Flügeltüren. Der Kirchenraum wirkt grösser als gewöhnlich und zusätzliche Stuhlreihen sagen mir, dass heute mit mehr Besuchern als nur den üblichen ca. fünfzig gerechnet wird. Vier ziemlich hohe Gittermasten mit Scheinwerfern und Lautsprechern sorgen für Profi-Bühnenathmosphäre. Ein riesen Mischpult im Eingangsbereich signalisiert dem Gottesdienstbesucher: heute läuft hier was anderes! Und das am Volkstrauertag?
Ein Musical wird im Rahmen des Jugendgottesdienstes in Michaelis aufgeführt!
“GipsyStyle - Alles andere als Schnitzel” heisst es und es ist ausserordentlich gelungen! Es enthält Theaterelemente, Sinti-Jazz, Rap-Einlagen und Breakdance. Und das in einer Qualität, die weit über unsere Vorstellungen von Laientheater und Schulaufführung hinausgehen. Dieses Musical würde ich auch sehr gern mal im Kieler Opernhaus sehen!
...aber dann bitte auch mit denselben “Laiendarstellern”: es sind im wesentlichen Jugendliche, die auftreten. Und wir haben es mit wohlkoordinierter Gruppenarbeit zu tun: da gibt es “theater große” und “theater kleine”, da gibts die “j-fish-band” (bitte als dschäifischbänd aussprechen!), den “gospelchor”, eine Rap-Gruppe, eine Breakdance-Gruppe. Ausserdem gibt es Gruppen für Styling, Light&Sound, Kulisse, Graffiti, Catering, Archiv, Video mit Unterstützung der AG Medienpädagogik Kiel e.V. Für Kompositionen, Texte, Arrangements zeichnet Pfarrer Tilman Lautzas: das Musical war seine Idee! Und allein 90 Jugendliche sind in das Projekt involviert!! Beratend zur Seite stand der Landesverband der deutschen Sinti und Roma e.V. (Informationen siehe unter http://zentralrat.sintiundroma.de)
Worum gings? Zunächst um Klischees oder Vorurteile über “Zigeuner”, die wir alle mehr oder weniger bewusst oder unbewusst in uns tragen, oder aber vielleicht auch schon nicht mehr. Ich möchte sie hier gar nicht mehr aufzählen, weil ich vermute, sie verschwinden dann umso schneller, je schneller wir sie vergessen.
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Tolle, freundliche, informative und mit profunder Fachkenntnis geschriebene Rezension. Da lernt auch ein dicker Hippie noch was. Tausend goldene Fleißpunkte!