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Donnerstag, 15. Dezember 2005

Bulgarien ErHören

Ein Folklorefestival (Sabor) für Volksmusik – Koprivshtica 2005

Wenn man im Urlaub in ein fremdes Land reist, kauft man sich einen Reiseführer und schaut nach den Sehenswürdigkeiten. Doch oftmals sind es Hörenswürdigkeiten, die einen Ort zu etwas ganz Besonderem werden lassen und eine Atmosphäre des „Sich-Anders-Fühlens“ erzeugen. Mein Vorschlag wäre, den Versuch zu wagen, ein Land nicht nur zu beSichtigen, sondern auch zu erHören. Das ist gar nicht leicht, denn Sehenswürdigkeiten bleiben immer an einem Ort, sie können auf Karten verzeichnet werden und es können Reisen zu den Orten des Sehens organisiert werden. Hörenswürdigkeiten, nennen wir sie der Einfachheit halber „Musik“, sind temporal. Musik ist nicht an konstante Orte gebunden, sie kann überall und nirgends erklingen. Wie kann man nun herausfinden, wo in einem fremden Land Hörenswürdigkeiten stattfinden, wo gesungen und gespielt wird, wenn man das nicht einfach auf einer Karte verzeichnen kann? Zuerst muss man natürlich wissen, was für Musiken in einem Land existieren und welche Klangsphären man erwarten und suchen kann. In Bulgarien findet man, wie auch in jedem anderen Land mit Großstädten, Opern- und Konzerthäuser, ja sogar Amphitheater, Kammermusiksäle, Diskotheken, Rock- und Techno-Clubs. Diese Musikorte werden den Reisenden vertraut vorkommen und nicht sonderlich in Erstaunen versetzen. Anders wird es, wenn der Besucher sich den Kirchen und Klöstern zuwendet, wo er mit etwas Glück orthodoxe Kirchenmusik in byzantinischer Tradition hören kann, die für das abendländisch temperierte Ohr merkwürdig fremd klingt. Orientalische Assoziationen werden den Hörer erwarten, wenn er sich in eine Čalgothek – ein Club für Folkpop – einfindet, wo Diskomusik mit Bauchtanz und orientalischen und folkloristischen Elementen gemischt wird.

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Geschrieben von Deniza Popova am 15. Dezember 2005 um 18:09 Uhr
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