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Dienstag, 7. November 2006

Tourbusimpressionen

Kochen im VW-Bus mit Arno Linksquetsch

Man muß gar nicht diese viel zu überteuerten Maiskolben kaufen. Der billigste Mais aus der Dose, tut es mindestens genau so gut. Auf die Einfachheit kommt es an. Den Inhalt der Dose abtropfen lassen, den Mais in einen Topf geben, Butter dazu, erwärmen, mit Salz und ordentlich Pfeffer würzen.

Ja ja, ordentlich Pfeffer, darauf kommt es an. Denn wie jeder weiß, wird einem bei scharfen Gerichten ziemlich warm.

Bei diesen lausigen Temperaturen (letzten Morgen wachte ich mit zugeeisten Scheiben auf, und der Sprung aus dem warmen Bett in die eisigen Klamotten erwies sich als echte Mutprobe) ist man über jegliche Art der Wärmeentwicklung dankbar.

Zur Feier der Kälte gibt es diesen Abend ein Drei-Gänge-Menue. Den ersten Gang erwähnte ich eben, der zweite Gang wird Nudeln mit roter Sauße sein (wie orginell), der dritte Gang besteht aus gerösteten Maronen, die ich heute vormittag während einer aufwärmenden 7km-Wanderung sammelte.

So ein Abend im Tourbus zu dieser Jahreszeit, will also gut durch organisiert sein. Daher die drei Gänge. Die Kunst der Klimaerwärmung im Bulli besteht darin, möglichst oft den Gasherd benutzen zu können.

Jetzt sind gerade die Nudeln drin. Die brauchen zum Grück ‘ne Weile. Wenn’se fertig sind gibt’s die rote Fertigsause mit in Topf, und reichlich Hot-Mangopickle (so’n scharfes Zeug aus dem Asialaden).

Nach jenem Gang wird Yogitee zubereitet, der erwärmende 15Minuten lang kochen muss. Yogitee kann auch schön scharf sein.
Nach dem Tee gibt es die Maronen. Hmm, bin mal gespannt wie die werden. Habe so etwas noch nie zubereitet. Wir werden sehen.

Maronen sind wie Riesenpoppkorn. Wenn man sie zu lange erhitzt, macht es “PENG” , und die Zubereitungsstätte ist voller Maronenkrümel.

So lässt es sich in so einem kleinen unbeheizten Wohnmobil ca. 2 Stunden lang ohne Frostbeulen aushalten.

Um etwa 21Uhr neigt sich bei mir gewohnheitsgemäß der Tag sich dem Ende. So pflege ich nach dem Zähneputzen ein letztes erwärmenden Ritual.
Die Katzenwäsche mit warmen Wasser.
Da Wärme ja bekanntlich nach oben steigt, ist der krönende Abschluss dieses Vorganges, das Waschen der Füße in jener Lauge. Denn zum abendlichen Warmhalten der Füße ist mir noch nichts eingefallen. [Joggen! d.Red.]

Mein derzeitiger Standort ist ein höhergelegener kleiner Parkplatzt am Rande eines Dorfes zwischen Lons und Besanchon (Frankreich). In unmittelbarer Nähe liegt die Dorfkirche und der Friedhof. Bis eben hat sich noch der Vollmond langsam am Kirchturm vorbeigeschoben. Doch inzwischen ist alles in dichten Nebel gehüllt. So wirkt die von der anderen Seite angestrahlte Kirche, und ein daneben hochragendes Kreuz eines Grabes recht gespenstisch. Uäoo! Ich mache vor dem Schlafen gehen, lieber alle Knöpfe runter. Wer weiß wie lebhaft so ein französischer Dorffriedhof des Nachts bei diesen Witterungsbedingungen ist.

Wollte der Arno eigentlich nicht da sein, wo es warm ist; fragt sich jetzt wohl der ein oder andere?

Tja, geplant war das. Ein lauer Winter in Portugal schwebte mir vor.
Doch leider kommt es nicht nur anders als der Straßenmusikant denkt, wenn er auf Frau trifft, sondern auch, wenn er mit seinem Akkordeonlehrer mailt und telefoniert.
Denn dieser ist nicht ganz unschuldig daran, dass ich nun auf dem Rückweg nach Deutschland bin, zu der Geburtstätte meines geliebten Instrumentes. Denn dort erwartet mich demnächst ein Praktikum in der Schaumanuufaktur Klingenthal. Und so sieht es dannach aus, als wenn ich den Winter über an Akkordeons bastele.
Vielleicht soll es im Frühjahr dann noch mal so sein, dass mich die Straßenmusik gen Süden verschlägt.

Euch allen ein warmes zu Hause, und spielt viel Akkordeon, damit ich bald viel zu tun habe.


arnolinksquetsch

[Zusatz der TÖNCHEN!-Redaktion: leider wollte Frau Schürer von der Schaumanufaktur Klingenthal den Arno nicht über die Berufsgenossenschaft als Praktikant versichern. Deshalb geht er nun nach Trossingen in die HOHNER-Werkstatt, wo das merkwürdigerweise kein Problem ist. Wir werden nun also demnächst spannende Reportagen aus der Hohner-Werkstatt bekommen und leider nicht aus Klingenthal]

Geschrieben von arnolinksquetsch am 7. November 2006 um 9:31 Uhr

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