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Dienstag, 27. März 2007

Straßenmusik in Baden Baden

...oder auch nicht! [der Akkordeonlehrer]

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Eine Stadt sollte man nicht überspielen, wie es in der Straßenmusikersprache so schön heißt.
Wie jeder weiß, wohnt der Arno vorerst im schnuckeligen Tübingen. Dieses Universitätsstädchen ist noch immer nicht langweilig geworden, und in Anbetracht des in die Tür eingetretenen Frühlings, dürfte es auch weiterhin ein schönes Leben am Neckar bleiben. Meine beiden besten Musikerfreunde schwärmen schon jetzt von schönen Mädls in Innenstadt und Park. Denn in Tübingen scheint es einen Frauen(Studentinnen)überschuss zu geben. Oder? – Vielleicht kommt es einem auch nur so vor, denn die frauenlastigen Studiengänge befinden sich in sehr zentraler Lage. So kann es einem gut aussehenden jungen und flotten Straßenmusiker (wie ich, arnolinksquetsch) passieren, dass er nach einem Spieltag in Tübingen, erschöpft und reizüberflutet die Einsamkeit und Ruhe in seinem rollenden Zu Hause sucht.

Aber - Wie war das mit dem Überspielen? Ruhig mal wieder wo anders spielen. Das Wetter ist gerade überaus gut, und ich habe mich zu einer kleinen Straßenmusikerrundtour entschieden. Martin Rzeszut hat mir im vergangenen Sommer in meiner Aufbruchszeit eine Liste mit gut spielbaren Städten erstellt. Diese sollte mir für die kleine Rundtour eine willkommene Hilfe sein. Hmm, mal schauen, was liegt denn so in der Nähe? Ravensburg ... Ulm ... Baden Baden ... Freiburg .... Ein Blick auf die Karte ... und mmmm ... jupp ... mook wi dat so:
-Mittwoch bis Freitag Baden Baden
-Samstag in Freiburg
-und Sonntag Titisee

Montag soll es dann zurück nach Tübingen gehen. Die „Inder“ (meine Band / die Nyckelharper und der Percussionist) wollen unbedingt wieder Musik mit mir machen, damit wir im Mai irgend wo noch ein kleines Konzert zu Stande bekommen. Habe sie diese Woche wegen der Rundtour schon versetzen müssen.

Heute ist Donnerstag der 15.Mai, und ich habe Baden Baden früher als gedacht verlassen müssen.
Gestern Mittag bin ich nach einer herrlichen Bergefahrt durch den Schwarzwald dort eingetroffen. Nach einer kurzen Suche habe ich auch gleich einen mittelmäßig geeigneten Parkplatz zum Übernachten gefunden. Kurze Brotzeit, Mittagsnickerchen, Akkordeon Wasser und Apfel einpacken, und ab runter in die Innenstadt.

Der Weg führt ganz nett durch eine Grünanlage hinab, und bis ins Zentrum sind es etwa 10 Minuten zu Fuß. In der Innenstadt angelangt fällt mir auf, dass alles ganz schön schick aussieht. Gut gepflegt, mit scheinbar viel Geld im Spiel, und fast nur alte Leute. Schätzungsweise kaum jemand unter 30Jahre. Altersdurchschnitt so etwa 50. Und alle machen einen ziemlich gediegenen sehr wohlhabenden und extrem gutbürgerlichen Eindruck. Vergleichbar vielleicht mit den Menschen die man aus der Serie „Schwarzwaldklinik“ kennt. Im Vergleich zu Tübingen ein echter Kulturschock. Die Bezeichnung Seniorenstadt macht diesem stinkereichen Ort alle Ehre.

Ich suchte mir also eine halbwegs geeignete noch frei Stelle (ich war nicht der einzige Musiker) packte aus, und spielte drauf los. Adje Jano, Sibaätnopolka, What shall we do with a drunken sailor, …. So spielte ich etwa ein halbe Stunde, und auffällig war, dass kaum Geld rein kam und auch niemand stehen blieb. Aus Tübingen und vielen anderen Städten bin ich erheblich mehr Anerkennung gewöhnt. Da liegt der Halbstundendurchschnitt bei etwa 10-15€. Und dadurch dass die Musik nicht so ins Leere läuft macht das Musizieren auch mehr Spaß, was sich bei mir schnell in der Qualität widerspiegelt.

3€ hatte ich nach dieser halben Stunde drin. Wirklich kläglich. Ich wollte doch auf der Rundtour mal einen kleinen Batzen Geld machen, um mir den Dieselrussfilter für den VW-Bus leisten zu können. Aber so geht das nicht.
Was haben Sie mir hier denn hier für eine furchtbare versnobte geizige Stadt empfohlen, mein lieber Herr Akkordeonlehrer??? [tja, ich hab mich damals genau vor die Spielbank gestellt und bestens verdient: die Gewinner gaben Hunderter, die Verlierer ihre letzten Fünfmarkstücke, weil sie begriffen hatten, dass Geld nich alles is! Meine Musik war für die ne echte Therapie. M.R.]
Also nein wirklich, wenn sie mir hübsch Schunkelakkordeonmusik beigebracht hätten, ginge es mir dort vielleicht besser. Aber mit Klezmer, und schwedischem Polka kommt man hier nicht weit. [Tja, vor dreissig Jahren waren die Fuffzichjährigen eben zwanzich…M.R.]

Aber was solls. Nach einem kurzen Schnack mit einem flüggen Teenepunk, die auch über Baden Baden ablästert, habe ich trotz dem den Nachmittag bis Abends gespielt, und ging völlig demotiviert und mit schlappen 10€ in der Tasche zurück zu meinem Tourbus. Wie schön an solchen Tagen sein kleinen Zu Hause dabei zu haben, welches einen mit seinem ollen Scharm in jeder Lebenssituation mit hunzeliger Geborgenheit behütet. Doch so schnell aufgeben werde ich diese mal nicht. Das muss ich jetzt mal üben. Eine Sache durchziehen, auch wenn es mühsam ist. Also früh ins Bett, um am nächsten Tag früh drauf los losspielen zu können.

Heute ging der Wecker um 7 Uhr. Nach einer dreiviertel Stunde Dösen stand ich auf, machte das obligatorische Frühstück mit Kaffee und Müsli, und war gegen 9 Uhr unten in der Stadt. Kaum was los, und die meisten Geschäfte noch geschlossen. Ein paar Lieferanten drängten sich bloß durch die Fußgängerzone, und einige Beschäftigte befanden sich auf dem Weg zu ihrer Beschäftigung.

Eigentlich gehören zu einem morgendlichen Innenstadtbild auch viele Mütter mit ihren Kindern, von denen oft der ein oder andere Euro zu erwarten ist. Doch nix da, nur alte Leute, und ein netter Polizist der herbeigerufen wurde. Wohl von irgend einem Anwohner oder Ladenbesitzer, der/die ihren/ seinen stinkreichen Hi…/Ar…. nicht hochbekam, um mir selbst zu sagen, dass er/sie sich gestört fühlt.

Der Herr in förstergrüner Uniform unterbrach mich als ich „Odessa“ schmetterte, und fragte mich nach meiner Genehmigung. „Wie, Genehmigung? Braucht man die hier?“ war meine Antwort, und fragte ihn weiter, wo ich diese erhalten kann. „Im Ordnungsamt“ war seine Antwort, und er bat mich um meinen Ausweis um meine Personalien zu notieren. Leider, teilte er mir mit, müsse er mir auch einen Platzverweis für diesen Tag erteilen. „Mensch, sie sind aber streng!“ Erwiderte ich ihm mit einem Lächeln im Gesicht.

Dass jemand die Polizei holt ist nichts Besonderes, aber dass die Stadt gleich einen Platzverweis vorsieht, ist schon arg. In anderen Städten erläutert der Ordnungshüter lediglich die Straßenmusikerrichtlinien für die Stadt, und drückt einem ggf. noch ein Informationsflugblatt in die Hand. Aber in Baden Baden wundert mich das mit dem Verweis nicht.

So hatte ich zum Glück einen Grund, diese Stadt doch schneller als geplant zu verlassen, und machte mich gegen halb11 auf Richtung Freiburg. Dort bin ich für das Wochenende mit einer Freundin verabredet, die ich anhand des Hospitalityclub kennenlernte. Doch zuvor habe ich spontan ein Treffen mit Georg und Toni einrichten können. Zwei Weltenbummler, die auch im Wohnmobil leben. Ein kurzer SMS-Wechsel verriet mir, dass sie bei einem Dorf am Waldesrand stehen und Bärlauch sammeln.

Um sie zu finden müsse ich auf dem Weg nach Freiburg auf der A5 nach Basel die Ausfahrt Nr.59 nehmen, und nach Forchheim fahren. Dort dann Rechts zum Wald raus.

Das sollte kein Problem sein, oder? Nun doch, ganz so einfach war es doch nicht. Von der Autobahn abgefahren stand ich an einer Ampel um auf grün zu warten. Grün ließ etwas auf sich warten, und ... überhaupt, den Motor hört man gar nicht mehr laufen, und die Öl- und Batterieladelampen leuchten.  Ist der Diesel doch schon alle? Eigentlich lassen sich mit vollem Tank 800km fahren, und meiner Rechnung nach sollte ich noch etwa 30km fahren können. Doch dem war nicht so. Wahrscheinlich hat die Fahrt durch den Schwarzwald viel Sprit verbraucht.

Ungläubig darüber, dass der Tank schon alle ist, konnte ich den Motor noch einmal erfolgreich starten. Doch der Erfolg hielt nicht lange an, und so habe ich es nur bis zu einem 50 Meter entfernten Parkplatz geschafft, auf dem ich geschickt bergab in eine freie Parklücke rollte. So was Dummes, den Reservekanisterinhalt habe ich irgend wann mal dem Tank beigeschüttet, weil ich ihn als überflüssigen Ballast hielt. Aber halb so schlimm. Mit meinem 5Liter-Kanister in der Hand begab ich mich zu Fuß auf den Weg zur nächsten Tankstelle, die glücklicherweise nur etwa 700m entfernt in einem kleinen Ort lag.

Während ich da so am Straßenrand zur Tankstelle schlenderte, kam mir unweigerlich das Lied in den Kopf „I’m walking ....“. Doch im unterschied zu dem altbekannten Werbspott war mein Kanister nicht blau, und die Tankstelle auch nicht. Dafür aber mein Bus wink

OK, Kanister an der Tankstelle voll füllen, und am Auto wieder entleeren, und anschließend mit dem ganzen Bulli noch einmal zum Tankhof Riegel. Eine hübsche Kassiererin hatten die übrigens. Nach dem der ganze Tankinhalt mit Eurostücken bezahlt war, fragte ich sie im Abschluss nach dem Weg zu der Ortschaft Forchheim.

Ganz einfach; rein in die Ortsmitte, am Ende rechts, und einfach der Beschilderung folgen. 5km waren das dann etwa noch, und meine Freunde waren auf Anhieb zu finden. Oh wie schön, nach solchen Aufenthalten in so doofen Städten liebe nette Menschen wieder zu treffen.

Da stehe ich nun also mit Georg und Toni am Waldesrand, und denke, mal wieder etwas für das Tönchen schreiben zu sollen. Leider spinnt mein Super-Emailhandy und ich ich muss mir den Komputer vom Georg ausleihen. Der ist gerade mit so einem Hitech ausgerüstet, weil er bis vor kurzem an seiner Diplomarbeit schrieb.

Tja ja, voll nett hier, die Sonne scheint mit voller Kraft, und der Arno ist zum Äußersten geschritten und zieht die kurze Hose an.

Morgen geht es nach Freiburg, und ich hoffe, am Samstag ordentlich Geld einspielen zu können.

Liebe Grüße von Dichtanderfranzösischengrenze.image

Geschrieben von arnolinksquetsch am 27. März 2007 um 20:27 Uhr
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