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Freitag, 29. September 2006

Teufel aus dem Osten Europas…

Arno Linksquetsch berichtet über das soziale Verhalten der Strassenmusiker in Bremen

Ein ganz bestimmter Akkordeonlehrer aus der Landeshauptstadt Kiel hat mir irgend wie mal vermittelt, Straßenmusiker spielen und verhalten sich nicht gegeneinander, sondern respektieren das was sie machen, und nehmen Rücksicht.
Wenn man als Straßenmusiker jedoch nur auf die finanziellen Einnahmen achtet, ist eine von Straßenmusikern gut gefüllte Stadt wie Bremen schnell etwas demotivierend.

Leider geht es mir gerade auch viel zu sehr um das Geld, weil ich mein neues zu Hause durch den TÜV bringen muss (VW-Bulli), so dass das Musizieren hier in Bremen in harte Arbeit ausartet. Und das Schlimme daran ist, dass ich meine Stücke zunehmend runterspiele, und die Qualität dadurch leidet. Und so natürlich auch die Einnahmen. Wenn man so will, ein echter Teufelskreis.

Was sind das eigendlich für Teufel aus dem Osten Europas? Russen? Polen?

Nein nein, keine Angst, in meinem Kopf herrscht kein rechtes Gedankengut! Ich bin doch “Arnolinksquetsch”. Eben musste ich mich blos wirklich über die aufregen. Heute Morgen fing das schon an. Da spielte ich in der Bremer Innenstadt und bemusizierte die Passanten seit etwa 20 Minuten. Stehen tat ich an der Stelle aber bestimmt schon seit 30 Minuten, weil ich mit mehreren Menschen zwischendurch ins Schnacken kam. In Bremen gibt es die Regelung, dass man nur eine Halbe Stunde an einer Stelle spielen darf.

Gestern kam ein Geschäftsmann nach 40 Minuten zu mir und machte mich darauf aufmerksam. Er hatte sein Büro wohl in dem Haus an dem ich spielte und fühlte sich gestört.

Heute kam nach 30 Minuten STANDZEIT (Spielzeit ja nur 20min) nicht der Geschäftsmann, sondern der Gitarrist des Osteuropaduos, und sagte mir, dass die 30 Minuten jetzt um seien, und sie an der nächsten nahegelegenen Ecke spielen wollen. Häää? Seit wann machen Straßenmusiker sich darauf gegenseitig aufmerksam? Und dann auch noch mit der Begründung, dass sie jetzt spielen wollen?

Hmm, na gut, denen geht es wohl einfach nur um das Geld. Da passt die Einstellung des “Miteinanders” nicht rein. Ich habe mir dabei erst mal nicht weiter was gedacht, und habe noch ein Stück gespielt. Dannach fingen die beiden (Akkordeon und Gitarre) ihr Schunkelprogramm an. Die sind übrigens auch gar nicht schlecht. Habe die in Oldenburg schon mitbekommen. Aber wenn man die jeden Tag wieder hört, hört es sich irgend wann einfach schunkelig an. Etwas langweilig halt. Zugegebenerweise bin ich von meinen Stücken auch schon etwas gelangweilt. Aber weil ich ja so viel spielen muss, habe ich gerade keine Mousse neue Stücke zu lernen.

Mittags, ich habe gerade 6 Stücke gespielt (ca.25min), hörte ich auf einmal Gitarrengeschrabbel von einer nahegelegenen Ecke weiter. Es war nicht die hübsche Gitarristin aus Südamerike mit der tollen Stimme, nein, sondern der Osteuropäer. Die spanisch singende Laura würde mir auch nicht einfach in die Stücke reinspielen. Denn mitlerweihle kennen wir uns schon, und sie hat mich zu einer Party bei sich am Samstag eingeladen.

Also, ich nahm einen etwas genervten Blickkontakt mit der Gitarre auf, und er zeigte auf seine Uhr.

Das kann doch jetzt echt nicht sein, oder?

Ich fing dann trotzdem mit dem nächsten Stück an, aber habe das bald abgebrochen, weil die beiden voll losschmetterten.

OK, jetzt reicht es. Arno packt sein Klingenthalinstrument ein, und stapft forschen Schrittes zu der Klampfe und der Quetsche (übrigens auch ein Instrument aus Klingenthal/Weltmeister). Er wartet ungeduldig auf das Ende des ersten Liedes (einige Touristen standen schon um sie rum), und regt sich energisch über deren unkollegiales Straßenmusikerverhaltens auf. Denn es gibt wirklich noch einige andere Ecken in Bremen, und ich habe sie auch in der Vergangenheit länger spielen lassen als offiziell erlaubt. Ich habe nicht einmal je daran gedacht, einen anderen Musiker wegen meiner Stücke zu unterbrechen.

Wahrscheinlich haben die es echt nötig Musik zu machen, und werden irgend wann einfach skrupellos und egoistisch gegenüber anderen Musikern.

Es ist gerade also wirklich nicht leicht als Straßenmusiker in Bremen, und ich sollte wohl lieber in die nächste Stadt. Dann haben die Osteuropäer (Russen?) zwar erfolgreich ihr Revier abgesteckt, und das was ich ihnen an den Kopf geworfen habe, hat womöglich nicht getroffen. Aber, es lebe der Augenblick, und Arno geht es gut.

Martin, hast Du eigentlich die Bremer Stadtmusikanten mal spielen hören? Die stehen da zwar immer übereinander auf der Straße, aber hören lassen sie nichts von sich. Vielleicht aber auch ganz gut so, dann kommen sie nicht in Konflikt mit den Russen.

Also, ich habe eben noch mit der Südamerikanerin Laura gesprochen, und ihr mein Erlebnis geschildert. Sie glaubt übrigens, dass jene Zigeuner sind, und mein Problem hatte sie in der Vergangenheit auch des öfteren. So lange aber nur, bis ihr Mann mal mit auftauchte.

Mache jetzt Feierabend. Hunger! Schnitzel? Zigeunerschnitzel? Wer hat das eigentlich erfunden? Hmm, vielleicht ist das eine Art der Konfliktlösung? Man frisst Probleme einfach in sich rein.
Aber nein nein, ich bin Arnolinksquetsch und Vegetarier, und das gäbe sicher Bauchschmerzen.

Denke ich mir auch, dass die arm dran sind.

Wäre nur schön, wenn denen klar wäre, dass das Leben miteinander einfach schöner ist. Na vielleicht setze ich mich nach meiner Motzerei heute morgen noch einmal gesellig zu denen und schnacke mit denen ganz offen. Ist einfach schöner wenn diese Front nicht da im Raum steht.

Sonnige Grüße aus Bremen.

Bis Bald, Der Arno.

Geschrieben von arnolinksquetsch am 29. September 2006 um 17:32 Uhr

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