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Mittwoch, 2. Mai 2007

Maifest auf Gut Rixdorf

seit Jahrzehnten wird zwischen Plön und Lebrade ein tolles Fest gefeiert!

Gut Rixdorf liegt in herrlicher Landschaft genau südlich von Lebrade und immer zum 1. Mai veranstaltet der Gutsverwalter Wilken von Behr und die Dorfgemeinschaft Gut Rixdorf - das sind zahlreiche künstlerisch tätige Erwachsene mit ihren Kindern - ein sehr schönes Maifest. Sie machen dies, weil die Feuerwehr es nicht mehr machen kann, denn die Feuerwehr in Lebrade gibt es anscheinend nicht mehr. Auch dieses Jahr wurde der Maibaum pünktlich um 9.48 aufgestellt und im Anschluss daran begann das sechsstündige Kulturprogramm auf äusserst hohem Niveau!

Ohne Pause traten dort zahlreiche Musiker der Sparte Folk aus der Region und dem benachbarten Ausland auf und verwöhnten vielleicht 300 Zuhörer mit erlesenen Melodien und Liedern aus allen europäischen Ländern. Sogar eine original schwedische “Spelmanslag” von einem Hof Akkerboom trat nach sicherlich sehr langer Anreise auf und es war erstaunlich, wie gut die Mitglieder dieser Geigengruppe - unter die sich allerdings auch ein vollkommen genrefremdes Akkordeon verirrt hatte - mit der deutschen Sprache umgingen. Man merkte, dass es zahlreiche Stammbesucher auf diesem kleinen Folkfestival gibt, die sich durch eine gewisse gleichartige Kopfbedeckung (flacher Strohhut)kenntlich machten. Auch die Kennermine mancher Strohhutträger verriet dem Unwissenden sofort, dass es sich hier um Urgesteine der norddeutschen Folkmusik handeln musste, um nicht zu sagen: um lebende Legenden!
Fachgerecht und kulturkundig führte Christof Peters - ebenfalls lebende Legende und wandernder Musikant, der das Puppenspiel und die Kunst des Metallofonspielens vollendet beherrscht - durch das Programm und lobte sowie tadel [mann, schreib deutlicher! d.Seätzer]..untadelige Worte immerwährend erfindend und aus voller Brust und Kehle erschaffend die wirklich erwähnenswerten Darbietungen. Kein instrument blieb unerwähnt und selbst die “falsche Geige” - so lautet der Fachbegriff für ein Akkordeon in einer original schwedischen Geigengruppe - blieb ihm nicht verborgen, wonach es dem Musiker mit der falschen Geige leider nicht mehr gelang, von der Bühne zu entkommen.
Das Fest wird stets liebevoll vorbereitet. Diesmal hatte man zahlreiche Brennholzstapel dekoriert, zwischen denen - wie es sicherlich beabsichtigt war - sehr private musikalische Darbietungen stattfanden, wobei man die Musizierenden nicht mehr sah, aber deutlich hörte. An der Wand hing auch eine Tuba, die mal jemand vergessen hatte und die dann schliesslich von einem Traktor überfahren wurde, weil sie nicht abgeholt worden war. Seitdem ist dieses Instrument hervorragend für die Begleitung plattdeutschen Liedgutes geeignet.
Das diesjährige Maifestival war so beeindruckend, dass der TÖNCHEN!-Redakteur glatt vergaß, auf den Auslöser seiner Kamera zu drücken. Das holt er nächstes Jahr nach.
Musiker wurden frei verpflegt und Eintritt wurde den zahlreichen aus dem In- und Ausland anreisenden Besuchern nicht abverlangt, was ich an dieser Stelle und in diesem Kulturmagazin als ausserordentlich lobenswert erwähnen muss! So etwas ist selten in einem Land, wo Kultur nur noch der Repräsentation der Mächtigen dient aber nicht mehr dem Volke, das ja diese Kultur eigentlich erschaffen hat! Auf Gut Rixdorf erleben wir wirklich, dass es wahre Volkskultur noch gibt!
Ausserordentlich hörenswert war eine Jugendfolkband aus diesem wohl schwedischen Akkerboom und man konnte deutlich feststellen, dass junge Schweden heute durchweg irische Musik spielen! Ein junger Schwede sang ausgesprochen gut und gab zu lobenden Worten des wandenden Puppenspielers und zu langanhaltendem Beifall der Zuhörer Anlass.
Weiter fiel kurz vor Schluss ein aus Frankreich eingewandertes Pärchen namens Duo Boot (frz.)auf, die sich andauernd über ihr zu kleines Repertoire wunderten - allerdings unbegründet: weniger ist manchmal mehr! Der andere Name dieses Duos schien “Batot” zu sein [wo isn hier dieses doofe Zeichen über dem o, dieses Dach hamwer nich!d.Setzer], und das sollte irgendwie politisch sein, was aber niemand wusste. Sie spielten mit Geige und Gitarre (klassisch!)sehr schöne instrumentale Stücke, wobei der Gitarrist immer die Augen kunstvoll in Hinblick auf seine Partnerin verdrehte, sie anlächelte und sich fast manchmal dabei verspielte. Dennoch gelang ihm irgendwann die Konzentration wiederzuerlangen und das letzte Stück war für mich das schönste des ganzen Festivals…nein, das wäre ungerecht allen anderen MusikerInnen gegenüber: alle waren hervorragend!
Die Bratwurst auch!
Bis nächstes Jahr!

Geschrieben von Martin Rzeszut am 2. Mai 2007 um 22:29 Uhr

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