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Samstag, 27. Januar 2007

WINTERSSCHLAF oder NÄCHTLICHE RUHESTÖRUNG ?

Arno Linksquetsch berichtet über nette Besuche bei Nacht

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Es war Mittwoch, der 24.Januar 2007.
Nach einer langen Autofahrt von Manresa (bei Barcelona) Richtung Almeria, hatte ich mit meiner Mitfahrerin zusammen, irgendwo in den Bergen zwischen Valencia und Alikante, nach 9 Stunden Fahrt, endlich ein Plätzchen zum Übernachten gefunden. Kein besonders schönes Plätzchen; eine von der Nationalstraße 340 (diese zieht sich von Barcelona bis an die “Straße von Gibralta” am Mittelmeer entlang) abgehende kleine Straße mit Häuseransammlung, von denen die meisten umzäunt oder von einer Mauer umgeben sind.

Nun gut, es ist ja nur für eine Nacht.

22Uhr war es. Ich hatte mich inzwischen in meinen Schlafsack gekuschelt, während Sarah (die Mitfahrerin) noch auf dem Beifahrersitz ein wenig las.

Erschöpft lag ich nun da, als auf einmal jemand an das Fenster der Fahrertür klopfte. Sarah öffnete und schnackte auf spanisch mit ihm. Von dem abendlichen Besuch vernahm ich immer wieder das Wörtchen “no”, was mich zu der Vermutung gelangen ließ, dass wir an dieser Stelle nicht stehen dürfen. Und so sollte es auch sein. Sarah klärte mich im Anschluss des Gespräches mit dem Mann am Fenster auf; die ganze Häuseransammlung (Dorf?) sei Privatgrundstück, und wir dürfen hier nicht stehen. Ein Stück zurück, über eine Brücke, an der Straße zwischen Dorf und N340, ist es wohl gestattet.
Na schön, raus aus dem Schlafsack, ran an’s Steuer, und die 500m in den Knick einer Serpentinenkurve an die besagte Straße gestellt.

Rein in den Schlafsack (Sarah auch in ihren), und endlich seelig einschlafen, um am nächsten Tag weiter nach Almeria (Cabo de Gata) zu den “Hippies in Höhlen” zu fahren.

Mitten in der Nacht (keine Ahnung wann), wurde ich plötzlich wach (Sarah auch), als Autogeräusche und Männerstimmen zu hören waren. Außerdem war es recht hell im Bus, weil die Scheinwerfer eines laufenden Autos nebenan, offensichtlich voll auf den “Tourbus” gerichtet waren.

Ich rührte mich erst mal nicht, und wartete ab, dass das Licht, die Männerstimmen, und die Motorengeräusche schnell wieder verschwinden würden, um weiter zu schlafen.

Dem geschah aber nicht so. Statt dessen gingen sie um meinen Bus herum, und luscherten mit ihren Taschenlampen zu uns herein.

Also gut, dann schaumamal. Auf den Bauch gedreht zog ich meinen rechten Arm aus dem warmen Schlafsack, öffnete die Schiebetür, blickte drei uniformierten Männern der Guardia Civil (Polizei) in die Augen, und wurde von dessen Geländedienstfahrzeug angestrahlt.

So brabbelte mich einer von jenen auf spanisch an, nachdem ich halb verschlafen antwortete: “do you speak english?”
“No no, espaniol espaniol!” erwiederte er.

Also half nichts, hier muss Sarah wieder ran. Das ist jetzt das Einfachste. Sie sprach mit ihnen, und zwischendurch übersetzte sie mir.

Erst mal mussten wir ihnen unsere Ausweise geben, und während unsere Personalien überprüft werden, erzählt der eine Herr mit Sarah weiter….Es sei wohl gefährlich hier zu übernachten, weil es in der Gegend viele Überfälle gibt, meinte er. Es ist besser an Raststätten zu übernachten….

Die Überprüfung dauerte etwas, und nach dem sich der “Polizist” und Sarah nichts mehr zu sagen hatten, stand er stumm da, und wir lagen stumm im Bett. Bis wir nach etwa 5 Minuten unsere Ausweise zurück erhielten und das uniformierte Trio abzog.

Ach je, ich will doch eigentlich nur in Ruhe schlafen. Aber nach diesem zweiten Besuch versammeln sich auf einmal zahllose Gedanken in meinem Kopf, und halten mich ca. 2 Stunden lang vom Weiterschlafen ab.

Also, ich will ja nicht hysterisch werden. Aber ein wenig Sorgen und Angst bereitete mir das schon, dass es hier angeblich viele Überfälle auf Reisende, wie uns im VW-Bus, gibt. Und da erinnerte ich mich auch wieder an Bemerkungen eines Bekannten, Spanien bezüglich; Auto fahren an sich kann nachts in größeren spanischen Städten abenteuerlich sein. Wenn man nachts in der Stadt an einer roten Ampel alleine stehen bleibt, kann es passieren, dass einem jemand die Windschutzscheibe mit Farbe einsprüht, man so nicht mehr weiterfahren kann, und einem das Auto ausgeräumt wird.

Oder - im Wohnmobil wild irgendwo zu Übernachten soll eben auch gefährlich sein. Da führen die Räuber durch irgend einen Schlitz im Auto ein Gas in den Innenraum, welches zu einem besonders tiefen Schlaf verhilft, und wärend man träumt wird man um die wertvollsten Gegenstände beraubt. [z.B. das SILVETTA-Akkordeon! d. Anmärker]

Damals hatte ich diese Worte erst mal nicht so ernst genommen. Und außerdem ist Winter, und eh kaum Touristen unterwegs. Vielleicht machen die Gauner jetzt Winterpause?

Aber wie dem auch sei, so führte die Schlafunterbrechung zu der Frage, was ich eigentlich will!

Spanien, Portugal, hmmm, hört sich ja schon toll an. Eigentlich wollte ich Volontair auf einem WWOOF-Hof machen. Das sind Biohöfe, die überall auf der Welt verteilt sind, und auf denen man gegen Kost und Logis durchschnittlich 25 Stunden pro Woche arbeitet. Und nebenbei lernt man noch einiges. WWOOF steht übrigens für WORLD WIDE OPPORTUNITIES on ORGANIC FARMS.

Um die Farm hatte ich mich erst einige Wochen vor Abreise gen Süden gekümmert, weil ich erst mal abwarten wollte, ob ich wirklich so weit in den Süden fahre. Es kommt ja eh immer anders als man denkt. Doch 2-3Wochen vorher sind anscheinend zu kurzfristig um den Hof zu finden, der einem zusagt.

Zwei Wochen nach dem Versenden der Emails und der Briefe an die Höfe, ging es in Tübingen mit Sarah los. Bis dahin, hatte ich einige Absagen, und einige Zusagen der angeschriebenen Höfe. Bei den Zusagen war es dann leider aber so, dass die nicht ab sofort, sondern z.B. erst ab März/April wen aufnehmen können. Oder, jetzt demnächst, aber nur für 1-2 Wochen. So kam das dann leider auch nicht in Frage. Denn ich brauche gerade einen Ort, an dem ich mal längere Zeit bleiben kann. Die vielen Ortswechsel sind anstrengend.

So fuhr ich aber trotz dem los, in der Hoffnung, es würde sich noch etwas ergeben, auf das ich mich einlassen mag.
Bis zu dieser Nacht hat sich aber leider nichts ergeben, und einige Anfragen blieben ohne Antwort.
Also, was soll ich hier eigentlich???

Durch die Gegend eiern, unerlaubterweise auf Strandparkplätzen wild campen, und mich ausrauben lassen?

Die anfängliche Reisekrise durch die von getrunkenem Bachwasser ausgelöste Magen- und Darmkrankheit, ist inzwischen zu einer ausgewachsenen Reiseunlust, mit dem unbändigen Bedürfnis nach winterlicher “Einigelei”, herangewachsen. Also ich weiß nicht. Vielleicht ist der Mensch doch mehr vom Lebensrhythmus abhängig, als er sich darüber im klaren ist. Denn abgesehen vom Tagesrhytmus, scheint der Jahresrhythmus genau so wichtig zu sein. Im Frühling und Sommer ist die Zeit des Herausgehens und der Offenheit. Die Zeit für Begegnungen außerhalb der eigenen vier Wände. Na und im Herbst Winter, da zieht man sich so langsam zurück, und sammelt neue Kraft um im Frühjahr frisch zu erblühen. So wie es die Bäume und Blumen auch machen. Oder eben der Igel. Der macht auch Winterschlaf. [....ja, aber du bistoch kein Igel nich, mann! d. Sätzer]

Tja, ich glaube der Mensch ist eigentlich ganz ähnlich diesbezüglich mit den nichtmenschlichen Lebewesen die ihn umgeben. Vielleicht denke ich das jetzt auch nur, weil der Waldorfkindergarten nach drei Jahren Beschäftigung, ganz schön auf mich abgefärbt hat? [Dat isses, Arno! Die machen einen glatt zum Igel und Du merkstes nich…d.S.]

... Das also zum Thema Winterzeit.

Aber was ist denn nun? Wohin jetzt mit mir?

Irgendwo wieder neue Leute kennen zu lernen, und mich auf sie einlassen, dazu habe ich jetzt absolut keine Muße, und in mir wächst immer mehr der Plan, nach Deutschland zurückzukehren, um in Tübingen die Zeit bis zum Frühjahr zu verbringen. Dort bin ich fast schon zu Hause, und es wäre gut, noch etwas mehr dort zu Hause zu sein. Denn bei den Menschen die ich dort bisher kennengelernt habe, wäre es sicher schön, sie mal richtig kennen zu lernen, und viel Zeit miteinander zu teilen, um Kraft für den Frühling zu sammeln. [Gute Idee! d. Redaktör]

Dann wäre da noch die Nickelharpaspielerin (Nickelharpa=traditonelles schwedisches Streichinstrument) die mit mir gerne Musik machen würde. Dann könnte ich endlich mal wieder viele neue (schwedische)Stücke lernen. Denn so auf Reisen, wenn ich ständig den Ort wechsele, habe ich dafür irgend wie keine so rechte Ruhe für.

-GEDACHT-
-DEN REST DER NACHT DRÜBER GESCHLAFEN-
-GETAN-

Ich mache mich auf den Weg zurück nach Deutschland. Zugegeben, es ist ein wenig verrückt. Und auch zugegeben, mache ich mir so langsam Sorgen, um mein Durchhaltevermögen. Ich muss aufpassen, dass sich das nicht einschleicht ... diese Art, Dinge anzufangen, um sie nicht durch zu führen und zu Ende zu Bringen. Nach her gehe ich daran noch zu grunde? [Ja, besonders so als Igel! d.S.]

Mittlerweile bin ich schon nicht mehr in Spanien, sondern in Frankreich in der Nähe des Mittelmeeres bei Perpignan.

Sarah habe ich in Valencia abgesetzt. [Na…dat is aber hart! d.S.] Das war jetzt auch nicht schlimm für die. Die ist viel mehr weltenbummlererprobt als ich und wäre, wenn sie nicht bei mir mitgefahren wäre, dort runter getrampt.

Der Parkplatz auf dem ich hier stehe gehört zu einer Wasserskianlage, und es kommt so gut wie kein Mensch vorbei. Die Sonne scheint wärmend in mein Häuschen, und der starke eisige Wind rüttelt am Auto. Eigentlich ganz schön gemütlich. Gleich zeihe ich mich dick an, und mache einen langen Spaziergang. Das brauche ich jetzt nach so viel Fahrerei. Und etwas Zeit lassen kann ich mir ruhig. Der Deutschlandfunk (auf Langwelle153) verriet mir winterliche Verhältnisse in Deutschland, und erst Sonntag soll es wieder wärmer werden.

Bis Bald.

Der Arno.

Geschrieben von arnolinksquetsch am 27. Januar 2007 um 18:45 Uhr
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