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    <title type="text">Das Tönchen</title>
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    <updated>2010-07-30T10:55:33Z</updated>
    <rights>Copyright (c) 2010, Martin Rzeszut</rights>
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      <title>Korröfolkmusikfestival 2010</title>
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      <published>2010-07-30T10:21:32Z</published>
      <updated>2010-07-30T10:55:33Z</updated>
      <author>
            <name>Martin Rzeszut</name>
            <email>martin.rzeszut@musikwerkstatt-rzeszut.de</email>
                  </author>

      <category term="Musikfestivals"
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        label="Musikfestivals" />
      <content type="html"><![CDATA[
        <p>Dieses Jahr machen wir Urlaub in Schweden. Den Entschluß fassen wir als es noch Winter ist und bitterkalt. Als Folkmusikfreunde stellt sich für uns natürlich die Frage, ob nicht der Besuch eines schwedischen Folkmusikfestes mit eingeplant werden kann. Nach ausführlicher Recherche kommen wir zu dem Schluß, dass das Korröfestival von der Lage des Veranstaltungsortes und vom Zeitpunkt her gut passen könnte. So kommen wir am 22.07. Abends auf einem Campingplatz ca. 6km. Von Korrö entfernt an. Alternativ dazu gäbe es noch die Möglichkeit auf einem “Naturcamp” ca. 600 m vom Festivalgelände entfernt zu Campen.</p><p><img src="http://www.musikwerkstatt-rzeszut.de/images/uploads/körrö_zwei_thumb.jpg" style="border: 0;" alt="image" width="300" height="200" /></p> <p>Am nächsten Morgen starten wir dann aufs Festival. Karten kann man je nach gewünschter Teilnahmedauer kaufen, wir entscheiden uns für zwei Tage und bezahlen für zwei Erwachsene und unseren 13 Jährigen Sohn 840,- Kronen, das sind etwa 90 €. Unsere Tochter bezahlt noch nichts, da sie erst am 24.07. 11 Jahre alt wird. Kinder unter 12 Jahren bezahlen keinen Eintritt. Auf dem Gelände gibt es verschiedene Veranstaltungsorte, die rasch ausfindig gemacht sind. Um 12°° beginnt das Üben für das Allspeel, gemeinsames Musizieren für alle die gerne Mitmachen möchten am nächsten Tag. Die Noten dafür standen auf der Website <a href="http://www.korrofestivalen.se">http://www.korrofestivalen.se</a> einige Tage vorher zum Download bereit. Die Familie beteiligt sich mit einer Gitarre, Geige und Flöte, es macht offensichtlich allen Beteiligten viel Spaß. Der Eine oder Andere läßt einen MP3 Recorder mitlaufen um später das Eine oder Andere noch mal zu spielen.</p>

<p>Die Fülle der angebotenen Konzerte und Veranstaltungen ist sehr groß. Wir stellen fest, dass man gut daran tut sich Zuhause schon intensiv mit dem Programm zu beschäftigen, sich die interessant erscheinenden Gruppen im Internet anzuschauen um dann das eigene persönliche Programm zusammen zu stellen. Aber auch so kommen wir gut auf unsere Kosten.</p>

<p>Als erstes steht für uns Fifklang aus Hamburg auf dem Programm, die um 14:30 mit ihrem etwa halbstündigen Konzert starten. Eine Fortsetzung gibt es dann um 23:00.&nbsp; Im Anschluß streifen wir über das Gelände, bleiben beim Octagon hängen im dem sich an diesem Nachmittag die “Junge Szene”verbreitet, schauen beim “stora tält” vorbei, dem großen Zelt indem eine dänische Tanzformation Embla auftritt und zu sehr schöner Musik tanzt.</p>

<p>Einige Instrumentenbauer stellen aus, u.a. auch ein Nyckelharpabauer. Das ist schon sehr spannend und unsere Tochter die Geige spielt und immer schon einmal so ein Instrument in der Hand haben wollte, darf sich eine Nyckelharpa umhängen und probieren (siehe Bild oben!)</p>

<p>Danach geht es erst mal wieder zurück zum Campingplatz um etwas zu kochen und zu essen. Wer sich nicht selbst versorgen möchte hat auf dem Gelände viele Möglichkeiten etwas Eßbares zu kaufen.<br />
 
Am Abend herrscht genauso lebhaftes Treiben auf dem Gelände wie am Tag. Auch die Stände die Kleidung, Schmuck und Snacks anbieten sind umlagert.</p>

<p>Um 21:30 spielt Navarra. Die Gruppe spielt Eigenkompositionen mit Einflüssen aus dem Bereichen von Klassik, Jazz und Pop. <br />
Danach tritt wieder Fifklang auf, die ersten Bankreihen werden weggeräumt und es wird zu den Stücken eifrig getanzt. Wer schon auf anderen Festivals getanzt hat findet schnell bekannte Dinge und kann mitmachen.<br />
 </p>

<p>Der Samstag beginnt regnerisch und das soll auch bis Sonntag Mittag so bleiben. Vormittags findet das gemeinsame Allspeel statt, vor kleiner Zuhörerschaft, wir haben schon den Eindruck dass das Festival durch den Regen etwas gebremst weiterläuft.</p>

<p><img src="http://www.musikwerkstatt-rzeszut.de/images/uploads/körrö_drei_thumb.jpg" style="border: 0;" alt="image" width="300" height="200" /><br />
 
Nachmittags hören wir noch die Finnische Gruppe Blatensaine. Die Musik gefällt uns allen sehr gut, und die Instrumentierung mit einer elektronischen Kantele ist ungewöhnlich aber sehr schön. Es regnet immer noch heftig und ich habe langsam bedenken das Auto vom Wiesenparklatz noch wegfahren zu können. So beenden wir am Spätnachmittag unseren Festivalbesuch und fahren zurück zu unserem Wohnwagen.<br />
 </p>

<p>Zusammenfassend kann ich sagen, dass sich der Festivalbesuch auf jeden Fall gelohnt hat. Das Angebot an Konzerten ist sehr gut, man sollte sich schon Zuhause gut vorbereiten. Die Orientierung auf dem Gelände gelingt schnell und die Versorgung ist prima. Das Preiniveau der angebotenen Speisen und Getränke würde ich als eher günstig bezeichnen. Überhaupt haben wir in diesem Urlaub das Gefühl, dass die Preise hier eher etwas niedriger sind als in Deutschland. Vor 18 Jahren als wir das letzte Mal in Schweden waren war das noch ganz anders.</p>

<p>[Die TÖNCHEN! - Redaktion dankt an dieser Stelle ganz herzlich unserem Skandinavien-Korrespondenten Sebastian Steinberg nebst Familie für diese topaktuelle Berichterstattung!]
</p>
      ]]></content>
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      <title>Rotzfreche Asphaltkultur 1978&#45;2010</title>
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      <id>tag:musikwerkstatt-rzeszut.de,2009:index.php/mwr/index/1.274</id>
      <published>2009-12-28T12:52:58Z</published>
      <updated>2009-12-29T11:42:59Z</updated>
      <author>
            <name>Lukas Johannsen</name>
            <email>lukas@statttheater.de</email>
                  </author>

      <category term="Kultur aktuell"
        scheme="http://www.musikwerkstatt-rzeszut.de/index.php/site/C32/"
        label="Kultur aktuell" />
      <content type="html"><![CDATA[
        <p>Die Rotzfreche Asphaltkultur ist ein Zusammenschluß von linken und sozialkritischen Straßenkünstler_innen. Im Mai 2010 trifft sich die RAK in Kiel.</p><p><b><u>Ein Rückblick</u><p></b></p>

<p>Rotzfreche Asphaltkultur? „RAK- das sind die Anfangsbuchstaben von Rotzfreche Asphaltkultur, was wiederum die Bezeichnung für etwa hundert autonome und gesellschaftskritisch ausgerichtete Straßenmusiker und Kabarettisten ist, die sich ungefähr zweimal im Jahr treffen.“ * (1)</p>

<p><img src="http://www.musikwerkstatt-rzeszut.de/images/uploads/schiff_RAK.jpg" style="border: 0;" alt="image" width="600" height="434" /><br />
Man munkelt die RAK bildete sich 1978 als Dachverband verschiedener kultureller Gruppen auf dem “Bundeskongress der Bürgerinitiativen gegen Atomkraft”. Damals strebten viele MusikerInnen  eine Vernetzung zum Austausch und zur gegenseitigen Solidarität an „und plötzlich war sie da, die RAK- mit einem dicken Treffen in Braunschweig, vorbereitet von der „Grölgruppe“, und weiteren Zusammenkünften in Würzburg („Knacko und Konfetti“),Hannover( „Hannoveraner Atommusiker“),Köln („Kölner Straßenmusiker“)…“ (2)<br />
 
Schon bald organisierten sich Straßenmusiker, Liedermacher, Theatergruppen, Jongleure und Clowngruppen und viel mehr Kulturschaffende untereinander. Nicht alle waren bei der RAK dabei, aber alle die wollten, konnten mitmachen; die Organisation war schon immer sehr anarchisch. Es gab keine Hierarchie und keine Vorsitzenden (und wenn es einer versucht dann wird er meistens nicht ernst genommen). Wichtiger war die Solidarität und der gegenseitige Austausch.<br />
Von Beginn an durften bei der RAK alle mitmachen, die mitmachen wollten, soweit sie im weitesten Sinne ein „linkes“ Selbstverständnis hatten. Von SPD bist autonom war alles vertreten. Eine Tendenz zu Anarchismus und Anarchischem, sowie eine ausgeprägte Freiheitsliebe der meisten RAK-AktivistInnen waren freilich nicht zu übersehen. Innerhalb dieser Grenzen zeichnet sich diese Un-Organisation bis heute durch ihre Offenheit aus. Es wird auf Statuten, Mitgliedsbeiträge und Vorsitzende getrost verzichtet. Regeln werden in der Regel abgelehnt. Kein Wunder, denn mit dem Beginn der RAK befürchteten viele Straßenkünstler, dass sich die RAK zur „deutschen Vereinsmeierei“ entwickeln könnte.<br />
Mitte der 80er Jahre war das gesungene politische Lied die Hauptklammer der RAK. Aufgrund von Diskussionen, ob man nicht zu sehr den moralischen Zeigefinger erhebe, begannen sich mehr und mehr RAKis in Richtung Satire, Klamauk und Kleinkunst aufzumachen. Auch Akrobatik, Jonglage und Trommeln gewann an  Beliebtheit.&nbsp; Dieser Trend setzte sich einerseits fort, brachte in den 90ern andererseits  aber auch neue Gruppen und Leute hervor, die politische und soziale Anliegen wieder in das Zentrum ihres Programmes rückten. Die RAK wurde immer heterogener.&nbsp; </p>

<p>„Auch der Kreis der RAK- AktivistInnen blieb vom Auf und Ab sozialer Bewegungen nicht verschont. In den ersten Jahren  waren viele dieser MusikerInnen auch gleichzeitig PolitaktivistInnen und hatten eine entsprechende Praxisnähe zu dem, was sie da sangen und sagten. Das war glaubwürdig, authentisch und tatsächlich rotzfrech, wenn beispielsweise zum Sabotieren des Baus von Atomanlagen aufgerufen wurde“ (3)</p>

<p>In den verschiedenen Ausrichtungen der Rotzfrechen Asphaltkultur flammte immer wieder eine Diskussion auf: <br />
Ist RAK jetzt nur “politische Lieder gegen was” spielen, oder gehört auch Straßenmusik in weitestem Sinne dazu, wie z.B. Akkordeonmusik, die einfach die Innenstädte belebt? Ist “einfach Musik machen” schon politisch genug? Wirkt man damit schon genügend gegen das Establishment? <br />
Aber Grundsatzdiskussionen zogen sich niemals zu lange hin: Wortführer wurden einfach gepackt und an den Beinen aus dem Fenster gehalten. Erwies sich das als zu schwierig, übte man sich im Ignorieren von Kritik.</p>

<p><b></p><u>Ein Ausblick</u><p></b></p>

<p>Die Rotzfreche Asphaltkultur sieht sich bis heute in Opposition zur Massen-Konsumkultur, als publikumsnah und unkommerziell und hat viele Bands inspiriert und beeinflusst. Viele alte Bekannte waren (oder sind noch) Teil von ihr wie zum Beispiel: Milch und Blut, Der Wahre Helmut, Quetschenpaua, Klaus der Geiger und viele mehr.</p>

<p><img src="http://www.musikwerkstatt-rzeszut.de/images/uploads/dscf1099.jpg" style="border: 0;" alt="image" width="600" height="450" /></p>

<p>Heute gibt es eine wachsende Zahl von „jüngeren“ Bands im Umfeld der RAK. Wie zum Beispiel: Früchte des Zorns, Revolte Springen, Teds´n Grog, Schall und Rauch, Geigerzähler und viele andere mehr. Auf einem großen Revivalkonzert in Braunschweig Mai 2009 trafen sich „jung und alt“ der RAK um gemeinsam auf 30 Jahre Rotzfreche Asphaltkultur zurückzublicken. Schon dort zeichnete sich ein nächstes neues RAK-Treffen ab, welches vom 27.- 31.Mai 2010 in Kiel stattfinden wird.&nbsp; <br />
Auf der Internetseite des Treffens  <a href="http://www.rak-treffen.de">http://www.rak-treffen.de</a> ist eine Art Selbstverständnis zu lesen:<br />
„Wir sehen die Straße auch immer als Raum unsere Ideen, Kritiken und Träume in die Welt zu tragen und den grauen Alltag ordentlich auf den Kopf zu stellen. Musik allein hat zwar noch keine Gesellschafts"ordnung&#8221; umgeworfen, aber wir sehen unsere Kultur als ein Stück gelebte Utopie und glauben, dass sie unmittelbarer und direkter wirkt als verteilte Flugblätter. Trotz dem Straßenmusikverbot in vielen Städten, gingen wir immer wieder auf die Straße. Unvergessen bleiben jene Tage, in denen etwa 50 RAK-MusikerInnen Straßen und Plätze in Freiburg besetzten und immer dort musizierten, wo die Polizei gerade nicht StrassenmusikerInnen verhaftete.<br />
Damals traf sich die RAK regelmäßig in diversen Städten wie Wuppertal, Braunschweig, Freiburg oder Bremen. Die Treffen endeten immer mit einem gemeinsamen Galaabend, an dem jede der teilnehmenden Gruppen 20 Minuten lang auftrat. Das Programm war meist sehr lang und zeigte oft ein breites Spektrum der Straßenkunst: vom anstrengenden und mit viel Inbrunst vorgetragenem “ganz linken Lied” und Spontantheater über mehr unterhaltsamere akrobatische Nummern, folkmusikalische Darbietungen bis hin zu sehr stillen Musikperformances gab es alles, was auf die Straße passte.“</p>

<p><br />
Es lässt sich gespannt sein, wie sich die Rotzfrechen Asphaltkultur so entwickeln wird und welche Wege sie einschlagen wird.</p>

<u><b>RAK-TREFFEN Kiel 2010</b></u>

<p>Vom 27. - 31.Mai 2010 findet in Kooperation mit der Alten Meierei und der Hansa48 ein neues Treffen der Rotzfrechen Asphaltkultur statt. Es haben sich bereits sehr viele unterschiedliche Kulturschaffende und LiedermacherInnen angekündigt. Es wird viele Aktionen, Workshops und ein großes Galakonzert in der Hansa48 geben. Auf der Seite <a href="http://www.rak-treffen.de">http://www.rak-treffen.de</a> findet man weitere Informationen zum Treffen und zur Rotzfrechen Asphaltkultur im Allgemeinen.</p>

<p>(1) Klaus der Geiger: Deutschlands bekanntester Straßenmusiker erzählt.&nbsp;  Köln 1996 (Kiepenheuer &amp; Wisch), S.150</p>

<p>(2) Klaus der Geiger. Köln 1996</p>

<p>(3) Interview mit Yok. Go Stop Act!-Die Kunst des kreativen Straßenprotests.Frankfurt 2005 (TrotzdemVerlag). S.107</p> 
      ]]></content>
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      <title>Neue CD von Julain&#8217;s Wake aus Kiel</title>
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      <id>tag:musikwerkstatt-rzeszut.de,2009:index.php/mwr/index/1.273</id>
      <published>2009-11-27T14:00:07Z</published>
      <updated>2009-11-27T14:48:08Z</updated>
      <author>
            <name>Martin Rzeszut</name>
            <email>martin.rzeszut@musikwerkstatt-rzeszut.de</email>
                  </author>

      <category term="Kultur aktuell"
        scheme="http://www.musikwerkstatt-rzeszut.de/index.php/site/C32/"
        label="Kultur aktuell" />
      <content type="html"><![CDATA[
        <p>Oh klasse! Da liegt sie, die neue und erste CD von &#8220;Julain&#8217;s Wake&#8221;: auf dem Cover blökt mich grinsend ein Schaf an. Titel &#8220;Kneipenfolk - Live im Studio&#8221; Das Label heisst &#8220;schafschubser records&#8221; ...aha, deshalb das Schaf&#8230;.ja, immerhin liegen Kiel und Northumberland  ungefähr auf gleicher nördlicher Breite.</p>

<p>Auf dieser CD geht es eindeutig um das Schaf! ...auch wenn quasi zur Tarnung das Foto zweier gemütlich schlafender (Schafhüte?-)Hunde die Scheibe ziert. Beim Anhören der CD reisst mich zu guter Letzt ein heftig lautes Schafgeschrei unmittelbar nach Track 18 heftig aus dem Sessel: no doubt about: Schleswig-Holstein gehört nun endlich zu den nördlichen britischen Inseln und ich sitze offensichtlich am Firth of Kyle!</p>

<p>&#8220;Julain"s Wake&#8221;&nbsp; nennt sich eine äusserst sympathische Kieler Folk-Formation, die seit ca. 2006 zunächst in wechselnden Besetzungen und nun als Quartett den Kieler Kneipengängern ein festes Repertoire von ca. 25 Stücken anbietet. Die vierköpfige Band lebt und arbeitet in der Aubrook-Community, einem der kreativsten kulturellen Zentren im Raum Kiels, dem wir u.a. auch die Kleszmer-Band &#8220;Di Chuzpenics&#8221; zu verdanken haben.</p> <p>Das Line-up von &#8220;Julain&#8217;s Wake&#8221; (benannt nach einem verstorbenen Gründungsmitglied der Band, Julian) sind: Volker (Banjo, Bouzouki, Gesang), Annika (Akkordeon, Querflöte, Gesang), Gert (Bodhran, Tin Whistle, Gesang) und Bieni (Geige, Gesang). Als Gast spielt Chris den sog. &#8220;Gast-Bass&#8221; (sieht irgendwie nach Kontrabass aus).</p>

<p>Weil ich verrauchte und vollgedröhnte Kneipen nicht mag,&nbsp; freue ich mich nun tierisch darüber, dass es nun eine Live-CD aus dem Schafstall&#8230;.äh: Studio gibt! Ich kann jetzt gemütlich zuhause mein schottisches Bier trinken (muss also nicht in so einer von diesen ungelungenen mitteleuropäischen Imitationen irischer oder schottischer Pubs sitzen) und verstehe auch wirklich jedes Wort bei den Songs!</p>

<p>Das war nämlich das allererste, was mir beim Anhören der CD auffiel: jedes Wort ist voll verständlich. Da wird nicht ins Mikro genuschelt. Vermutlich hat man sich vor den Aufnahmen mit viel p-t-k usw. gründlich eingesungen. Dazu kommt sicherlich auch die wirklich gute Aufnahmequalität. Diese CD ist also auch in aufnahmetechnischer Hinsicht ein Genuss!</p>

<p>Ausserdem: optisch nette Aufmachung, gut lesbarer Text, informative Fotos (beeindruckend: Volker mit Gitarre) und schöne Idee: die beiden Hunde, die da Pfote an Pfote gemütlich auf der Scheibe liegen. Über die Stücke hätte man gern noch mehr gelesen (...aber da muss dann halt der Rezensent ran).</p>

<p>Und musikalisch inhaltlich? Wir bekommen rund 43 Minuten Musik in 18 Tracks. Einige sind viel zu schnell vorüber. Ach so, und dann kann man noch den Bonus Track hören, wenn man den Schafschrei überstanden hat&#8230;</p>

<p>Das &#8220;Live-Konzert&#8221; beginnt mit dem grössten Folk-Ohrwurm aller Zeiten: &#8220;Star of County Down&#8221; auf Track 1 . Die irische Ballade handelt von einem jungen Mann, der von der Schönheit eines Mädchens &#8220;mit nussbraunem Haar&#8221; elektrisiert wurde und diese dann naturgemäss später auch heiratet. Die sicher gespielte Whistle und die schön warme Geige fallen erstmal sehr angenehm auf. Der Gesang ist sehr harmonisch. Eine tolle Version, die schon zu Beginn das Schaf zum Tanzen bringt!</p>

<p>Track 2 - Streams of Whisky - die schafbrave Kopie dieses Pogues-Titels&#8230;irgendwie vermisse ich hier doch leichtes pogueistisches Chaos. Die Crew wird lustig und der Hörer fragt sich, ob überhaupt während der Tage im Studio Whisky geflossen ist&#8230;probably not. Man muss ja auch nicht alles kopieren&#8230;.</p>

<p>Track 3 - &#8220;Rakes of Mallow/&nbsp; Turra Market&#8221; (...nicht Jura Market!) -&nbsp; &#8220;Turra&#8221; ist ein kleines Kaff im Nordosten Schottlands (Nähe Delgaty Estate). Dieses Stück wird also jetzt (schmunzel) unter falschem Namen in irgendeiner GEMA-Datei landen, und ist aufgrund des Schreibfehlers weiterhin also glücklicherweise frei spielbar&#8230;.(es sei denn, der Kleinkunstveranstalter wird von der GEMA gefesselt und geknebelt, damit er &#8220;Jura Market&#8221; als &#8220;Neues Traditional&#8221; meldet&#8230;and by the way: I&#8217;m realy not amused by GEMA, liebe Wakies!).</p>

<p>Diese beiden Stücke aus aus dem Dashing-White-Sercheant-Set eines normal-schottischen Ceilidhband-Repertoires hättet Ihr wirklich länger ausspielen und fetter instrumentieren können (etwa mit dem Bass), damit sie tanzbarer werden. Das ist echt Powermusik, und das ganz ohne Macho-Texte! (Sorry&#8230;) Bodhran und Geige sind sehr schön. Die plötzliche Erhöhung der Geschwindigkeit ist unnötig und stoppt den Flow der Musik: ab dann wird sie hektisch. Ich finde es ok, wenn beim Spielen zum Tanzen die Geschwindigkeit langsam gesteigert wird, aber dann sollte das Stück auch mindestens über 10 Minuten laufen.</p>

<p>Track 4 - &#8220;Lifeboat Mona&#8221; - eine schottische Ballade von 8 wirklich mutigen Männern, die im Dezember 1959  trotz Sturm und heftigem Regen auf dem Rettungsboot namens Mona im Hilfseinsatz für das Feuerschif North Carr vor St. Andrews ihr Leben verloren und auf Carnousti Beach angespült wurden. Das Boot wurde übrigens später verbrannt, weil man glaubte, es wäre mit einem bösen Fluch belastet gewesen&#8230;..sowas ist eine typisch schottische Geschichte. Eines der mich sehr beeindruckenden Stücke auf dieser CD: ein sehr schönes Arrangement aus Banjo, Geige und Whistle umspielt die gesungenen Worte. Dazu ein treibender Akkordeonbass&#8230;die Unruhe dieser Schreckensnacht wird hörbar. Diese sehr schöne Moll-Dur-Akkordstruktur (vermutlich die Version der Dubliners war Vorbild, das Lied  stammt von Peggy Seeger) scheint ein wenig typisch für &#8220;Julians Wake&#8221;-Musik zu sein.</p>

<p>Track 5 - ein sog. &#8220;Langdans&#8221; von der schwedischen Insel Öland - sonst schneller Session-Fetzer in der Folkszene seit 30 Jahren - geriet hier zu einem sehr lyrischen Konstrukt.&nbsp; Gast-Kontrabassist Chris verleiht dieser sehr schön arrangierten&#8230;man beachte z.B. die eindrucksvolle Pause kurz vor dem Schluss!...also: dieser sehr schön arrangierten Mini-Melodie eine angenehme Tiefe. Für diese Masse an wirklich guten Arrangement-Ideen ist dieser Titel - wie ich empfinde - aber leider doch zu kurz geraten.</p>

<p>Track 6 - &#8220;Swagger&#8221; -&nbsp; Geigerin Bieni dreht voll auf und der treibende Akkordeonbass von Annika zusammen mit Gast-Bass Chris und dem lockeren Banjo von Volker machen aus diesen zweimal acht Takten ein kleines Wunderwerk. Echte Prahlerei!...was der Übersetzung von &#8220;swagger&#8221; ja voll entspricht: aus nix können also die Wakies was machen!</p>

<p>Track 7 - &#8220;Red Haired Mary&#8221; - das naive Liedchen vom Tinker-Girl aus Dingle. Annika hat hier wirklich die authentische Travelin&#8217;-Tinker-Girly-Stimme und singt das komplizierte Lied in atemberaubender Geschwindigkeit und Stimmlage. Würde mir jemand erzählen, &#8220;Julain&#8217;s Wake&#8221; wäre eine dieser schottischen Folkbands aus  Auchtermuchty oder Kirkcaldy, ich würds tatsächlich glauben. Und spätestens bei diesem vollkommen &#8220;authentisch&#8221; gesungenen Titel fühle ich mich in die &#8220;hüchty tüchty-Welt&#8221; der School of Scottish Studies in Edinburg versetzt&#8230;.echt schaf!</p>

<p>Track 8 - &#8220;Ye Yacobites By Name&#8221; - Robby Burns sein Antikriegslied mit eindrucksvollem Bodhranspiel von Gert.&nbsp; &#8220;Ye Jacobites by name yer doctrines I maun proclaim,Your doctrines I maun blame, you will hear.&#8221; ...und weiter heisst es: &#8220;What makes heroic strife, to whet the assassin&#8217;s knife -&nbsp; and haunt a parent&#8217;s life with bloody war.&#8221; 18. Jahrhundert, doch aktuell wie nie zuvor! </p>

<p>Track 9 - &#8220;Ulrico&#8217;s Zydeco&#8221; wurde Mitte der 1980iger Jahre in Arhus aufgeschrieben und über interessante Umwege nach Kiel tradiert. Dieser Zydeco stammt von Ulrico Klostergard, dem  ehemaligen Pianisten im Circus Tausendfuss im Freistaat Christiania bei Kopenhagen, der ihn damals in Arhus in der Fussgängerzone mit Akkordeon spielte. Jahre später soll Ulrico auf einem Mississippi-Dampfboot gesichtet worden sein und das auch nicht ohne sein Akkordeon. Leider spielen Julain&#8217;s Wake dieses arrangementfreudige und ausbaufähige Stückchen mit 1:20 viel zu kurz. Kaum hat es begonnen und man erwartet jetzt die zwei Dutzend möglichen Variationen der Melodie - wie das ja auch ein bißchen typisch für Zydecomusik ist - , so hört es schon auf&#8230;.ich glaub mich schubst&#8217;n Schaf!</p>

<p>Track 10 - &#8220;If I Should Fall From Grace With God&#8221; ist ein kleiner etwas kryptisch anmutender Song mit streckenweise leicht nationalem Tunnelblick (&#8220;This land was always ours/ Was the proud land of our fathers /It belongs to us and them/ Not to any of the others&#8221;). Aber ausserdem natürlich ein später Hit der Pogues aus den späten 1980igern, in dem sich Shane McGowans Drogenprobleme schon abzeichnen&#8230;.so I realy don&#8217;t mind (räusper räusper).</p>

<p>Track 11 - Bei &#8220;Roddy McCorley&#8221; beeindruckt mich die gelungene Kombination von Geige und Banjo. Thematisch geht es um die Hinrichtung des  irischen Rebellen Roddy McCorley (dunkel&#8230;dunkel&#8230;) &#8220;Cherisch the Ladies&#8221; - der ewige Sessiontune - wird von Bieni leider etwas zu hastig angegangen. Etwas langsamer gespielt und besser betont würde das Stück viel besser zur Geltung kommen. </p>

<p>Track 12 - &#8220;Seagull&#8221; ist nun endlich mal ein selbstkomponiertes Stück von Julian&#8217;s Wake&#8230; anscheinend und leider wohl das einzige. Eine Melodie, die mir auffiel und die angenehm aus den bekannten Traditionals herausragt. Ich fühle mich besonders beim Sound der Geige ziemlich an die Ideen der niederländischen Band Flairck erinnert. Auch Flairck gehörte damals Anfang der 1980iger Jahre zu jenen Bands, die im Zuge des Folkrevivals mal nicht dauernd nach Irland schauten und neue,&nbsp; eigene Musik wagten. Mit &#8220;Seagull&#8221; haben wir Hoffnung, dass auch die MusikerInnen von Julain&#8217;s Wake eines Tages mal das vermeintlich sichere Terrain der traditionellen Folk-Standards gegen lebenslustigere eigene Musik eintauschen werden. Was wird aus traditioneller Musik, wenn nicht dauernd neue Sachen hinzukommen? (Und ich weiss ganz zufällig, dass in dieser Band jemand hervorragende eigene Lieder geschrieben hat&#8230;grins!)</p>

<p>Track 13 - &#8220;Bonnie Ship The Diamond&#8221;, der alte Hit der schottischen Band The Corries, der auf ein überliefertes Lied über ein gesunkenes Walfangschiff aus dem ersten Drittel des 19. Jahrhunderts zurückgeht. Das &#8220;leider&#8221; untergegangen ist, wie es - natürlich witzig gemeint und im Sinne der Wal-Freiheit - auf der Website von Julains Wake  formuliert ist. Dass dort aber ebenso Menschen in den Fluten versanken wie die auf dem Rettungskreuzer Mona, sollte nicht vergessen werden. Bei diesem Stück beeindruckt wieder der Kontrabass, aber auch Geigerin Bieni mit ihren mal aggressiven, mal melodischen  Zwischenspielen auf der immer angenehm warm tönenden Geige.</p>

<p>Track 14 - &#8220;Jar of Porter&#8221; - eine irische Ballade über die angeblich positiven Wirkungen, die das Einflößen von Alkohol bei Kindern bringen soll. Ich erinnere mich, wie gern die Dubliners dieses Lied sangen und wer die Geschichte dieser alten Band kennt, wird mir Recht geben: zu viel Alkohol ist nicht wirklich gut. Also Leute, passt auf! ....sonst toora loora loora la schubst Euch noch das Schaf!</p>

<p>Der Harmoniewechsel zu Track 15 gegenüber 14 ist ausgesprochen gelungen (aber das betrifft auch  andere &#8220;Nahtstellen&#8221; auf der CD). &#8220;The Musical Priest&#8221; gehört zu meinen Lieblingsstücken und ist natürlich mit 1:11 wieder viel zu kurz geraten. Immerhin&#8230;Schaf sei dank!....ist es ausgesprochen schön von Bieni gespielt und in diesem tollen Studio mal wieder hervorragend aufgenommen und abgemischt worden.</p>

<p>Track 16 -&nbsp; &#8220;Boys From The County Hell&#8221; ist wieder ein Hit der Pogues mit einem ziemlich versauten und dummen Text. Während meiner Jahre in Schottland hab ich mich immer wieder gefragt, worin eigentlich der Reiz solcher Lieder besteht. Nach vier Jahren dämmerte mir dann die Antwort: es muss die Melodie sein, denn der Text ist schafegal&#8230;..so stört dieser damn f&#8230;g song also auch nicht weiter die positive Stimmung dieser schönen CD. Ähnlich wie Track 10 gehört es für mich ohnehin in die &#8220;Ein-Mann-ohne-Kilt-ist-kein-Mann&#8221;-Ecke. Thanks, but no thanks.</p>

<p>Track 17 -&nbsp; &#8220;The Road to Lisdoonvarna&#8221; ist ein sehr schön gespieltes Stück. Hier leidet die Qualität nicht unter der Spielgeschwindigkeit, weil es schwingt. Ob die Trampelpausen und überhaupt die Pausen musikalisch einen Sinn machen, ...das weiß das Schaf!</p>

<p>Track 18 - &#8220;The Real old Mountain Dew&#8221; beginnt mit verschmitztem Pfeifen und der Refrain wird gediddelt (im schottischen Auchtermuchty würdet Ihr damit bei den Diddling-Competitions des jährlichen Festivals den ersten Preis gewinnen!) In der JW-Eebsite heisst es: &#8220;Ein fröhliches Stück Musik über eine Sache, die uns sehr am Herzen liegt.&#8221; ...ja,ja&#8230;Real Old Mountain Dew ist eine Hymne auf den schwarz gebrannten irischen Kartoffelschnaps und ein Stück authentische Strassenmusik.</p>

<p>Wer glaubt, dass die CD nun zu Ende ist, sieht sich gewaltig getäuscht: nach einer Minute oder so  meditativer Stille blökt das Schaf herzerweichend (...und wer die CD nicht kennt, rennt erstmal vor die Haustür und guckt&#8230;) und wir hören einen Bonus-Track, der im Inhaltsverzeichnis der Stücke keine Erwähnung findet, also eine Überraschung sein muss. &#8220;Cockels and Mussels&#8221; ist ein irisch-schottisches Tinkerliedchen über eine Marktfrau, die ihre Ware anbietet. Eine nette Zugabe beim Live-Konzert im Studio und man meint, eine leicht erschöpfte aber glückliche Band zu hören, die an diesem vielleicht letztem Aufnahmetag sicherlich keine großen Schafe mehr schubsen möchte&#8230;..</p>

<p>Diese durch und durch gelungene CD sollten wirklich alle Kieler im Schrank haben!</p>

<p>...und ein Grund mehr, dass die GEMA sich nun endlich mal an ihre goldene Nase packt und Gebühren und Verteilerschlüssel überdenkt, damit Veranstalter in Zukunft überhaupt Lust haben, &#8220;Julain&#8217;s Wake&#8221; zu buchen und vor allem: damit diese Band überhaupt Einkünfte aus der CD und aus ihrer Auftrittstätigkeit bekommen kann.</p>

<p>Julain&#8217;s Wake hat eine interessante Website: <a href="http://www.julainswake.de">http://www.julainswake.de</a> und am Samstag dem 28.11.09 (also morgen!) findet die CD-Release-Party mit Konzert im Subrosa in Kiel-Gaarden statt. Eintritt frei!<img src="http://www.musikwerkstatt-rzeszut.de/images/uploads/julainswake_zwei0001_thumb.jpg" style="border: 0;" alt="image" width="300" height="410" /></p>
      ]]></content>
    </entry>

    <entry>
      <title>Neues Theaterstück im Statttheater Neumünster</title>
      <link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.musikwerkstatt-rzeszut.de/index.php/site/neues_theaterstueck_im_statttheater_neumuenster1/" />
      <id>tag:musikwerkstatt-rzeszut.de,2009:index.php/mwr/index/1.272</id>
      <published>2009-11-10T19:45:52Z</published>
      <updated>2009-12-28T13:04:53Z</updated>
      <author>
            <name>Lukas Johannsen</name>
            <email>lukas@statttheater.de</email>
                  </author>

      <category term="Kultur aktuell"
        scheme="http://www.musikwerkstatt-rzeszut.de/index.php/site/C32/"
        label="Kultur aktuell" />
      <content type="html"><![CDATA[
        <p>Das „statttheater Neumünster“ steht kurz vor dem 50.Geburtstag und ist somit eines der ältesten selbstverwalteten Theater in Deutschland. Man kann als Gründungsjahr des statt-Theaters, mit ruhigem Gewissen auf das Jahr 1961 festlegen. <br />
Obwohl es schon vorher eine Theatergruppe der „Naturfreunde“ gab, trat es ab dann auch außerhalb des Mutterverbandes auf. Innerhalb der 50 Jahre wurden viel gearbeitet. Es gab politisches Kabarett, Straßentheater, Demonstrationstheater, Schülertheater, eine eigenständige Kindertheatergruppe. <br />
Anfangs wurde sogar noch durch Jugendzentren und Schulen getourt. Es gab Akrobatikgruppen, Musikgruppen und ab und zumal wurde mit ihnen sogar auch mal nach England und Schottland getourt. Viele Generationen haben bereits am Projekt „stattTheater“ mitgewirkt und somit ein Stück Gegenkultur möglich gemacht. Ab den frühen 90ern hat sich das stattTheater eine eigene Bühne in einer alten Lederfabrik in Neumünster gebaut, die mittlerweile aus der Kulturlandschaft Neumünsters nicht mehr weg zudenken ist. <br />
Wenn gerade keine eigene Produktion ansteht, leistet die Gruppe die derzeit aus etwa 25 Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zwischen 10 und 34 Jahren besteht, so einiges an Kulturarbeit. </p>

<p>Regelmäßige Veranstaltungsreihen mit (Klein)Künstlern werden durchgeführt, und für eine Zeit lang gab es sogar eine Kinogruppe für kommunales Kino.<br />
Derzeit befindet sich die Gruppe jedoch in einer Eigenproduktion an der einfach alles selbst gemacht wurde. Egal ob Text, Musik, Bühnenbau, Regie etc. alles wird selbst gemacht. Theater wird also „gemacht“ und nicht nur „gespielt. Die Arbeit erfolgt komplett ehrenamtlich – die Belohnung liegt in der Freude über das Geleistete und dem, was man in der Zeit gelernt hat. Ein fertiges Theaterstück wird gespielt und diskutiert, denn der Kontakt zum Publikum ist wichtig. Neue Ideen entstehen, Freundschaften werden geschlossen, Projekte geplant und durchgeführt und vieles mehr. Theater ist also unser Weg, die Vielfalt des Lebens um uns herum wahrzunehmen und darauf zu reagieren. </p>

<p>Das aktuelle Theaterstück „Schmetterling“ bewegt sich zwischen Fantasie, Trash und Horror und bietet neben fetziger Musik, auch jede Menge an Akrobatik und schwarzen Humor. Die Premiere lief am Samstag den 7.November 2009 und feierte in den lokalen Medien große Erfolge. </p>

<p><br />
Quellen: <br />
<a href="http://www.shz.de/lokales/holsteinischer-courier/artikeldetails/browse/1/article/807/eine-reise-zu-den-kreaturen-der-nacht.html">http://www.shz.de/lokales/holsteinischer-courier/artikeldetails/browse/1/article/807/eine-reise-zu-den-kreaturen-der-nacht.html</a><br />
<a href="http://www.kn-online.de/lokales/neumuenster/122371-Makaber-duesterer-Theaterspass-fuer-das-Publikum.html">http://www.kn-online.de/lokales/neumuenster/122371-Makaber-duesterer-Theaterspass-fuer-das-Publikum.html</a></p>



<p><br />
Aufgrund des riesigen Erfolges gibt es noch eine letzte Verlängerung:</p>

<p><b></p><u><blockquote>Samstag, 9. und 16. Januar 2010, jeweils 19 Uhr und Sonntag, 10. und 17. Januar 2010, jeweils 17 Uhr</blockquote></u><p>.</b></p>

<p>Erhältlich in der  Buchhandlung Clement (Kuhberg 9)direkt am HBF Neumünster. Kartenvorbestellungen: Tel. 04321/400596 oder unter vvk@statttheater.de</p> 
      ]]></content>
    </entry>

    <entry>
      <title>Heute auf dem Werktisch: die Sara 2 von Beltuna</title>
      <link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.musikwerkstatt-rzeszut.de/index.php/site/heute_auf_dem_werktisch_die_sara_2_von_beltuna/" />
      <id>tag:musikwerkstatt-rzeszut.de,2009:index.php/mwr/index/1.251</id>
      <published>2009-03-09T17:53:18Z</published>
      <updated>2009-03-09T18:28:20Z</updated>
      <author>
            <name>Martin Rzeszut</name>
            <email>martin.rzeszut@musikwerkstatt-rzeszut.de</email>
                  </author>

      <category term="Akkordeon"
        scheme="http://www.musikwerkstatt-rzeszut.de/index.php/site/C1/"
        label="Akkordeon" />
      <category term="Diatonisches Akkordeon"
        scheme="http://www.musikwerkstatt-rzeszut.de/index.php/site/C3/"
        label="Diatonisches Akkordeon" />
      <content type="html"><![CDATA[
        <p>In Hinblick auf die Frage, welches diatonische Knopfakkordeon (Holzgehäuse, zweichörig, Stimmung G/C, Stimmen in Tipo-a-mano-Qualität) ich Neueinsteigern empfehlen sollte, kam kürzlich das Thema „Beltuna“ auf.</p>

<p>Beltuna ist eine italienische Firma, die mir seit Jahren eigentlich nur durch die Herstellung chromatischer Akkordeons bekannt war. Der Darmstädter Diatonie-Spezialist Oliver Stoffregen schreibt auf seiner sehr informativen Website <a href="http://www.diatonie.de">http://www.diatonie.de</a> : “Seit 2003 fertigt Beltuna auch diatonische Modelle mit Holzkorpus für den Folk-Bereich. Diese Instrumente zeichnen sich aus durch extrem leichtgängige Mechaniken und die Verwendung ausschließlich handgefertigter Stimmen bei allen Modellen. Der Klang ist sehr brilliant im Diskant verbunden mit einem kräftigen Bass. Als Hölzer für den Korpus stehen zur Auswahl: Kirsche (hellbraun), Nußbaum (dunkelbraun) und Padouk (rotbraun).“</p>

<p>Zum Test schickte er mir kürzlich eine Sara 2 in Kirsche, Katalogpreis (Diatonie) 1740€, also deutlich günstiger als ähnlich ausgestattete Castagnaris (die vergleichbare Laura liegt dort bei 1960€).</p>

<p>Diese Sara 2 nun kam auf unseren Werktisch und wurde bei uns in der Musikwerkstatt Rzeszut in Kiel „auf Herz und Nieren“ geprüft.</p> <p>Laut Katalogangaben soll die Sara 2 nur 2,9 kg wiegen. Tatsächlich wiegt sie jedoch 3,7. Solche Beschönigungen sollte eine renommierte Firma wie Beltuna nicht nötig haben.</p>

<p>Laut Katalogangaben soll die Breite 24 cm, die Höhe 25 cm und die Tiefe 13 cm messen. Unsere Sara 2 hat dann allerdings auf geheimnisvolle Weise deutlich zugenommen: sie ist 26 cm breit, 30 cm hoch (die 25 mm hohen Holzfüsschen nicht mitgerechnet!) und 16 cm tief.</p>

<p>Wer dieses Instrument also wegen seines ausgewiesenen geringen Gewichts und seiner erklärten Kompaktheit gekauft hat, sieht sich also schon mal deutlich enttäuscht. Die Beltuna ist nicht leichter und nicht kleiner als andere Instrumente dieser Kategorie.</p>

<p>Beim Spielen fiel zunächst unangenehm auf, dass sich der Bassriemen nicht ordentlich justieren liess. Die Stellschraube sass fest. Später stellte sich heraus, dass die Einstellscheibe sehr rauh lief und der Gewindebolzen natürlich bei der Endmontage nicht mit Vaseline o.ä. gefettet war. Sowas dürfte Beltuna nicht passieren. Natürlich lassen wir uns von solchen und in unserer Werkstatt sofort lösbaren Problemen nicht abschrecken.</p>

<p>Die Sara 2 hat serienmässig(!) eine Terzabschaltung im Bass, was wir ausgesprochen gut finden! Bei vergleichbaren Castagnaris gibt’s sowas nur auf Sonderbestellung und mit erheblichem Aufpreis. Der 5 mm starke Stahldraht, mit dem die Terzabschaltung bei der Sara betätigt wird, ist allerdings ziemlich verbogen: offensichtlich ein Herstellungsfehler.</p>

<p>Das kräftig lackierte Holzgehäuse ist etwas dünnerwandig als bei vergleichbaren Castagnari-Instrumenten und genauso gut verarbeitet. </p>

<p>Zum Spielverhalten: die Sara lässt sich genauso leicht spielen wie vergleichbare Castagnari-Instrumente. Luftverbrauch ist hervorragend,&nbsp; die Einschwingphase auch bei den tieferen Tönen ist bei relativ geringem Initialdruck verblüffend kurz. Diesbezüglich sind sogar manche Castagnaris noch schwerfälliger! </p>

<p>Auch der Klang unterscheidet sich nicht wesentlich von Castagnari-Akkordeons. Die Sara 2 tönt im Diskant etwas lauter und akzentuierter als etwa ein Roma und der Bass verhält sich im Vergleich mit dem Diskant ausgewogen. Ich kann Oliver Stoffregens Ansicht nicht bestätigen, dass der Bass „kräftig“ sei, aber er ist deutlich zu hören.</p>

<p>Was den Klang sicherlich für manche Ohren leicht gewöhnungsbedürftig erscheinen lässt, sind die relativ starken Geräusche der Stimmplattenventile aus Plastikfolien, die dem Ton eine zusätzliche Schärfe verleihen. Vorbei sind die goldenen Zeiten der Ventilierung mit Leder (...und trotzdem sind Akkordeons mit Plastikventilen nicht billiger geworden!)</p>

<p>Zur Qualität der Stimmplatten: beim ersten Spielen fühlte es sich deutlich nach  Tipo-a-mano-Qualität (T.A.M.) an. Und die soll ja nun wirklich serienmässig drin sein! Die Zauberbezeichnung lautet: „Beltuna de luxe Pro-Stimmzungen“, eine Bezeichnung, die leider überhaupt keine technische Information enthält und eher an nichtssagende Sprachkürzel im Autobau erinnert. Gleich nach dem Auspacken – das Instrument war auf 10°C heruntergekühlt! - signalisierte mir ein rasselfreies Testspielen, dass es sich keinesfalls um „handgefertigte Stimmen“ (also a-mano-Qualität: bleiben wir doch mal bei der ursprünglichen Übersetzung!) mit entsprechend engen Luftspalt-Toleranzen handeln kann. Bis auf einen Bass rasselte da nichts. Ein Instrument mit a-mano-Platten wäre bei dieser Temperatur wegen unterschiedlicher Ausdehnungseigenschaften von Aluminium und Stahl nahezu stumm geblieben oder hätte die hohe Qualität seiner Stimmen durch deutliches Zirpen zum Ausdruck gebracht.</p>

<p>Auch eine Sichtkontrolle der Stimmplatten sowie ein Luftspaltbreitentest  zeigten eher  tipo-a-mano-Eigenschaften der sehr sauber verarbeiteten Artigiana-Stimmen. Die Montage der Platten auf den Stimmstöcken ist tadellos. Einen informativen Aufkleber wie bei Siva/Antonelli -Stimmen (mit denen Castagnaris bestückt sind) bietet Artigiana nicht und auch die gänzlich unbrauchbaren unscharfen Abbildungen auf der Artigiana-Website lassen darauf schliessen, dass in dieser Stimmenschmiede der kleine Unterschied zwischen a-mano und tipo-a-mano niemanden weiter kratzt.</p>

<p>Und das ist auch nicht weiter schlimm, denn die Stimmzungen der Sara 2 sind wirklich gut und im Zuge der präziseren Herstellung bei automatisierten Prozessen und im Zeitalter der Elektroreosivtechnologie müssen wir vielleicht langsam lernen, uns von der Romantik „handgefertigter Stimmplatten“ zu verabschieden.</p>

<p>„Handfinished reeds“ lautet immerhin der neue Kurs italienischer Stimmzungenhersteller. Als Rohstoff für die Stimmzungen dient oft eh derselbe schwedische Hartstahl, egal ob es sich um A.M. - oder T.A.M – Qualität handelt. Kriterium für den Unterschied ist zwar immer noch die Feinheit des Luftspalts und die Präzision der Nietung, aber das bekommen inzwischen auch computergesteuerte Automaten hin.</p>

<p>Entscheidend schliesslich für die höchste Stimmplatten-Qualität („a-mano“ oder A.M.) ist heute die Entdeckung von Ausschussware und das Nachbearbeiten von Hand. Das kostet natürlich Arbeitszeit und verteuert diese höchste Qualität schon noch etwas. Der Herstellungspreis für A.M.-Qualität ist allerdings wegen automatisierter Vorfertigung in den letzten Jahren erheblich gesunken. Auch der für T.A.M. - Ware, denn schliesslich will man ja die teuren Automaten optimal auslasten.</p>

<p>Beruhigend zu wissen: maschinell hergestellte T.A.M.-Platten werden immer noch von Menschen und von Hand zu Sätzen zusammengestellt und nachgearbeitet („handfinished“). Und der Stimmer in der Akkordeonmanufaktur ist letztlich derjenige, der Fehlware noch aussortieren kann. Bei der Sara 2 fällt angenehm auf, dass modernste Stimmplatten-Fertigungsmethoden sich deutlich im Preis niederschlagen. Castagnari sollte entsprechend nachziehen, zumal heute die Siva-Platten offensichtlich nicht wirklich besser zu sein scheinen als die von Artigiana. Und was immer gern vergessen wird: der optimale „Löseabstand“ der Stimmzunge (also wie hoch sie über die Plattenoberfläche hinausragt) ist ebenfalls und in hohem Maße  entscheidend für leichte Ansprache der Stimmen. Auch diesbezüglich gibt es bei der Sara 2 nur Gutes zu berichten.</p>

<p>Nach jahrzehntelangem persönlichem Einsatz für eine leicht ansprechende Stimmzunge und für minimale Luftspaltbreiten freuen mich die Testergebnisse der Sara 2 nun wirklich! Um so verwunderlicher ist es, dass man in italienischen und nichtitalienischen Akkordeonmanufakturen noch immer schlecht ansprechende und luftzehrende Billigstimmen besonders in sog.„Einsteigerinstrumente“ einbaut, obwohl die bessere Qualität inzwischen ja deutlich günstiger zu produzieren ist als noch vor 10 Jahren.</p>

<p>Man sollte aber nicht wirklich von „handgefertigten Stimmen“ reden, wenn diese nicht drin sind. Und auf der Beltuna-Website sollte man lieber mal ausführliche technische Details erklären als „emotions“ zu beschwören. Man wünscht sich klare Statements zur Herstellung der Stimmplatten, die quasi das Herz jedes Akkordeons sind. Der Kunde hat schliesslich ein Recht auf ausführliche technische Information, und die ist immer noch die beste Werbung! Betrachtet man jedoch die Websites der Hersteller, so wundert man sich über die gekonnt kreierte Nichtinformation. Wie lange will man uns denn noch für doof halten?</p>

<p>Die Vorteile modernster italienischer Stimmplatten-Herstellungstechnik (die Firmen heissen zur Zeit ANTONELLI (SIVA), ARTIGIANA , CAGNONI, SALPA und BINCI) werden von den Akkordeon-Herstellern allgemein nicht an den Kunden weitergereicht, weil man ihn anscheinend für blind und taub hält. Bei Beltuna ist das nun endlich einmal anders, denn diatonische Instrumente mit schlechten Plattenwerten – auf denen eigentlich nur Profis gut spielen können, geschweige denn Anfänger - werden dort wohl garnicht erst gebaut.</p>

<p>„ Diese Instrumente zeichnen sich aus durch extrem leichtgängige Mechaniken“ sagt Oliver Stoffregen zu Beltuna-Akkordeons. Wie siehts damit bei der Sara aus? Mechanisch gibt’s rein äusserlich keine Besonderheiten zu sehen.&nbsp; Beim Niederdrücken des C-Dur-Akkordknopfes muss sogar ein störender Druckpunkt überwunden werden: hier gehen per Mitnehmer zwei Klappen hoch, was ich bisher nur bei sehr alten Modellen gesehen habe. Das ist also eher nicht so gelungen. Die Diskantknöpfe der Sara lassen sich (messbar!) geringfügig leichter niederdrücken als etwa bei neuen Castagnari-Instrumenten. Ob dann allerdings die Beltuna-Federspannung noch nach zehn Jahren ausreichen wird, die Ventilklappen dicht zu halten, erscheint mir fraglich.</p>

<p>Der Hub der (Diskant-) Knöpfe bei der Sara ist leicht grösser als bei Castagnari-Instrumenten, was ich aber als nicht störend empfinde.</p>

<p>So ist das von Oliver Stoffregen beschriebene Gefühl einer „leichtgängigen Mechanik“ sicherlich durch das Zusammenspiel hervorragend ansprechender Stimmzungen mit etwas geringerem Federdruck im Diskant zu erklären. Für mich gibt es übrigens in dieser Preisklasse und bei diatonischen Kleininstrumenten nur leichtgängige Mechaniken, da die Wege kurz und die Hebelverhältnisse deshalb günstig sind. Bewegte grössere Massen in der Mechanik gibt es einfach nicht beim diatonischen Knopfakkordeon. &#8220;Schwergängigkeit&#8221; bedeutet also fast immer: schlechte Stimmplatten.</p>

<p>Der Balg ist gross genug und in der Anzahl der Falten (bei ähnlicher Faltentiefe) durchaus vergleichbaren Castagnari-Instrumenten überlegen. Für Anfänger also genau das Richtige!</p>

<p>Facit: die Sara 2 können wir durchaus Anfängern mit bestem Gewissen empfehlen! Das Kosten-Nutzen-Verhältnis ist hervorragend und wer klanglich nicht zu sehr auf Castagnari-Instrumente pocht, hat mit der Sara 2 von Beltuna ein Instrument, das einer Castagnari „Laura“ nicht nur deutlich Konkurenz macht,&nbsp; sondern in Sachen serienmässiger Terzabschaltung sogar noch als höherwertiger zu beurteilen ist.</p>

<p>Der Firma Diatonie in Darmstadt danken wir herzlich für die freundliche Bereitstellung einer Sara 2 für unseren Test. Und unseren Schülern und Schülerinnen können wir den Kauf diatonischer Instrumente dort wirklich empfehlen.</p>
      ]]></content>
    </entry>

    <entry>
      <title>Offener Brief an Herrn Aussenminister Dr. Frank Walter Steinmeier</title>
      <link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.musikwerkstatt-rzeszut.de/index.php/site/offener_brief_an_herrn_aussenminister_dr._frank_walter_steinmeier/" />
      <id>tag:musikwerkstatt-rzeszut.de,2008:index.php/mwr/index/1.249</id>
      <published>2008-11-24T11:38:24Z</published>
      <updated>2008-12-01T08:06:26Z</updated>
      <author>
            <name>Martin Rzeszut</name>
            <email>martin.rzeszut@musikwerkstatt-rzeszut.de</email>
                  </author>

      <category term="Allgemeines"
        scheme="http://www.musikwerkstatt-rzeszut.de/index.php/site/C14/"
        label="Allgemeines" />
      <content type="html"><![CDATA[
        <p>Sehr geehrter Herr Aussenminister Dr. Steinmeier!</p>

<p>Ihre Behörde, das Auswärtige Amt warnt per Website vor Reisen in den Distrikt Kandhamal/Orissa „wegen Ausschreitungen gegen Christen und ihre Einrichtungen“. Wie Sie wissen, handelt es sich bei diesen Ausschreitungen nicht nur um Einzelfälle, sondern um organisierte Menschenrechtsletzung in grossem Stile und mit einer gewissen Tradition und Vorgeschichte.</p>

<p>Die Pogrome von Orissa sind – wie Sie sicherlich selbst wissen - auch bedingt durch eine planmässige agressive Entvölkerungspolitik im Zuge von unverhältnismässigen, geradezu antisozialen Kapitalinteressen im Rahmen der von Ihnen genannten „rasanten Entwicklung“ indischer Wirtschaft, von denen letztlich nur eine dünne und sehr wohlhabende Oberschicht profitiert, während Millionen Menschen chancenlos verhungern, weil sie ihr Land und ihren Wald verloren haben. Man sollte die Ursache der Orissa-Pogrome deshalb und überaus kritisch im  gesamtwirtschaftlichen Kontext des „neuen Indien“ sehen.</p>

<p>Sehr geehrter Herr  Dr. Steinmeier, Ihr Wunsch „diejenigen, die dabei nicht täglich Gewinner seien, in das demokratische System zu integrieren“ - wie Sie formuliert haben - wird so wie es zur Zeit aussieht nur auf internationalen Druck hin in Erfüllung gehen! </p>

<p>Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV, Göttingen/Berlin) entsandte unlängst den Göttinger Menschenrechtler Dr. James Albert in das betroffene Gebiet im Kandhamal – Distrikt und fordert nach Auswertung dieser Informationen nun mit Nachdruck unverzügliche juristische Aufarbeitung der pogromartigen Überfälle.</p>

<p>Es wurde bei diesen wissenschaftlich durchgeführten  Recherchen der GfbV deutlich, dass die Pogrome in Orissa mit Wissen der  dortigen kommunalen Verwaltungsebene und der indischen Bundes- und Innenbehörden geschahen und weiterhin geschehen. Alle staatlichen Institutionen haben in Sachen Aufarbeitung der Vorfälle „versagt“ bzw. ihr Desinteresse signalisiert. Die strafrechtliche Verfolgung bzw. die juristische Aufarbeitung der Morde wird nur schleppend oder garnicht aufgenommen.</p>

<p>Die Zustände sind so katastrophal, dass die GfbV das Einschalten des  Central Bureau of Investigation (CBI) empfiehlt. Weiter rät die Göttinger Menschrechtsorganisation dazu, radikale hinduistische Organisationen (VHP, Bajrang Dal, RSS)&nbsp; in ganz Indien zu verbieten, „...da ihre Agitation ethnische und religiöse Auseinandersetzungen schürt“. </p>

<p>Nationalen und internationalen Hilfsorganisationen wird der Zugang zu den von der Öffentlichkeit abgeschotteten Gebieten offiziell nicht gestattet. Auch der Wiederaufbau der zerstörten Häuser, Kirchen und sozialen Einrichtungen wird in keiner Weise gefördert. Flüchtlinge werden in grossen Lagern, auf engstem Raum und für unbestimmte Zeit zusammengepfercht. Die GfbV fordert grundsätzlich eine Verstärkung des Schutzes religiöser Minderheiten und ihrer Einrichtungen. „Binnenflüchtlingen muss eine menschenwürdige Rückkehr in ihre Heimatdörfer ermöglicht werden oder sie müssen bei ihren Bemühungen unterstützt werden, um in anderen Regionen des Landes Aufnahme zu finden“.</p>

<p>Sie – Sehr geehrter Herr Aussenminister! - waren gerade auf Indienbesuch. Haben Sie denn  – neben den beschrieben Wirtschafts- und Kulturthemen – nun auch diese Pogrome angesprochen? Wenigstens liegen nach unseren Informationen dem indischen Premierminister Dr. Manmohan Singh zahlreiche Protestschreiben aus Deutschland vor (auch ich bin einer der Unterzeichner), so dass die besagte Kandhamal-Thematik sicherlich nicht unerwähnt bleiben konnte. Der Zeitpunkt für eine Kritik wäre hervorragend gewesen. Und sicherlich waren Sie und Ihr Ministerium auch von der Gesellschaft für bedrohte Völker über die Menschnrechtsverletzungen informiert worden.</p>

<p>Ich kann der Website des Auswärtigen Amtes allerdings und leider keinen Hinweis darauf entnehmen, dass Menschenrechtsverletzungen in Indien von Ihnen deutlich angesprochen oder kritisiert wurden. Der entsprechende Artikel über Ihren Indienbesuch (Website Auswärtiges Amt/ Stand 22.11.08) berichtet ausschliesslich und glücklich über neue wirtschaftliche und kulturelle Beziehungen, aber nicht über etwa geäusserte Kritik am Umgang mit Menschenrechten. </p>

<p>Ich würde mich freuen, wenn Sie mir über Ihre Kritik am Umgang mit den Menschenrechten in Indien im Rahmen von Gesprächen mit Manmohan Singh, Außenminister Pranab Mukherjee und Oppositionsführer Lal Krishna Advani berichten könnten!</p>

<p>Zu meiner Person: ich bin deutscher und verantwortungsbewusster Staatsbürger, der sich für Menschenrechte einsetzt. Meiner Website (Link: <a href="http://www.musikwerkstatt-rzeszut.de/index.php/mwr/">http://www.musikwerkstatt-rzeszut.de/index.php/mwr/</a>) dürfen Sie gern Informationen über meine Person bzw. zum Thema Orissa entnehmen.</p>

<p>Für Ihre Aufmerksamkeit herzlichen Dank! Ich erwarte Ihre Antwort.</p>

<p>Mit freundlichen Grüssen,</p>

<p>Martin Rzeszut aus Kiel</p>



<p>&nbsp;</p>

<p>&nbsp;</p> 
      ]]></content>
    </entry>

    <entry>
      <title>Der Orissa&#45;Report: Verfolgung von Christen im indischen Bundesstaat Orissa</title>
      <link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.musikwerkstatt-rzeszut.de/index.php/site/der_orissa-report_verfolgung_von_christen_im_indischen_bundesstaat_orissa/" />
      <id>tag:musikwerkstatt-rzeszut.de,2008:index.php/mwr/index/1.248</id>
      <published>2008-11-22T22:36:56Z</published>
      <updated>2008-11-22T23:21:58Z</updated>
      <author>
            <name>Martin Rzeszut</name>
            <email>martin.rzeszut@musikwerkstatt-rzeszut.de</email>
                  </author>

      <category term="Menschenrechte"
        scheme="http://www.musikwerkstatt-rzeszut.de/index.php/site/C36/"
        label="Menschenrechte" />
      <content type="html"><![CDATA[
        <p>Im Folgenden nun der im TÖNCHEN! am 22.Nov. angekündigte „Orissa-Report“ von Dr. James Albert und Ulrich Delius.</p>

<p>Der Hintergrund:&nbsp; Ende Oktober /Anfang November dieses Jahres gelang es Dr. Albert mittels einer offiziellen Genehmigung von indischer Seite die von der Außenwelt abgeriegelte Krisenregion von Bhubaneswar aus zu besuchen. Wie er vermutet waren er, sein Fahrer und ein Dolmetscher (für die lokalen Dialekte) die ersten Augenzeugen einer Hilfsorganisation. Sie durften die betroffene Gegend drei Tage lang besuchen und einige Flüchtlingslager besichtigen. Dr. Albert führte dabei und im Auftrag der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) zahlreiche Interviews mit vertriebenen Christen durch und fotografierte Zerstörung und Leid.</p>

<p>Die Kapitel 1 und 2 wurden bereits im TÖNCHEN!-Artikel „Ghandis zweiter Tod   – Christenverfolgungen in Indien -Bestandsaufnahme und Hintergründe“ zitiert bzw. referiert. Dort finden TÖNCHEN! - LeserInnen auch Kommentare von Dr. James Albert, die im Rahmen von Exklusivinterviews aufgezeichnet wurden. </p>

<p>Hier werden nun die Kapitel 3 bis 18 dieser Veröffentlichung der Gesellschaft für bedrohte Völker, Göttingen unverändert und unkommentiert wiedergegeben.</p>

<p>TÖNCHEN! macht darauf aufmerksam, dass die Lektüre dieses Artikels für Kinder unter 16 Jahren ungeeignet ist. Die Schilderungen sind zu grausam. Ich bitte um Verständnis.</p>

<p>Alle Abbildungen in diesem Artikel zeigen Flüchtlingslager und Menschen in den besprochenen Gebieten und wurden der TÖNCHEN! - Redaktion freundlicherweise für diese Veröffentlichung zur Verfügung gestellt - Herzlichen Dank! [Alle Fotos  Dr. James Albert im Auftrag der GfbV]</p> <p>Einführung:</p>

<p>Nach der Ermordung des radikalen Hindu-Führers Swami Lakshmanananda Saraswati und vier seiner Anhänger in Jalespeta (Kandhamal Distrikt, Bundesstaat Orissa) am 23. August 2008 eskalierte die Gewalt gegen Christen in Indien. Der lokale Führer der Vishva Hindu Parishad (VHP, Welt-Hindu-Rat) hatte seit 1985 ungehindert von den Behörden gegen Christen und andere religiöse Minderheiten agitiert und war für zahlreiche Überfälle auf Angehörige dieser Minderheiten verantwortlich. Mehrfach wurden Mordanschläge auf ihn verübt. Obwohl christliche Verbände unmittelbar nach der Bluttat die Ermordung verurteilten, machten nationalistische Hindu-Organisationen Christen für das Verbrechen verantwortlich.</p>

<p>Inzwischen übernahmen maoistische Naxalit-Rebellen die Verantwortung für die Morde. Es waren auch drei mutmaßliche maoistische Rebellen, die am 5. November 2008 in dem Dorf Kumbharagaon den Klein-Unternehmer Dhanu Pradhan ermordeten, der als lokaler Führer der radikalen Hindu-Organisation Rashtriya Swayamsevak Sangh (RSS, Nationale Freiwilligen Organisation) gegen religiöse Minderheiten im Kandhamal-Distrikt Stimmung machte. </p>

<p>Wie zuvor schon nach dem Mord an VHP-Führer Swami L. behaupten RSS, VHP sowie der Bruder des Getöteten, er sei von Christen ermordet worden (<a href="http://www.odishatoday.com">http://www.odishatoday.com</a>, 6.11.2008). Schon wenige Stunden nach dem Mord am 23. August wurden tausende christliche Adivasi-Ureinwohner und Dalits („Unberührbare“) in ihren Dörfern von Hindu angegriffen, Häuser und Kirchen zerstört und die Bewohner vertrieben. Allein im Distrikt Kandhamal wurden nach Informationen der Katholischen Bischofskonferenz Indiens rund 60 Menschen bei pogromartigen Übergriffen getötet.<br />
18.000 Christen erlitten Verletzungen. In mehr als 300 Dörfern wurden 4.400 Häuser der Christen und 150 kirchliche Einrichtungen (Kirchen, Schulen, Waisenhäuser) zerstört. Zwölf Pastoren oder Nonnen wurden geschlagen, misshandelt oder vergewaltigt, sechs erlagen später ihren Verletzungen. Rund 50.000 Dorfbewohner flohen in die umliegenden Wälder oder suchten in Flüchtlingslagern Zuflucht.</p>

<p><img src="http://www.musikwerkstatt-rzeszut.de/images/uploads/Flüchtlinge_im_Flüchtlingscamp_Daringbadi_-_Photo_und_Copyright_von_James_Albert,_GfbV.jpg" style="border: 0;" alt="image" width="300" height="225" /></p>

<p>Auf dem Höhepunkt der Gewalt suchten 23.000 christliche Ureinwohner und Dalits in 19 eingerichteten Flüchtlingslagern Zuflucht. Inzwischen hat sich die Zahl der Camps und der Binnenflüchtlinge verringert. Viele Vertriebene suchten bei Familienangehörigen in anderen Landesteilen Zuflucht oder wanderten in andere Bundesstaaten weiter, um dort nach Arbeit und einem menschenwürdigen Leben zu suchen. Am schlimmsten war die Gewalt im Kandhamal-Distrikt, doch schließlich griff sie auf 14 von 30 Distrikten des Bundesstaates Orissa sowie auf zwölf weitere Bundesstaaten über. </p>

<p>Angesichts der unübersichtlichen Lage und der zahlreichen Berichte über schwere Menschenrechtsverletzungen entsandte die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) ihren Adivasi-Experten Dr. James Albert in die Unruheregion sowie zu Gesprächen mit Vertretern verschiedener religiöser Minderheiten. Dr. Albert hielt sich vom 21. Oktober bis zum 3. November 2008 in Indien auf. Im Rahmen seiner Untersuchungsmission führte er zahlreiche Gespräche mit indischen Bischöfen und Erzbischöfen sowie<br />
mit führenden Vertretern christlicher und muslimischer Organisationen. Im Zentrum seiner Reise stand ein Besuch im Kandhamal-Distrikt Orissas.</p>

<p>Da aufgrund der anhaltenden Gewalt alle Zufahrtstraßen der Region mit Straßensperren der in die Unruhregion verlegten Bundespolizei CRPF abgeriegelt sind<br />
und das Gebiet von Nicht-Einheimischen nur mit einer zeitlich eng befristeten Sondergenehmigung besucht werden darf, war die Recherche äußerst schwierig. Trotz dieser widrigen Umstände gelang es Herrn Albert, sieben Flüchtlingslager in der Bergregion zu besuchen. In den Camps leben heute noch rund 13.000 Christen, überwiegend Adivasi-Ureinwohner und Dalits.</p>

<p><br />
Schwierige Lage der Flüchtlinge:</p>

<p>In den Lagern leben nicht nur Frauen und Kinder, sondern zumeist ganze Familien. In den meisten Camps konnte sich der GfbV-Mitarbeiter frei bewegen und Interviews mit den Flüchtlingen in Englisch oder Hindi führen (oder in lokalen Sprachen, übersetzt von Mitarbeitern kirchlicher Organisationen). Die Flüchtlinge äußerten sich sehr freimütig und waren darauf bedacht, dass die Schilderung ihrer Vertreibung über die Landesgrenzen Indiens hinaus bekannt wird. Immer wieder drängten sie unseren<br />
Mitarbeiter, über das Leid der christlichen Flüchtlinge in Europa zu berichten.</p>

<p>Die meisten Lager sind kleine Zeltstädte. In den vier mal drei Meter großen Zelten schlafen durchschnittlich 19 Personen. Mit Lebensmitteln und Wasser werden die Lagerinsassen von den indischen Behörden versorgt. Private oder kirchliche Hilfsorganisationen haben keinen Zutritt zu den Camps.</p>

<p>Ursprünglich wurden siebzehn Flüchtlingslager eingerichtet. Doch zahlreiche Camps wurden inzwischen von den Behörden geschlossen. So wurde am 15. Oktober 2008 eines der drei Lager in Baliguda auf Anordnung der Behörden geschlossen. Die 900 Insassen des Camps erhielten nur zehn Kilogramm Reis pro Familie und wurden weggeschickt. Da sie ihr Land und ihre Habe verloren haben, mittellos sind und nicht in ihr Heimatdorf zurückkehren können, ist ihre Zukunft vollkommen ungewiss.</p>

<p>Die Lagerinsassen haben unterschiedlichste religiöse Bekenntnisse. So waren in dem Lager Tikabali Angehörige gleich acht unterschiedlicher Religionsgemeinschaften vertreten: Katholiken, Anglikaner, Pfingstgemeinde, Baptisten, Sieben Tage-Adventisten, Lutheraner, Heilsarmee und die Gemeinde der Frohen Botschaft.</p>

<p>Mindestens 12.000 Flüchtlinge verließen Anfang Oktober 2008 die Camps, weil sie sich dort nicht sicher fühlten. Mehrfach appellierten Flüchtlinge, der Hochkommissar für Flüchtlinge der Vereinten Nationen (UNHCR) müsse sich um diese Binnenvertriebenen kümmern, um ihren Schutz sicherzustellen. Da die indische Bundesregierung nur wenig Einfluss auf die amtierende Koalitionsregierung in Orissa hat, an der auch die radikale Hindu-Partei Bharatiya Janata Party (BJP) beteiligt ist, sehen sich einige der Flüchtlinge als „Staatenlose“ an, weil sie keine Staatsmacht wahrnehmen, die sich glaubwürdig um ihren Schutz kümmert.</p>

<p>Andere Flüchtlinge wurden in Schulen untergebracht. Rund 40 Schulen in dem Distrikt sind noch immer geschlossen, weil sie als Auffanglager für Vertriebene oder als provisorische Unterbringung für in die Region verlegte Sicherheitskräfte genutzt werden.</p>

<p><img src="http://www.musikwerkstatt-rzeszut.de/images/uploads/Flüchtlinge_im_Flüchtlingscamp_K._Nuangaon_-_Photo_und_Copyrightvon_James_Albert,_GfbV_.jpg" style="border: 0;" alt="image" width="300" height="225" /></p>

<p><br />
Vertriebene haben wenig Vertrauen in die Behörden:</p>

<p>Viele Christen suchten aus Misstrauen vor den Behörden erst gar nicht in den staatlich kontrollierten Lagern Zuflucht, sondern hielten sich in den Wäldern oder bei Angehörigen versteckt. So gelangte eine Gruppe von 56 christlichen Familien, deren Häuser von Hindu zerstört worden waren, Ende Oktober 2008 in den Bundesstaat Kerala, wo ihnen schließlich von der Landesregierung Schutz und Aufnahme gewährt wurde.</p>

<p>Alle in den Lagern verbliebenen Flüchtlinge, die interviewt wurden, berichteten, dass ihre Häuser systematisch von Hindu, die nicht aus ihrem Dorf stammten, zerstört worden seien. In einem Fall intervenierten couragierte Hindu-Nachbarn, um die Zerstörung des Hauses eines Christen zu verhindern.</p>

<p>Die Zufahrtstraßen zu Dörfern in dem Distrikt seien wenige Stunden nach dem Mord von Radikalen mit gefällten Bäumen blockiert worden, berichteten Vertriebene. Auf diese Weise sollte Christen nicht nur der Fluchtweg mit ihren Fahrzeugen abgeschnitten werden, sondern auch der Zugang von Hilfs- und Sicherheitskräften in die Dörfer erschwert werden. Mehr als 400 gefällte Bäume wurden am Straßenrand gezählt.</p>

<p>Durchgängig berichten alle Flüchtlinge, dass es bereits vor dem 23. August 2008 zahlreiche Übergriffe auf Christen oder christliche Einrichtungen gegeben habe. So seien immer wieder Häuser von Christen oder Kirchen niedergebrannt worden, um die Reaktion der Behörden, Polizei und der religiösen Minderheit zu testen. Doch diese Übergriffe hätten nicht das gleiche Ausmaß gehabt wie die pogromartigen Angriffe, die nach dem Mord an Swami am 23. August 2008 begannen.</p>

<p><br />
Schwerbewaffnete Hindu-Aktivisten greifen an:</p>

<p>Ein typischer Angriff wird von Bewohnern der drei Dörfer Bada Banga, Burangia und Didrobadi geschildert. Am 11. September wurden ihre Dörfer von Hindu-Aktivisten angegriffen. Zu dieser Zeit behauptete die Landesregierung von Orissa bereits, dass die Öffentliche Ordnung und Ruhe in allen Landesteilen wieder vollkommen hergestellt sei.</p>

<p>200 bis 400 mit Gewehren, Speeren, Schwertern und Äxten bewaffnete Hindu seien in großen Gruppen durch das Dorf gezogen und hätten Häuser von Christen und Kirchen zerstört. Dabei hätten sie Slogans skandiert (Hoch lebe der Gott Rama / Hoch lebe die Kraft von Bajrang / Hoch lebe Mutter Indien). Die Hindu-Jugendorganisation Bajrang Dal gilt als einer der treibenden Kräfte bei der jüngsten Eskalation der Gewalt auf dem Subkontinent. </p>

<p>Um die Bewohner einzuschüchtern und Aktivisten in benachbarten Dörfern über den Beginn des Angriffs zu informieren, wurden auch Feuerwerkskörper von den Angreifern gezündet. Lokale Händler hätten den Bajrang Dal-Aktivisten Alkohol zur Verfügung gestellt sowie Kerosin, mit denen die Häuser abgefackelt worden seien. Die Geschäftsleute wollten sich somit nicht nur mit den Demonstranten gut stellen, sondern verfolgten auch eigene Interessen.</p>

<p>Mit Argwohn beobachteten sie in den letzten Jahren, dass Adivasi-Kleinbauern und Sammler immer selbstbewusster wurden und die Kommerzialisierung ihrer Produkte selbstverantwortlich vorantrieben. Dabei bekamen sie Unterstützung von den christlichen Kirchen, die sie zu diesem Schritt ermutigten, um langfristig ihren Lebensunterhalt zu verbessern. Die lokalen Händler fürchteten jedoch, als Zwischenhändler ausgeschaltet zu werden und hatten größtes Interesse daran, dass die bestehende soziale Ordnung nicht verändert wird. Absurd ist allerdings, dass die gleichen Händler, die die Pogrom-Stimmung gegen religiöse Minderheiten<br />
anheizten, nun finanzielle Hilfen von der indischen Regierung fordern, weil ihre Geschäfte aufgrund der Unruhen zurückgegangen seien.</p>

<p>Offensichtlich ging es den Angreifern aber nicht darum, gezielt Massaker zu verüben und besonders viele Menschen zu töten. Denn angesichts der Einkesselung der Dörfer und der Übermacht der Angreifer wäre es ein Leichtes gewesen, eine große Zahl Christen zu töten. Doch den Angreifern ging es vor allem darum, Angst und Schrecken zu verbreiten und die Dorfbewohner zu vertreiben. So konnten sie ungestört die Häuser plündern und zerstören. Auffällig war auch bei der Fahrt durch das Krisengebiet, dass immer die Dächer der Lehm- und Steinhäuser zerstört worden waren. Offensichtlich waren die Dächer gezielt beschädigt worden, damit während zurzeit der Angriffe einsetzenden Regenzeit das gesamte Hab und Gut der Hausbewohner zerstört werde und das Haus unbewohnbar werde.</p>

<p>In dem 150 Häuser zählenden Dorf Didrobadi wurden 20 von Christen bewohnte Häuser vollkommen zerstört, weitere 80 Häuser wurden beschädigt, eine Kirche wurde niedergebrannt. In dem Ort lebten vor dem Angriff insgesamt 100 christliche Familien und 50 Hindu-Familien. Ein Geschäft, das einem Christen gehörte, wurde vollkommen zerstört.</p>

<p><br />
Priester wurden ermordet:</p>

<p>Als das Dorf Totamaha am Nachmittag des 26. August 2008 von Hindu-Nationalisten angegriffen wurde, ergriffen die Bewohner des Ortes die Flucht. Auch Akhbar Digal, der 46 Jahre alte Pastor der Pfingstgemeinde, floh vor den radikalen Hindu. Er wurde jedoch gefasst und von Dorfbewohnern als Pastor denunziert. Daraufhin schlug man ihm mit einem Beil den Kopf ab. Nachbarn und Angehörige des Getöteten erklärten, den Namen des Mörders zu kennen. Sie hätten den Namen des mutmaßlichen<br />
Täters auch bei der Polizei genannt, als sie Anzeige erstatteten. Doch der Verdächtige sei noch immer auf freiem Fuß und man habe nichts von strafrechtlichen Ermittlungen der Behörden gehört.</p>

<p>Nach Informationen der Polizeibehörden sind seit dem Ausbruch der Unruhen rund 700 Anzeigen wegen Gewalttaten im Kandhamal Distrikt erstattet worden (<a href="http://www.odishatoday.com">http://www.odishatoday.com</a>, 6.11.2008).&nbsp; Hatten Christen und offizielle Vertreter christlicher Kirchen bei vorangegangenen Übergriffen noch zur Vorsicht geraten und ganz bewusst davon abgesehen, Anzeigen zu erstatten, um die Mehrheitsbevölkerung nicht zu provozieren, so hat sich dieses Verhalten seit Beginn der Übergriffe im August<br />
2008 grundlegend geändert. So ermutigen die Kirchen nicht nur Christen, öffentlich über die Gewalttaten und die Verantwortlichen zu reden, sondern unterstützen nun Christen auch mit juristischem Rat, wenn sie ihre Rechte einfordern. Vertreter der Kirchen haben den staatlichen Behörden im Bundesstaat Orissa mehrfach vorgeworfen, die Verantwortlichen der schweren Menschenrechtsverletzungen nicht angemessen juristisch zur Rechenschaft zu ziehen.</p>

<p>Auch im Dorf Bakingia wurde am 26. August 2008 ein Geistlicher ermordet. Der 50 Jahre alte Pastor der Sieben-Tage-Adventisten, Samuel Naik, war bei seiner schwerkranken Mutter Janumati Naik am Krankenbett zurückgeblieben, als die Angreifer in das Dorf kamen. Der Pastor wurde mit einem Beil erschlagen. Seine Mutter wurde mit Kerosin übergossen und angezündet.</p>

<p>Der Pastor Fidem Nayak machte sich mit zwei Jugendlichen am 23. August 2008 auf den Weg zu einem Gebetstreffen in das Nachbardorf. Doch von dort sollte sie nicht mehr zurückkehren. Alle drei Christen wurden auf dem Rückweg am 25. August von radikalen Hindu zu Tode gehackt. Auch sein Haus in seinem Heimatdorf wurde geplündert und niedergebrannt. Seine 50 Jahre alte Frau Nalini Nayak floh in das Flüchtlingslager Tikabali, nachdem sie sich mit Nachbarn vier Tage lang sich in den<br />
Wäldern versteckt gehalten hatte. Auch zwei Monate nach ihrer Flucht will sie nicht zurückehren, weil alles in ihrem Dorf zerstört ist und sie auch nicht ihren Glauben aufgeben will.</p>

<p><img src="http://www.musikwerkstatt-rzeszut.de/images/uploads/Zerstörtes_Haus_in_Kudupakia_-_Photo_und_Copyright_von_James_Albert,_GfbV.jpg" style="border: 0;" alt="image" width="450" height="600" /> </p>

<p><br />
Christen müssen unter Zwang konvertieren:</p>

<p>Christliche Adivasi und Dalits berichteten, dass Hindu-Angreifer ihnen drohten, ihre Häuser in Brand zu stecken und sie zu ermorden, wenn sie sich nicht vom Christentum abwenden und zum hinduistischen Glauben bekennen würden. Rund 600 Christen sollen in den letzten drei Monaten in Orissa zwangsweise zum Hinduismus konvertiert worden sein. Zwei Zwangskonvertierte, der 45 Jahre alte Cyprian Digal aus dem Dorf Pirigida und der 56 Jahre alte Daud Nayak aus dem Ort Dahrampur, beschrieben gegenüber der Gesellschaft für bedrohte Völker die Umstände ihrer „Zwangsbekehrung“.</p>

<p>Am 25. August wurden 14 Christen aus mehreren Dörfern von Hindu-Aktivisten zur Zwangskonversion zusammengetrieben worden. Geleitet wurde die Zeremonie von einem brahmanischen Priester Srinivas. Zur inneren Reinigung wurde den Christen ein Getränk verabreicht, das aus einer Mischung von Kuhdung, dem Urin von Kühen und Kuhmilch bestand. Sie mussten dieses Getränk vor den Augen der nationalistischen Hindu zu sich nehmen. Auch wurden ihnen die Haare kahlgeschoren, bis auf einen kleinen Zopf am Hinterkopf. Mehrfach mussten sie die Slogans (Es lebe der Gott Rama / Hoch lebe die Kraft von Bajrang / Hoch lebe Mutter Indien) anstimmen. Sie wurden angewiesen, ihre Bibeln zu vernichten.</p>

<p>Der 42 Jahre alte Binod Kumar Pradhan aus dem Dorf Sirtiguda entging nur knapp der Zwangskonversion. Als der Vater von zwei Kindern am Nachmittag des 25. August 2008 die nahende Meute radikaler Hindu kommen hörte, packte er schnell Handy, MP 3-Player und zwei Bibeln in seine Tasche und floh. Doch nur ein paar Häuserblocks weiter wurde er gefasst. Die Hindu-Aktivisten nahmen ihm Handy und MP 3-Player ab und zerrissen die Bibeln in Stücke. Sie verprügelten ihn und forderten ihn auf, sich zum Hinduismus zu bekennen. Als er sich weigerte, banden sie ihn an einen Baum, um andere fliehende Christen zu verfolgen. Sie übergossen ihn mit Benzin und kündigten an, nach der Verfolgung der anderen Flüchtlinge zurückzukommen. Schließlich wurde er nach Einbruch der Nacht von einem Hindu befreit, der ihn persönlich kannte. Er floh daraufhin zu seinen Schwiegereltern in das Dorf Daringbadi. Erst am 9. Oktober traute er sich, zu seinen Eltern nach Kudupakya heimzukehren.<br />
 
Der 30 Jahre alte Basant Digal versuchte nach einem Monat in dem Flüchtlingslager Tikabali mit seiner Frau und seiner Schwägerin in ihren Heimatort zurückzukehren. Doch eine Gruppe von rund 40 Hindu, unter ihnen viele Frauen, stellte sich ihnen am Dorfeingang in den Weg und versperrte ihnen den Zutritt. In ihrem Dorf dürften sie nur leben, wenn sie sich zum Hinduismus bekehren würden, forderten die radikalen Hindu. Da Basant Digal sich nicht vom christlichen Glauben abkehren wollte, kehrte er in das Flüchtlingscamp zurück.</p>

<p>Selbst Christen, die die Zwangskonversion hinnahmen, bekamen später mit der hinduistischen Mehrheitsbevölkerung Probleme. So hatte sich die Familie von Sukhdev Digal aus dem Dorf Dagpadar unter dem Druck extremistischer Hindu zum Hinduismus konvertieren lassen. Doch auch Sukhdev musste fliehen, da seine Familie Opfer von Gewaltverbrechen wurde. Am 26. September 2008, ein Monat nach Ausbruch der Unruhen, war er mit seinen zwei Brüdern Bispat und Santarai in ein Nachbardorf<br />
aufgebrochen, um Material zu holen. Dort übernachteten sie in dem Haus eines Hindu. Um Mitternacht erwachte Sukhdev, als rund einhundert Demonstranten das Haus angriffen. Tatenlos musste er zusehen, wie seine zwei Brüder von den Angreifern totgeschlagen wurden. Sukhdev gelang in der Dunkelheit die Flucht in das fünfzehn Kilometer entfernte Camp Tikabali.</p>

<p>Die Regierung des Bundesstaates Orissa, in der auch die radikale Hindu-Partei BJP vertreten ist, erklärte schon Ende September 2008, dass sich die Lage im Kandhamal Distrikt beruhigt habe. Von den Behörden aufgebaute lokale Friedenskomitees hätten für eine Rückkehr von Ruhe und Ordnung gesorgt. Doch „normales Leben“ kehrte nur in die Dörfer zurück, in denen keine Christen mehr lebten oder in denen sich Christen unter Zwang zur Konversion bereit erklärt hatten. So wurden 22 von 30 christlichen Familien in dem Ort Ladapadar am 2. Oktober 2008 gezwungen, sich zum Hinduismus zu bekennen. Unter ihnen war auch Jonathan Digal, dessen Vater Jakhyachandra Digal Pastor in einem anderen Ort in der Region war. Jonathan hat nach der Zwangskonversion einen neuen Namen angenommen und nennt sich nun Sujit Digal.</p>

<p><img src="http://www.musikwerkstatt-rzeszut.de/images/uploads/Zeltstadt_im_Flüchtlingscamp_G._Udaygiri_-_Photo_und_Copyright_von_James_Albert,_GfbV_.jpg" style="border: 0;" alt="image" width="300" height="225" /></p>

<p><br />
Flüchtlinge können nicht zurückkehren:</p>

<p>Heimkehrern aus den Flüchtlingslagern droht in ihren Heimatdörfern Todesgefahr. So wurde der 14 Jahre alte Jugendliche Ranjit Pariccha von Brahmanen mit dem Tod bedroht, als er in sein Dorf zurückkehrte, um seine Großeltern zu besuchen.</p>

<p>Andere Rückkehrer wurden ermordet, als sie sich zu Hause informieren wollten, ob eine Heimkehr in ihre zerstörten Häuser möglich wäre. Am 8. September 2008 besuchte Herr Purendra Malik sein Heimatdorf Nilungia, um sich den Zustand des Hauses der Familie anzuschauen, berichtete seine Frau Shantilata Malik. Seine Erkundungsmission kostete ihn das Leben, da er sofort ermordet wurde. Seine Leiche wurde in einem Sack in einem Teich versenkt und tauchte erst fünf Tage später wieder auf.</p>

<p>Nur wenige Tage später wurde der 35 Jahre alte Herr Eswor Digal ermordet, als er sein Heimatdorf Guttingia besuchte. Er wurde mit einem Beil erschlagen.</p>

<p>Wollen die Flüchtlinge in ihre zumeist zerstörten Häuser zurückkehren, so müssen sie Erklärungen unterschreiben, in denen sie sich selbst der Brandstiftung ihrer Häuser bezichtigen. Auch müssen sie schriftlich zusichern, dass sie sich freiwillig zum hinduistischen Glauben bekehrt hätten. Im Falle einer Rückkehr in ihre Dörfer droht den Vertriebenen, einen Platz auf der tiefsten sozialen Stufe zugewiesen zu bekommen. Für die Flüchtlinge sind dies unzumutbare Bedingungen, die jede menschenwürdige Rückkehr an ihren traditionellen Wohnort unmöglich machen.</p>

<p>Für die Adivasi-Ureinwohner hat diese Vertreibung von ihrem Land weitreichende Folgen. Die traditionell als Kleinbauern und Sammler lebenden Ureinwohner sind auf ihr traditionelles Land sowie auf den Wald und die Natur angewiesen. Ein Leben in Slums am Rande der Großstädte hätte für sie nicht nur tiefgreifende soziale Folgen, sondern würde den Verlust ihrer ethnischen und kulturellen Identität bedeuten. Denn Land ist für sie traditionell nicht veräußerbar, sondern ihre Verbindung zu den Ahnen und somit ein unverzichtbarer Teil ihrer Identität. Das Land ihrer Ahnen ist nicht beliebig austauschbar, so dass ihnen auch nur unzureichend mit der Zuweisung neuen Landes in einer anderen Region geholfen wäre.</p>

<p><br />
Willkürliche Verhaftung von Christen:</p>

<p>Allein aufgrund ihres religiösen Bekenntnisses werden Christen nicht nur bedrängt und eingeschüchtert, sondern auch willkürlich festgenommen. So wurde der Kleinbauer und Tagelöhner Jacob Pradhan wochenlang festgehalten, weil er fälschlicherweise des Mordes an dem VHP-Führer Swami Lakshmanananda im August 2008 verdächtigt wurde.</p>

<p>Jacobs Leidensweg begann damit, dass der 35-Jährige am 24. August sein Dorf Bogadi verließ, um in der Stadt K. Nuangau Medizin für seinen kranken Vater zu kaufen. Dort wurde er von örtlichen Bajrang Dal-Aktivisten festgehalten und verprügelt. Später brachten sie ihn zur Polizeistation in Phandi (am Rande der Stadt K. Nuangao), berichtete der Bauer der Gesellschaft für bedrohte Völker. Auf dem Polizeirevier bezichtigten sie ihn, Swami ermordet zu haben. So wurde Jacob Pradhan am 24. August verhaftet. Zunächst brachte man ihn in die Stadt Pulbani ins Gefängnis. Später wurde er in die Hauptstadt des Bundesstaates, nach Bhubaneswar verlegt, um dort einen Lügendetektor-Test zu machen. In der Haft wurde er misshandelt und geschlagen, so dass ihm bis heute sein rechtes Knie noch schmerzt. Sechs weitere Christen seien mit ihm im Gefängnis wegen ähnlicher Vorwürfe festgehalten worden, berichtete Jacob Pradhan nach seiner Freilassung. Erst am 2. Oktober wurde er<br />
schließlich auf Druck von Rechtsanwälten, die auf seinen Fall aufmerksam geworden waren, freigelassen.</p>

<p>Ohne Entschuldigung und mittellos wurde er aus der Haft entlassen. Lange irrte er durch die fremde Stadt, bis er auf ein Haus mit christlichen Emblemen stieß. Es war ein Bibel-Kolleg, dessen Leiter ihm Geld gab, um nach Hause zurückkehren zu können.</p>

<p>Viele der Verhafteten wollen namentlich nicht erwähnt werden, weil sie weitere Nachteile für sich und ihre Familien befürchten. So möchte auch ein angesehener Bürger der Stadt nicht erwähnt werden, der ein ähnliches Schicksal wie der verhaftete Kleinbauer erlitt.</p>

<p>Der Christ Bernhard Najuk (Name geändert) wurde an einer Tankstelle in Bhubaneswar von einem Hindu angesprochen, als er sein neues Auto betanken wollte. Der Hindu bewunderte das Fahrzeug und erkundigte sich, wie er denn dieses schöne Auto habe erwerben können. Najuk versicherte dem Hindu, er habe einen Kredit aufgenommen, um das Fahrzeug zu kaufen. Dies wollte der Hindu nicht glauben und unterstellte Najuk, Geld für seine Beteiligung an der Ermordung des VHP-Führers Swami erhalten zu haben. Zwar bestritt der Christ vehement jede Beteiligung an der Ermordung des radikalen Hindu-Führers, doch immer mehr Hindu blieben an der Tankstelle stehen und bedrängten Najuk.</p>

<p>Um sein Fahrzeug und sein Leben zu retten, schlug der Christ vor, gemeinsam mit dem Hindu zur nächsten Polizeistation zu gehen, um die Vorwürfe aufzuklären. Dort angekommen, rieten die Polizisten (die in Orissa oft nationalistischen Hindu-Organisationen nahe stehen) Najuk, über Nacht in der Polizeistation zu bleiben, da man draußen seine Sicherheit nicht garantieren könne. Inzwischen hatte der Hindu, der den Vorfall ausgelöst hatte, eine Anzeige gegen Najuk bei dem Polizeirevier aufgegeben, so dass der Christ auch am nächsten Morgen weiterhin in Polizei-Gewahrsam gehalten wurde. Weitere vier Wochen musste der angesehene Bürger in der Haft verbringen, weil er willkürlich von dem Hindu der Beteiligung an dem Mord an RSS-Führer Swami L.verdächtigt worden war.</p>

<p>Die Fälle dieser willkürlichen Verhaftungen zeigen, dass es für Angehörigen religiöser Minderheiten in Orissa keine Gerechtigkeit gibt und dass sie in dem Bundesstaat einer latenten Verfolgung ausgesetzt sind. Staatliche Sicherheitsorgane wie die Polizei, nehmen dabei keine neutrale Position ein, sondern sind von Hindu-Nationalisten so sehr unterwandert, dass sie Angehörigen religiöser Minderheiten Schutz und Gerechtigkeit verweigern.</p>

<p><br />
Bischöfe kritisieren mangelnden Schutz der Christen:</p>

<p>Angesichts der willkürlichen Verhaftungen von Christen und des mangelnden Schutzes der Angehörigen der Minderheit durch Sicherheitskräfte warfen sechs Bischöfe aus Orissa den Behörden Versagen vor. „Es erfüllt uns mit Schmerz, dass sowohl die Landesregierung als auch die Bundesregierung so spät auf die anhaltende Gewalt gegen Christen in Orissa reagiert hat“, erklärten die Bischöfe in einem Ende Oktober 2008 verlesenen Gemeindebrief. „Wir sind traurig darüber, dass die beiden Regierungen so erbärmlich versagt haben bei der Umsetzung der ihnen verfassungsrechtlich obliegenden Pflichten“, kritisierten Bischof Thomas Thiruthalil, Vorsitzender des Regionalen Rates der Bischöfe von Orissa, sowie der Erzbischof von Cuttack-Bhubaneswar und die Bischöfe von Rourkela, Sambalpur und Berhampur.</p>

<p>Die Bischöfe betonen in dem Gemeindebrief die soziale Dimension der pogromartigen Übergriffe gegen Christen. Die Kirche unterstütze die Armen und Ausgegrenzten, die nun Rechte einforderten, erklärten die Bischöfe. Von den Mächtigen im Land werde dieses Engagement gefürchtet, da es ihren Einfluss in Frage stelle. Daher hätten sie zur Gewalt gegriffen, um ihre Machtstellung auch weiterhin zu sichern.</p>

<p>Die Katholische Bischofskonferenz Indiens hatte schon am 26. September in einer gemeinsamen Erklärung die unzureichende Antwort der Behörden auf die Gewalt gegen Christen scharf verurteilt. „Schockiert und tief betrübt über die jüngsten Szenen außerordentlicher Gewalt gegen die christliche Gemeinschaft in verschiedenen Landesteilen drückt das Exekutivkomitee der Katholischen Bischofskonferenz Indiens seine tiefe Enttäuschung über die Apathie und mangelnde Reaktion der Bundes und Landesregierungen auf die Gewalt aus“, erklärten das bedeutendste Organ der Katholischen Kirche Indiens (<a href="http://www.zenit.org">http://www.zenit.org</a>, 30.9.2008).</p>

<p>Die Katholische Kirche scheute auch nicht davor zurück, die Verantwortlichen für die Gewalt zu benennen. So erklären die Bischöfe: „Es war offensichtlich, dass die<br />
Verantwortlichen dieser scheußlichen Taten gut ausgebildete Mitstreiter von Hindutva-Aktivisten waren, die Anweisungen von anderer Seite erhalten hatten und einen Master-Plan der Zerstörung umsetzten…Es ist Indiens alte Zivilisation, die dadurch herabgewürdigt wird sowie traditionelle Werte wie Wahrheit, Toleranz und den Respekt der Religionen, die es über Jahrhunderte bewahrt hat und die nun in den Schmutz gezerrt werden“, erklärte die Bischofskonferenz.</p>

<p><img src="http://www.musikwerkstatt-rzeszut.de/images/uploads/Familie_im_Flüchtlingscamp_K._Nuangaon_-_Photo_und_Copyright_von_James_Albert,_GfbV_.jpg" style="border: 0;" alt="image" width="300" height="225" /> </p>

<p>Die Bischöfe äußerten auch ganz konkrete Forderungen: „Eine konsequente Bekämpfung anti-sozialer und anti-religiöser Kräfte, die die Menschenrechte verletzen und unschuldige Leute terrorisieren“. Auch sollten die „Verantwortlichen der Gewalt strafrechtlich zur Rechenschaft“ gezogen werden. Alle „betroffenen Einzelpersonen und Institutionen sollten unverzüglich angemessen entschädigt werden“, verlangten die Bischöfe. Das Bundeskriminalamt CBI sollte mit der Untersuchung der Vorkommnisse in Orissa betraut werden. Fundamentalistische Organisationen, die im Namen von Hindutva oder in irgendeinem anderen Namen „Terroristen“ ausbilden, sollten verboten werden.<br />
 
Erzbischof Raphael Cheenath von Bhubaneswar-Cuttack wirft einer von der Landesregierung Orissas eingesetzten Kommission, die die Unruhen im Kandhamal Distrikt untersuchen soll, vor, nicht neutral zu sein. Er habe kein Vertrauen in die zwei Richter, die mit der Mission betraut worden seien, erklärte der Erzbischof. Die Richter seien ohne Rücksprache mit den Opfern der Gewalt ernannt worden, so dass wenig Vertrauen in ihre Arbeit bestehe. Auch sei mit dem 15. November der Zeitraum<br />
für die Sammlung aller Aussagen von Augenzeugen zu eng bemessen, kritisierte der Kirchenvertreter (Asia News, 23.10.2008). Man habe nichts von den Fehlern gelernt, die bei einer Untersuchung der Ausschreitungen gegen Christen im Dezember 2007 gemacht worden seien.</p>

<p><br />
Christliche Verbände fordern Verbot radikaler Hindu-Organisationen:</p>

<p>Noch deutlicher als die Katholische Bischofskonferenz wurde der „All India Christian Council (AICC)“, die bedeutendste Vertretung der Laien in den christlichen Kirchen des Subkontinents. Gemeinsam mit muslimischen Organisationen und zahllosen Bürgerrechtsbewegungen aus Indien organisierte der AICC am 25. und 26. Oktober 2008 in New Delhi eine „Nationale Konferenz zur Eindämmung faschistischer Kräfte“, um die Ideale Indiens zu verteidigen. Rund 750 Aktivisten von 90  Nichtregierungsorganisationen aus 18 Bundesstaaten nahmen an der Konferenz teil. </p>

<p>In ihrer Abschlusserklärung beklagten sie die von der BJP, RSS und anderen Kräften aus der Sangh Parivar-Bewegung lancierte Hass-Kampagne gegen Christen in Orissa und zehn weiteren Bundesstaaten. Auch Muslime würden in ganz Indien von Hindutva-Aktivisten pauschal als Terroristen und Extremisten verteufelt.</p>

<p>In ihrer Abschlusserklärung fordern die Nichtregierungsorganisationen unter anderem ein Verbot der RSS, VHP und Bajrang Dal und eine Beschlagnahmung ihres Vermögens im In- und Ausland. Alle Mitglieder der BJP und der RSS-Studentenorganisation ABVP sollen strafrechtlich zur Rechenschaft gezogen werden, die Kontakte zu terroristischen Hindutva-Organisationen unterhalten. Auch fordern sie den Rücktritt des indischen Innenministers Shivraj Patil, weil er unter anderem die Angriffe auf Christen in Orissa nicht rechtzeitig eindämmte und muslimische Jugendliche zu Unrecht verdächtigte, Straftaten verübt zu haben, um seine politische Karriere zu retten.</p>

<p><br />
Hindu-Extremisten schüren Gewalt gegen Christen in Orissa:</p>

<p>In keinem anderen Bundesstaat gibt es so viele ethnische Konflikte wie in Orissa. Nach Informationen des Indischen Innenministeriums wurden zwischen Januar und September 2008 in ganz Indien 695 ethnische Konflikte registriert. Die Spitzenposition nahm Orissa mit 159 Fällen ein (<a href="http://www.Indianexpress.com">http://www.Indianexpress.com</a>, 21.10.2008). Dabei gibt es in Orissa nicht außergewöhnlich viele unterschiedliche ethnische Gruppen und der Anteil der Ureinwohner an der Gesamtbevölkerung ist ähnlich groß wie in Madhya Pradesh, Rajasthan, Jharkand und Chhattisgarh. Zwar gibt es in Orissa viele Landkonflikte, doch mit 1.431 strittigen Landrechtsfällen ist ihre Zahl deutlich geringer als beispielsweise in Andhra Pradesh, wo 65.875 Fälle zur Entscheidung anliegen (The State of India’s Indigenous and Tribal Peoples 2007, Asian Indigenous &amp; Tribal People’s Network, S.26).</p>

<p>Dass es trotzdem so viele ethnische Konflikte in Orissa gibt, ist vor allem auf die Politik der amtierenden Koalitionsregierung der radikal-hinduistischen Bharatiya Janata Party (BJP) und der Biju Janata Dal (BJD) unter dem Ministerpräsidenten Naveen Patnaik zurückzuführen, die gezielt ethnische und religiöse Auseinandersetzungen schürt.</p>

<p>Besonders deutlich wurde dies bei den Ausschreitungen gegen Christen seit August 2008. Nur wenige Stunden nach dem Mord an RSS-Führer Swami am Abend des 23. August errichteten Aktivisten der VHP und von Bajrang Dal Straßensperren in Bhubaneswar und anderen Städten Orissas und protestierten in den Straßen. Sie schenkten dem von der Polizei verbreiteten Verdacht, maoistische Naxalit-Rebellen seien für die Gewalttat verantwortlich, keinen Glauben. </p>

<p>Die VHP verfügt in Orissa über 125.000 Aktivisten (Tehelka Magazine, 13.9.2008). Die RSS hat in dem Bundesstaat 6000 lokale Gruppen mit rund 150.000 Anhängern. Bajrang Dal kann 50.000 radikale Hindu mobilisieren, die in 200 Gruppen organisiert sind. Auch die BJP verfügt in Orissa über 450.000 Anhänger, Hindutva nahe stehende Frauen-Organisationen und Gewerkschaften können nochmals zehntausende Hindu<br />
mobilisieren. Ein von diesen Gruppen ausgerufener zwölfstündiger Generalstreik brachte das öffentliche Leben in dem Bundesstaat am 25.August zum Erliegen. Geschäfte, Banken, Schulen schlossen ihre Tore.</p>

<p>Schon während dieses Generalstreiks wurden im Kandhamal-Distrikt Häuser von Christen und Kirchen geplündert und niedergebrannt. Besonders schlimm wurde die Lage, nachdem die Landesregierung Orissas dem Druck der VHP nachgab und einen Trauerzug von Swamis Anhängern von seinem Ashram und letzten Lebensmittelpunkt in Jalespata nach Chakapad zustimmte. Der Zug, der am Nachmittag des 24. August in Jalespata begann, und 24 Stunden später in Chakapad endete, führte durch hunderte Dörfer und hinterließ eine Spur der Verwüstung.</p>

<p>An dem umstrittenen Trauerzug nahmen auch der Präsident der BJP in dem Bundesstaat, Suresh Pujari, sowie weitere führende Vertreter von Sangh Parivar teil. In den Dörfern entlang der Wegstrecke wurden sowohl Häuser von Christen als auch von Unterstützern der Kongress-Partei angegriffen, die die Bundesregierung stellt<br />
und als Kritikerin der BJP und der Sangh Parivar-Bewegung gilt. Augenzeugen berichteten, dass die lokalen Polizisten zumeist nicht gegen die Gewalt einschritten und die bedrängten Christen auch nicht schützten.</p>

<p>Am Nachmittag des 25.August wurde dann schließlich der Leichnam von Swami in Chakapad eingeäschert. Dabei waren anwesend drei BJP-Minister aus Orissa, mehrere Parlamentarier und Führer der VHP sowie anderer radikaler Hindu-Organisationen, unter ihnen VHP-Präsident Praveen Togadia.</p>

<p>Trotz des über mehrere Städte verhängten Ausnahmezustands reiste Togadia mit dem Auto durch den Kandhamal-Distrikt, ohne in irgendeiner Weise von der Polizei in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt zu werden. Dabei agitierte er öffentlich gegen Christen, die er für den Mord an Swami verantwortlich machte. Auch warf er den Christen vor, mit Geldgeschenken Adivasi zur Konversion zum christlichen Glauben zu locken und damit den Frieden in der Region zu gefährden. Der Landesregierung<br />
Orissas warf der VHP-Führer vor, Swami nicht ausreichend geschützt zu haben.</p>

<p>Während der bedeutendste VHP-Demagoge sich frei im Kandhamal-Distrikt bewegen und dort agitieren konnte, wurde dem indischen Innenminister, mehreren Abgeordneten der Kongress-Partei aus Orissa, einer Delegation der Kommunistischen Partei Indiens sowie anderen Parlamentariern und Menschenrechtlern zunächst die Einreise in die Unruheregion verweigert. Die Einreiserestriktionen wurden erst am 3. September 2008 auf Intervention des indischen Innenministers aufgehoben.</p>

<p>Vergeblich forderten mehrere politische Parteien und Nichtregierungsorganisationen die Aufnahme von Ermittlungen durch das Central Bureau of Investigation (CBI, Bundeskriminalamt), doch die Regierung Orissas bestand darauf, dass die Strafverfolgung von den lokalen Polizeistellen übernommen wird. Unter den christlichen Ureinwohnern genießt die Polizei keinen guten Ruf. Sie gilt als unterwandert und gleichgeschaltet von radikalen Hindu.</p>

<p>Eine 29-jährige Nonne, Schwester Meena Barwa, die von radikalen Hindu am 25. August vergewaltigt wurde, kritisierte nach dem Gewaltverbrechen massiv <br />
die lokale Polizei. Zwei Polizisten hätten sie nach ihrer Vergewaltigung halbnackt durch das Dorf geführt, statt ihr zu helfen, berichtete Schwester Meena der Gesellschaft für bedrohte Völker. Man habe ihr die Vergewaltigung nicht glauben wollen und ihr von einer Anzeige abgeraten, erklärte die Nonne (Asia News, 25.10.2008) „Ich wurde vergewaltigt und jetzt will ich nicht von der Polizei von Orissa noch einmal zum Opfer gemacht werden. Ich will ein ordentliches Verfahren“, erklärte Schwester Meena. Als sie die Kritik am Verhalten der Polizei mit in die Anzeige aufnehmen wollte, widersprach der Polizeibeamte und erklärte ihr, sie solle sich kürzer fassen.</p>

<p>Führende Sangh Parivar-Aktivisten in Orissa forderten inzwischen öffentlich die Verhaftung von Schwester Meena. Mit „ihren falschen Anschuldigungen“ vergifte sie die Atmosphäre, erklärte Susri Suchitra Mohapatra von der Organisation Rastrasevika Samiti. Die Nonne sei überhaupt nicht vergewaltigt worden und es sei eine „nationale Schande“, dass Christen das Ansehen Orissas beschädigten (VISAKEO, 20.10.2008).</p>

<p>Währenddessen verurteilte die BJP in Orissa, dass aufgrund der Polizeigewalt Einwohner aus dem Kandhamal-Distrikt hätten fliehen müssen (<a href="http://www.odishatoday.com">http://www.odishatoday.com</a>, 2.11.2008). Die der Sangh Parivar-Bewegung angehörende radikale Hindu-Organisation Vanavasi Kalyan Ashram forderte einen „besseren Schutz und mehr Sicherheit für die Hindu-Minderheit“ im Kandhamal Distrikt (<a href="http://www.odishatoday.com">http://www.odishatoday.com</a>, 7.11.2008).</p>

<p>Dass die Hindus in der Unruheregion nicht in der Minderheit sind, sondern die Mehrheit stellen, kümmert die Demagogen von Sangh Parivar wenig. Der Ministerpräsident Orissas vertrete nur die Interessen der christlichen Minderheit, kritisierten die Hindu-Extremisten.</p>

<p>Die öffentlichen Erklärungen von Sangh Parivar machen deutlich, mit welchen Mitteln die Hindutva-Bewegung bei der Durchsetzung ihrer Ziele arbeitet, und dass sie sich um den Wahrheitsgehalt ihrer Propaganda wenig kümmert. So konnte es auch nicht mehr verwundern, dass der Vorsitzende der VHP in Indien, Praveen Togadia, jüngst öffentlich versicherte, „Kein Hindu kann ein Terrorist sein“(The Hindu, 5.11.2008).</p>

<p>Christen, wie Vater Edward Sequeira, sehen dies allerdings anders. Er  bezeichnet die radikalen Hindu in Orissa als „Terroristen“ (Asia News, 5.9.2008). Seit mehr als 25 Jahren arbeitet der Geistliche in Orissa. So baute er unter anderem ein Waisenhaus auf, das nun von Hindu-Extremisten niedergebrannt wurde. Als das Waisenhaus überfallen wurde, musste er mit zuhören, wie die 19 Jährige Rajni Majh, die in der Einrichtung groß geworden war, von den Angreifern bei lebendigem Leibe in die Flammen geworfen wurde.</p>

<p>Angesichts der anhaltenden Agitation radikaler Hindu-Aktivisten hat im Kandhamal-Distrikt niemand Vertrauen in die Beteuerungen des Polizeichefs von Orissa, Manmohan Praharj, bis zum 25.Dezember 2008 werde wieder das normale Leben in der Unruheregion einkehren (<a href="http://www.odishatoday.com">http://www.odishatoday.com</a>, 6.11.2008).</p>

<p>Der Ministerpräsident von Orissa und Präsident der BJD, Naveen Patnaik, verurteilte unmittelbar nach dem Mord an Swami die Gewalttat. Später besuchte er bei einer Reise in den Kandhamal Distrikt Swamis Ashram in Jalespata. Erst zehn Tage nach Beginn der Unruhen äußerte sich Patnaik hingegen zu den Übergriffen in dem Kandhamal Distrikt und bezeichnete sie als „unerfreulich“.</p>

<p><br />
Bundespolizei schützt Christen:</p>

<p>Während die Christen keinerlei Vertrauen in die lokale Polizei Orissas haben, genießt die Bundespolizei Central Reserve Police Force (CRPF) bei ihnen großes Ansehen. Erst nachdem 39 CRPF-Kompanien in die Unruheregion verlegt worden waren, die das Krisengebiet mit Straßensperren abriegelten, wurden kaum mehr Kirchen und Häuser von Christen niedergebrannt.</p>

<p>Am 13. Oktober wurde ein CRPF-Soldat von mutmaßlichen Hindu-Aktivisten in dem Dorf Sisapanga im Kandhamal Distrikt ermordet und verstümmelt (Compass Direct News, 20.10.2008). Seit diesem Mord tritt die CRPF entschlossen auf, um den Schutz der Christen sicherzustellen. Rund 1.000 Menschen sind von ihr verhaftet worden, die Häfte der Festgenommen sind nach Angaben des Ministerpräsidenten Orissas<br />
Aktivisten der VHP oder von Bajrang Dal.</p>

<p><br />
Unbegründete Vorwürfe gegen Christen:</p>

<p>Hindu-Extremisten werfen Christen vor, systematisch vor allem unter den Adivasi-Ureinwohnern zu missionieren. Gemäß der Verfassung Indiens ist eine Änderung des Glaubensbekenntnisses gestattet, soweit dies auf freiwilliger Basis geschieht.</p>

<p>Historisch gesehen bot eine Konversion von Ureinwohnern oder Dalits vom Hinduismus zum Christentum oder muslimischen Glauben die Möglichkeit, der Unterdrückung in der Kastenordnung und der Diskriminierung in der Gesellschaft zu entkommen. Immer mehr Adivasi und Dalits wandten sich daher den christlichen Kirchen zu, die ihnen Zugang zu Bildungseinrichtungen vermittelten, durch den sie ihren sozialen Status wiederum verbessern konnten.</p>

<p>Die VHP sowie führende Schichten der Kastengesellschaft verfolgen dies mit großer Besorgnis. So forderte die VHP im Jahr 2006 die Verabschiedung eines Gesetzes, das die Konversion zu nichthinduistischen Religionsgemeinschaften verbieten sollte. Im Juni 2008 erklärte die VHP sogar, dass Konversion ein Verbrechen sei.</p>

<p>Für das Jahr 2007 hatte Sangh Parivar geplant, 10.000 Christen in Orissa wieder zum hinduistischen Glauben zu bekehren. Doch im Jahr 2007 gab es weit weniger Konversions-Zeremonien als in den Jahren 2004 bis 2006. Politisch bewusster denkende Adivasi lehnen eine Unterordnung in das Kastensystem immer mehr ab und fordern stattdessen Rechte.</p>

<p>Christen stellten bei der Volkszählung im Jahr 2001 nur 2,4% der Bevölkerung Orissas. Im Kandhamal Distrikt leben 117.950 Christen und 527.757 Hindu. Die Zahl der Christen in Indien hat in den letzten Jahren nicht zugenommen, sondern abgenommen. So wurden 2,6 % Christen bei einer Volkszählung im Jahr 1971 registriert, 1981 waren es 2,44 %, 1991 nur mehr 2,32 % und 2001 sank die Zahl auf 2,3 % (Asia News, 30.9.2008).</p>

<p>Sangh Parivar schürt die Angst vor christlicher Missionierung auch mit der Verbreitung falscher Nachrichten. So erklärten RSS-Aktivisten kürzlich, in den Küstenregionen Orissas seien Missionare aktiv, die hunderte Hindu unter Zwang bekehrt hätten. Das Innenministerium Orissas dementierte inzwischen diese Gerüchte und stellte klar, dass sich in der fraglichen Region kein ausländischer Missionar aufhalte (Press Trust of India, 27.10.2008).</p>

<p><br />
Adivasi werden seit Jahrzehnten diskriminiert:</p>

<p>Die Zahl der in Indien lebenden Adivasi (Hindi für Ureinwohner, erster Mensch) ist gemäß der Volkszählung des Jahres 2001 mit 84,32 Millionen Menschen höher als die Bevölkerungszahl der Bundesrepublik Deutschland. Damit stellen sie 8,2 Prozent der indischen Bevölkerung.</p>

<p>Insgesamt sind 557 Volksgruppen unterschiedlicher Größe als so genannte „Scheduled Tribes“(ST) offiziell registriert.</p>

<p>Einige der Völker, wie die Bil, Gond und Santal, zählen mehrere Millionen Menschen, andere wie die Ureinwohner auf den Andamanen-Inseln nur mehrere hundert Personen. Rund 250 verschiedene Sprachen machen deutlich, dass die einzelnen Adivasi-Gruppen zum Teil auch kulturell sehr unterschiedlich sind.</p>

<p><img src="http://www.musikwerkstatt-rzeszut.de/images/uploads/Jayalalita_Digalmit_Kind_im_Flüchtlingscamp_Daringbadi_-_Photo_und_Copyright_von_James_Albert,_Gf.jpg" style="border: 0;" alt="image" width="200" height="267" /> </p>

<p>Die Adivasi sind Nachfahren von Hirten-Nomaden, Fischern, Wanderfeldbauern und Jägern und Sammlern, die als erste Einwohner Indiens 2.500 bis 1.500 Jahre vor unserer Zeitrechnung durch kriegerische Hirtenvölker erobert und verdrängt wurden. Diese Hirtenvölker nannten sich Arya, die Edlen. Die Arya führten das Kastensystem als gesellschaftliche Ordnung ein. Ein Teil der Ureinwohner wurde unterworfen und als „Unberührbare“ oder Kastenlose (Dalits, Scheduled Castes, SC) auf der untersten Stufe integriert. Die anderen Adivasi-Gruppen zogen sich unwegsame Berg- und Waldregionen zurück.</p>

<p>Die meisten Adivasi-Völker leben noch heute in entlegenen Wald- und Bergregionen des „Tribal Belt“ Zentralindiens (in den Bundesstaaten Orissa, Chattisgarh, Madhya Pradesh, Maharashtra, Jharkhand und Gujarat). Für rund zehn Millionen Adivasi-Ureinwohner stellt der Wald auch heute noch die unmittelbare Lebensgrundlage dar. </p>

<p>Seit Jahren gibt es Konflikte zwischen den indischen Behörden und den Adivasi um den Zugang zum Wald sowie um die Nutzung seiner Ressourcen. Rund 1,4 Millionen Menschen (die meisten waren Adivasi) wurden im Bundesstaat Orissa zwischen den Jahren 1951 und 1995 zwangsweise ungesiedelt, um Platz zu schaffen für Staudämme, Kanäle, Bergbauprojekte und andere Industrievorhaben.</p>

<p>Der Landraub auch durch staatliche Stellen hat in Orissa schon Tradition. So befinden sich 85 % des Landes im Kandhamal Distrikt heute im Eigentum des Staates, der die traditionelle Rechte der Urbevölkerung an dem Land systematisch missachtet. Viel von dem Land, was ursprünglich von den Adivasi für Wanderfeldbau genutzt wurde, hat der Staat sich in den letzten Jahrzehnten einverleibt und in Waldflächen umgewandelt. </p>

<p>Ohne Rücksicht auf traditionelle Landrechte der Adivasi forciert die Landesregierung Orissas die Ansiedlung von Industriebetrieben auch auf dem Land der Urbevölkerung. So schloss sie zwischen den Jahren 2002 und 2005 mindestens 42 Vorverträge mit Unternehmen über die Realisierung von Industrie- und Bergbauprojekten auf dem Land der Ureinwohner ab.</p>

<p>Gemäß der Volkszählung aus dem Jahr 2001 leben in Orissa heute 8,14 Millionen Adivasi. In dem Bundesstaat sind 62 unterschiedliche ethnische Ureinwohner-Völker offiziell registriert, die 9,66 % der Bevölkerung stellen. Ihre Lage ist katastrophal wie im ganzen Land. 90 % leben unter der Armutsgrenze.</p>

<p>Ihre Analphabetenquote ist überdurchschnittlich hoch. Während im Landesdurchschnitt 64,84 % der Bevölkerung im Jahr 2001 lesen und schreiben konnten, liegt die Quote bei den Adivasi bei nur 47,10 %. Statistisch gesehen wurde alle 29 Minuten im Jahr 2005 ein Verbrechen an einem Adivasi begangen. Während landesweit die Aufklärungsquote bei Verstößen gegen das indische Strafgesetzbuch bei 42,4 % liegt, wurden nur 24,2 % der Straftaten an Ureinwohnern strafrechtlich geahndet<br />
(The State of India’s Indigenous and Tribal Peoples 2007, Asian Indigenous &amp; Tribal People’s Network, S. 18).</p>

<p>Auch mehr als 60 Jahre nach der Unabhängigkeit Indiens werden die Adivasi noch immer diskriminiert. Zwar gibt es zum Teil durchaus bemerkenswerte Gesetze zum Schutz und zur Besserstellung der benachteiligten Minderheit, doch im Alltagsleben werden die Rechte der Ureinwohner auch von staatlichen Stellen mit Füßen getreten und missachtet. Ihre Probleme werden vergessen und verdrängt. Ihr friedlicher Widerstand gegen Landraub und Entrechtung wird mit Gewalt niedergeschlagen und kriminalisiert.</p>

<p>Dies gilt auch für den Bundesstaat Orissa. Als am 2. Januar 2006 in Kalinganagar (Orissa) rund 400 Adivasi-Frauen, -Kinder und –Männer gegen den Verlust ihres Landes demonstrierten, gingen Polizisten mit Gummigeschossen und Tränengas gegen sie vor. Nachdem ein Polizist von der wütenden Menge getötet wurde, erschossen Polizisten 14 Adivasi. Zwei der Getöteten wurden offensichtlich auf der Flucht erschossen, zwei weitere Ureinwohner starben nach Kopfschüssen aus nächster Entfernung. Sechs Körper der Getöteten wurden im Polizeigewahrsam verstümmelt (unter anderem alle Geschlechtsorgane), bevor sie den Angehörigen übergeben wurden.</p>

<p><br />
Hindu-Nationalisten schikanieren auch Muslime:</p>

<p>Nicht nur christliche Verbände fordern ein Verbot radikaler Hindu-Organisationen. Auch muslimische Organisationen plädieren für ein Verbot von VHP, RSS, BJP und Bajrang Dal, weil diese Gruppen systematisch alle religiösen Minderheiten bedrängen, schikanieren und ihre Rechte missachten.</p>

<p>Vor allem im Bundesstaat Gujarat, in der die BJP als Regierungspartei den Hindu-Nationalismus institutionalisiert hat, klagen Muslime über willkürliche Übergriffe, Einschüchterungsversuche und eine Einschränkung der Religionsfreiheit. Auch sechs Jahre nach pogromartigen Übergriffen auf die religiöse Minderheit, denen mehr als<br />
2000 Muslime zum Opfer fielen, bleiben die meisten Täter noch immer straffrei. Zehntausend Muslime flohen damals vor der Gewalt, tausende Geschäfte und Wohnungen von Muslimen wurden geplündert und in Brand gesetzt. Hunderte Moscheen wurden beschädigt oder zerstört. Mehr als 150 Städte und 990 Dörfer waren von der Gewalt betroffen.</p>

<p>Die Unruhen waren ausgebrochen, nachdem muslimische Extremisten einen Brandanschlag auf einen Zug verübt hatten, bei dem 58 Hindu am 27. Februar 2002 starben. Die Unruhen waren gezielt gesteuert von der BJP und dem VHP, die in dem Brandanschlag eine willkommene Gelegenheit sahen, um pauschal alle Muslime des Terrorismus zu beschuldigen. Radikale Hindu riefen darüber hinaus zu einem Boykott muslimischer Geschäfte und Firmen auf, der Jahre fort wirkte. In der Öffentlichkeit stellten Hindu-Organisationen den Pogrom als spontanen Ausbruch des Zorns der Mehrheitsbevölkerung dar, doch zu offenkundig mobilisierten VHP<br />
und BJP gegen Angehörige der religiösen Minderheit.</p>

<p>Zwar ordnete der Oberste Gerichtshof Indiens im Jahr 2004 die Wiedereröffnung zahlreicher Ermittlungsverfahren gegen Verantwortliche der Gewalttaten an. So wurden fast 1600 Verfahren wieder eröffnet, doch auf Gerechtigkeit warten die Muslime in Gujarat bis heute.</p>

<p>Die Regierung Gujarats behauptet, inzwischen sei wieder Normalität eingekehrt und es gebe keine Spannungen zwischen Religionsgemeinschaften. Doch Muslime fühlen sich als Bürger zweiter Klasse behandelt und klagen über eine Atmosphäre der Angst.</p>

<p>Tatsächlich gibt es immer neue Einschüchterungsversuche, Boykotts von muslimischen Geschäften und Firmen sowie willkürliche Übergriffe auf Angehörige der Minderheit.</p>

<p>Ein typisches Beispiel sind Muslime, die als Viehhändler arbeiten. Auf Druck der BJP wurde in Gujarat das Schlachten von Kühen verboten. Willkürlich wird muslimischen Viehhändlern unterstellt, dieses Verbot zu missachten. Viehtransporte werden noch nicht einmal von der Polizei, sondern von Mitgliedern der RSS-Jugendorganisation Bajrang Dal angehalten. Immer neue Papiere und Bescheinigungen werden von den Fahrern zur Vorlage gefordert, um zu belegen, dass es sich bei den getöteten Tieren nicht um Kühe handelt. Die Transporte werden so lange festgehalten, bis das Fleisch verdorben ist, berichteten muslimische Opfer dieser Willkür-Maßnahmen der Gesellschaft für bedrohte Völker. So wird die wirtschaftliche Existenz muslimischer Geschäftsleute gezielt zerstört.</p>

<p>Rund 5.000 muslimische Familien, die während des Pogroms vertrieben wurden, leben sechs Jahre nach den Übergriffen noch immer in Lagern, die katastrophal versorgt sind. So traf der Adivasi-Experte der GfbV in Indien auch mit Vertretern einer Gruppe von 50 vertriebenen Familien (rund 300 Menschen) zusammen, die heute in Sojitra (Anand Distrikt, Gujarat) leben. Seit sechs Jahren verfügen sie in ihren behelfsmäßigen Unterkünften nicht über fließendes Wasser, Toiletten, Elektrizität und Straßen.</p>

<p>Mehr als 30 Appelle an die indische Bundesregierung und an die Landesregierung von Gujarat verfasste die Gruppe bereits ohne jemals eine Antwort zu bekommen. Am 12. November 2008 wollen diese Vertriebenen einen Hungerstreik beginnen, um auf ihre schlimme Lage aufmerksam zu machen. Die Landesregierung Gujarats zeigt sich unbeeindruckt. Sie erklärt seit Jahren, alle Binnenflüchtlinge seien wiedereingegliedert und unterstützt worden.</p>

<p><br />
(Anhang) - Nationalistische Hindu-Bewegungen:</p>

<p># Die RSS (Rashtriya Swayamsevak Sangh) ist eine extrem nationalistische Hindu-Organisation, die von indischen Politologen als faschistisch eingestuft wird. Sie wurde 1925 von Sawarkar gegründet. Die RSS ist streng hierarchisch aufgebaut. Dreimal wurde sie bereits offiziell verboten (1948 / 1975-77 /1992). Sie operiert in ganz Indien unter den verschieden-sten Namen. Sie hat über die Jahre Untergruppierungen und Unterorganisationen gebildet, die oft den Begriff „Sangh“ (Liga) im Namen führen.</p>

<p>Beispiele für Untergruppierungen:</p>

<p># Bhartiya Mazdoor Sangh (Indische Arbeiter Liga)</p>

<p># Bhartiya Kisan Sangh (Indische Bauern Liga)</p>

<p>So entstand als Sammelbezeichnung für die gesamte nationalistische HinduBewegung: Sangh Parivar (Parivar bedeutet Familie bzw. Clan). Inzwischen verhindert eine Vielzahl unterschiedlicher Namen (Komitee, Verein, Assoziation, Union, Block) die schnelle Identifizierung ihrer Untergruppierungen.</p>

<p>Einige Hauptzweige sind:</p>

<p># Bahratiya Janata Party (BJP), eine im Jahr 1980 gegründete politische Partei, die dreimal bereits an der Regierung Indiens beteiligt war und heute noch in einigen Bundesländern die Regierung stellt. So unter anderem in Orissa und in Gujarat, wo religiöse Minderheiten von ihr diskriminiert und eingeschüchtert werden.</p>

<p># Vishwa Hindu Parishad (VHP, Welt-Hindu Rat), eine 1964 gegründete weltweit operierende kulturelle Vereinigung zur Förderung der Religion und Kultur. Gemeinsam mit anderen Hindutva- Organisationen wird der VHP beschuldigt, pogromartige Übergriffe gegen Muslime in Gujarat 2002 sowie gegen Christen in Orissa in den Jahren 2007 und 2008 geschürt zu haben. Der VHP verfügt über Außenstellen in der gesamten Welt. Der Sitz seiner Sektion in Deutschland befindet sich in Frankfurt am Main.</p>

<p># Bajrang Dal, der 1984 gegründete paramilitärische Arm der Bewegung, Die Gruppe behauptet, 1,3 Millionen Mitglieder zu haben.</p>

<p>>Mahila Morcha und Durga Vahini sind Frauenverbände.<br />
>Rashtriya Sevika Samiti ist eine weitere Frauen-Organisation.<br />
>Akhil Bhartiya Vidya Parishad (ABVP) ist die Studentenbewegung.<br />
>BJP-Yuva Morcha ist die Jugend-Organisation der Partei.<br />
>Adivasi Morcha ist die nationalistische Hindu-Bewegung der Ureinwohner.</p>

<p>Geheime Direktiven der RSS:</p>

<p>Folgendes Flugblatt wurde dem Adivasi-Experten der GfbV von einem Lagerinsassen eines Camps überreicht. Es ist in der Sprache Orya (aus Orissa) verfasst und ist kein Original. In der Einleitung des Flugblatts wird darauf hingewiesen wird, dass es sich dabei um eine Veröffentlichung der RSS handelt, die von dem Central Bureau of Investigation (CBI, entspricht dem Bundeskriminalamt) sichergestellt wurde. In dem Flugblatt gibt die RSS Anweisungen, wie ihre Mitglieder im subversiven Kampf gegen Nicht-Hindus verfahren sollen.</p>

<p>Aus 38 Punkten präsentieren wir [Albert/Delius, Anm. d. Red.] hier eine Auswahl:</p>

<p># Ärzte, die Hindus sind, sollen ihren christlichen und muslimischen Patienten langsam wirkende Gifte verabreichen.</p>

<p># Nehmt Dalits und Tribals in unsere Institutionen (z.B. Schulen) auf, damit wir sie indoktrinieren können. Sind sie nicht beeinflussbar, dann verabreicht ihnen Gift!</p>

<p># Unterstützt den Alkoholkonsum in Slums, um die Leute zu vernichten!</p>

<p># Bei Unruhen zwischen Religionsgemeinschaften, schürt die Konflikte mit Massenvergewaltigungen!</p>

<p># Plündert bei Ausschreitungen das Hab und Gut der Leute!</p>

<p># Vergrabt Statuen von Hindugöttern auf dem Gelände von Kirchen und Moscheen. Dann behauptet, es seien vormals eine religiöse Stätten der Hindus gewesen. So könnt Ihr Ansprüche erheben, dort einen Hindutempel zu errichten.</p>

<p># Habt ihr das Sagen in öffentlichen Bibliotheken, dann entfernt die Bücher der Christen und Muslime, und die von Ambedkar!</p>

<p># Habt ihr in Verwaltungen der Kommunen etwas zu sagen, dann seht zu, dass Leute von niederen Kasten und die Tribals (SC und ST) nicht in gute Positionen kommen.</p>

<p># Schürt Streit zwischen Christen und Muslimen! Verbreitet falsche Informationen, um Streit zu entfachen!</p>

<p># Bereitet den Nicht-Hindus in den Dörfern Probleme und benachrichtigt die örtlichen RSS-Büros!</p>

<p><br />
Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt!<br />
Alle Fotos sind urheberrechtlich geschützt: Copyright Dr. James Albert/ Ulrich Delius<br />
Verantwortlich für den Inhalt des Orissa-Berichts:</p>

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<p>Und hier noch ein Auszug aus einer aktuellen Pressemitteilung der GfbV:</p>

<p>Außenminister Steinmeier besucht Bangalore<br />
Indiens verborgenes hässliches Gesicht: Christen-Verfolgung in Bangalore</p>

<p>Göttingen/Berlin, 21. November 2008</p>

<p>„Wenn Außenminister Frank-Walter Steinmeier heute im Rahmen seiner Indien-Reise die südindische Metropole Bangalore besucht, wird der Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen mit dem Zentrum der indischen IT-Industrie im Vordergrund stehen. &#8220;Es gibt kaum Hoffnung, dass Außenminister Steinmeier die auch in dieser Großstadt immer schwieriger werdende Lage der indischen Christen ansprechen wird&#8221;, sagte der Asienreferent Ulrich Delius der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) am Freitag. &#8220;In dem von Hindu-Nationalisten regierten Bundesstaat werden elementare Bürgerrechte mit Füßen getreten.&#8221; Erst am 12. November 2008 waren drei Christen in einem Vorort der Acht-Millionen-Einwohner-Stadt willkürlich festgenommen worden. Ihnen wird vorgeworfen, Hindus missioniert zu haben. Bangalore ist ein wichtiges Wirtschaftszentrum. Steinmeier trifft dort mit Vertretern deutscher Unternehmen zusammen und eröffnet ein deutsches Generalkonsulat.“ [siehe auch <br />
<a href="http://www.gfbv.de/pressemit.php?id=1657&amp;PHPSESSID=3913363c104e74609d5686b652b17031">]http://www.gfbv.de/pressemit.php?id=1657&amp;PHPSESSID=3913363c104e74609d5686b652b17031]</a></p>



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</p>
      ]]></content>
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      <title>Ghandis zweiter Tod &amp;nbsp; – Christenverfolgungen in Indien</title>
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      <id>tag:musikwerkstatt-rzeszut.de,2008:index.php/mwr/index/1.247</id>
      <published>2008-11-22T00:04:36Z</published>
      <updated>2008-12-01T08:14:37Z</updated>
      <author>
            <name>Martin Rzeszut</name>
            <email>martin.rzeszut@musikwerkstatt-rzeszut.de</email>
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      <category term="Menschenrechte"
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        label="Menschenrechte" />
      <content type="html"><![CDATA[
        <p>Es brennt im wahrsten Sinne des Wortes! Schon seit längerem werden – nahezu unbemerkt von der westlichen Welt – über 50 000 Christen im Kandhamal-Distrikt (Orissa) in Indien von radikalen Hindu wegen ihres Glaubens bedroht und auch zwangsweise zum hinduistischen Glauben „bekehrt“.&nbsp; Die Dächer ihrer Häuser werden eingerissen oder die Häuser werden gleich angezündet. Plündernde, vergewaltigende, mordende und brandschatzende Horden nationalistisch, faschistisch  denkender Hindus ziehen durch die Dörfer. Christen werden willkürlich verhaftet, ermordet  und aus ihren Dörfern vertrieben.</p>

<p>Acht grosse Flüchtlingslager sind entstanden. Christlichen Ureinwohnern droht bei der Rückkehr in ihre Heimatdörfer der Tod. Mehrere Rückkehrer, die sich nicht zwangsweise zum Hinduismus konvertieren ließen, wurden bereits ermordet. Mordpraktiken sind das Aufschlitzen von Kehlen, das Enthaupten mit Beilen oder das Anzünden der Menschen  nach  Übergiessen mit Kerosin.</p>

<p>Der Westen guckt bisher noch weg! </p>

<p>Die Catholic Union, Chandigarh berichtete gestern per Mail an die Gesellschaft für bedrohte Völker, Göttingen: „The states of Orissa, Chhattisgarh, Madhya Pradesh, Karnataka, Tamil Nadu and Uttaranchal have been severely affected. In Orissa, over 4,500 houses have been burnt and 300 villages purged ofall Christians in the worst case of &#8216;ethnic cleansing&#8217; in Independent India. Over 50,000 are homeless, ten thousand of them in government camps. We have the names of Sixty dead and close to Ninety men are still reported missing and may be dead in the forest. Independent probes have spoken of clandestine disposal of bodies. School children are without education, babies without infant food, and families without warm clothes in the cold hill tract.“ [zitiert aus einer Pressemitteilung per Mail von Dr John Dayal, National Integration Council member, Chandigarh, November 20, 2008 an die GfbV]
</p> <p>Die aufgeheizte Situation wird in diesem Pressetext (den ich in einem noch folgenden TÖNCHEN! - Artikel detailierter referieren werde) wie folgt beschrieben: „The situation in Orissa, Karnataka Tamil Nadu and Chhattisgarh, however, continued to be terrible despite assurances by Central and state governments. In Orissa and other states ruled by the Bharatiya Janata party, the police forces and the subordinate criminal justice apparatus had been heavily infiltrated by the communal ideology of the Sangh Parivar. The result was that the police was a mute bystander and often an active participant in attacks on Christian houses of worship and gatherings, and assaults on priests. This state of impunity mustend There also have been many cases of sexual violence. Cases were often not registered, and tragically, it was the victim Christians who ended up facing the wrath of the government.&nbsp; A hate campaign continues unabated in the media and on the streets, targeting Christians and their faith, questioning their patriotism and stigmatizing their religious personnel.“ [Dr. John Dayal, s.o.]</p>

<p><img src="http://www.musikwerkstatt-rzeszut.de/images/uploads/Familie_im_Flüchtlingscamp_K._Nuangaon_-_Photo_und_Copyright_von_James_Albert,_GfbV_.jpg" style="border: 0;" alt="image" width="300" height="225" /></p>

<p>Am 26.10.2008 sendete die ARD einen Film des ARD-Korrespondenten Florian Meesmann, New Delhi über die Vorgänge und informierte auf der Tagesschau-Website über  Christenverfolgungen vom August dieses Jahres. Uwe Lueb vom ARD-Hörfunkstudion Neu-Delhi berichtete über die Eskalation der Gewalt gegen Christen und über eine Demonstration für Religionsfreiheit in Neu Delhi, wo Erzbischof Reverend Vincent Concessao sagte: &#8220;Wir wollen bekräftigen, dass jeder Bürger dieses Landes Religionsfreiheit genießt. Auch der Übertritt zu einer anderen Religion ist ein grundlegendes Recht. Erzwungene Übertritte müssen dagegen untersucht werden - aber lasst sie ebenso gewaltsame Rückübertritte zum Hinduismus untersuchen.&#8221;</p>

<p>Ansonsten hielt sich die bundesdeutsche Presse mit der Berichterstattung über den Genozid in Indien sehr zurück. Einmal mag es natürlich daran liegen, dass Journalisten offiziell und normalerweise nicht in die betreffenen Regionen gelangen können – nur wenn man es wirklich versucht und über Beziehungen verfügt. Zum anderen stand Indien schon immer im Schatten bei Berichterstattungen.</p>

<p>Interessant auch: weder auf der Website der EKD in Deutschland, noch auf der Website des Heiligen Stuhls (Vatikan) fanden sich irgendwelche Informationen über die Christenverfolgungen in Indien. Die FAZ berichtete allerdings Anfang September, Papst Benedikt XVI. gehöre „...in der vergangenen Woche zu den Ersten, die die Ausschreitungen in Orissa verurteilten. Das italienische Außenministerium bestellte am Montag den indischen Botschafter ein und übermittelte ihm die „tiefe Besorgnis“ der Regierung in Rom.“ </p>

<p>Der Journalist und Menschenrechtler Dr. James Albert aus Göttingen – er ist indischer Abstammung - setzt sich  seit Jahrzehnten vehement für bedrohte ethnische Minderheiten ein. Im Auftrag der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) reiste er dieses Jahr zweimal nach Indien, um über die Konfliktsituation zwischen Hindus und Christen zu recherchieren. </p>

<p>Ende Oktober /Anfang November dieses Jahres gelang es Dr. Albert mittels einer offiziellen Genehmigung von indischer Seite die von der Außenwelt abgeriegelte Krisenregion zu besuchen. Wie er vermutet waren er, sein Fahrer und ein Dolmetscher (für die lokalen Dialekte) die ersten Augenzeugen einer Hilfsorganisation. Sie durften die betroffene Gegend drei Tage lang besuchen und einige Flüchtlingslager besichtigen. Dr. Albert führte dabei und im Auftrag der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) zahlreiche Interviews mit vertriebenen Christen durch und fotografierte Zerstörung und Leid.&nbsp; Auch alle Fotos in diesem Beitrag entstanden bei diesem Besuch. Eines (nebenstehend) zeigt Dr. Albert inmitten von Flüchtlingen, wir sehen ausgebrannte Häuser und Szenen aus Flüchtlingslagern.</p>

<p><img src="http://www.musikwerkstatt-rzeszut.de/images/uploads/James_Orissa_1_062.jpg" style="border: 0;" alt="image" width="300" height="225" /></p>

<p>Im Rahmen der GfbV(Göttingen) veröffentlichte Dr. Albert kürzlich und zusammen mit Ulrich Delius aus diesem Material seinen  20 Seiten langen „Orissa-Report“, der demnächst auch exklusiv im TÖNCHEN! zu lesen sein wird. Es scheint sich hierbei um die ausführlichste journalistische Berichterstattung zu handeln, die bisher in deutschsprachigen Medien zum Konflikt in  Kandhamal veröffentlicht wurde, und die sich nicht nur auf die detailierte Schilderung des Unrechts beschränkt, sondern auch auf die Hintergründe hinweist und Überlegungen zu politischen Verflechtungen mit einbezieht – wir wir im Folgenden hören.</p>

<p>Dr. James Albert – native speaker und Kenner seines Heimatlandes - sagte mir, dass der tiefere Grund für die Unruhen wirtschaftspolitische Ursachen habe: reiche Unternehmer beuten das Land auf Kosten der Armen aus: „Es geht um den wirtschaftlichen Gewinn der höher kastigen Hindus.&nbsp; Die ethnische Gruppe der Adivasi [Ureinwohner des Landes,d.Red.]), die zum Teil zum Christentum konvertiert sind, sollen von ihrem Land vertrieben werden.&nbsp; Hierfür werden ihre Häuser gezielt zerstört und Panik unter ihnen erzeugt. Sind sie geflüchtet, ist das Land &#8216;herrenlos&#8217;! Religion dient nur als Vorwand.&nbsp; Mit echten religiösen Gefühlen, kann dies nichts zu tun haben.“</p>

<p>Um den Konflikt aus europäischer Sicht überhaupt verstehbar zu machen, zitierte ich im Folgenden aus der Zusammenfassung des Orissa-Reports der Autoren Albert und Delius (GfbV) bzw. berufe mich auf Fakten, die mir Dr. James Albert im Rahmen eines Telefongespräches kürzlich und persönlich mitgeteilt hat.</p>

<p>Seit dem Mord am radikalen Hindu-Führer (Der Swami Laxmananand war VHP-Führer) am 23. August 2008 wurden rund 50.000 christliche Ureinwohner und Dalits („Unberührbare“) aus mehr als 300 Dörfern vertrieben. Der Adivasi-Experte der GfbV, Dr. James Albert, konnte mehrere Christen interviewen, die auf Betreiben von Hindu-Extremisten willkürlich verhaftet worden waren und mehrere Wochen grundlos in Polizeigewahrsam festgehalten wurden. Ihnen wurde vorgeworfen, für die Ermordung des Hindu-Führers verantwortlich zu sein, obwohl sich bereits maoistische Rebellen zu dem Mord bekannt hatten.</p>

<p>Gezielt wurden die christlichen Ureinwohner aus ihren Dörfern vertrieben, um ihre Lebensgrundlage zu zerstören. Die als Kleinbauern und Sammler von den Früchten des Waldes lebenden Adivasi-Ureinwohner haben in den eilig eingerichteten Flüchtlingslagern keine Perspektive. Mehr als 4.400 ihrer Häuser wurden geplündert und zerstört. Systematisch hatten die Hindu-Extremisten vor allem die Dächer der Lehm- und Stein-Häuser vernichtet, damit der Regen das Haus unbewohnbar<br />
macht.</p>

<p>Zurückkehren können die Vertriebenen nur, wenn sie sich zwangsweise zum Hinduismus „bekehren“ lassen. Die GfbV-Untersuchungsmission interviewte zahlreiche Opfer von Zwangskonversionen. Die Zwangskonvertierten wurden gezwungen, ihre Bibeln zu vernichten und mussten neue Namen annehmen. Schriftlich mussten sie bestätigen, dass sie freiwillig konvertierten und selbst ihre Häuser in Brand gesteckt hätten. Ebenso mussten sie akzeptieren, zukünftig auf der niedrigsten sozialen Stufe der Kastengesellschaft zu leben.</p>

<p>Die Berichte von Augenzeugen belegen, dass die Gewalt nicht spontan entstanden und vom Mob ausgegangen ist, sondern dass radikale Hindu-Organisationen den Mord an ihrem Führer nutzten, um gezielt Christen zu vertreiben und einzuschüchtern. So wurden innerhalb weniger Stunden mehr als 400 Bäume von Hindu-Aktivisten gefällt, um Angehörigen der Minderheit eine Flucht mit ihren Fahrzeugen unmöglich zu machen. Auf diese Weise sollte der Zugang von Rettungs- und Polizeikräften in die Krisenregion wirksam unterbunden werden. Den Gewalttätern sei es nicht darum gegangen, möglichst viele Menschen zu töten; sie wollten mit einigen besonders grausamen Morden Angst und Schrecken unter der religiösen Minderheit verbreiten.</p>

<p>Die Angreifer konnten sich bei ihren Gewalttaten der stillschweigenden Unterstützung der lokalen Polizeikräfte des Bundesstaates Orissa sicher sein, die den Christen wochenlang jeden Schutz verweigerte. Erst der Einsatz der Bundespolizei CRPF verbesserte die Sicherheitslage spürbar, so dass seltener Kirchen und Häuser niedergebrannt werden.</p>

<p>Sowohl Bundesbehörden als auch Landesbehörden haben zu spät und unzureichend gehandelt, um den Schutz der religiösen Minderheit und ihrer Habe zu sichern. <br />
Besonders katastrophal war das Verhalten der Landesregierung Orissas. Sie gewährte radikalen Hindu-Propagandisten den Zugang zu der unter dem Ausnahmezustand stehenden Krisenregion Kandhamal, so dass diese dort weiter Gewalt schüren konnten. Auch genehmigte sie im August 2008 einen Trauerzug mit dem Leichnam des ermordeten Hindu-Führers, der in hunderten Dörfern eine Spur der Verwüstung und des Schreckens hinterließ.</p>

<p>Verantwortlich für die Gewalt sind radikale Hindu-Organisationen wie der Welt-Hindu-Rat (VHP), die Rashtriya Swayamsevak Sangh (RSS) sowie deren paramilitärische Organisation Bajrang Dal. Auch Politiker der nationalistischen Hindu-Partei Bharatiya Janata Party (BJP) schürten die Konflikte in Orissa. Die radikalen Hindu-Organisationen VHP, RSS und Bajrang Dal müssen verboten werden, da sie nicht nur in Orissa systematisch religiöse und ethnische Auseinandersetzungen anheizen. Von Schikanen und Provokationen radikaler Hindu-Organisationen betroffen ist auch die muslimische Minderheit in dem Bundesstaat Gujarat. Auch sechs Jahre nach pogromartigen Übergriffen auf die Muslime verweigert die von der BJP angeführte Landesregierung von Gujarat der Minderheit noch immer Wiedergutmachung. Vergeblich warten die im Jahr 2002 vertriebenen Muslime bis heute auf eine angemessene Hilfe bei ihrer Wiedereingliederung.</p>

<p>Die radikalen Hindu-Organisationen gefährden mit ihrer Hass-Propaganda die Freiheit der Religionsausübung und die Demokratie in Indien. Statt das Zusammenleben der verschiedenen religiösen und ethnischen Gruppen in dem Vielvölkerstaat zu fördern, schüren sie bewusst Konflikte, um den  Hindu-Nationalismus zu institutionalisieren und voranzutreiben.</p>

<p>Ein grosses Problem: Zwangskonvertierungen: Christliche Adivasi und Dalits berichteten, dass Hindu-Angreifer ihnen drohten, ihre Häuser in Brand zu stecken und sie zu ermorden, wenn sie sich nicht vom Christentum abwenden und zum hinduistischen Glauben bekennen würden. Rund 600 Christen sollen in den letzten drei Monaten in Orissa zwangsweise zum Hinduismus konvertiert worden sein.</p>

<p><img src="http://www.musikwerkstatt-rzeszut.de/images/uploads/Zerstörte_Baptistenkirche_in_Sikko_Katta_-_Photo_und_Copyright_von_James_Albert,_GfbV.jpg" style="border: 0;" alt="image" width="300" height="225" /></p>

<p>Zwei Zwangskonvertierte, der 45 Jahre alte Cyprian Digal aus dem Dorf Pirigida und der 56 Jahre alte Daud Nayak aus dem Ort Dahrampur, beschrieben Dr. Albert die Umstände ihrer „Zwangsbekehrung“: am 25. August wurden 14 Christen aus mehreren Dörfern von Hindu-Aktivisten zur Zwangskonversion zusammengetrieben. Geleitet wurde die Zeremonie von einem brahmanischen Priester Srinivas. Zur inneren Reinigung wurde den Christen ein Getränk verabreicht, das aus einer Mischung von Kuhdung, dem Urin von Kühen und Kuhmilch bestand. Sie mussten dieses Getränk vor den Augen der nationalistischen Hindu zu sich nehmen. Auch wurden ihnen der Kopf kahlgeschoren, bis auf einen kleinen Zopf am Hinterkopf. Mehrfach mussten sie die Slogans (Es lebe der Gott Rama / Hoch lebe die Kraft von Bajrang / Hoch lebe Mutter Indien) anstimmen. Sie wurden angewiesen, ihre Bibeln zu vernichten.</p>

<p>Dr. James Albert kommentierte gegenüber TÖNCHEN!: “Die VHP oder die RSS tun so, als hätten sie den Gott &#8220;Rama&#8221; für sich gepachtet. Gandhi starb mit dem Namen &#8216;Rama&#8217; auf den Lippen, als er von einem RSS-Mann 1948 erschossen wurde.“ - Und weiter mit sarkastischem Unterton: „Goodbye Ghandhi! - Das ist wie in jenem Film, den wir alle kennen&#8230;nun passierte Ghandis zweiter Tod&#8230;“</p>

<p>Dr. Albert fährt fort: „Und als Schwester Meena (eine katholische Nonne) in der Ortschaft  Nuangaon im August 2008  vergewaltigt wurde, skandierten die Schergen des Bajrang Dal  &#8216;Jai Sri Ram&#8217;! Dies ist von den VHP-Führern nicht beanstandet worden.&nbsp; Im Gegenteil, Schwester Meena wird von ihnen weiterhin mit Hohn überhäuft!&nbsp; Mit &#8220;Hindusein&#8221; im sprituellen Sinne, kann dies nichts zu tun haben.“</p>

<p>Dass aber auch weiterhin Hindus den bedrängten Christen zu Hilfe kommen, darf nicht unerwähnt bleiben. Dr. Albert berichtet gegenüber TÖNCHEN! von einem Fall, wo Hindu-Extremisten in einem Dorf systematisch Häuser von Christen anzündeten, aber schliesslich vor einem Haus eines christlichen Pfarrers von Hindus gestoppt wurden mit dem Hinweis, sie würden nicht erlauben, dass das Haus ihrer christlichen Nachbarn angezündet werde. Dr. Albert: „Die Plünderer hielten inne und berieten sich. Dann gab es einen Streit unter ihnen und sie zogen ab. Trotzdem wurde das Haus der Schwester des Pfarrers später angezündet und noch weitere Häuser im Dorf. Die Kirche blieb jedoch unversehrt.“ </p>

<p>Solche Augenzeugenberichte haben hohe Beweiskraft. Ich meine, dass Berichte wie dieser, der Orissa-Report, die Filme der ARD usw. natürlich noch weitere Öffentlichkeitsarbeit nach sich ziehen werden. Wie bei den jüngsten Vorkommnissen in Tibet so ist es auch hier wichtig, dass das Ausland (vor allem Europa/der Westen) über massive Menschenrechtsverletzungen im östlichen Indien erfährt – UND REAGIERT! Nur bei hohem öffentlichen Meinungsdruck von aussen wird Indiens Regierung Gegenmaßnahmen ergreifen müssen. Kein westlicher Indientourist mag schliesslich mehr Hindu-Feste oder den Sonnentempel von Bhubaneswar besuchen, wenn er weiss, dass der indische Staat diesen Genozid an Christen dort duldet. Ein Einbruch des Tourismus in ganz Indien wäre die nur allzukonsequente Antwort des Westens auf die hier beschriebenen, vom Staat offensichtlich noch geduldeten Gewaltpraktiken militant organisierter und faschistisch denkender Hindus.</p>

<p>Im Kapitel 2 des Orissa-Reports empfiehlt die Gesellschaft für bedrohte Völker folgende Gegenmaßnahmen bzw. Handlungsstrategien, die TÖNCHEN! umgehend dem deutschen Aussenminister zur Weitergabe an die indische Regierung empfehlen wird:</p>

<p># Unverzügliche juristische Aufarbeitung der pogromartigen Überfälle und Bestrafung der für die Verbrechen Verantwortlichen.</p>

<p># Das indische Central Bureau of Investigation (CBI, entspricht unseremBundeskriminalamt) muss mit den Ermittlungen im Kandhamal Distrikt beauftragt werden, da die lokalen Polizeibehörden keine Gewähr für umfassende und neutrale Ermittlungen bieten. Auch das Versagen der lokalen Institutionen und der Bundesbehörden muss untersucht werden.</p>

<p># Alle von den mutwilligen Zerstörungen betroffenen Einzelpersonen und Institutionen müssen angemessen und zügig entschädigt werden.</p>

<p># Die Freiheit der Religionsausübung muss auch im Bundesstaat Orissa garantiert werden; niemand darf zwangsweise „bekehrt“ werden.</p>

<p># Radikale hinduistische Organisationen (VHP, Bajrang Dal, RSS) müssen in ganz Indien verboten werden, da ihre Agitation ethnische und religiöse Auseinandersetzungen schürt.</p>

<p># Zulassung von nationalen und internationalen Hilfsorganisationen, um den Wiederaufbau der zerstörten Häuser, Kirchen und sozialen Einrichtungen zu fördern.</p>

<p># Kein Abzug der Bundespolizei CRPF, da nur sie die Gewähr für einen gewissen Schutz der Christen bietet.</p>

<p># Verstärkung des Schutzes religiöser Minderheiten und ihrer Einrichtungen.</p>

<p>#&nbsp; Binnenflüchtlingen muss eine menschenwürdige Rückkehr in ihre Heimatdörfer ermöglicht werden oder sie müssen bei ihren Bemühungen unterstützt werden, um in anderen Regionen des Landes Aufnahme zu finden.</p>

<p>Nach allen Informationen, die mir seit Jahrzehnten über Indiens Wirtschaft zugänglich waren (und die ich selbst erstmals 1979/80 auf einer Reise durch Nord- und Südindien zu sammeln begann) steht auch für mich fest, dass die jüngsten Menschenrechtsverletzungen und Pogrome in Indien durch übertriebene Kapitalinteressen einer reichen Oberschicht verursacht wurden. Ureinwohner werden im Auftrag des Kapitals von ihrem angestammten Land vertrieben, erniedrigt, gesundheitlich geschädigt. Ihre wirtschaftliche Autonomie und ihre Freiheit wird ihnen im Namen des Kapitals genommen. Dazu passen auch die gewaltsamen Landräumungen im Interesse des Autoproduzenten TATA-Group (Stichwort „Nano“) oder gewaltige Staudammprojekte u.v.a.m.</p>

<p>Der Fotograf Richard Grove dokumentiert mit seinen gelungenen Fotos u.a. auch die Menschenrechtsverletzungen an den Adivasi und schreibt: „Adivasi, which translates literally as &#8216;first people&#8217;, is a term that the tribes of India use to describe themselves. There are an estimated 220 million Indigenous people in the world, 67.7 million are in India, more than any other country. However, the Indian government have claimed there is no Indigenous people in India, or rather, the whole Hindu population is indigenous. As globalization and development projects affect India the Adivasi are coming under increasing pressure since their land and villages stand in the way of mining, dam and forestry projects.“ [Quelle siehe unten]</p>

<p>Selbst Blinde können sehen, dass unter diesen Umständen Religionskonflikte und in diesem Falle die Erniedrigung der Christen und Moslems gerade zur rechten Zeit kommen. Die indische Kastengesellschaft kommt dem Kapital entgegen, weil sie den Reichen hilft, das Kapital zusammenzuhalten und die anderen ausschliesst. Es ist die oberste Kaste der Brahmanen, die die Ausbeutung des Landes betreibt und hemmungslos und eiskalt den Ärmeren und ganz Armen (die Menschen der unteren Kasten und kastenlosen) im wörtlichen Sinne das Wasser abgräbt. </p>

<p>Brahmanen sehen sich als Elite und bilden logenähnmliche Netzwerke (in etwa vergleichbar den britischen Masons, den Freimaurern). Nicht von ungefähr wird auch Grossbritannien von Masons regiert und zwischen England und Indien bestehen da  die besten und freundschaftlichesten Beziehungen auf dieser Ebene. Man hilft sich, man schachert sich Posten zu, man schachert sich Kapital zu, man erbt und vererbt Billionen von Dollars, man etabliert in grossem Stile faschistoide Machtstrukturen und meint dann, so unangreifbar und von der Öffentlichkeit unbeobachtet agieren zu können.</p>

<p>Glücklicherweise bleibt dieses Unwesen einer unglaublichen Gewinnmaximierung auf Kosten armer Menschen nicht unbeobachtet! Betrachten wir doch mal die „Forbes Rich List 2008“: unter den 8 reichsten Billionären der Welt befinden sich allein vier Inder! Wir finden da  Lakshmi Mittal (Stahlindustrie/ ca. 45.0 Billionen Dollar Kapital),&nbsp; Mukesh Ambani (Petrochemie / 43.0 Billionen Dollar Kapital),&nbsp; Anil Ambani (Verschiedenes, u.a. Telekommunikation/ ca. 42.0 Billionen Dollar Kapital),&nbsp; KP Singh (Grundeigentum, Immobilien / ca. 30.0 Billionen Dollar Kapital).[Quelle: <a href="http://www.forbes.com/worldsrichest/">]http://www.forbes.com/worldsrichest/]</a>&nbsp; Inzwischen ist diese Auflistung garantiert schon überholt, denn sie datiert auf Mai 2008. Schliesslich haben wir jetzt November und Onkel Dagoberts Geldspeicher dürfte nun um schlappe 120%&nbsp; voller sein, legen wir mal den Kapitalzuwachs seit August 2007 zugrunde. Peanuts&#8230;versteht sich, Sir.</p>

<p>Für Leser, die so etwas nicht glauben wollen, weil sie Indien vielleicht durch eine ältere Brille sehen, wäre jener SPIEGEL ONLINE – Artikel  vom  März 2007 lehrreich, der unter der Überschrift „Russland, Indien, China - die neue Heimat der Superreichen“ erklärt: „Aufbruch auch in Indien. Es hat mit 36 Dollar-Milliardären (deren Vermögen sich insgesamt auf 191 Milliarden Dollar summiert) in Asien inzwischen sogar das hoch entwickelte Japan weit hinter sich gelassen. Dort gibt es dem Magazin [Forbes,d.Red.] zufolge &#8220;nur&#8221; 24 Milliardäre, die insgesamt immer noch stolze 64 Milliarden Dollar besitzen.“ Oh Heuschreck!</p>

<p>Im Club der Billionäre befanden sich im August letzten Jahres die reichsten Inder laut Forbes-Liste auf folgenden Plätzen: Lakshmi Mittal Nr. 5, Mukesh Ambani Nr. 14, Anil Ambani Nr. 18, Kushal Pal Singh Nr. 62. Nur neun Monate später(!) holten sie wie folgt auf:&nbsp; Lakshmi Mittal Nr. 4, Mukesh Ambani Nr. 5, Anil Ambani Nr. 6, Kushal Pal Singh Nr. 8. In keinem anderen Land der Welt lässt sich ein derartig rasanter Zuwachs von Reichtum feststellen. Merke: Herr Singh vermehrte sein Vermögen innerhalb von neun Monaten von 10.0 Billionen Dollar auf 30.0 Billionen Dollar, das ist ein Zuwachs von 200%! [Frage der Redaktion: was macht er nur mit so viel Dollars?]</p>

<p>Einen Blick in die Zukunft veröffentlichte unlängst die Nachrichtenagentur AFP. Nach aktuellen Untersuchungen - so heisst es - leben in Indien zur Zeit 100 000 Dollar-Millionäre. Die britische Banken- und Investmentgruppe Barclays eröffnete in Indien soeben eine Vermögensverwaltung für Superreiche. Innerhalb der nächsten neun Jahre soll sich dort nach Schätzungen die Anzahl der Dollar-Millionäre vervierfachen. [Frage der Redaktion: was machen die nur mit so viel Dollars?...Na ja&#8230;das sind ja nur die MILLIOnäre&#8230;arme Schlucker&#8230;]</p>

<p>Über Billionär Herrn Singh – der sein Kapital innnerhalb neun Monate verdreifachte! -&nbsp; berichtet Forbes: „A former army officer, known as K.P., he joined his father-in-law&#8217;s Delhi Land &amp; Finance in 1961. Singh later built DLF City in Gurgaon, his showpiece township on the outskirts of Delhi, by acquiring land from farmers. Over time, he transformed it into one of India&#8217;s biggest real estate developers. Group plans to raise another $1.5 billion by listing a subsidiary in Singapore. A keen golfer, he now leaves son Rajiv, daughter Pia to run operations.“ [zitiert nach Forbes s.o.] </p>

<p>Dass dieser Zuwachs an Reichtum in direktester Beziehung mit Unruhen, Genozid, Protesten und bürgerkriegsähnlichen Zuständen zu sehen ist, liegt auf der Hand. Reichtum an Land und der Handel mit Land, das allen Menschen gleichermaßen gehören sollte hat immer Ausbeutung und Armut, Vertreibung und Gewalt, Bürgerkriege und große Kriege zur Folge. Die Symptomatik besonders auch des Adivasi-Genozids zeigt uns besonders deutlich, dass der indische Neureichtum nicht nur etwas mit dem globalem Handel zu tun hat. Aber interessant ist natürlich die Frage, inweit Indien aufgrund seiner extrem reichen Oberschicht zur Drehscheibe des Waffenhandels oder der Atomindustrie geworden ist. Superreiche lassen sich ja solche Investitionen niemals entgehen und mutieren damit zur Bedrohung der gesamten Menschheit. Just in dem Jahr 1979 (wo ich mich in Indien erstmalig umsah), jubelten Lokalpolitiker in Lucknow und Ingenieure in Delhi mir – dem Zeugen aus dem Westen - zu: „wir haben nun endlich die Atombombe!...isn&#8217;t it nice?“...ein unheimliches Erlebnis. 1974 und fünf Jahre vor meinem Besuch wurde tatsächlich die erste gezündet.</p>

<p>Im Ausland sind diese Fakten zwar nicht ganz unbekannt, doch Indien ist für die meisten Menschen immer noch das alte Entwicklungsland mit all der schönen alten Kultur. Reist der Europäer nach Indien, besucht er Rajasthan, das Red Fort in Delhi oder Varanasi. Er feiert mit den Hindus beseelt am Ganges und nimmt meist nichts wahr von den wirtschaftlichen Problemen und planmässigen Menschenrechtsverletzungen in diesem Land. Vielleicht sieht er arme Menschen auf den Strassen sterben, doch warum sie dort sterben, bleibt ihm unverständlich.</p>

<p>Es ist ein gewisser Sarkasmus: soeben wird der „billige“ Nano-VW von TATA in die Märkte eingeführt. Dieser Megakonzern kooperiert mit Daimler. Bosch liefert über seine indische Tochter Mico die Einspritztechnik. Europa verdient kräftig mit und keinen interessiert es, dass am Nano das Blut erschossener indischer Kleinbauern klebt, deren Land man für die Produktionshallen enteignete. Deutschland hat in dieser Beziehung sogar Tradition: beim beim Bau der Hüttenwerke in Rourkela waren wir seit 1958 mit dabei und haben mitgeholfen, ca. 16.000 Adivasi von ihrem angstammten Land zu vertreiben! [Ein aufschlussreiches Video zur TATA-Thematik gibt es hier: „Strikes may force Tata factory to shutdown - 23 Aug 2008“ <a href="http://de.youtube.com/watch?v=XfUgZtI7aSQ">]http://de.youtube.com/watch?v=XfUgZtI7aSQ]</a></p>

<p>In unseren Schulen wird im Erdkundeunterricht das indische Kastenwesen immer noch als sozusagen von Gott gegeben angesehen, als unverrückbares Merkmal der indischen Kultur und des Hinduismus. Die Ursprünge des Kastenwesens liegen im Dunkeln. Sicherlich fanden es die reichen indischen Machthaber der letzte 2000 Jahre überaus praktisch, Macht und Reichtum innerhalb der obersten Kaste und nur unter  sich aufzuteilen (obwohl es auch arme Brahmanen gab). In Europa sind Rechtlosigkeit, Sklaverei und Leibeigenschaft längst vergessen&#8230;in Indien nicht. Frau Merkel sollte dies bedenken, wenn sie - wie soeben gemeldet - sich jetzt fruchtbare Geschäftsbeziehungen zwischen Deutschland und Indien wünscht.</p>

<p>Durchaus gab es in den letzten Jahrzehnten auch Bestrebungen indischer Menschenrechtler, das Kastenwesen wegen der mit ihm verbundenen sozialen Ungerechtheit abzubauen. Auch Ghandi kämpfte gegen die Einteilung der Menschen nach Kasten und war selbst Opfer und als offiziell Kastenloser Schikanen ausgesetzt. Wie wir sehen, fördert das Kastenwesen die wirtschaftliche Ausbeutung durch die Reichen und wird offensichtlich wieder verstärkt von ihnen „genutzt“ als Argument für Pogrome im Namen der „modernen Wirtschaft“. Die Kastenlosen haben überhaupt keine Rechte und hier muss die internationale Hilfe, aber auch die internationale Politik eingreifen. Man muss vom Ausland her dieses Problem deutlich durchschauen und die durch den Zwang zum Kastenwesen verursachten Menschenrechtsverletzungen anprangern!</p>

<p>Die indische (und europäische) Tourismusindustrie bemüht sich seit Jahrzehnten um Verheimlichung des Problems „Armut“. Als europäischer Reisender hat man ja auch hauptsächlich mit englischsprachigen Indern zu tun, die einem alles erklären, was der Europäer hören möchte: Kulturschätze des Landes, Tempel, Hindufeste. Und nur, wenn im Ausland (im Westen) klar und deutlich darüber gesprochen wird, dass das Kapital hinter dem Morden und Brandschatzen um Orissa und Karnataka steht, und dass die Christen quasi als Sündenböcke für unendlich gierige Geschäftsinteressen herhalten müssen, wird man auf Unternehmerseite vorsichtiger sein müssen.</p>

<p><img src="http://www.musikwerkstatt-rzeszut.de/images/uploads/Jayalalita_Digalmit_Kind_im_Flüchtlingscamp_Daringbadi_-_Photo_und_Copyright_von_James_Albert,_Gf.jpg" style="border: 0;" alt="image" width="200" height="267" /></p>

<p>Ich denke, schon in diesem Artikel ist klar geworden, dass es bei den beschriebenen Vorkommnissen nicht wirklich um „die Religion“ geht. Man ängstigt sich offensichtlich vor den Christen, die keiner Kastenordnung unterliegen und fürchtet ihre politische (...oder menschliche?) Macht. Man fürchtet, dass die Adivasi den Real-Estate-Königen, den TATA-Kaisern oder den Uran- und Staudamm-Maharadschas ein paar Steine aus dem goldenen Pflaster reissen und und dass sie damit beworfen werden könnten&#8230;.</p>

<p>Die Wahrheit ist aber, dass die Adivasi einfach in Ruhe gelassen werden wollen und schlicht ihr Land behalten möchten. Sie möchten gern auch Weihnachten ganz  so wie wir Europäer ihre Verwandten besuchen gehen dürfen (was sie aber wegen einer kürzlich vom Staat verhängten Schikane in Form einer Ausgangssperre, Bandh genannt voraussichtlich nicht sollen&#8230;). Adivasi sind aus ganz anderem Holz geschnitzt als geldgeile Billionäre: sie kennen den Frieden, die Freiheit, ihre Gesundheit und Unversehrtheit, ihre Hütte und ihr kleines Feld mit Selbstversorgerwirtschaft als grössten Reichtum, den ein Mensch überhaupt besitzen kann. Helft ihnen, diese  aus westlicher Sicht inzwischen selbstverständlichen Lebensbedingungen zu erhalten und zu verbessern! Boykottiert den Tourismus oder besser: besucht weniger Tempel und mehr Menschen. Besucht die Adivasi in ihren Dörfern und macht Menschenrechtsorganisationen auf soziale Missstände und Menschenrechtsverletzungen aufmerksam, wenn Ihr diesen Winter nach Indien reist. Demonstriert auch in Deutschland für die Interessen der Adivasi!</p>

<p>Wie zur Bestätigung aller Aussagen dieses Artikels findet sich im heute veröffentlichten Bericht  des amerikanischen National Intelligence Council mit dem Titel  <br />
&#8220;GLOBAL TRENDS 2025: THE NATIONAL INTELLIGENCE COUNCIL&#8217;S 2025 PROJECT&#8221; - &#8220;Global Trends 2025: A Transformed World&#8221;&nbsp;  folgende düsteren Prophezeiungen (in Auszügen):<br />
&nbsp;   *&nbsp;  The whole international system—as constructed following WWII—will be revolutionized. Not only will new players—Brazil, Russia, India and China— have a seat at the international high table, they will bring new stakes and rules of the game.<br />
&nbsp;   * The unprecedented transfer of wealth roughly from West to East now under way will continue for the foreseeable future.<br />
&nbsp;   * Unprecedented economic growth, coupled with 1.5 billion more people, will put pressure on resources—particularly energy, food, and water—raising the specter of scarcities emerging as demand outstrips supply.<br />
&nbsp;   * The potential for conflict will increase owing partly to political turbulence in parts of the greater Middle East.<br />
[Quelle: <a href="http://www.dni.gov/nic/NIC_2025_project.html">]http://www.dni.gov/nic/NIC_2025_project.html]</a></p>

<p>Und hier noch zum Abschluss eine interessante Pressemitteilung von gestern:<br />
&#8220;Außenminister Steinmeier besucht Bangalore - Indiens verborgenes hässliches Gesicht: Christen-Verfolgung in Bangalore&#8221; 	<br />
Gesellschaft für bedrohte Völker, Göttingen/Berlin, 21. November 2008<br />
&#8220;Wenn Außenminister Frank-Walter Steinmeier heute im Rahmen seiner Indien-Reise die südindische Metropole Bangalore besucht, wird der Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen mit dem Zentrum der indischen IT-Industrie im Vordergrund stehen. &#8220;Es gibt kaum Hoffnung, dass Außenminister Steinmeier die auch in dieser Großstadt immer schwieriger werdende Lage der indischen Christen ansprechen wird&#8221;, sagte der Asienreferent Ulrich Delius der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) am Freitag. &#8220;In dem von Hindu-Nationalisten regierten Bundesstaat werden elementare Bürgerrechte mit Füßen getreten.&#8221; Erst am 12. November 2008 waren drei Christen in einem Vorort der Acht-Millionen-Einwohner-Stadt willkürlich festgenommen worden. Ihnen wird vorgeworfen, Hindus missioniert zu haben. Bangalore ist ein wichtiges Wirtschaftszentrum. Steinmeier trifft dort mit Vertretern deutscher Unternehmen zusammen und eröffnet ein deutsches Generalkonsulat.&#8221;</p>

<p>Die TÖNCHEN! - Redaktion wird umgehend diesen Artikel an Außenminister Frank-Walter Steinmeier senden und die LeserInnen  dürfen gespannt sein auf eine Reaktion aus dem Aussenministerium!</p>

<p>Weitere Quellen:</p>

<p># Website der GfbV <a href="http://www.gfbv.de/">http://www.gfbv.de/</a> mit der informativen Unterseite zur Kampagne Verfolgte Christen brauchen dringend Schutz! <br />
<a href="http://www.gfbv.de/inhaltsDok.php?id=1472&amp;PHPSESSID=a9aa5f173cd9619714aaa7639a89361b">http://www.gfbv.de/inhaltsDok.php?id=1472&amp;PHPSESSID=a9aa5f173cd9619714aaa7639a89361b</a></p>

<p><br />
#Bericht der FAZ vom 20.Nov.2008: <a href="http://www.faz.net/s/RubDDBDABB9457A437BAA85A49C26FB23A0/Doc~ECB1476ACFC6344299E2DDC10FA9E01DD~ATpl~Ecommon~Scontent.html">http://www.faz.net/s/RubDDBDABB9457A437BAA85A49C26FB23A0/Doc~ECB1476ACFC6344299E2DDC10FA9E01DD~ATpl~Ecommon~Scontent.html</a></p>

<p>#ARD-Film <a href="http://www.tagesschau.de/ausland/weltspiegel116.html">http://www.tagesschau.de/ausland/weltspiegel116.html</a><br />
„Christenverfolgung im Osten Indiens“ -&nbsp; &#8220;Sie wollten, dass er die Bibel verbrennt&#8221;<br />
von Florian Meesmann, ARD Neu-Delhi mit Link zum Bericht des ARD-Hörfunkkorrespondenten Uwe Lueb mit dem Titel &#8220;Die Polizisten saßen da wie Steine&#8221;</p>

<p># Website von Richard Grove mit aufschlussreichen Fotos („Adivasi Gallery“), aus denen die Ausbeutung und gesundheutliche Schädigung der Adivasi deutlich wird.<br />
<a href="http://www.fellowtraveller.org/here/India/adivasi/t1_jad.htm">http://www.fellowtraveller.org/here/India/adivasi/t1_jad.htm</a></p>

<p># Pressemitteilung Yahoo News, Bhubaneswar, Nov 20 (IANS) : &#8220;Call for shutdown on Christmas deepens divide in Orissa&#8221;<br />
<a href="http://in.news.yahoo.com/43/20081120/818/tnl-call-for-shutdown-on-christmas-deepe.html">http://in.news.yahoo.com/43/20081120/818/tnl-call-for-shutdown-on-christmas-deepe.html</a></p>

<p>Bitte lesen Sie den in Kürze hier im TÖNCHEN! erscheinenden kompletten Orissa-Report, in dem Dr. James Albert in aller Ausführlichkeit beschreibt, was er gesehen und gehört hat. Wir informieren weiter über aktuelle Ereignisse.</p>

<p>An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Dr. James Albert für die viele Information, die Interviews und das umfangreiche Bildmaterial. Ich danke auch Ulrich Delius in Göttingen für die Erlaubnis, Texte der GfbV im TÖNCHEN! verwenden bzw. abdrucken zu können.</p>

<p>[Alle Fotos Copyright Dr. James Albert, Göttingen, Gesellschaft für bedrohte Völker]<br />
 
</p>
      ]]></content>
    </entry>

    <entry>
      <title>Protect Christians in India!</title>
      <link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.musikwerkstatt-rzeszut.de/index.php/site/protect_christians_in_india/" />
      <id>tag:musikwerkstatt-rzeszut.de,2008:index.php/mwr/index/1.246</id>
      <published>2008-11-20T10:20:25Z</published>
      <updated>2008-11-20T10:28:26Z</updated>
      <author>
            <name>Martin Rzeszut</name>
            <email>martin.rzeszut@musikwerkstatt-rzeszut.de</email>
                  </author>

      <category term="Menschenrechte"
        scheme="http://www.musikwerkstatt-rzeszut.de/index.php/site/C36/"
        label="Menschenrechte" />
      <content type="html"><![CDATA[
        <p>Dear Prime Minister, </p>

<p>I am extremely concerned about the violence against Christians in several Indian states. Especially in Kandhamal district, in the state of Orissa, anti-Christian violence escalated in recent weeks. At least 50 Christians were killed by Hindu fanatics - many of them burnt alive. 4.300 houses were destroyed and more than 50.000 people displaced.</p>

<p>You have stated that violence against Christians is unacceptable and that local governments must ensure law and order. However, deadly attacks continue.</p>

<p>I urge your government to vigorously combat such violence and bring the perpetrators to court. Please arrest and punish also those who incite violence against religious minorities and impose a ban on extremist organizations and parties which promote hate and violence. </p>

<p>Last year, a fanatic Hindu mob attacked a peaceful Christian community in Brahminigaon/Orissa who was just preparing to celebrate Christmas, on the morning of 24th December 2007. Please assure that this will not happen again this year, and take appropriate measures to protect the threatened Christian communities from further attacks, especially during the Christmas days.</p>

<p>Yours sincerely, </p>

<p>Martin Rzeszut, Kiel, Germany</p>

<p>Auch Sie können helfen: Link zur Gesellschaft für bedrohte Völker: <a href="http://www.gfbv.de/emailprot.php?id=174">http://www.gfbv.de/emailprot.php?id=174</a></p> 
      ]]></content>
    </entry>

    <entry>
      <title>Ma&#45;Ma&#45;Ma&#45;Ma&#45;Ma&#45;Maske – Total NORMal</title>
      <link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.musikwerkstatt-rzeszut.de/index.php/site/ma-ma-ma-ma-ma-maske_total_normal/" />
      <id>tag:musikwerkstatt-rzeszut.de,2008:index.php/mwr/index/1.245</id>
      <published>2008-11-18T18:12:59Z</published>
      <updated>2008-11-19T07:06:01Z</updated>
      <author>
            <name>Martin Rzeszut</name>
            <email>martin.rzeszut@musikwerkstatt-rzeszut.de</email>
                  </author>

      <category term="Michaelis Gemeinde Kiel"
        scheme="http://www.musikwerkstatt-rzeszut.de/index.php/site/C38/"
        label="Michaelis Gemeinde Kiel" />
      <content type="html"><![CDATA[
        <p>Abendgottesdienst am Volkstrauersonntag in der Michaeliskirche in Kiel/Hassee: Pastorin Bettina Hansen begrüsst die Gemeinde in der fast vollen Kirche. Dann der Text über das abgeschlagene Ohr des Malchus, Verrat in der Nacht und am frühen Morgen krähte dann der Hahn. Wie fühlt man sich als bester Freund nach so einem Verrat? .......Die Glocke der Michaeliskirche schwingt sich ein und verkündet mit dem ersten Glockenschlag: „Vater unser im Himmel&#8230;.geheiligt werde Dein Name&#8230;“</p>

<p>Um Zweifeln vorzubeugen: es handelt sich hier wirklich um einen Artikel über ein von Jugendlichen aufgeführtes Musical. Ein wirkliches Musical innerhalb eines wirklichen Gottesdienstes.&nbsp; „Total NORMal“ heisst es  und ist ein Konfirmanden-Projekt in Zusammenarbeit mit dem Michaelis-Team unter Leitung von Petra Dahmke, Bettina Hansen, Arne Voß, Joachim Voesch, Kay Lakotta, Tim Brunnenkant und Patrik Nath.&nbsp;  Nicht nur Konfirmanden und Konfirmandinnen des hiesigen Jahrgangs sind dabei: auch ältere Jugendliche, die man schon mehrmals in NETWORK-Projekten gesehen und gehört hat spielen mit. Ein schönes Miteinander aller Altersgruppen: ein echtes NETWORK -Team. </p>

<p>Im sehr gut aufgemachten Programmheft (enthält die Story, die Liedtexte und Informationen über die Arbeit am Musical/dieses Jahr wieder in zwei Grössen erhältlich) lesen wir: „Auf einer sehr emotionalen Freizeit im Juni entschieden wir uns für das Thema &#8216;Mobbing in der Schule&#8217;, einem Thema, bei dem sie alle eigene Erfahrungen zu berichten hatten und keine dieser Erfahrungen waren lustig oder schön&#8230;“
</p> <p>Letztes Jahr ging es um ein zeitgeschichtliches Thema: die 80iger Jahre während der deutsch-deutschen Teilung. Das Musical hiess  „Grenzenlos“. Genau wie letztes und vorletztes Jahr schreibe ich auch jetzt wieder meinen Artikel, denn auch diesmal bin ich wieder sehr beeindruckt von dem was ich auf der Bühne vor dem Altar sehe. Auch dieses Jahr gehen mir wieder viele Fragen durch den Kopf&#8230;[Und meine eigenen Gedanken und Assoziationen setze ich diesmal in eckige Klammern, um klarer zwischen dem Musicalbericht und meinen  eigenen Reflexionen zu trennen&#8230;zu trennen, was eigentlich nicht zu trennen ist&#8230;] </p>

<p>Die Band! Kein Musical in Michaelis ohne eine Jugendband. Unter der musikalischen Leitung von Bendix Vogel, Roman Laloi und Yvette Schmidt haben wir Tim Maronde an der E-Gitarre, Matties Tank an den E-drums, Bendix Vogel am Keyboard, Roman Laloi an E-Bass und akust. Gitarre und Malte Lautzas am Saxofon. Erstklassigen Sologesang hören wir von den Schwestern Katharina und Christina Hoffmann. Der Sound der Band ist knackig und gut. Wenn auch die E-Drums wieder mal nach CD-Player klingen, wofür Matties Tank wirklich nichts kann: es liegt in der Natur der Sache. Ein E-Schlagzeug kommt an ein echtes Schlagzeug – und wenn es noch so simpel ist - einfach nicht heran. Matties hätte da besseres Gerät verdient.</p>

<p>Die Band beginnt und die Sängerin formuliert trotzig: “Eigentlich bin ich ganz anders&#8230;ich komm nur viel zu selten dazu&#8230;ich bin garnicht der Typ den jeder in mir sieht, und das werd ich euch bei Zeiten auch alles noch beweisen&#8230;eigentlich bin ich ganz anders&#8230;“ [ ...ja richtig, Udo Lindenberg sang das doch auf seiner neuesten CD! Mann, klasse!...dies Lied trifft den Nagel auf den Kopf. Udo blickt das!]</p>

<p>Christina blickt das auch und fegt der Gemeinde dies tolle Lied überaus gekonnt und sicher in die Ohren, intoniert mit Nachdruck den Refrain. [Oh mann, wie gut sie das bringt&#8230;sie sollte das mal mit Udo im Duett singen&#8230;das wär echt der Hit!] Was im Zuschauerraum&#8230;pardon. in der Kirche jetzt fehlt ist die Resonanz der Zuhörer und Zuhörerinnen. Nur ein paar wippen mit dem Fuss, kaum einer geht richtig mit dem Song mit und Christina und die anderen machen da doch harte Bühnenarbeit. [Im Norden braucht man halt mehr Zeit, um Emotionen locker zu machen&#8230;]</p>

<p>Der Backgroundchor! [...wieso background? Die singen mit hoher Bühnenpräsenz, einigem Engagement: das ist DER CHOR!] links von der Bühne unter der Kanzel stehen Soraya Chantal Lipka, Alexa Brummack, Annika Kappes, Sanja Ahrens, Kirn Engelbrecht, Jennifer Brandt und Kathrin Marwitz. Kirchenmusikerin Yvette Schmidt trainierte diesen Chor, der die beiden Solosängerinnen zwar hier und da unterstützt, doch auch bei einigen Liedern eine ziemliche Kraft und Eigenständigkeit entwickelt. Die gesungenen Worte hören wir klar artikuliert. Leicht andirigiert bzw. sehr schön mit E-Bass geleitet von Roman Laloi. Das Problem, Band und Chor über 20 Meter räumlicher Distanz und bei dieser haarsträubenden Kirchenakustik rhythmisch zu koordinieren ist ausserordentlich gut gelöst. Übrigens erarbeitete Tilman Lautzas das wie immer voll gelungene musikalische Konzept.</p>

<p>Die Handlung beginnt: vor dem mit einer weissen Projektionswand verdeckten  Altar nimmt die Schulklasse (neunte oder so) ihre Plätze ein: alle schlurfen herein wie sie das jeden Morgen so tun,&nbsp; rekeln sich müde hin, schnell noch Hausaufgaben abgepinnt oder auch nicht&#8230;“die Neue“ kommt&#8230;na ja, die wird erstmal verbal kühl gestellt&#8230;da wird vor der Stunde aber ganz fix mal die Hierachie der Klasse neu geordnet.[..tja, echt überzeugend, aber die Realität in der Schule ist doch viel härter als hier dargestellt!]. Als Lehrer läuft es da einem kalt über den Rücken&#8230;Schulgong und Schnitt bevor der Lehrer in die Klasse kommt: Ende erste Szene, Beifall aus den Kirchenbänken [ha&#8230;da sitzen bestimmt viele Lehrer, die kennen das genau, was hier abläuft].</p>

<p>Die letzten NETWORK-Musicals die ich hier sah begannen etwas dramatischer: man glaubte sich im Theater, Bühnenbilder, Requisiten wurden bewegt, Hauptrollen, Nebenrollen, genau geplante Bewegungen, festgelegte Gänge auf der Bühne. Spezielles Licht, besonderer Sound&#8230;Ja, und jetzt? Jetzt sassen die da alle auf ihren Schulstühlen so rum wie am Freitagmorgen in der Soundso-Realschule, am Wassweissich-Gymnasium und liessen sich gehen. [War das nun einstudiert oder war das Zufallstheater, Spontantheater, Improvisationstheater?] Ja, es war einstudiert und hier sprach das Schulleben höchstpersönlich. Die Scheinwerferkegel nüchtern und kalt. Papierbälle flogen. Ich verzichte auch lieber aufs Zitieren der Bühnendialoge&#8230;sie sind einfach zu realistisch und niemand würde mir dann die Sache mit dem Gottesdienst mehr glauben&#8230;die Darstellerinnen und Darsteller spielten überzeugend und authentischer ging es nicht.[...aber die Realität in der Schule ist doch viel härter als hier dargestellt!]</p>

<p>Zweite Szene: einzelne Persönlichkeiten werden vorgestellt. Die Klassensprecherin macht „der Neuen“ Mut und warnt gleichzeit vor dem obercoolen „Mr. Obercool“, der die Mädchen verheizt. Alle Darsteller und Darstellerinnen tragen hier und da eine kleine Maske – wie man sie aus dem Karneval in Venedig oder von der Commedia del Arte her kennt -&nbsp; und setzen sie gelegentlich auf oder ab.</p>

<p>„Lass die Leute reden und hör einfach nicht hin&#8230;“ Dieser Song von den &#8221;Ärzten&#8221; illustriert die Problematik um die es hier geht noch deutlicher: „solang die Leute reden machen sie nichts Schlimmeres&#8230;bleib höflich und sag nichts&#8230;das ärgert sie am meisten“ Klar: es geht um das empfohlendes Verhalten beim schulalltäglichen Gemobbtwerden.</p>

<p>Vorm Altar die „Schattenwand“: wie sehen das Leben der Schatten [...Satre lässt grüssen&#8230;das Spiel ist aus&#8230; ] und die Schatten erzählen vergangene Begebenheiten. Basti erzählt von der Trennung seiner Eltern. Liebe gibt’s seitdem nicht mehr für ihn. Die Neue ist ihm schon sympathisch&#8230;aber er macht trotzdem mit bei den doofen Sprüchen, mit denen sie fertiggemacht werden soll. [Ehrlichkeit vor dem Altar, den man da zwar weiss, aber nicht sieht].</p>

<p>Weiter geht’s mit Schlägerei [...wir wissen: Pastorin und Theaterfrau Bettina Hansen verfügt über Profikenntnisse: wie schlägt man sich überzeugend auf der Bühne, so dass es wie echt wirkt?] „Dir werd ichs zeigen!“ schreit die Mutter und schlägt die Tochter. „Dir werd ichs zeigen!“ schreit die Tochter und schlägt „den ängstlichen Robi“, das “Daueropfer“ [...also: das ist hier nichts für zarte Seelen also/ besorgter Blick zu meiner Frau hinüber&#8230;] der „Klugscheisser“ setzt sich nun in Szene und die Klasse tobt. Die miniberockte und realistisch aufgebrezelte Zickenklicke zickt überzeugend rum [oh mann&#8230;wie echt!...irgendwie beängstigend&#8230;]</p>

<p>Nach dem Song von „Ich &amp; Ich“ namens „Stark“ („und du glaubst, ich bin stark und kenn den Weg&#8230;aber ich steh nur hier oben und sing mein Lied“) sehen wir als weiteren Typ des sozialen Klassentheaters den „Angeber“, dessen Leben so langweilig ist, dass er vor lauter Langeweile Geschichten erzählt, die einfach nicht stimmen, aber dadurch steigt sein sozialer Rang innerhalb der Hackordnung. [...nimmt man ihn nun ernst oder nicht?...man bedauert ihn&#8230;er spielt das sehr gut]</p>

<p>Die Masken: der Angeber trägt bei seinen Aufschneidereien eine Halbmaske. Alle Darsteller und Darstellerinnen haben ihre Maske immer dabei und mal aufgesetzt mal abgesetzt. Der Angeber nimmt seine Maske ab und erzählt uns seine Problematik mit seinem als langweilig empfundenen Leben. Die Maske ist ein nettes Requisit [klein, handlich,zusammenklappbar,immer dabei&#8230;oval, praktisch und gut&#8230;Sondermodelle für Vorstandsmitglieder an Banken erhältlich&#8230;eine für Herrn Mehdorn&#8230;eine für Herrn Ackermann&#8230;und auch schnell noch eine für Herrn Busch]</p>

<p>Vier Wochen später treffen sich Basti und die Neue. Ist Basti nun wirklich verliebt? Da kann auch der „Klugscheisser“ nicht weiterhelfen und rät Mut zum Gefühl, verfügt aber selbst nicht über genügend Erfahrung für tiefgründigere Ratschläge. Basti ist ratlos, hin und hergerissen [toll wie er das spielt!...sagenhaft gut!...]</p>

<p>„Frieden ist wenn alle gleich sind“ (von der Gruppe „Kettcar)...“Vergiss Romeo und Julia&#8230;.wann gibt’s Abendbrot?...“ Die Band spielt sehr rhythmisch und der Chor singt klar und deutlich, das sind  sehr schöne Seiten dieses Musicals [...die einen den grauen Schulalltag vergessen lassen&#8230;?...solche Bands und Chöre bitte in unsere Schulen!...aber da fällt Musik ja immer aus&#8230;.wie gut, dass es da Kirchenmusicals gibt&#8230;die alte Rolle der Kirche in Sachen Musikerziehung ist immer noch aktuell&#8230;und das lückenlos seit dem Mittelalter&#8230;da kann sich Schule mal informieren, wie das geht&#8230;da kommen die üblichen Bigbands und diese lächerlichen Musikschul-Castings nicht mit].</p>

<p>„Die kleine Rieke“ [...liebevoll dargestellt von der lebhaft agierenden Jennifer Brandt, die auch sehr engagiert im Chor singt] ist die Jüngste in der Klasse und arbeitet auch  intelligent an ihrer Karriere wie alle anderen. Nur bei ihr hätte man wirklich nicht gedacht, dass sie dann doch „eine Petze“ ist und ihre Schwester bei den anderen blossstellt, obwohl sie Stillschweigen über eine Beziehung zugesichert hatte.</p>

<p>Und so weiter, und so weiter&#8230;: sie erzählen ihre Rollen, ihre Probleme, ihre Ängste, sie fühlen sich unwohl, sie verstehen und verstehen nicht, können nicht verstehen oder wollen nicht können, denn&#8230;.</p>

<p>„Ma-Ma-Ma-Ma-Ma-Maske, das ist ein Utensil, das ich wirklich brauche für mein Rollenspiel. Ma-Ma-Ma-Ma-Ma-Maske, sie gehört zu mir, ich spiel damit rum, und so zeige ich mich dir&#8230;Ich will niemand belügen, niemand betrügen, einfach nur dazugehörn&#8230;einfach nur nicht störn“ Ein schöner Rapsong, nach dem wahren Leben geschrieben von Musical-Vater Tilman Lautzas [...wie schade, dass Du gehst, Tilman ...aber was ein Glück für die, mit denen Du jetzt arbeitest!]</p>

<p>Die Handlung endet offen und ohne Happy-End, aber mit den eindringlich formulierten Worten: „Ich bin nicht auf dieser Welt, um so zu sein, wie ihr mich haben wollt.“ Dieser Spruch  des „Klugscheissers“ der seine Maske fallen lässt [...absolut der Höhepunkt im Spiel&#8230;], wird von allen in der Klasse lauter und lauter zitiert. [...der Chor im antiken griechischen Theater spricht die Wahrheit&#8230;] Die Konfirmandinnen und Konfirmanden dieses Jahrgangs sprechen aus, worum es geht im Leben und der Gottesdienst neigt sich seinem fröhlichen und versöhnlichen Ende zu: bevor Bettina Hansen den Segen erteilt, werden alle Darstellerinnen und Darsteller, alle Mitwirkenden namentlich erwähnt - und auch die liebe Chefin des Caterings Beate Hoffmann ...der wir an dieser Stelle besonders auch für die zwei so schön singenden Töchter danken! </p>

<p>Tja, wir gingen nach Hause und meiner Frau fielen all die schlimmen Erlebnisse ein, die sie an diversen Realschulen hatte&#8230;auch ein Effekt des Musicals. Ich musste an die Kinder eines sehr guten Freundes denken, die täglich Opfer von Angriffen wegen ihrer Religionszugehörigkeit, wegen lächerlicher Kleidungsunterschiede werden. Die ungeschützt schweinischen Kommentare seitens der Mitschüler ausgesetzt sind und die Lehrer reagieren zögerlich und diffus&#8230;Mir fielen Situationen ein, wo ich damals als  angehender Lehrer vom Kollegium ausgebremst wurde, als ich mal rabiaten Streit zwischen Achtklässlern mit Körpereinsatz schlichten wollte: „lass man, die regeln das schon unter sich..“ - Ja, die regelten das dann unter sich mit blutenden Nasen und angeschlagenen Köpfen und ich flüchtete frustriert aus dieser Schule. [Was wir brauchen sind kleinere Klassen, doppelt so viele Lehrer und genügend Sozialtherapeuten an jeder Schule&#8230;.und richtiger Musikunterricht an den Schulen, der nicht immer ausfällt und wo es nicht um Mozart und Beethoven, sondern um Rap und Udo Lindenberg, um echte Jetzt-Texte, um Inhalte, mit denen Jugendliche etwas anfangen können&#8230;wo Kinder und Jugendliche lernen, sich ihre eigene Musik zu schaffen!...und Musik entspannt!]</p>

<p>Auch diesmal war ich emotional sozusagen voll miteinbezogen: ich kenne ja als Lehrer die Situation in Schulen sehr genau. Mobbing, Gewalt unter Schülern, Gewalt von Schülern gegen Lehrer, im Studium hiess es &#8220;Aussenseiterproblematik&#8221;...und ich selbst entstamme dazu noch einer Generation, in der man als Schüler auch noch Gewalt von Lehrern her kannte. Meine eigene Erfahrungen mit Schule im Rahmen meiner Lehrerausbildung waren so fatal, dass ich mich sehr schnell für das Privatlehrerdasein entschied, wo ich meine Kräfte nicht verschleudern muss. Während meiner Lehrerausbildung hing ich damals merkwürdig zwischen allen Fronten&#8230;kurz: „keine dieser Erfahrungen waren lustig oder schön“, eben auch aus der Lehrerperspektive nicht.</p>

<p>Das Thema brennt also unter den Nägeln. An den Schulen herrscht Mobbing schlimmster Sorte: sog. „Cybermobbing“(wo Aussenseiter in Internetvideos blamiert werden), „stummes Mobbing“, „verbales Mobbing“, „Gewaltmobbing“ ...und das alles schon seit mindestens den 90iger Jahren bekannt. In regelmässigen Abständen las man zum Beispiel im SPIEGEL zu diesem Thema, ohne dass sich dadurch viel an den Schulen geändert hätte. Seit einigen Jahren kommt noch „globales Mobbing“ hinzu: Mobber tauschen sich im Internet über Mobbing-Praktiken aus. Und die Lage eskaliert öfters: Schüler schiessen aufeinander oder erschiessen Lehrer. Lehrer werden zusammengeschlagen,&nbsp; Tötungsdelikte an Schulen werden allgemein bedauert. Und hingenommen.</p>

<p>Und alles beginnt mit dem total normalen Wahnsinn, wie es uns das Musical zeigt: Kleidung, Sprache, Religionszugehörigkeit, ethnische Herkunft, sozialer Status (um nur ein paar zu nennen) sind Anlass für Schüler und Schülerinnen  einer Klasse, gewaltsam eine  Hackordnung festzulegen&#8230;die eigentlich garnicht für ein glückliches  Schulleben notwendig ist, sich aber überall in unserer Gesellschaft und vor allem bei denjenigen findet, die auf soetwas Wert legen&#8230;bewusst oder unbewusst. Stichwort Rassismus. Stichwort Geld. Stichwort Sexualität. Einer meiner Musikschüler erzählte mir heute aus seinem Schulalltag: &#8220;es sind immer ganz unwichtige Sachen, womit man sich gegenseitig runtermacht: der Pickel im Gesicht oder sowas&#8230;&#8221; Oft findet Unterricht  nur noch am Rande der kämpferischen Auseinandersetzungen in der Klasse  statt. Lehrer die noch Kraft haben, die noch nicht „verschlissen“ sind  betätigen sich heute eher als Sozialarbeiter und Therapeuten. Es hat den Anschein, dass Lehrer – die diese darwinistischen Verhältnisse an Schulen nicht mehr ertragen wollen oder können – sich einfach zurückziehen, vorzeitig in den Ruhestand gehen, sich krank schreiben lassen oder sich sogar in therapeutische Behandlung begeben müssen. Das System kollabiert soeben.</p>

<p>Das Schulsystem scheint in vollem Umfange zu versagen. Privatschulen schiessen wie Pilze aus dem Boden, weil wenigstens dort die Klassen kleiner sein können und der Rahmen überschaubarer. Folge: nur die Kinder der Wohlhabenden bekommen noch optimale Ausbildung. Nach dem Motto „Der Stärkere erobert sich das Recht“ gliedern sich Klassenverbände an staatlichen Schulen auf oft brutale und menschenverachtende Weise und die Lehrer schauen hilflos zu. Ursachen sind meines Erachtens gesamtgesellschaftliche Probleme, die sich an Schulen knallhart konzentrieren und so dort ganz besonders sichtbar werden.</p>

<p>Wir leben in einer extremen Ellenbogengesellschaft. Wer nicht den Wettbewerbsquatsch mitmachen will, ist weg vom Fenster. Wer nicht mit den Wölfen heulen will, wird von ihnen totgebissen. SensibleSchüler - und sensibel sind sie alle, das zeigt auch das Musical sehr gut - spiegeln die Gesellschaft auf ihre Weise und geben untereinander oft unkritisch weiter, was sie irgendwo aufschnappen. Und sie leiden oft genug selbst drunter, wie das Musical auch wieder sehr gut zeigt. Was wir brauchen sind praktikabele Lösungen dieser Problematik und eine ordentliche Portion zweckfreie Nächstenliebe hinein in alle Schichten unserer Gesellschaft. Gelassenheit und Liebe und Vertrauen darauf, dass das Leben auch ohne Macht noch lebenswert ist&#8230;ja: sogar noch viel lebenswerter! Und: PISA-Bundesliga ist nicht alles!</p>

<p>Total NORMal löst zumindest ein Denken über Lösungsmöglichkeiten aus, und das fernab von PISA. Bei Jugendlichen und bei Eltern, bei Lehrern und bei den sog. Verantwortlichen in Politik, Bildung und Wirtschaft. Insofern ist dieses Musical ist im besten Sinne des Begriffes „pädagogisch wertvoll“ und sollte an allen Schulen des Landes aufgeführt werden. Es fördert das soziale Bewusstsein aller Beteiligter: neben Schülern, Lehrern und Eltern ist das die gesamte Gesellschaft! Es gibt Denkanstösse.</p>

<p>Total NORMal berichtet Älteren über die Ängste der Jugendlichen und schafft bei denen Verständnis. Was wir – egal in welcher Altersgruppe - lernen können ist viel über uns selbst: wie würden wir uns in solch einem Klassenverband verhalten? Oder: wie VERHALTEN wir uns eigentlich so im total NORMalen Alltag?...im Beruf?...in Sachen Karriere? Dann: welche Gefahren birgt eigentlich unsere Sprache? Wieviel Gewalt ist in welchen Worten gebunden? Wieviele Wörter und Wendungen benutzen wir tagtäglich und meist vollkommen automatisiert, in denen die Gewalt, der Hass oder einfach Destruktives versteckt ist? Gibt es DIE NORM , die uns wie willenlose Marionetten agieren lässt oder machen wir DIE NORM nicht eigentlich selbst? Wie beurteilen wir Menschen? Nach dem Äusseren, nach dem Inneren? Müssen wir eigentlich wirklich Menschen beurteilen, verurteilen, bewerten&#8230;? Geht es nicht&#8230;.einfach so?...Akzeptanz und fertig?...Müssen wir anderen dauernd unsere eigenen Masken aufdrängeln?...sind wir nicht alle &#8220;Klugscheisser&#8221;?</p>

<p>Ist Sprache nicht in vielen Fällen ein machtvolles Medium? Müssen wir nicht mal gelegentlich daran basteln?...und was ist MACHT überhaupt? Wo beginnt sie eigentlich? Wenn das kleine Kind angeschrien wird&#8230;wenn der Hund an der Leine gezerrt wird&#8230;ein scharfes Wort&#8230;total NORMal? Mit Macht und Gewalt begründete Hierarchie bremst auch immer demokratische Strukturen aus. Und zur Machtausübung gehört immer die Gewalt, denn nur dann wird Macht als solche wahrgenommen&#8230;wie äussert sich im total NORMalen Leben die Gewalt? Die vielbeklagte „Gewalt an Schulen“ ist ein Spiegelbild unserer kompletten Gesellschaft. Kinder und Jugendliche kopieren oft unkritisch das Verhalten und die Sprüche der Erwachsenen und das friedvolle Miteinander ist nur noch schwer möglich. Im Grossen wie im Kleinen. Im Berufsalltag wie in der Familie. In der Familie wie in der Schule. Macht und Gewalt machen das Leben lustlos, freudlos&#8230;tot.</p>

<p>Die Aufgabe von KIRCHE sehe ich hier an diesem Abend in der Michaeliskirche voll und auf ideale Weise erfüllt: das friedvolle Miteinander zu stärken, Verständnis und echte Liebe füreinander aufzubringen, die Masken abzunehmen, sich offen zu begegnen, sich friedlich, gewaltfrei, machtlos zu begegnen und die Hoffnung zu stärken, dass wir friedlicheren Zeiten entgegensehen&#8230;ja, das wäre mal Total NORMal. Solche Musicals machen neue Hoffnung auf eine insgesamt bessere Welt! ...und allen Mitwirkenden ein ganz herzliches Dankeschön!</p>

<p>Zwei Aufführungen gibt es noch am Mittwoch, 19. November 08 um 9.00 und 11.00 in der Michaeliskirche Hassee. Eintritt frei, Spenden erbeten.</p>

<p>
</p>
      ]]></content>
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      <title>Beates Montagsfoto</title>
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      <id>tag:musikwerkstatt-rzeszut.de,2008:index.php/mwr/index/1.242</id>
      <published>2008-07-14T07:57:00Z</published>
      <updated>2008-07-14T08:02:03Z</updated>
      <author>
            <name>Martin Rzeszut</name>
            <email>martin.rzeszut@musikwerkstatt-rzeszut.de</email>
                  </author>

      <category term="Beates Montagsfoto"
        scheme="http://www.musikwerkstatt-rzeszut.de/index.php/site/C18/"
        label="Beates Montagsfoto" />
      <content type="html"><![CDATA[
        <p>Hier wieder einmal ein Montagsfoto: diesmal eine Bärlauchblüte!</p> 
      ]]></content>
    </entry>

    <entry>
      <title>Menschenrechtsverletzungen in China gehen unverändert weiter !</title>
      <link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.musikwerkstatt-rzeszut.de/index.php/site/menschenrechtsverletzungen_in_china_gehen_unveraendert_weiter/" />
      <id>tag:musikwerkstatt-rzeszut.de,2008:index.php/mwr/index/1.239</id>
      <published>2008-04-05T10:52:01Z</published>
      <updated>2008-05-12T07:15:28Z</updated>
      <author>
            <name>Martin Rzeszut</name>
            <email>martin.rzeszut@musikwerkstatt-rzeszut.de</email>
                  </author>

      <category term="Menschenrechte"
        scheme="http://www.musikwerkstatt-rzeszut.de/index.php/site/C36/"
        label="Menschenrechte" />
      <content type="html"><![CDATA[
        <p>Mit unveränderter Härte geht China gegen Protestierende und Dissidenten in Tibet, aber auch in ganz China vor. So wurde gestern berichtet, dass Studenten der Tibet University in Lhasa den Campus grundsätzlich nicht verlassen dürfen. Internetverbindungen und Handys funktionieren auf dem Campus nicht mehr.</p>

<p>Chinesische Spezialeinheiten beginnen nun überall mit der gewaltsamen &#8220;patriotischen Umerziehung&#8221; Andersdenkender. Bei Aktionen in Klöstern protestieren Mönche mutig und lautstark dagegen. Auch gegen das Herunterreissen von Bildern des Dalai Lama, vor dem China offensichtlich unheimliche Angst hat.</p>

<p>China plant nun Massenprozesse für Demonstranten. Man sollte nun massenhaft Prozessbeobachter nach China schicken!</p>

<p>Weitere aktuelle Informationen (täglich updated) finden sich unter <a href="http://www.tibet.net">http://www.tibet.net</a>.</p> 
      ]]></content>
    </entry>

    <entry>
      <title>China verletzt Menschenrechte in Tibet momentan schwerstens und verbietet der Welt, zuzusehen!</title>
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      <id>tag:musikwerkstatt-rzeszut.de,2008:index.php/mwr/index/1.237</id>
      <published>2008-03-22T13:41:01Z</published>
      <updated>2008-07-03T20:05:10Z</updated>
      <author>
            <name>Martin Rzeszut</name>
            <email>martin.rzeszut@musikwerkstatt-rzeszut.de</email>
                  </author>

      <category term="Menschenrechte"
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        label="Menschenrechte" />
      <content type="html"><![CDATA[
        <p>Das Rezept der Chinesischen Regierung gegen den in der Hauptsache friedlichen Protest tibetischer Mönche lautet gegenwärtig „entschlossene Niederschlagung“! Nur internationaler Protest und Einmischung der UN kann hier noch Ethnozid in grossem Umfange verhindern!</p>

<p>Unser Aussenminister Frank-Walter Steinmeier fordert gegenwärtig laut und entschieden die unverzügliche Aufhebung der Nachrichtensperre, welche die Chinesische Regierung vor Tagen verhängt hat. Ich freue mich über diese klare und eindeutige Stellungnahme meines Landes, das den Dalai Lama vor einem halben Jahr ehrenvoll und gegen den lächerlichen Protest Chinas empfangen hat!</p>

<p>&#8220;Die Bundesregierung sagt den Chinesen unmissverständlich: Schaffen Sie Klarheit. Wir wollen genau wissen, was in Tibet passiert ist&#8221;, so Steinmeier in einem aktuellen Interview mit „Bild“.</p>

<p>Seit Tagen wird versucht, Tibetern und Chinesen die Internet-Information zu sperren. So ist das Videoportal You Tube in China immer noch nicht zugänglich (Informationen u.a. hier:http://boingboing.net/2008/03/16/tibet-china-blocks-y.html).</p>

<p>Die HP des Dalai Lama (<a href="http://www.tibet.com/">http://www.tibet.com/</a>) zeigt als letzten Beitrag den 18.März (mittags): “Declaration by the EU Presidency on the situation in Tibet“ - seitdem nichts mehr. Als „Latest update on Tibet protests“ lesen wir am selben Tage: „In Lhasa suppression continues with tanks and military vehicles patrolling every corner of the city. Former political prisoners and suspected Tibetans (those politically active) living in the Lhasa area are being arbitrarily arrested in the ongoing house- by- house raid by Chinese security forces since the evening of 15th March 2008. <br />
In desperation for complete crackdown, Chinese authorities are also arresting the family members of former long-time political prisoners (if they themselves are not physically present).“ -&nbsp; Über Karze wird berichtet: „Students and laypeople continue with their protest. According to latest information received, a massive protest is now happening in front of Karze County government headquarters.- Nearby monasteries have been completely blocked off by Chinese military since a few days ago to prevent the monks from taking part in the protests.“ - Wo sind die aktuellen Berichte?</p>

<p>Tibet Online – eine freie HP, die über die tibetischen Proteste und die chinesischen Übergriffe berichtet (<a href="http://www.tibet.org/">http://www.tibet.org/</a>) berichtet: „China has kicked all foreigners and especially all journalists out of Tibet. The capital Lhasa is essentially a zone of terror as security forces conduct house to house searches and take away whoever they please. These Tibetans will have absolutely no recourse to the rule of law. Reports indicate that they are being taken to prisons all over Tibet, where they will simply disappear. - The Chinese government claims its security forces, with their automatic weapons, armored personnel carriers and tanks, were &#8216;victimized&#8217; by Tibetans with rocks, knives and the odd petrol bomb as they tried to &#8216;peacefully settle the riots&#8217;. Hmmmm. Perhaps they think the world has forgotten Tiananmen Square, when the Chinese army rolled over China&#8217;s own best and brightest. - In the meantime pictures of monks and others shot dead by Chinese security forces are emerging from Tibet, along with reports of continued protests in Tibetan towns and monasteries as well as in Chinese cities.“<br />
Tibet Online nennt weitere Links, über die Ihr Euch über Tibet informieren könnt. Was fehlt, sind allerdings aktuelle Information, und das ist ein ganz schlechtes Zeichen. Das bedeutet: nicht einmal  Telefongespräche sind mehr möglich&#8230;.</p>

<p>Auf der Seite der UN Headquarters, New York finde ich nichts zum Thema Tibet. „Highlights of the Noon Briefing“ (<a href="http://www.un.org/News/ossg/hilites.htm">http://www.un.org/News/ossg/hilites.htm</a>): hier müssten diese sein, empfände die UN die Lage in Tibet beachtenswert, erwähnenswert, der Kritik würdig. Nichts.</p>

<p>Das Portal You Tube erhält gegenwärtig immer noch Videos, die die Lage in Tibet zeigen, wie etwa  dieser CNN-Bericht (<a href="http://www.youtube.com/watch?v=OcBQs4XNz1I">http://www.youtube.com/watch?v=OcBQs4XNz1I</a>), indem deutlich wird, wie schonungslos die chinesische Polizei mit Reportern umgeht.<br />
You Tube enthält allerdings auch aktuelle Videos, die die Vorkommnisse aus Sicht chinesischer Tibethasser darstellen und die westliche Presse mit Tatsachenverdrehung attakieren. Beim Betrachten einiger Videos drängt sich mir der Verdacht auf, dass der chinesische Geheimnisdienst sich sehr wohl der Welt-Bedeutung des You-Tube-Portals bewusst ist. Bitte sucht diese Videos selber heraus: man muss nur „Tibet“ in die You-Tube-Suchmaschine eingeben und auf das Datum der Veröffentlichung des Videos achten.</p>

<p>Was bleibt für uns persönlich? - Die Möglichkeit des direkten Protestes über <a href="http://www.avaaz.org/en/tibet_end_the_violence/98.php/?cl_tf_sign=1">http://www.avaaz.org/en/tibet_end_the_violence/98.php/?cl_tf_sign=1</a>. Bitte unterschreibt dort die Petition an den chinesischen Präsidenten Hu Jintao, die ich hier wie folgt zitiere:</p>

<p>&#8220;Petition to Chinese President Hu Jintao:</p>

<p>As citizens around the world, we call on you to show restraint and respect for human rights in your response to the protests in Tibet, and to address the concerns of all Tibetans by opening meaningful dialogue with the Dalai Lama. Only dialogue and reform will bring lasting stability. China&#8217;s brightest future, and its most positive relationship with the world, lies in harmonious development, dialogue and respect.&#8221;<br />
 
Besonders und gerade wegen der anstehenden Olympischen Spiele macht sich China Sorgen um sein Image. Wer sich nicht scheut, offensichtliche Menschenrechtsverletzungen zu begehen, braucht eine andere Sprache, in der es um Wirtschaft und global reputation geht!</p>

<p>Man sollte – meine ich – nicht die Olympischen Spiele in China boykottieren, da diese ein wichtiges Instrument für Völkerverständigung sind. Sie funktionieren besser als die UN!&nbsp; Aber man sollte die Olympischen Spiele unbedingt zum Protest nutzen, falls China die Würde des tibetischen Menschen weiterhin erniedigt und unschuldige Demonstranten und ihre Familien ermordet. Oder mit härteren Worten: solange wie China weiterhin Menschen ermordet, um Tibet politisch zu einem Teil Chinas zu machen! Die Weltgemeinschaft darf da nicht allein zusehen, sie muss jetzt einschreiten. Für den Frieden und für ein friedliches Miteinander von Tibetern und Chinesen!</p>

<p>Das wäre mein wichtigster Wunsch für dieses Osterfest!</p>

<p>(Aktualisierter Nachtrag 17.35) Amnesty International gibt Adressen und Ratschläge für persönliche Petitionen für 15 verschleppte Mönche in Pdf, siehe: <br />
<a href="http://www.amnesty.org/en/library/asset/ASA17/057/2008/en/013d1820-f542-11dc-a450-e9cbe1538d05/asa170572008eng.pdf">http://www.amnesty.org/en/library/asset/ASA17/057/2008/en/013d1820-f542-11dc-a450-e9cbe1538d05/asa170572008eng.pdf</a>. Es ist wichtig, die Anträge freundlich, hoffnungsvoll und mit den passenden Anreden (salutations) zu versehen, damit sie effektiv sein können. Übrigens hat auch Amnesty keine neuen Berichte aus Tibet seit drei Tagen. Hauptquelle für Information: das Tibetan Centre on Human Rights and Democracy.</p>

<p>(Aktualisierter Nachtrag 19.17) Fotos ermordeter Mönche und Laien des Kirti Klosters zeigt <a href="http://www.freetibet.org/press/pr180308.html">http://www.freetibet.org/press/pr180308.html</a>. Es ist sehr wichtig, vor Ansicht der Fotos den Text zu lesen und die Bitte um Diskretion zu respektieren. Gezeigt werden die Schussverletzungen bzw. glatte Durchschüsse. Datum 16. März. Die Fotos dokumentieren die Grausamkeit an friedlichen Menschen in voller Deutlichkeit. Kinder sollten diese Fotos nicht ansehen! Ich habe lange überlegt, ob ich auf diese Fotos hinweisen sollte, aber es ist manchmal wesentlich, die Realität von Krieg zu zeigen. Die Quellenlage ist m. E. absolut verlässlich.</p> 
      ]]></content>
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    <entry>
      <title>Rechtsmissbrauch bei Wikipedia</title>
      <link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.musikwerkstatt-rzeszut.de/index.php/site/rechtsmissbrauch_bei_wikipedia/" />
      <id>tag:musikwerkstatt-rzeszut.de,2008:index.php/mwr/index/1.236</id>
      <published>2008-02-15T12:21:00Z</published>
      <updated>2008-05-12T07:12:04Z</updated>
      <author>
            <name>Martin Rzeszut</name>
            <email>martin.rzeszut@musikwerkstatt-rzeszut.de</email>
                  </author>

      <content type="html"><![CDATA[
        <p>Folgender Brief erging per Mail soeben an den Vorsitzenden von Wikimedia Deutschland:</p>

<p>Sehr geehrter Herr  Kurt Jansson,</p>

<p>ich maile Ihnen hier, weil Sie der Gründer bzw. Geschäftsführer von Wikimedia Deutschland sind und damit der für mich einzig erreichbare Verantwortliche für Wikipedia Deutschland bzw. Wikipedia überhaupt. Bitte sehen Sie meine folgenden Ausführungen auch ausschliesslich nur in diesem Zusammenhang und bitte nicht etwa als Angriff auf Ihre Person!</p>

<p>Das Problem: ein frisch eingestellter Artikel über einen bekannten Bielefelder Expressionisten namens Ernst Sagewka – dessen 125. Geburtstag wir dieses Jahr feiern – wurde ohne vorherige Rücksprache mit dem Urheber von Wikipedia-Admins (unter Pseudonym) in höchstem Grade sinnentstellend gekürzt. Als der Urheber dieses Textes (Rolf Sagewka – ein Verwandter des Malers) dies bemerkte und Einspruch erhob, in dem er sich mit vollem Namen in die Diskussion einbrachte, wurde er „gesperrt“ und auf eine Art angepöbelt, die – wie ich vermute - Ihnen sicherlich schon als Wikipedia-Usus bekannt ist.</p>

<p>Ganz abgesehen von dieser beleidigenden und voll gegen deutsches Presse- und Urheberrecht verstossenden Prozedur sehen wir als Resultat einen Artikel, der die Biografie des oben bezeichneten Malers geradezu ins Gegenteil verkehrt. Man nennt das Geschichtsfälschung.</p> <p>
Bitte überzeugen Sie sich selbst und geben Sie „Expressionismus“ ein, gehen Sie dann bitte zu „Ernst Sagewka“. Wenn Sie dort „Leben und Werk“ lesen, könnten Sie bei dem Satz „Sagewka trat am 1. Mai 1937 der „Reichskulturkammer – Reichskammer der Bildenden Künste“ bei.“ durchaus der Meinung werden, dieser Mann sei sicherlich ein begeisterter Nazi gewesen. Denn wenn dieses Fakt so isoliert, explicit und an letzter Stelle unter „Leben und Werk“ dort steht, wird ein solcher Beitritt für ihn wohl von Bedeutung gewesen sein, oder?</p>

<p>Das Gegenteil ist jedoch der Fall: Sagewka gehört zu den im Dritten Reich verfolgten Künstlern! Einige seiner Bilder wurden als „entartet“ von eben dieser Reichskulturkammer konfisziert und teilweise verbrannt. Sein Beitritt zur „Reichskulturkammer“ geschah unter Zwang. - Was sagen Sie nun?</p>

<p>Sicherlich werden Sie sich nun fragen, warum gerade diese für das Verständnis der Biografie des Malers überaus wesentlichen und darüberhinaus auch auf Archivauskünften beruhenden Fakten nicht im Wikipedia-Artikel zu finden sind. Ganz einfach: die Admins hielten deren Erwähnung im Zuge der sog. „Qualitätssicherung“ für unerheblich und überflüssig! Bitte lesen Sie deren flapsige und naseweisen (&#8220;völlig unerwartet&#8221; mit 77?“) Bemerkungen nach und vergleichen Sie bitte einmal in der Versionsgeschichte den Originalartikel mit dem Status Quo. Vermutlich werden Ihnen jetzt die Haare zu Berge stehen und Sie werden Ihre eigene Wikipedia nicht mehr mögen!</p>

<p>Ein Künstler, der wie belegt noch 1935 – also zwei Jahre nach dem Reichsermächtigungsgesetz! - auf die Einladungskarte  für seine Ausstellung schrieb: “Nicht die Meinung verschiedener Kollegen ist ausschlaggebend für den Wert eines Kunstwerks, sondern das objektive Urteil des kunstgebildeten Publikums.“ ordnet sich dadurch fraglos selbst dem Widerstand zu! Und genau wegen dieser Anti-Nazi-Haltung wird er zwei Jahre später und vermutlich unter Androhung von Repressalien zum Beitritt in die RKK gezwungen. Die Alternative wäre vermutlich Verschleppung und KZ gewesen. Auf jeden Fall wäre ihm die künstlerische Arbeit verboten worden, man hätte ihn sozusagen „gesperrt“ und ihm Malverbot verordnet. Wir kennen das ja von Emil Nolde.</p>

<p>Sehr geehrter Herr Jansson, die Fakten (und die sind nachprüfbar wissenschaftlich abgesichert) sprechen für sich. Wie kann also eine Institution wie Wikipedia, die sich grundsätzlich positiv, glaubwürdig und demokratisch darstellen will, ihre selbstformulierte Moral mit solchen Urheberrechtsverletzungen, Verstössen gegen das Presserecht, Beleidigungen und Verfälschung von Tatsachen vereinbaren? Das ist doch ganz klar kriminelles Verhalten! Sie können sich denken, dass Fehler bei einem solch hochsensiblen Thema wie Mitgliedschaft eines Künstlers in Nazi-Organisationen weitreichende Folgen haben kann, die nicht nur den Maler selbst und seine Nachfahren treffen. Solche Geschichtsklitterung schadet allgemein unserem kulturellen Ansehen! Und dem Gerücht, dass bei Wikipedia die Neo-Nazis mitschreiben, würde niemand ernstlich widersprechen können. Übrigens halte ich das in diesem Falle durchaus für möglich!</p>

<p>Nun wird dieser damals schon hart verfolgte Künstler von Wikipedia-Laien also erneut verleumdet und gestraft: wenn ich die oberflächlichen Kommentare Ihrer Admins lese, fühle ich ich mich merkwürdig und unheimlich an die Zeit der „Gleichschaltung“ erinnert. Auch damals zerpflückten selbsternannte „Fachleute“ des „Amtes Rosenberg“ wissenschaftlich fundierte Texte auf ihre selbstherrliche und süffisante Art und liessen ihrer hitlertreuen Meinung ungehemmt freien Lauf. Auch damals kommentierten Nichtfachleute Fachliteratur und zerstörten so das wissenschaftliche Fundament. Heute nennen wir das „faschistische Praktiken“.</p>

<p>Möchten Sie, dass wir diesen Begriff auch auf Wikipedia anwenden müssen? Ich bin sicher, dass  nicht. Ich wenigstens (und vermutlich wie Sie) glaube immer noch an die „Graswurzel“-Roots der Wikipedianer, merke aber, wie ich innerlich auf Abstand gehe und Abscheu empfinde: da ist doch eine ganz andere, destruktive Kraft am Werke und es heisst nun besser: Vorsicht!</p>

<p>Hat Wikipedia nicht schon lange auch den Anspruch auf einen gewissen Bildungsauftrag? Denn selbst Lehrer in unseren Schulen empfehlen Wikipedia als Quelle für Referate. Nein, unmöglich. Denn bei Wikipedia befinden wir uns bereits im Niemandsland einer Diktatur. Ich rate meinen Schülern inzwischen, mal Artikel bei Wikipedia zu schreiben, um auszuprobieren, wie man sich in einer Diktatur fühlt und wie es ist, der Willkür wichtigtuerischer Funktionäre ausgeliefert zu sein. Wie sich das anfühlt, beschimpft zu werden, obwohl man doch nur gutmütig den Informationspool bereichern möchte.</p>

<p>Leider bleibt es nicht aus, dass Nachfahren und Freunde des Malers sich natürlich nun auf Anwaltssuche begeben, um das Ansehen von Ernst Sagewka noch auf dem Rechtswege zu retten. Denn noch erscheint der Artikel nicht im Sinne des Urhebers geändert. Trotz amerikanischem Impressum geschahen diese Rechtsverstösse auf bundesdeutschem Boden! Es sind schliesslich deutsche Admins, die da Rechtsbeugung betreiben! Das Thema wird natürlich nun in die Öffentlichkeit gebracht werden, schliesslich hatte man 24 Stunden Zeit, die Fehler zu beheben. Nicht die Meinung selbstherrlicher und unpersönlicher Admins ist ausschlaggebend für den Wert eines Textes, sondern das objektive Urteil des kunstgebildeten und wissenschaftlich denkenden Publikums!...Sie erinnern sich, nicht wahr?</p>

<p>Ich bitte Sie herzlich, diesem Unfug allgemein und speziell in dieser Sache ein Ende zu bereiten! Ich gebe Wikipedia dazu durchaus noch eine Chance!</p>

<p>Ich möchte auch als 54 Jahre alter Künstler und Pädagoge nicht von Herrn Carol Christiansen angepöbelt werden! („So, und jetzt trollst Du Dich, bitte. Sonst wirst Du getrollt. Aber das hatte ich Dir ja bereits gesagt.&#8212;Carol.Christiansen 14:41, 14. Feb. 2008 (CET) Dafür ist jetzt bitte eine Entschuldigung fällig. Schliesslich war meine vermutlich von ihm sofort gelöschte Kritik zwar hart, aber konstruktiv und vornehmlich sachlichen Inhalts. Schliesslich hatte ich Hoffnung, dass mit einem herzlichen  Schulterklopfen die Sache erledigt sei. Der Brief eines Anwalts wäre sinnvoller gewesen.</p>

<p>Ich persönlich hatte schon 2005 aufgegeben, als Spezialist Fachartikel über Musik bei Wikipedia zu schreiben. Ich habe mir dann den Spass erlaubt, einen Admin aus Hannover zu enttarnen. Der Mann wusste es, führte trotzdem sein makabres Rollenspiel fort und schreckte vor Beleidigungen und Beschimpfungen nicht zurück. Auf  Anzeige wegen persönlicher Beleidigung hatte ich damals verzichtet. Doch die Schonzeiten sind nun vorbei. Es wird einfach zu gefährlich, sowas einfach hinzunehmen.</p>

<p>Ich bitte Sie freundlich darum, alles daran zu setzen, diese unguten Verhältnisse zu ändern. Der erste Schritt dazu wäre, beim Wiederherstellen der ursprünglichen Biografie des Malers Ernst Sagewka anzufangen und mit dem Autor dieser Biografie in Rücksprache zu gehen. Hätten Ihre Admins sich an die durch das deutsche Presserecht klar vorgegebenden Regeln gehalten und sich die korrigierte Fassung letztlich vom Verfasser autorisieren lassen, so hätte es diesen Eklat nicht gegeben.</p>

<p>Mein konstruktiver Vorschlag: da das deutsche Urheberrecht bei Nennung des Verfassers (unter dessen rechtlich relevanten Namen versteht sich) Wikipedia automatisch aus der Verantwortung für einen veröffentlichten Text entlässt, wäre die Nennung des Urhebers unter dem veröffentlichten Text mit Link zu Mail und Homepage eine gute Lösung für überzeugende „Qualitätssicherung“. Bei Inhaltsfragen müssen sich dann keine Admins die Köpfe heissreden, sondern man kontaktiert einfach und sofort den Verfasser selbst. Das können sowohl Admins als auch Nutzer von Wikipedia tun.</p>

<p>Solch einfaches Prozedere ist bei wissenschaftlichen Veröffentlichungen immerhin seit Jahrhunderten üblich. Die Nachprüfbarkeit von Fakten war immer schon für verlässliche Information wesentlich und Mensch hat da Erfahrung. Das ist ja schliesslich nichts Neues! Die bei Wikipedia übliche stereotype „Frage nach den Quellen“ (die ja sinnlos ist, wenn die Quelle selbst spricht!) wäre damit zum grössten Teil überflüssig. Denn der Verfasser würde sie entweder aus seiner Fachkompetenz heraus selbst nennen oder sie wären nachfragbar. Kämen dann Zweifel auf, so wäre ein Mediendienst wie Wikipedia auch nicht gezwungen, einen Artikel mit unklarer Quellenlage zu veröffentlichen. Es mag ja wirklich auch Texte geben, wo Schwachsinn sogar für den durchschnittlich gebildeten Admin offensichtlich ist. Doch in unserem Fall handelt es sich schliesslich um einen Text auf sehr hohem Niveau, der klar den Primärquellen zuzuordnen ist!</p>

<p>Wir betrachten die Seite <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Sagewka">http://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Sagewka</a> weiterhin mit grossem Interesse! </p>

<p>Mit freundlichen Grüssen,</p>

<p>Martin Rzeszut aus Kiel</p>
      ]]></content>
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    <entry>
      <title>Kein Bundestagsmandat für militärische Kampfeinsätze in Afghanistan!</title>
      <link rel="alternate" type="text/html" href="http://www.musikwerkstatt-rzeszut.de/index.php/site/kein_bundestagsmandat_fuer_militaerische_kampfeinsaetze_in_afghanistan/" />
      <id>tag:musikwerkstatt-rzeszut.de,2008:index.php/mwr/index/1.233</id>
      <published>2008-02-04T15:43:00Z</published>
      <updated>2008-05-12T07:09:21Z</updated>
      <author>
            <name>Martin Rzeszut</name>
            <email>martin.rzeszut@musikwerkstatt-rzeszut.de</email>
                  </author>

      <category term="Menschenrechte"
        scheme="http://www.musikwerkstatt-rzeszut.de/index.php/site/C36/"
        label="Menschenrechte" />
      <category term="Friedensarbeit"
        scheme="http://www.musikwerkstatt-rzeszut.de/index.php/site/C37/"
        label="Friedensarbeit" />
      <content type="html"><![CDATA[
        <p>Sehr geehrter Herr Klose!</p>

<p>Ich fordere hiermit besonders Sie – den SPD-Aussenexperten, der sich jüngst zu Wort gemeldet hat - , des weiteren alle Menschen, besonders aber Vertreter aller politischen Parteien, Militärstrategen und andere für das Gemeinwohl und die Sicherheit unseres Landes Verantwortliche entschieden auf, jetzt und auch in Zukunft keine sog. „Quick Reaction Force“ durch die Bundeswehr im Süden Afghanistans zu befürworten oder politisch herbeizureden. Das klare NEIN aus Berlin zu solchen Einsätzen vom vergangenen Samstag spiegelt durchaus die Meinung und Stimmung in der Bevölkerung und sollte ernst genommen werden!</p>

<p>Das Nachkriegs-Deutschland ist ein grundsätzlich friedliches Land! Wir haben es angesichts von 60 Millionen Kriegstoten (Erster Weltkrieg nicht gerechnet) wirklich nicht nötig, von neuem mit militärischen Glanzleistungen anzugeben. Im Gegenteil sollten wir eher die Courage haben, sog. „politischem Druck“ seitens USA und Nato mit ruhigem Gewissen unseren Friedensauftrag entgegenzuhalten. Und gefragt ist da eher Friedensforschung, humanitäre Hilfe und Aufbau. Doch nicht das sinnlose Kaputtschiessen von Menschen, Häusern und Material.</p>

<p>Ich bin überaus enttäuscht von Ihnen, Herr Klose, dass Sie als SPD-Mann Kampfeinsätze der Bundeswehr für möglich halten und offen befürworten, wo Sie genau wissen, dass einmal das Bundestagsmandat überhaupt nicht für solche Kampfeinsätze ausreicht, zum anderen die Deutschen spätestens seit 1945 keinerlei Lust auf Kriege aller Art haben! Ich wundere mich, dass es Ihnen nicht so geht, wo Sie doch den Krieg als Kind erlebt haben.</p>

<p>Natürlich wollen Sie jetzt durch Ihre Sprüche die Meinung im Lande ändern. Sie möchten, dass die friedliche Grundstimmung in Kampfgeschrei umschlägt und Sie möchten andere Menschen für Angriffskriege gewinnen. Können Sie das eigentlich mit Ihrem Gewissen vereinbaren?</p>

<p>Ich persönlich wehre mich entschieden und mit aller Kraft gegen die Maxime, anderen Staaten und insbesondere den USA diensteifrig bei der militärischen Durchsetzung eigener wirtschaftlicher Interessen oder Machtinteressen militärisch zu helfen, wann immer die sich mal räuspern. Man sollte sie besser stoppen, solche Interessen weiter durchsetzen zu können. Für besonders unehrlich und bedenklich halte ich die Planung einer Kampeinsatztruppe unter dem Deckmantel „Friedenseinsatz“! Zum ersten Mal seit dem letzten Weltkrieg würde dann deutschen Soldaten wieder befohlen werden können, auf Menschen zu schiessen! Können Sie das wirklich mit Ihrem Gewissen vereinbaren, Herr Klose?</p>

<p>Kennen Sie die Technik „Frieden schaffen ohne Waffen?“ Denn wer schiesst, wird angegriffen. Hass bedingt stets neuen Hass. Gewalt macht neue Gewalt locker. Zerstörung schafft nur Zerstörung, Herr Klose! Schon während des Irak-Krieges waren Sie mit Schröders NEIN nicht einverstanden. Wollen Sie denn mit aller Gewalt zu jener Generation in Deutschland gehören, die für die langsame Entstehung eines Dritten Weltkrieges verantwortlich zeichnet? Ich jedenfalls nicht! Sie sehen ja, was eine solche Haltung, wie Sie sie haben, im Irak bewirkt? Nur unendliches Leid und Zerstörung.</p>

<p>Nein, Deutschland sollte besseres für Afghanistan bewirken: denken Sie bitte konstruktiv! Wir wollen keine Erweiterung des Bundestagsmandats für schnelle Kampfeinsätze! Schlimm genug zu hören, dass sie offensichtlich schon länger unter gewissen Umständen möglich waren. Ich fühle mich als Bürger dieses Landes belogen und betrogen!</p>

<p>Friede in aller Welt!</p>

<p>Martin Rzeszut &nbsp;  </p> 
      ]]></content>
    </entry>


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