Donnerstag, 28. September 2006
Der Lütjenburger Leuchter
22000 € für einen silbernen Altarleuchter gab die Ev. Kirchengemeinde Lütjenburg aus…
...und der gehörte der Gemeinde eigentlich schon: er war ihr im Jahre 1709 gestiftet worden. Und vor 35 Jahren gestohlen worden. Tauchte kürzlich auf geheimnisvolle Weise wieder auf. Wurde versteigert…und ging für schlappe 22000 € jetzt wieder in den Gemeindebesitz über. Begründung: es wären ursprünglich ja zwei Leuchter gewesen, die gestiftet worden seien. Und nun warte das ungeklaute Gegenstück ja nun schon so lange: “Wir empfanden alle die moralische Verpflichtung, die beiden…Leuchter wieder zu vereinen” zitiert die KN am 25.Sept. den Kirchenvorsteher Hans Jürgen Rademann aus Lütjenburg.
Ich finde diese Sache bemerkenswert: gerade in Zeiten knapper Kirchenkassen sollte sich eine Gemeinde ein solches Geschenk zum 850. Geburtstags ihrer Kirche nicht machen dürfen. Das Ding ist einfach viel zu teuer! Das passt einfach nicht! - Ich schrieb also eine Mail an die vier Pfarrer und Pfarrerinnen von Lütjenburg. In einem Fall war die Mailbox überfüllt und zweimal kam Schweigen. Doch Pfarrer Bruns antwortete (hiermit Ihnen ganz herzlichen Dank!) und sowohl meine Mail als auch die Antwort von Pfarrer Bruns gebe ich hier ungekürzt wieder:
Guten Tag, sehr geehrte Pfarrerinnen und Pfarrer der Ev. Kirchengemeinde in Lütjenburg!
Glauben Sie mir: solche Mails schreibe ich wirklich sehr selten….ich möchte auch wirklich nicht irgendwie schulmeisterlich wirken.
Doch was ich in den Kieler Nachrichten (Nr.224,S.13) gestern las: “22000€ für einen Leuchter” kollidiert nun doch mit meinem christlichen Bewusstsein.
Kurz: verstehen kann ich die Gemeindevorsteher schon: Leuchter vor 35 Jahren geklaut - wiedergefunden - wiederhaben. Logisch. Wir fahren ja alle immer noch ziemlich auf HABEN ab! Und würde das ein örtlicher Industrieller finanzieren, wäre es wieder eine Schenkung (die es ja mal war) und ich hätte nichts dagegen: das Geld wäre dann sinnvoll angelegt und würde in diesem Fall - sagen wir mal so - z.B. nicht mehr im Waffenhandel Verwendung finden….
Doch sollten diese Mittel aus Beständen der Nordelbischen Kirche stammen (wie ich das aus dem Artikel herauslese: klar ist das nicht formuliert), würde ich wütend werden! Die Armut wächst, die Pastorenstellen werden gekürzt. In zahllosen GET-Teams bemühte man sich vor Jahren (bei uns in Michaelis Kiel mit Erfolg), ökonomische Schwachstellen festzustellen, um den letzten verschwendeten Euro aufzuspüren. Unsere Michaeliskirche könnte mit 22000€ endlich mal eine effektive Wärmedämmung bekommen plus ein paar Mittel für einen dringenst benötigten Jugendwart (für den dann die sonntägliche Kollekte reichen muss…)
In Lütjenburg in der Fußgängerzone sitzen die Ärmsten der Armen herum und suchen sich abends Schlafplätze im Gebüsch. Wieviele Kinder von Hartz-vier-Empfängern könnte man für 22000€ verköstigen oder ......und…....ja, eben! 22000€ für Brot für die Welt! 22000€ zur Lösung von Wasserversorgungs-Problemen…..Versorgung von Menschen in Katastrophen- und Kriegsgebieten….!
Ich brauche Ihnen das nicht zu erzählen und Sie kennen die Not der Menschen in Ihrer Gemeinde auf jeden Fall besser als ich!
Ich hoffe ja auch, dass der Leuchter eben NICHT und ENDGÜLTIG aus Mitteln der Nordelbischen Kirche finanziert wird. Vorfinanzierung wäre ja in Ordnung meinetwegen. Aber doch bitte nur vorübergehend!
Was würde Jesus sagen zu diesem Leuchter? Jesus würde lachen und die Kerzen auf den Altar mit Wachs befestigen….wäre 22000€ billiger!
Ich bin ziemlich sicher, dass Sie und ich ähnlich denken. Ich möchte Sie eigentlich nur ermutigen, dieses Thema nicht unbesprochen zu lassen. Mehr kann man sich nicht wünschen, aber das wäre doch was!
Ich wünsche Ihnen darüber hinaus einen schönen Tag!
Mit freundlichen Grüssen aus Kiel,
Martin Rzeszut aus der Michaelis-Gemeinde in Kiel Hassee


Tolle, freundliche, informative und mit profunder Fachkenntnis geschriebene Rezension. Da lernt auch ein dicker Hippie noch was. Tausend goldene Fleißpunkte!