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Freitag, 15. Februar 2008

Rechtsmissbrauch bei Wikipedia

unautorisierte Verfälschung von Texten mit politischer Brisanz!

Folgender Brief erging per Mail soeben an den Vorsitzenden von Wikimedia Deutschland:

Sehr geehrter Herr Kurt Jansson,

ich maile Ihnen hier, weil Sie der Gründer bzw. Geschäftsführer von Wikimedia Deutschland sind und damit der für mich einzig erreichbare Verantwortliche für Wikipedia Deutschland bzw. Wikipedia überhaupt. Bitte sehen Sie meine folgenden Ausführungen auch ausschliesslich nur in diesem Zusammenhang und bitte nicht etwa als Angriff auf Ihre Person!

Das Problem: ein frisch eingestellter Artikel über einen bekannten Bielefelder Expressionisten namens Ernst Sagewka – dessen 125. Geburtstag wir dieses Jahr feiern – wurde ohne vorherige Rücksprache mit dem Urheber von Wikipedia-Admins (unter Pseudonym) in höchstem Grade sinnentstellend gekürzt. Als der Urheber dieses Textes (Rolf Sagewka – ein Verwandter des Malers) dies bemerkte und Einspruch erhob, in dem er sich mit vollem Namen in die Diskussion einbrachte, wurde er „gesperrt“ und auf eine Art angepöbelt, die – wie ich vermute - Ihnen sicherlich schon als Wikipedia-Usus bekannt ist.

Ganz abgesehen von dieser beleidigenden und voll gegen deutsches Presse- und Urheberrecht verstossenden Prozedur sehen wir als Resultat einen Artikel, der die Biografie des oben bezeichneten Malers geradezu ins Gegenteil verkehrt. Man nennt das Geschichtsfälschung.

Bitte überzeugen Sie sich selbst und geben Sie „Expressionismus“ ein, gehen Sie dann bitte zu „Ernst Sagewka“. Wenn Sie dort „Leben und Werk“ lesen, könnten Sie bei dem Satz „Sagewka trat am 1. Mai 1937 der „Reichskulturkammer – Reichskammer der Bildenden Künste“ bei.“ durchaus der Meinung werden, dieser Mann sei sicherlich ein begeisterter Nazi gewesen. Denn wenn dieses Fakt so isoliert, explicit und an letzter Stelle unter „Leben und Werk“ dort steht, wird ein solcher Beitritt für ihn wohl von Bedeutung gewesen sein, oder?

Das Gegenteil ist jedoch der Fall: Sagewka gehört zu den im Dritten Reich verfolgten Künstlern! Einige seiner Bilder wurden als „entartet“ von eben dieser Reichskulturkammer konfisziert und teilweise verbrannt. Sein Beitritt zur „Reichskulturkammer“ geschah unter Zwang. - Was sagen Sie nun?

Sicherlich werden Sie sich nun fragen, warum gerade diese für das Verständnis der Biografie des Malers überaus wesentlichen und darüberhinaus auch auf Archivauskünften beruhenden Fakten nicht im Wikipedia-Artikel zu finden sind. Ganz einfach: die Admins hielten deren Erwähnung im Zuge der sog. „Qualitätssicherung“ für unerheblich und überflüssig! Bitte lesen Sie deren flapsige und naseweisen (“völlig unerwartet” mit 77?“) Bemerkungen nach und vergleichen Sie bitte einmal in der Versionsgeschichte den Originalartikel mit dem Status Quo. Vermutlich werden Ihnen jetzt die Haare zu Berge stehen und Sie werden Ihre eigene Wikipedia nicht mehr mögen!

Ein Künstler, der wie belegt noch 1935 – also zwei Jahre nach dem Reichsermächtigungsgesetz! - auf die Einladungskarte für seine Ausstellung schrieb: “Nicht die Meinung verschiedener Kollegen ist ausschlaggebend für den Wert eines Kunstwerks, sondern das objektive Urteil des kunstgebildeten Publikums.“ ordnet sich dadurch fraglos selbst dem Widerstand zu! Und genau wegen dieser Anti-Nazi-Haltung wird er zwei Jahre später und vermutlich unter Androhung von Repressalien zum Beitritt in die RKK gezwungen. Die Alternative wäre vermutlich Verschleppung und KZ gewesen. Auf jeden Fall wäre ihm die künstlerische Arbeit verboten worden, man hätte ihn sozusagen „gesperrt“ und ihm Malverbot verordnet. Wir kennen das ja von Emil Nolde.

Sehr geehrter Herr Jansson, die Fakten (und die sind nachprüfbar wissenschaftlich abgesichert) sprechen für sich. Wie kann also eine Institution wie Wikipedia, die sich grundsätzlich positiv, glaubwürdig und demokratisch darstellen will, ihre selbstformulierte Moral mit solchen Urheberrechtsverletzungen, Verstössen gegen das Presserecht, Beleidigungen und Verfälschung von Tatsachen vereinbaren? Das ist doch ganz klar kriminelles Verhalten! Sie können sich denken, dass Fehler bei einem solch hochsensiblen Thema wie Mitgliedschaft eines Künstlers in Nazi-Organisationen weitreichende Folgen haben kann, die nicht nur den Maler selbst und seine Nachfahren treffen. Solche Geschichtsklitterung schadet allgemein unserem kulturellen Ansehen! Und dem Gerücht, dass bei Wikipedia die Neo-Nazis mitschreiben, würde niemand ernstlich widersprechen können. Übrigens halte ich das in diesem Falle durchaus für möglich!

Nun wird dieser damals schon hart verfolgte Künstler von Wikipedia-Laien also erneut verleumdet und gestraft: wenn ich die oberflächlichen Kommentare Ihrer Admins lese, fühle ich ich mich merkwürdig und unheimlich an die Zeit der „Gleichschaltung“ erinnert. Auch damals zerpflückten selbsternannte „Fachleute“ des „Amtes Rosenberg“ wissenschaftlich fundierte Texte auf ihre selbstherrliche und süffisante Art und liessen ihrer hitlertreuen Meinung ungehemmt freien Lauf. Auch damals kommentierten Nichtfachleute Fachliteratur und zerstörten so das wissenschaftliche Fundament. Heute nennen wir das „faschistische Praktiken“.

Möchten Sie, dass wir diesen Begriff auch auf Wikipedia anwenden müssen? Ich bin sicher, dass nicht. Ich wenigstens (und vermutlich wie Sie) glaube immer noch an die „Graswurzel“-Roots der Wikipedianer, merke aber, wie ich innerlich auf Abstand gehe und Abscheu empfinde: da ist doch eine ganz andere, destruktive Kraft am Werke und es heisst nun besser: Vorsicht!

Hat Wikipedia nicht schon lange auch den Anspruch auf einen gewissen Bildungsauftrag? Denn selbst Lehrer in unseren Schulen empfehlen Wikipedia als Quelle für Referate. Nein, unmöglich. Denn bei Wikipedia befinden wir uns bereits im Niemandsland einer Diktatur. Ich rate meinen Schülern inzwischen, mal Artikel bei Wikipedia zu schreiben, um auszuprobieren, wie man sich in einer Diktatur fühlt und wie es ist, der Willkür wichtigtuerischer Funktionäre ausgeliefert zu sein. Wie sich das anfühlt, beschimpft zu werden, obwohl man doch nur gutmütig den Informationspool bereichern möchte.

Leider bleibt es nicht aus, dass Nachfahren und Freunde des Malers sich natürlich nun auf Anwaltssuche begeben, um das Ansehen von Ernst Sagewka noch auf dem Rechtswege zu retten. Denn noch erscheint der Artikel nicht im Sinne des Urhebers geändert. Trotz amerikanischem Impressum geschahen diese Rechtsverstösse auf bundesdeutschem Boden! Es sind schliesslich deutsche Admins, die da Rechtsbeugung betreiben! Das Thema wird natürlich nun in die Öffentlichkeit gebracht werden, schliesslich hatte man 24 Stunden Zeit, die Fehler zu beheben. Nicht die Meinung selbstherrlicher und unpersönlicher Admins ist ausschlaggebend für den Wert eines Textes, sondern das objektive Urteil des kunstgebildeten und wissenschaftlich denkenden Publikums!...Sie erinnern sich, nicht wahr?

Ich bitte Sie herzlich, diesem Unfug allgemein und speziell in dieser Sache ein Ende zu bereiten! Ich gebe Wikipedia dazu durchaus noch eine Chance!

Ich möchte auch als 54 Jahre alter Künstler und Pädagoge nicht von Herrn Carol Christiansen angepöbelt werden! („So, und jetzt trollst Du Dich, bitte. Sonst wirst Du getrollt. Aber das hatte ich Dir ja bereits gesagt.—Carol.Christiansen 14:41, 14. Feb. 2008 (CET) Dafür ist jetzt bitte eine Entschuldigung fällig. Schliesslich war meine vermutlich von ihm sofort gelöschte Kritik zwar hart, aber konstruktiv und vornehmlich sachlichen Inhalts. Schliesslich hatte ich Hoffnung, dass mit einem herzlichen Schulterklopfen die Sache erledigt sei. Der Brief eines Anwalts wäre sinnvoller gewesen.

Ich persönlich hatte schon 2005 aufgegeben, als Spezialist Fachartikel über Musik bei Wikipedia zu schreiben. Ich habe mir dann den Spass erlaubt, einen Admin aus Hannover zu enttarnen. Der Mann wusste es, führte trotzdem sein makabres Rollenspiel fort und schreckte vor Beleidigungen und Beschimpfungen nicht zurück. Auf Anzeige wegen persönlicher Beleidigung hatte ich damals verzichtet. Doch die Schonzeiten sind nun vorbei. Es wird einfach zu gefährlich, sowas einfach hinzunehmen.

Ich bitte Sie freundlich darum, alles daran zu setzen, diese unguten Verhältnisse zu ändern. Der erste Schritt dazu wäre, beim Wiederherstellen der ursprünglichen Biografie des Malers Ernst Sagewka anzufangen und mit dem Autor dieser Biografie in Rücksprache zu gehen. Hätten Ihre Admins sich an die durch das deutsche Presserecht klar vorgegebenden Regeln gehalten und sich die korrigierte Fassung letztlich vom Verfasser autorisieren lassen, so hätte es diesen Eklat nicht gegeben.

Mein konstruktiver Vorschlag: da das deutsche Urheberrecht bei Nennung des Verfassers (unter dessen rechtlich relevanten Namen versteht sich) Wikipedia automatisch aus der Verantwortung für einen veröffentlichten Text entlässt, wäre die Nennung des Urhebers unter dem veröffentlichten Text mit Link zu Mail und Homepage eine gute Lösung für überzeugende „Qualitätssicherung“. Bei Inhaltsfragen müssen sich dann keine Admins die Köpfe heissreden, sondern man kontaktiert einfach und sofort den Verfasser selbst. Das können sowohl Admins als auch Nutzer von Wikipedia tun.

Solch einfaches Prozedere ist bei wissenschaftlichen Veröffentlichungen immerhin seit Jahrhunderten üblich. Die Nachprüfbarkeit von Fakten war immer schon für verlässliche Information wesentlich und Mensch hat da Erfahrung. Das ist ja schliesslich nichts Neues! Die bei Wikipedia übliche stereotype „Frage nach den Quellen“ (die ja sinnlos ist, wenn die Quelle selbst spricht!) wäre damit zum grössten Teil überflüssig. Denn der Verfasser würde sie entweder aus seiner Fachkompetenz heraus selbst nennen oder sie wären nachfragbar. Kämen dann Zweifel auf, so wäre ein Mediendienst wie Wikipedia auch nicht gezwungen, einen Artikel mit unklarer Quellenlage zu veröffentlichen. Es mag ja wirklich auch Texte geben, wo Schwachsinn sogar für den durchschnittlich gebildeten Admin offensichtlich ist. Doch in unserem Fall handelt es sich schliesslich um einen Text auf sehr hohem Niveau, der klar den Primärquellen zuzuordnen ist!

Wir betrachten die Seite http://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Sagewka weiterhin mit grossem Interesse!

Mit freundlichen Grüssen,

Martin Rzeszut aus Kiel

Geschrieben von Martin Rzeszut am 15. Februar 2008 um 13:21 Uhr
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