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Sonntag, 25. Februar 2007

Mal ehrlich, kämen Sie auf die Idee mit Sommersandalen in den dicksten Schnee zu gehen?

Über die Vorteile einer Notenlesebrille

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Gleitsichtbrillen sind klasse. Ich kann nicht mehr ohne. Autofahren, Lesen, Schreiben….alles geht mit einer Brille, die mein Augenoptikermeister mir nach Maß angepasst hat. Wenn ich aus 60 cm Entfernung jede Art von lesbaren Noten auf dem Notenständer mit dem unteren Teil meiner Gleitsichtbrille entziffern kann, bin ich glücklich. Manchmal allerdings stört der relativ enge Sichtbereich, denn ich muss den Kopf angestrengt heben, um nur über den unteren Rand der Brille sehen zu können, wo sich der Nahsichtbereich befindet. Das führt über längere Zeit zu einer leichten Genicksteife. Aber für 10 Minuten geht das. Was ist, wenn ich sechs Stunden lang am Tag musiziere?

Normale Proben oder Auftritte können aber bis zu zwei Stunden oder länger dauern. Also müsste ich über zwei Stunden lang den Kopf in einem bestimmten Winkel halten, um mit meiner Gleitsichtbrille die Noten gut erkennen zu können. Ja, wär hätte das gedacht! Ich werde nervös und sogar ärgerlich, weil mir das Notenlesen dann schwerfällt. Man selbst merkt sowas ja nicht richtig, aber als mir meine Frau das sagte, fiel es mir selber auf: ich werde geradezu unruhig und spiele auch schlechter, wenn ich trotz meiner Gleitsichtbrille diese kleinen schwarzen Krakeldinger dort auf dem Blatt in etwa ein Meter Distanz nicht mehr wahrnehmen kann.

Natürlich, könnte man entgegnen, viele Noten sind ja auch viel zu klein gedruckt. Nein, das meine ich auch nicht, denn die Noten, die ich hauptsächlich lesen muss, die schreibe ich alle selber und natürlich gross und deutlich. Ich schreibe eigentlich hauptsächlich Noten selbst, weil gedruckte oder mit Notendruckprogrammen erstellte oft so fitzelig sind….

Wenn ich also länger als 10 Minuten mein Akkordeon nach Noten spiele (und das ist hier bei meiner Arbeit der Normalfall), komme ich mit meiner Gleitsichtbrille nicht zurecht. Es geht auch deshalb nicht, weil meistens der Notenständer in einer Distanz von 100cm zu meinen Augen steht. 60 cm sind zu kurz. Und auf 60cm Lesedistanz ist meine Gleitsichtbrille eingestellt.

Besonders bei Auftritten und Proben steht mein Notenständer in 1 m Entfernung und relativ niedrig eingestellt, damit er mich nicht verdeckt. Da ich Akkordeon und Schlagzeug gleichzeitig spiele, muss er hinter dem Schlagzeug stehen usw. usf. Es geht also aus rein technischen Gründen bei mir nichts unter 100 cm Distanz. Starkes Licht hilft, aber wieviele Auftritte habe ich erlebt, wo Licht feierlich gedimmt ist oder wir quasi bei Kerzenschein spielen müssen. Je dunkler es ist, desto mehr müssen sich meine Augen anstrengen.

Auch beim täglichen Akkordeonunterricht muss ich oft hinter meinen SchülerInnen stehen, um mitzuspielen oder bei deren Spiel mit meinem Stöckchen auf die entsprechenden Noten zu zeigen. Dabei kann die Distanz zum Notenständer durchaus bei 120 cm liegen. Da nützt also auch eine vom Optikermeister hervorragend eingemessene Gleitsichtbrille nichts und etwas anderes musste her!

Glücklicherweise haben wir hier in Kiel einen Optikermeister, der sich wirklich um seine Kunden kümmert. Nicht nur das: er spielt auch selbst Akkordeon und kann die Problematik deshalb genauestens nachempfinden. Man kann auch sagen: er ist wirklich auf Musiker spezialisiert.

Wenn zum Beispiel ein Organist bei schummriger Beleuchtung seine umfangreichen Partituren in 100 cm Entfernung scharf erkennen muss, er den Pfarrer am weitentfernten Altar aber nur unscharf wahrnimmt und wegen Nichterkennens eines Handzeichens etwa den Einsatz verpasst…dann erscheint der Kieler Optikermeister Sebastian Steinberg mit seinem Test-Gestell (siehe Foto) und misst ihm eine Notenlesebrille aus.

Er selbst soll nun mehr über die Vorteile und Eigenschaften von echten Notenlesebrillen erzählen:

„Mal ehrlich, kämen Sie auf die Idee mit Sommersandalen in den dicksten Schnee zu gehen? Wohl kaum werden Sie denken, was soll das??? Aber so ähnlich verhält es sich wenn man versucht, mit für einen anderen Zweck gefertigten Brillen zu musizieren. Die Anforderungen sind schon besonders. Man muß sich in anderen Entfernungen zurechtfinden bzw sehen als das im „normalen“ Alltag der Fall ist. Und dazu bedarf es schon des genauen Ausmessens der Entfernungen, in denen gesehen werden soll.

Das trifft insbesondere auf die Musiker/- innen zu, die eine Korrektur zum Nahsehen benötigen, wie es ab dem ca. 45. Lebensjahr nicht unüblich ist. Moderne Gleitsichtbrillen vermögen ja dem Träger ein Optimum an „Natürlichkeit“ des Sehens zu geben, aber auch diese Gläser wollen für diese Anwendung mit Bedacht ausgesucht werden. Die Industrie stellt mittlerweile zahlreiche Varianten zur Verfügung, das Angebot ist so vielfältig, dass selbst der Fachmann leicht den Überblick verlieren kann.
Aber noch mal zurück zu den unterschiedlichen Entfernungen. Der Orgelspieler hat die Noten in einer anderen Entfernung zu betrachten als ein Akkordeonspieler oder auch ein Sänger. Und die Brillenglasstärke kann auf verschiedene Entfernungen abgestimmt werden. Das Musizieren macht einfach viel mehr Spaß und das Sehen ist viel ermüdungsfreier mit exakt ausgemessenen Gläsern.

Es wäre doch schade, wenn die Musik „nur“ aufgrund unkomfortablen Sehens zu kurz käme. Allen die sich vom Sehen her beim Musizieren unwohl fühlen, sei geraten, sich an einen Fachmann zu wenden, der ggf. auch einen Hausbesuch macht um vor Ort die Notwendigen Daten zu erheben.
Man sollte es gar nicht glauben, wie viele Menschen sich mit schlechtem oder unkomfortablem Sehen herumärgern.“

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Geschrieben von Martin Rzeszut am 25. Februar 2007 um 18:30 Uhr

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