Tolle, freundliche, informative und mit profunder Fachkenntnis geschriebene Rezension. Da lernt auch ein dicker Hippie noch was. Tausend goldene Fleißpunkte!
“Was gesagt werden muss” - Günter Grass schreibt für den Frieden!
”...zum Verzicht auf Gewalt auffordern”...! - Darum geht es!
“Warum schweige ich, verschweige zu lange,
was offensichtlich ist und in Planspielen
geübt wurde, an deren Ende als Überlebende
wir allenfalls Fußnoten sind.
Es ist das behauptete Recht auf den Erstschlag,
der das von einem Maulhelden unterjochte
und zum organisierten Jubel gelenkte
iranische Volk auslöschen könnte,
weil in dessen Machtbereich der Bau
einer Atombombe vermutet wird.
Doch warum untersage ich mir,
jenes andere Land beim Namen zu nennen,
in dem seit Jahren - wenn auch geheimgehalten -
ein wachsend nukleares Potential verfügbar
aber außer Kontrolle, weil keiner Prüfung
zugänglich ist?
Das allgemeine Verschweigen dieses Tatbestandes,
dem sich mein Schweigen untergeordnet hat,
empfinde ich als belastende Lüge
und Zwang, der Strafe in Aussicht stellt,
sobald er missachtet wird;
das Verdikt ‘Antisemitismus’ ist geläufig.
Jetzt aber, weil aus meinem Land,
das von ureigenen Verbrechen,
die ohne Vergleich sind,
Mal um Mal eingeholt und zur Rede gestellt wird,
wiederum und rein geschäftsmäßig, wenn auch
mit flinker Lippe als Wiedergutmachung deklariert,
ein weiteres U-Boot nach Israel
geliefert werden soll, dessen Spezialität
darin besteht, allesvernichtende Sprengköpfe
dorthin lenken zu können, wo die Existenz
einer einzigen Atombombe unbewiesen ist,
doch als Befürchtung von Beweiskraft sein will,
sage ich, was gesagt werden muss.
Warum aber schwieg ich bislang?
Weil ich meinte, meine Herkunft,
die von nie zu tilgendem Makel behaftet ist,
verbiete, diese Tatsache als ausgesprochene Wahrheit
dem Land Israel, dem ich verbunden bin
und bleiben will, zuzumuten.
Warum sage ich jetzt erst,
gealtert und mit letzter Tinte:
Die Atommacht Israel gefährdet
den ohnehin brüchigen Weltfrieden?
Weil gesagt werden muss,
was schon morgen zu spät sein könnte;
auch weil wir - als Deutsche belastet genug -
Zulieferer eines Verbrechens werden könnten,
das voraussehbar ist, weshalb unsere Mitschuld
durch keine der üblichen Ausreden
zu tilgen wäre.
Und zugegeben: ich schweige nicht mehr,
weil ich der Heuchelei des Westens
überdrüssig bin; zudem ist zu hoffen,
es mögen sich viele vom Schweigen befreien,
den Verursacher der erkennbaren Gefahr
zum Verzicht auf Gewalt auffordern und
gleichfalls darauf bestehen,
dass eine unbehinderte und permanente Kontrolle
des israelischen atomaren Potentials
und der iranischen Atomanlagen
durch eine internationale Instanz
von den Regierungen beider Länder zugelassen wird.
Nur so ist allen, den Israelis und Palästinensern,
mehr noch, allen Menschen, die in dieser
vom Wahn okkupierten Region
dicht bei dicht verfeindet leben
und letztlich auch uns zu helfen.”
(Günter Grass, 2012)
——————-
Nachsatz aus der TÖNCHEN!-Redaktion: Günter Grass, der für mich letzte noch lebende Sozialdemokrat aus Überzeugung, hat dieses zur Zeit sehr umstrittene und als antisemitisches Pamphlet verrissene Stück Literatur aus tiefster Überzeugung geschrieben. Es ist ein Pamphlet für den Frieden! - Und sonst nichts! Ich bin zutiefst erschüttert, dass wirklich nur Sprecher DER LINKEN - unserer Friedenspartei! - und sonst wirklich niemand sich des hohen Wertes dieses Friedensbekenntnisses bewusst sein möchte - obwohl doch eigentlich alle vernünftigen und moralbewussten Menschen wissen, dass Krieg kein Mittel ist um Frieden zu erreichen. Es ist makaber, wie gegenwärtig ein Mahner für den Frieden als Antisemit beleidigt und herabgewürdigt wird. Ich danke Günter Grass aus tiefstem Herzen: er spricht aus, was viele Menschen fühlen. Der nächste Weltkrieg wird zur Zeit vorbereitet - doch wir lassen dies nicht zu!
Schleswig-Holsteinisches Freilichtmuseum - Projekt-Schule mit Zukunft?
PROJEKTSCHULE MUSEUM zum Tag der Region 2011
Das Museum liegt für uns in Fahrradentfernung und just hinter dem für die Stadt Kiel so wichtigen Grüngürtel nach Süden hinaus.
Und heute haben meine Frau und ich Glück: warme Sonne ist nach all den Regentagen eine Wohltat - ja, und es soll ja auch Bauernmarkt im Museum sein! Na, dann man los zum Freilichtmuseum Molfsee!
Der absolute Vorteil dieses Freilichtmuseums bäuerlicher Kulturdenkmale liegt in seiner landschaftlich wunderschönen Lage. Es befindet sich mit seinen rund 70 Häusern sozusagen auf einer Insel und wird umrauscht von der Eider, vom Verkehr der Hamburger Chaussee und vom Verkehr der Hamburger Landstraße. Also: optimal erreichbar, selbst mit dem Kajak - wenn es denn einen entsprechenden Eingang gäbe….übrigens stört der Verkehrslärm nur bei Westwind.
Das Gelände von insgesamt ca. 60 ha - wobei ein großer Teil noch ungenutzt östlich der L 318 (Hamburger Chausee) liegt - ist landschaftlich sehr abwechselungsreich. Wir finden die für Ostholstein typischen Landschaftskomponenten Wald, Wasser, Feldwege, Wiesen und ländliche Bebauung. Einige Häuser - nach Landschaften in Schleswig-Holstein geordnet - sind zu Weilern zusammengefasst, so dass kleine Zentren entstehen. Leider ist die Eider nicht in die Museumslandschaft integriert und ein Bach sickert nur bei starkem Regen vor sich hin. Immerhin gibt es zwei großflächige künstlich angelegte Teiche und einen kleinen Mühlenteich, der das intakte Mühlrad der frisch restaurierten Wassermühle zum großen Bedauern der Museumsbesucher nicht in Bewegung setzen kann.
Ein Besuch im Freilichtmuseum erfreut besonders all jene, die sich jahrelang Gedanken um die Zukunft bzw. die Geschäftsfähigkeit des Museums Gedanken gemacht haben. Wie wir an anderer Stelle berichtet hatten, stand das Museum vor noch nicht allzulanger Zeit kurz vor der Insolvenz. Doch mit gezielten Finanzspritzen, einem engagierten Einsatz der Museumsleitung und vor allem mal wieder zahlreichen ehrenamtlichen Helfer und Helferinnen gelang die vorläufige “Rettung” des Museums in letzter Sekunde.
Was zur nachhaltigen Stabilisierung besonders der finanziellen Verhältnisse jedoch unbedingt notwendig wäre: die Angliederung des Museums an die Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf. Das Zieldatum ist der 1.Januar 2012. Hoffen wir, dass diese Perspektive sich auch bewahrheite!
Um es gleich vorwegzunehmen: wir von PROJEKTSCHULE MUSEUM stellen mit Freude fest, dass zahlreiche Ideen zur Belebung dieses Museums bäuerlicher Kulturdenkmale, die wir der Museumsleitung seinerzeit nahegelegt haben, teilweise oder ansatzweise aufgenomment wurden. Seinerzeit - das war noch während der drohenden Insolvenzgefahr. Unsere spontan gegründete regionale Bürgerinitiative nannten wir MUSEUM INTERAKTIV. Daraus entwickelte sich dann die von der Initiative Regionalgenossenschaft e.V. konzipierte PROJEKTSCHULE MUSEUM.
Natürlich liegt uns von PROJEKTSCHULE MUSEUM das Molfseer Freilichtmuseum weiterhin am Herzen, auch wenn wir inzwischen überregional orientiert sind. Wie könnte es auch anders sein: liegt es doch unmittelbar “vor unserer Haustür”. Es erweitert sozusagen den in den 1920iger Jahren vom Stadtplaner Leberecht Migge konzipierten Kieler Grüngürtel als dringend benötigten Erholungsraum der Stadt.
Neben dem Kulturzentrum Hof Akkerboom in Mettenhof hätten wir im Molfseemuseum weiteres Potential für ein Stadtteilzentrum bzw. einen kulturellen Fokus nahe der Landeshauptstadt. Neben dieser regionalen Bedeutung könnte das Museum zu einem Touristenmagnet erster Güte werden und ähnlich wie Schloss Gottorf und dessen angegliederte Museen Weltruf erlangen. Voraussetzung dafür ist allerdings eine deutlich höhere Besucherzahl sowie eine optimale Einbindung des Museums in regionale und landesweite öffentliche, aber auch wirtschaftliche Strukturen.
Wir nenen hier beispielsweise die intensive Zusammenarbeit mit schleswig-holsteinischen Schulen, den Support durch Handel und Handwerk oder die Nutzung des Museums als Veranstaltungsort für kulturelle Veranstaltungen, wobei wir da nicht nur an die für Normalbürger kaum erschwinglichen Konzerte des S-H-Musikfestivals denken: Kultur beginnt zuhause in der Region und muss für alle erschwinglich sein.
Auf Grund seiner diversifizierten Strukturen und seines kultur- und sozialgeschichtlich orientierten Erscheinungsbildes kann dieses Museum bäuerlicher Kulturdenkmale eine hervorragende Rolle in “Erziehung” und “Erinnerung” bieten. Junge Menschen bringt es auf berufliche Ideen, Senioren erinnern ihre Jugend, unsere sog. “Bestagers” mitte 50 plus bringen konstruktive Gestaltungsideen ins Museum ein und für einige “Midagers” wäre das Museum und sein Netzwerk eine Perspektive, um sich etwa aus wirtschaftsverschuldeter Arbeitslosigkeit herauszuarbeiten und eine kulturell orientierte Selbständigkeit aufzubauen.
Das Museum der Zukunft ist ein Bürgertreff für alle. Die Grundlagen einer Zivilisation zu erfassen und die Vielschichtigkeit der eigenen Kultur zu begreifen erfordert nicht intellektuelle Distanz, sondern direkte und unmittelbare emotionale Anteilnahme. Lassen wir etwa die Enge des Deldorfer Armenhauses auf uns wirken und lesen wir die Dokumentationen über Armut in der jüngeren Geschichte, so entfährt uns vielleicht jener Seufzer: ” Oh mann….ein Glück, dass es uns besser geht als denen damals in diesem Haus.”
Und “die damals im Armenhaus” könnten ähnlich geseufzt und dem Bürgermeister gedankt haben, dass sie nicht als Obdachlose der Winterskälte ausgeliefert sein mussten.- Wohlstand ist relativ und das direkte Gefühl dafür könnte uns angesichts von Facebook und Bad Banks leicht verloren gehen. Das Museum hilft! Und es lehrt uns, was lebensdienliches und nachhaltiges Wirtschaften im kleinen und im großen Stil bedeuten kann.
“Unser Museum” sind wir selber mit all unseren Erfahrungen, Skills, Hoffnungen und Sehnsüchten. Aber auch mit unseren Ängsten. “In der Geschichte der Menschheit diente die Technik dem Menschen zum Überleben, die Kultur dem Zusammenleben…Nur wenn wir die Leitwerte unserer Kultur in der Welt des technischen Zusammenlebens dauerhaft und immer wieder neu verankern, wird ihre Rolle eine heilsame sein und nicht eine, die unsere Gesellschaft zersplittert und unseren Gemeinsinn zerstört.” [R.D. Precht, Die Kunst kein Egoist zu sein, München 2010,S.485] - Genau das: im Museum lässt sich Gemeinsinn erkennen und erleben - wenn es denn genügend “belebt” ist.
Am 1. September 1939, am Morgen eines warmen Spätsommertages zerbombten die Nazis mit Sturzkampfbombern und ohne jede Vorwarnung das kleine Städtchen Wielun, etwa 20 km östlich der deutsch-polnischen Grenze gelegen. Die 13 000 Einwohner wussten nichts von Krieg oder Besatzung und waren der Situation hilflos ausgeliefert. Es gab keine Bunker oder Sirenen. Die Innenstadt wurde zu 70% in Schutt und Asche gelegt, darunter ein Krankenhaus. 1300 Menschen - 10% der Einwohner - wurden so ermordet.
Die Menschen - Babys, Kinder, jüngere und alte Menschen, kranke und gesunde - verbrannten, eingeklemmt unter den Trümmern ihrer Häuser. Sie schliefen friedlich, ...und plötzlich war alles aus.
Warum???
Weil ein Wahnsinniger 1933 die Macht bekommen hatte und Millionen Deutsche ihm huldigten, blind vor Führerverehrung.
Wie konnte das passieren?
Führerverehrung und quasi willenlose Abhängigkeit der Menschen vom Führer wurde mit psychologisch perfektionierter Taktik per Gleichschaltung aller Informationskanäle erzeugt. Wer kritisch war oder anders dachte wurde aus dem Land geekelt oder gleich umgebracht.(...und trotzdem leisteten Mutige unter Einsatz ihres Lebens Widerstand!) Rhetorische Drohgebärden, eine menschenverachtende Rassen-Theorie, “schneidiges Auftreten” und billige Abenteuerlust und Ostfahrt-Romantik - das waren die Mittel der Gehirnwäsche und damit konnte man kritiklose und entwurzelte Menschen für sich und für die Idee einer Okkupation Polens begeistern.
So einfach ist das also?
“Ja! - Ja, ganz einfach… wenn keiner aufpasst!” sagte mein Vater, Jahrgang 1925.
Simone Weil - Selbstaufopferung für Frieden und soziale Gerechtigkeit
Impressionen einer Ausstellung in Wismar
Man kommt einfach nicht zur inneren Ruhe, die man sich als Qualität für ein gutes Leben wünscht. Kaum hat man sich damit abfinden müssen, dass Thilo Sarrazin SPD-Mitglied bleibt, kaum haben Migranten und Migrantinnen die Leitkultur-Angriffe unserer Regierung vom Herbst letzten Jahres verdauen müssen, kocht wieder überall die braune Suppe des Argwohns und des Hasses, des Misstrauens und der nationalen Selbstbeweihräucherung.
Selbst gute Freunde, die man für weltoffen und tolerant hielt, sehen plötzlich “im Islam” ein Schreckgespenst und wollen offensichtlich nicht mehr zwischen Islamgläubigen und religiösen Hardlinern oder Übereiferen unterscheiden. Da werden die Ohren plötzlich taub, wenn ich mit Tahir al-Kadri argumentiere, der den koranbasierten Islam in seiner Fatwa 2010 mit Demokratie und Menschenrechten vereinbar hält und Terroristen als Ungläubige verurteilt.
Nun vor kurzem das Bombenattentat und die planmässige Hinrichtung von Jugendlichen in Oslo. Die offensichtliche Nähe des Attentäters zur English Defense League lässt schon aufhorchen. Ich habe Sorge, dass die skandinavischen Staaten insgesamt dem Druck von rechts nicht mehr gewachsen sind. Das Prinzip Nulltoleranz gegen Rechtsextremismus bei gleichzeitiger Offenheit und Meinungsfreiheit ist allerdings ein Seiltanz, der vermutlich staatlichen Institutionen nicht mehr gelingen könnte. Um so wichtiger nun die Erkenntnis: jeder einzelne Mensch in seinem ganz persönlichen Umfeld muss gegendrücken und gegen Menschenverachtung, Hass und Gewalt arbeiten…leichter gesagt als getan, ich weiß. Zumal nach den jüngsten Studien (im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung etwa) mehr als die Hälfte der Bevölkerung unserer Bundesrepublik eine mehr oder weniger starke Tendenz zum rechtsextremen Denken und Urteilen zeigt. Und diese Haltung ist in allen Gesellschaftsschichten gleichermaßen spürbar.
Irgendwie ist unser Sommerurlaub nicht nur von Sturm und Regen, sondern auch von rechtsextrem dunklen Wolken überschattet. Wir fahren durchs westliche Mecklenburg. Jungnazis - aber auch ein alter Nazi - heben die Hände zum Hitlergruß. In fast allen Dörfern und Kleinstädten leuchten die NPD-Plakate mit Botschaften wie “Sei kein Frosch, wähle deutsch” oder “kriminelle Ausländer raus”. Das Wörtchen “kriminelle” ist allerdings kleingedruckt und so bleibt allein die Aussage “Ausländer raus” in den Hirnen der Vorbeifahrenden haften. Diese Plakate finanziert der Steuerzahler und in meinen Augen ist diese Aussage nicht mit unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung vereinbar. Das schürt Hass, grenzt aus. Doch die NPD darf solche Plakate aushängen und ist gut geschützt dank dieser V-Leute des Verfassungsschutzes. Ich bin sicher, dass ein NPD-Verbot zwar ein Zeichen in die richtige Richtung oder zumindest ein gutes Signal wäre, doch ist die rechte Szene äusserst anpassungsfähig und verkleidungsfreudig. Man ist schliesslich in der Kommunalpolitik sowie auf europäischer Ebene erfolgreicher….
Ist der Zug schon abgefahren und haben wir den gewaltigen Rechtsruck in Europa mal wieder verschlafen? Wie können wir Mitmenschen zu friedlichem Miteinander überzeugen? Das geht nur im Nahbereich…Mensch zu Mensch.
In Wismar sitzen wir in der Nachmittagssonne vor der Nikolaikirche. Irgendwo in den Gassen brüllt eine offensichtlich alkoholisierte Gruppe von Nazis los. Wir betreten die Kirche - und plötzlich wie durch eine Fügung geht die Sonne auch in mir auf: ein kleiner Nebenraum beherbergt Stellwände mit Fotografien und Texten. Die Leute drängeln sich und blicken ergriffen. Man fragt sich, warum diese langen Stellwände nicht im Hauptschiff der Kirche stehen. Die Assoziation zu mittelalterlichen Altarbildern drängt sich mir auf. Ein großartiger Altar, der sich schamhaft in einem kleinen Nebenräumchen - nicht größer als vielleicht eine Sakristei - versteckt. Die meisten Kirchenbesichtiger gehen entsprechend desinteressiert vorbei. Doch die, die es in den kleinen Raum geschafft haben, erleben den Nahbereich “Mensch zu Mensch” im wahrsten Sinne des Wortes…und erleben den möglichen Weg zum Frieden. In der Lektüre von Texten der französischen Philosophin und Kämpferin für die Menschenrechte: Simone Weil.
Zahlreiche Schwarzweiss-Fotos aus der Weimarer Republik bis zur Gegenwart konfrontieren den Ausstellungsbesucher mit dem realen Menschen, der Macht ausübt oder leidet, der arbeitet oder keine Arbeit hat, der krank ist oder gesund oder in der nächsten Sekunde erschossen wird. Menschen in allen Lebenslagen und überall auf der Welt, scheinbar wahllos zusammengestellt. Doch Themen wie Krieg, Gewalt gegen Menschen, soziale Ungleichheit, Macht des Kapitals, Nationalsozialismus heute und damals, Flucht in die Drogen werden alsbald deutlich und das Thema der Ausstellung “Die gefährlichste Krankheit” wird schnell konkret.
Simone Weil schrieb: “Die Entwurzelung ist bei weitem die gefährlichste Krankheit der menschlichen Gesellschaft. - Wer entwurzelt ist, entwurzelt. - Wer verwurzelt ist, entwurzelt nicht. - Die Verwurzelung ist vielleicht das Wichtigste und meistverkannte Bedürfnis der menschlichen Seele.”
Simone Weil schrieb dieses Fazit ihrer Überlegungen kurz vor ihrem Tod 1943. Sie starb - nur 34 Jahre alt - an Hunger und Tuberkulose im britischen Exil. Sie hungerte aus Solidarität zu den Armen.
Mein pädagogischer Garten: Heinrich Vogeler und Célestine Freinet
Pädagogische Grundlagen der Musikwerkstatt Rzeszut
Öfters werde ich gefragt, was denn die Grundlagen meiner Pädagogik seien. Interessieren tut dies besonders die Eltern unserer kleinen Musikschüler und -Schülerinnen. Erwachsene, die bei uns Instrumente lernen sind allerdings auch an dieser Frage interessiert. Neuerdings werde ich auch in Zusammenhang mit “Projektschule Museum” danach gefragt.
Für mich selber, der seit Mitte der 1970iger Jahre sein Brot mit Technik, Musik und Pädagogik verdient, ist ein kurzes Resümee “meiner Pädagogik” in der Mitte meines 6. Lebensjahrzehnts durchaus reizvoll. Nachdem ich selbst jahrzehntelang gelernt und “genommen” habe, möchte ich nun auch einmal “weitergeben” - und wenn es auch nur Anregungen für jene Art von Lehrerarbeit ist, die selbständig denkende Menschen - egal welchen Alters - “begeistert”. Die Pädagogik, die mir persönlich am meisten liegt ist die am frühen Sozialismus orientierte Reformpädagogik der frühen 20iger Jahre und die sog. Alternativpädagogik der 60iger,70iger und 80iger Jahre.
Angesichts der gegenwärtigen pädgogischen Ratlosigkeit (besonders auf der kultusministeriellen Ebene) kommt es - wie ich meine - immer mehr auf die Initiative und Ideen Einzelner an, die im öffentlichen und privaten Schulwesen tätig sind. Das schlingernde Schiff, das sich staatliche Schule nennt, ist aus meiner Sicht ein klarer Fall für die Reparaturwerft, um die Schwimmfähigkeit wiederherzustellen. Kosmetische Reparaturen, wiederholte schöne Anstriche usw. sind auf Dauer zu wenig. Der Lack ist ab und der Kahn braucht eine sichere und ausreichende Finanzierung. Besonders wichtig: die Mann- und Frauschaft (Lehrer) sollte verdoppelt werden und Sozialpädagogen müssen an Deck. Verkleinerung der Klassen, die Einstellung zusätzlicher Lehrer/Erzieher in erheblichem Umfand und ein klares ganzheitliches Schulkonzept (etwa jenes von Célestine Freinet) könnten den alten Kahn wieder flott machen.
Schule ist wie ein Garten! Welcome to my garden! Ich mache mit Ihnen nun eine kleine Führung.
Selbst abschalten und Strom bei den Strommixern kaufen!
“Wasser, Wind und Sonne! - Atomkraft in die Tonne!” 3500 AKW-Gegner gröhlten diese Forderung letzten Samstag in Kiel - zusammen mit 160 000 AKW-Gegnern bundesweit. Als Teil-Erfolg unserer Anti-AKW-Demonstrationen der letzten Monate können wir durchaus die angeplante Abschaltung unserer alten Schrott-Meiler sehen. Doch glauben wir das erst, wenn dieser Beschluss als Gesetz formuliert verabschiedet wird und der Rückbau wirklich beginnt.
Die Regierung hat sich schliesslich auch nicht an die Empfehlung der sog. “Ethik-Kommission” gehalten, die für weniger Jahre plädierte und Hintertürchen nicht empfahl. Was also letzten Sonntag von Merkel und Co “beschlossen” wurde, könnte also auch mal wieder Wahltaktik sein… wer weiß das schon so genau?
Was wir also von Röslers “Pufferkraftwerk” halten sollen,...na ja. Der Typ ist immerhin Arzt und sollte über die negativen Auswirkungen der Atomtechnologie besser informiert sein.
Ich empfehle Herrn Rösler und allen anderen Nuklear-Enthusiasten in Regierung und Wirtschaft da unbedingt die Lektüre der Website der IPPNW - Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges, Ärzte in sozialer Verantwortung e.V: “Die atomkritische Ärzteorganisation IPPNW kritisiert den Beschluss der Regierungskoalition, die Bevölkerung weitere 3.650 Tage der Gefahr eines Super-GAU im dicht besiedelten Deutschland auszusetzen, als verantwortungslos.” [zitiert nach ]http://www.ippnw.de/]
Kaum eine politische Lobby solidarisiert sich zur Zeit mit jener Million AKW-Gegner, die hierzulande und regelmäßig montags und samstags gegen die AKWs und gegen nukleare Rüstung demonstrieren gehen. Allein Die Linke plädiert für “Abschalten sofort!” - ebenso gradlinig, wie sie sich gegen Bundeswehreinsätze im Ausland ausspricht. Interessant: für beide Thematiken setzten sich vor Jahrzehnten einmal die Grünen ein….macht nix, die Zeiten ändern sich deutlich und der Protest der Massen kann nicht mehr totgeschwiegen werden. Wir lassen uns von den Interessen einer kleinen reichen Oberschicht nicht dominieren, zeigen klar die Gier nach Gewinnmaximierung per Kernspaltung auf und gehen jetzt zum friedlichen aber entschiedenen Protestkampf über, weil alle Überzeugungsversuche mit stichhaltigen und sachlichen Argumenten nichts mehr zu nützen scheinen.
Macht man Ohren und Augen wirklich einmal in diesen Tagen deutlich auf und schaut man etwas weiter, als der Arm lang ist, so geht es bei allen AKW-Diskussionen der Befürworter ausschliesslich um wirtschaftliche Vor- und Nachteile. Kurz: um das große Geld, nicht aber um das Wohl und die Gesundheit des Menschen! Und welche Engpass-Dramen werden da inszeniert…es ist unglaublich, wie wir da verarscht werden. Die Vorständler der großen Energiekonzerne müssen allerdings nicht auf ihre Traumhonorare verzichten, um die sie nun weinend ringen: der Rückbau der bundesdeutschen AKWs wird sie noch bis weit über 2050 mit Steuergeldern füttern…
Schalten wir also die AKWs einfach selbst ab! Seit 50 Jahren wollten wir sie sowieso nicht. Man hat sie uns aufgedrückt, weil Atomtechnik prestigeträchtig sei. Wir sehen momentan an Japan, was das genau bedeutet.
Wie denn das, AKWs selbst abschalten? - Aus der Steckdose kommt doch immer auch Atomstrom, oder?
NEIN! Das ist alles Moppelkotze, genau wie der Spruch, dass ohne Atomstrom die Lichter ausgehen.
Ich entscheide mich ganz einfach für einen Ökostromanbieter und bezahle und fördere dann mit meiner Stromrechnung ausschliesslich die Produktion von erneuerbarer Energie und Energie aus Kraft-Wärme-Kopplung mit Erdgas. Mein Strom stammt also nicht aus irgendeinem dieser unberechenbaren Meiler, die eher Zeitbomben gleichen und damit habe ich etliche Menschenleben gerettet.
Wir sind mit unserer Musikwerkstatt in Kiel seit Jahren Kunde von Die Strommixer GmbH in Jemgum. Der Strommix ist überzeugend und enthält keinen Strom aus AKWs. Die Stommixer sind auch keinesfalls an Atomkonzernen beteiligt oder von ihnen abhängig. Ausserdem ist ihr Strom bundesweit verfügbar. Der Wechsel von unserem alten Anbieter “Stadtwerke Kiel” verlief reibungslos und die Strommixer nahmen mir alle Arbeit der Umstellung und die Kündigung des alten Vertrages ab. Ausserdem gab und gibt es für ein Jahr Preisgarantie und Gebühren für den Wechsel fallen nicht an.
Wir können sogar ausschliesslich die Strommixer empfehlen, und zwar deswegen, weil es der einzige Ökostromanbieter ist, der ohne Werbung und große Verwaltung auskommt. Ich zitiere im Folgenden aus dem “Profil”:
“Aus der zukunftsweisenden Idee einer sozial-ethischen Initiative heraus 1989 entstanden, produzieren die Strommixer-Initiatoren bereits 1992 umweltfreundlichen Strom mit eigenen Windkraftanlagen (Opens external link in new windowisrwind.de), speisen ihn ins öffentliche Netz der „großen” Versorger.
Im März 2001 wird die Strommixer GmbH von 14 Privatpersonen gegründet. Aufgabe: Der Handel mit ausschließlich sauberer Energie als echte Alternative zu den “grünen Töchtern” herkömmlicher Energieversorger. Neben der Vermarktung von regenerativer Energie aus der nordwestdeutschen Region gehört auch die Produktion solcher Energie zum Profil der Strommixer. Windkraftanlagen an verschiedenen Orten im Rheiderland und weitere realisierte wie geplante Projekte sind dafür Beleg.
Die Strommixer sind in Nordwestdeutschland der einzige unabhängige Stromanbieter und unterscheiden sich von den übrigen Stromanbietern durch die Transparenz der Unternehmensziele. Mindestens 20% der Gewinne werden garantiert in ökologisch-soziale Projekte reinvestiert. Die Realisierung dieser Projekte ist neben dem Handel mit Energie gleichberechtigtes Unternehmensziel.
Mit heute ca. 8.000 Kunden (Stand Oktober 2009) und 6,5 Mio € brutto Umsatz (für 2009) befinden wir uns auf einem stetigen Wachstumskurs, der unsere Philosophie bestätigt.” [zitiert aus ]http://www.die-strommixer.de/unternehmen/profil/]
Sollten also Atomstromkunden wegen der Honorarausfälle in den Vorständen der führenden vier großen Energiekonzerne kräftig zur Kasse gebeten werden, so tangiert uns das nicht - und leider wird da auch kein sog. “Solidaritätsprinzip” greifen. Die Scherben der Atomenthusiasten und -Nutzer sammeln wir Ökostromnutzer nicht auf!
Und noch eins: Atom-Boykott bedeutet auch, all den unnützen Kram nicht zu kaufen, der bei unseren Discountern massenhaft verscherbelt wird. Im privaten Konsum können wir massenhaft Energie sparen. Und jede Kilowattstunde, die wir intelligent sparen, kann jemand anders sinnvoll nutzen!
Uwe Polkaehn (DGB-Vorsitzender Bezirk Nord)
Professor Rosenau (theologische Fakultät der Universität Kiel
AVANTI
BUND
Greenpeace
IPPNW
x-tausendmal quer
Musik:
Käpt’n Kümos Marching Band (Flensburg, Samba)
Feijoanda (Samba)
The Clerks (Köln, Ska)
Kseniya Simonova erinnert an die Tschernobyl-Katastrophe
...aktueller denn je!
Nun wissen wir es, was wir eh schon dachten: die Kernschmelze in Fukushima ist in vollem Gang und die Verantwortlichen (AKW-Betreiber, japanische Regierung usw.) haben seit Wochen verheimlicht und gelogen. Hunderte von Menschen werden zur Zeit dem Versuch geopfert, noch eben zu retten, was nicht mehr zu retten ist. Aber man gibt sich Mühe, man entschuldigt sich, man hat es eben raus, wie man die Menschen für dumm verkauft. Die flexiblen Alurohre, die die Todeskommandos in Fukushima verlegen, sehen perfekt nach Problemlösung aus. Klappt es nicht, wird man weitere Kamikaze-Methoden erfinden um der Welt zu beweisen, dass Japan technisch auf höchstem Niveau steht….wie damals in Tschernobyl…
Womit man in Japan und anderswo allerdings merkwürdigerweise nicht rechnet, ist dass der “normale Mensch” oder “der Laie” durchaus Durchblick hat und sehr gut beurteilen kann, ob eine Technologie ausgereift und ohne viel Aufwand und Gefahren beherrschbar ist oder ob sie es nicht ist. Schliesslich bleiben unsere Fachleute nicht stumm und es ist nicht so leicht, Wissenschaftlern hierzulande einen Maulkorb zu verpassen, der sie am Sprechen und Beurteilen hindert. Schliesslich haben wir hier in der Bundesrepublik die stärkste Anti-AKW-Bewegung weltweit und da machen auch Fachleute und Wissenschaftler mit!
Doch was in Japan gerade läuft, kann und wird überall auf der Welt, in Europa, in der BRD bei den kommenden AKW-Katastrophen jederzeit wieder genauso ablaufen. Ich meine den Vorgang des Belügens. Ich erinnere den aufgebrachten Japaner, der einen Tepco-Funktionär wütend anschrie und ihn der Lüge bezichtigte. Soetwas sieht man selten im Lande der aufgehenden Sonne.
Der Mensch lügt in ausweglosen Situationen gern, und besonders gern, wenn er an all die goldenen Kälber denkt, die es zu retten und umtanzen gilt: Wohlstand, Produktion, wirtschaftliche Macht, nationaler Stolz usw. Technisch ist sowieso klar: Brokdorf kann jederzeit genauso hochgehen wie Fukushima. Meist sind es banale technische Probleme, mit denen stets “niemand rechnen konnte”...wie damals in Tschernobyl…
Das Belügen der Menschen, auch “Wähler” genannt, ist das, worum es geht. Die prekäre technische Seite steht klar ausser Frage: Frau Merkel ist Physikerin mit Schwerpunkt Strahlenforschung. Sie weiss genau, (und spätestens seit damals in Tschernobyl…) was ein Supergau ist und eine bessere Fachfrau in Sachen Atomfragen können wir uns an der Spitze unserer Republik in dieser Beziehung gar nicht wünschen. Ich würde sagen: das könnten, was Sachverstand und technischen Durchblick betrifft, geradezu optimale Bedingungen sein.
Frau Merkel hat auch die Tschernobyl-Katastrophe erlebt. Sie war damals 32 Jahre alt (zufällig genau so alt wie ich). Das ging an uns damals nicht so einfach vorrüber und ich glaube nicht, dass es in Sachen Angst und Trauer einen besonderen Unterschied zwischen Ost und West gab. Wir litten alle unter Desinformation, doch die gemessenen Strahlenwerte überzeugten. Jeder zitterte….damals nach Tschernobyl…
Also: als klar war, was in Fukushima läuft, hätte Frau Merkel aufgrund eigener Erfahrungen und eigenen Fachwissens ein komplettes Abschalten der AKWs erstmal anmahnen und im weiteren durchsetzen müssen. Dass man dafür die richtigen Gesetze und die bitte schnell braucht, ist auch klar. Dass unsere AKWs alle unsicher sind, weiss Frau Merkel nicht erst nach dem letzten “Stresstest”...Frau Merkel ist schliesslich Physikerin und brauchte eigentlich nur ihre ganz persönliche technisch fundierte Sicht der Dinge auszusprechen. Und der Flugzeugabsturz auf ein AKW war immer Thema in 50 Jahren deutscher AKW-Geschichte.
Frau Merkel sagt nicht ihre Meinung: sie sitzt das Problem nach alter CDU-Manier aus. Sie macht sich selber was vor und sieht das parteimeinungstechnisch. “Moratorium” klingt nach was (erinnert doch irgendwie an “Oratorium”, nicht war?) und wirkt überzeugend. Das “Moratorium” ist Augenwischerei, denn am 27. Mai ist es vorbei.
Auch “Ethikkomission” macht was her. Dass das Wort “Ethikkomission” sich in den letzten Jahren unbemerkt in die Wirtschaft eingeschlichen hat, kommt Frau Merkel ganz gelegen. Jeder weiss, dass Ethik direkt mit dem Menschen zu tun hat und der Begriff “Ethikkommission” wurde Mitte der 70iger Jahre einzig zu dem Zweck gewählt, daß Mediziner und Wissenschaftler sich zusammensetzten, um den Menschen oder die Menscheit vor negativen Folgen der Forschung zu schützen. Daran aber denkt Wissenschaftlerin Frau Merkel nicht.
Eine “Ethikkommission” sollte sich also wirklich nur auf die Gesundheit des Menschen konzentrieren und nach der ersten Sitzung müsste sich eine solche Kommission darin zu 100%ig einig sein, dass die Atomforschung sich seit der ersten Atombombe auf Hiroshima vor 66 Jahren schädlich auswirkt, dass im Kalten Krieg und bis heute die Atomsprengköpfe die ganze Welt permanent bedroht haben und noch bedrohen und dass Atomkraftwerke seit 50 Jahren technisch so primitiv gebaut sind, dass sie eine permanente Bedrohung der Gesundheit darstellen. Die Entsorgung des Atommülls ist nicht gewährleistet. In Gorleben und anderen geplanten oder benutzten End- und Zwischenlagern strahlt bald das Trinkwasser und der Uranabbau fordert seit geraumer Zeit Menschenleben. Tschernobyl und nun auch Fukushima zeigen dramatisch, dass alles, was wirklich jeder Mensch weiß, auch so ist.
Die Ethikkommission arbeitet jedoch erklärterweise leider nur “mit Augenmaß”, und so kann man schon mal gelegentlich den Menschen und dessen Gesundheit glatt übersehen! Macht nichts, schliesslich kann man sich ja, wenn es mal wieder in einem AKW geknallt hat, erfurchtsvoll vor der Bevölkerung verneigen und sich “entschuldigen” (Tepco zeigt wie es geht).
Statt “Augenmaß” ist allerdings ein sehr genaues Hingucken erforderlich. Verschwommene Sichtweisen fallen zur Zeit überall auf. Wir sind nicht blind und lassen uns nicht von Euro-Umsätzen blenden!
In der “Ethikkommission” geht es allerdings nur um Geld. Man nennt es “Bezahlbarkeit des Ausstiegs”. Ziemlich verlogen finde ich das. Menschenleben darf man niemals und nimmer gegen Geld aufwiegen, oder? Das verstösst voll gegen alle ethischen Prinzipien , die ich kenne.
Realität ist diese: es geht nicht um die Gesundheit des Menschen. Goldenes Kalb und Babylon - um diese fundamentalen biblischen Begriffe einmal zu bedienen, in denen unsere Ethik verankert ist - sind Gegenstand der Überlegungen der sog. Ethikkommission. Nicht der MENSCH.
Warum? Mit einem Atommeiler verdient der Betreiber täglich 1 Million Euro (trotz aller Pannen und Abschaltungen) - das soll nun vorbei sein? Das Atomgeschäft ist das einzige Geschäft, wo man keine Betriebshaftpflichtversicherung braucht - eine solch gute Chance soll man sich entgehen lassen? NEIN! - Koste es was es wolle…auch gern Menschenleben (wie damals in Tschernobyl…)
In einer Zeit, in der es wieder national tönt und Nazis geschützt werden, in der Miliardäre wie Pilze aus dem Boden wachsen und Mangagergehälter astronomische Höhen erreichen, die Armen für dumm gehalten werden, da muss man doch realistisch sein und “mit Augenmaß” handeln, nicht überstürzt bitteschön und immer hübsch langsam….wie damals nach Tschernobyl…
Ja, Frau Merkel, wir glauben Ihnen genau das: eben, mit Augenmaß kommen wir da nicht weiter, wir müssen schon sehr genau hingucken und DEN MENSCHEN und seine Gesundheit im Zentrum des Interesses behalten. Ohne den gesunden Menschen kann der “Standort Deutschland” schnell genauso aussehen wie heute die Gegend um Tschernobyl. Fahren Sie doch mal in die Ukraine nach Pripjat und gucken Sie sich doch mal an, wie Todeskommandos - die täglich mit Bussen zum Tschernobyl-Reaktor gefahren werden um den Rückbau zu besorgen - in der Mittagspause am strahlend schönen Kühlwassersee sitzen und Fische fürs Abendessen angeln!
Am Ostermontag trafen sich Atomkraftgegner in Brunsbüttel. ca. 6000 Menschen gedachten der Tschernobyl-Katastrophe und skandierten: “ABSCHALTEN!” Ich hoffe, Frau Merkel, Sie haben es gehört, da Sie für unsere Gesundheit die volle Verantwortung tragen!
Die Tschernobyl-Katastrophe wurde übrigens durch einen praktischen “Stresstest” ausgelöst: am 26.April 1986 simulierte man einen Stromausfall am Reaktor. Man wollte damit demonstrieren, wie gut die Notstromversorgung funktionierte. Aber das klappte nicht. Der Reaktor war eine Fehlkonstruktion und es passierte, “was man niemals für möglich gehalten hätte”...der Reaktor explodierte, die Bewohner der Stadt Pripjat wurden im Schlaf überrascht. Danach meldete die Kraftwerksleitung, dass der Reaktor intakt geblieben wäre, was gelogen war. Man log in Tschernobyl also genauso wie in Fukushima.
Man lügt bis heute auch, was die Zahlen der Strahlenopfer nach Tschernobyl betrifft. Bis heute werden 5 Millionen strahlenverseuchte Menschen in der näheren Umgebung des Reaktors medizinisch versorgt. Etwa 1 Million Menschen sind während der letzten 25 Jahre verstorben und sterben zur Zeit an den Folgen der Reaktorkatastrophe. Von zuständiger Seite lügt man allerdings emsig die Zahlen herunter, als ob dies einen Unterschied mache. Doch die Realität bringt alle Lügner zum verstummen und heute spricht die “Generation Tschernobyl” weiter und kämpft verbissen gegen das Lügen und Vertuschen. “Generation Tschernobyl” sind all jene, die meine Kinder sein könnten und Mitte der 1980iger geboren wurden. Sie melden sich deutlich zu Wort. In der Ukraine schmeissen sie mit Sand um sich und gegen die Lügner. Vor dem Werkstor von Brunsbüttel schreien sie laut “ABSCHALTEN!!!” und manchmal begegnet man ihnen dort, wo man garnicht denkt.
Projektschule Museum - Sozialgeschichte begreifbar vermitteln
...auf der Landesgartenschau Norderstedt wurde Richtfest gefeiert
Brütende Hitze - die staubige Kiesfläche will so garnicht zu einer “Landesgartenschau” passen. Ein starker Wind weht von der Wasserfläche und eine Fünfjährige sägt mit einer Puksäge die 20 x 20 mm Leiste aus wohlduftendem Kiefernholz sauber und gerade auf 140 mm Länge ab. Ihr zwei Jahre ältererer Bruder leimt den Türsturz vorsichtig auf und wischt den überquellenden Kaltleim sorgfältig ab. “Wozu ist diese Tür? Ging das hier in die Küche?” - “Ja, in die kleine Küche und Backstube - da war auch ein Backofen.” - Aha!” - “Wo waren denn die Schweine?” - “Schweine hatten die Kolonisten nicht - zu arm - keine Essensreste zum Füttern.” - “Aha!...die armen…nicht mal Schweine…”.
Der Türsturz schwimmt etwas auf dem Leim, bewegt sich, die Leiste kann noch ein paar Sekunden justiert werden - dann sitzt sie fest. Vorher hatte eine Vierzehnjährige die Wand neben dem Türdurchlass auf 40 mm erhöht und gab dem helfenden Pädagogen locker zu verstehen: “Lass man…ich mach das hier schon alleine…” Sie hatte nicht zum ersten Mal eine Säge in der Hand, das war schnell zu merken. “Auf dem Dachboden lag das Getreide, oder?” - “Ja, die Halme mit dem Stroh. Gedroschen wurde später auf der Deele. aber soviel Getreide gabs damals garnicht. Die Kolonisten bauten Buchweizen an und Kartoffeln.” - “Aha…Buchweizen? Kenne ich garnicht.” - “Eine alte Pflanze aus Asien, die kleinen Nüßchen musste man mühsam schälen und aus den kleinen Kernen konnte man Grütze kochen.” Ein etwa Zehnjähriger baute ziemlich verbissen alle Fensteröffnungen der Südostwand mit einer Genauigkeit von 2 mm ein. Das alles war am Nachmittag. Das Haus steht nun im Rohbau (siehe Fotos). Eine Komposition aus Kiefernholz und Leim.
Tolle, freundliche, informative und mit profunder Fachkenntnis geschriebene Rezension. Da lernt auch ein dicker Hippie noch was. Tausend goldene Fleißpunkte!