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Donnerstag, 26. April 2007

LIEBESERKLÄRUNG AN EIN AKKORDEON

wie Straßenmusik verbindet

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Ach Du, Silvetta, mein allerliebstes Klingenthalakkordeon. Deine Blümchenabdeckung, dein charmanter 50er Jahre-DDR-Style (oder von wann und wo auch immer deine wunderbar kantige Form stammen mag), der sanfte und vielfältige Klang Deiner Stimme, die äußerst kleidsamen Kord-Blümchen-Riemen welche ich Dir einst bei unserem Zusammentreffen schenkte ...
... Habe ich Dir eigentlich mal gesagt, wie sehr ich Dich liebe?

Nun sind wir schon seit 9 Monaten unterwegs, und machen die Straßen unsicher, zusammen mit Hase & Maus.
Weißt Du noch wo wir überall zusammen waren, und wie gut wir auf all den Straßenständchen eine Wirtschaftsgemeinschaft bilden?
In den ersten drei Wochen unseres gemeinsamen Urlaubes trug ich Dich noch liebevoll auf dem Rücken durch Deutschland, und der Rucksack musste auf der Klappsackkarre hinter uns her holpern. Da spielten wir die ersten Male auf der Straße in Hannover, Göttingen, Würzburg, Heidelberg, und Freiburg. Die ersten Stunden in Hannovers Fußgängerzone war ich ja doch noch ziemlich aufgeregt, und meine Finger mochten nicht so locker flockig über Deine Tasten und Knöpfe fliegen. Doch Dir hat das nichts ausgemacht. In Göttingen ging das auch schon viel entspannter. Dort lernten wir auf der Wagenburg gleich die erste Geigenspielerin I. kennen. Romantisch bei Kerzenschein vor ihrem Bauwagen, in unmittelbarer Nähe der ICE-Trasse, hatten wir sinnliche improvisatorische Momente. Auch heute fahre ich mit Dir immer wieder gerne dort hin.
In Würzburg kennen wir den Journalisten B. und seine urigen Schwiegereltern.
In Heidelberg lernten wir K. & B. kennen, die später für die Werbung auf dem Blauen Bus verantwortlich sein sollten.
In Freiburg wollten wir uns mit unsrer geliebten Querflöte A. aus Kiel treffen, um mit ihr zusammen Straßenmusik zu machen. Doch so wirklich wurde daraus ja leider nichts, weil sie von der Polizei einen Stadtverweis erhielt.

Anfang Auguste reisten wir zurück in den Norden nach Zytanien. Von dort aus waren wir auf einmal zu acht. Deine Lieblingsgeige, Du natürlich, M., ich, die Hündin Zoe, Hase & Maus, und die Ente. Gemeinsam machten wir uns auf den Weg nach St. Peter Ording, um dort eine schöne Woche mit Strand und Strandpromenadenmusik zu verbringen. In den Dünen wollten wir in jenem Sommer übernachten. Doch Sommer war nicht so richtig, und so mussten wir alle in der Ente schlafen. Unglaublich, wie viel Platz in so einer roten Sauseente ist. Man kann da drin sogar zu zweit Joga machen. Tolle Zeit war das. Findest Du nicht auch, Silvetta?
Nun, außer der Geige, Dir, M., mir, Zoe, Hase & Maus, und der Ente gab es da ja noch wen, den wir in unsere musizierende Reisegemeinschaft aufnehmen wollten. So musste die Ente zu Hause bleiben, und “Bursche”, der blaue Bus kam zu uns, usw…usw…
Irgendwann waren wir beiden mit Hase & Maus wieder alleine, und Bursche erlaubte uns ein flexibles und komfortables Straßenmusikerleben. Bis nach Stockholm zur Verwandtschaft sind wir gefahren. In Schweden spielten wir u.a. in Jönköping, Nyköping, und im doofen straßenmusikerfeindlichen Stockholm. Auf dem Rückweg wurde unser kleines Mobil immer klappriger. Puh, weißt Du noch, wie viel Straßenmusik wir machen mussten, um zwei kleine runde neue Plaketten für Bursche zu bekommen? Doch als er nun kein Sicherheitsrisiko mehr darstellte,  konnten wir uns mal wieder zurück lehnen, und das mit der StraMu ganz entspannte angehen lassen. Eigentlich wollten wir bald in den Süden ziehen, um der Kälte zu entgehen. Doch Dank des Klimawandels sind wir noch bis Mitte Januar in Deutschland geblieben. Wir besuchten B. in Würzburg erneut, lernten dabei mal wieder eine Geigenspielerin kennen, zum zweiten Besuch bei K.&B. in Heidelberg wurde Bursche zum “Arnolinksquetsch-Tourbus”, in Freiburg hat sich die Waldkindergartenerzieherin S. nach eurer ersten Begegnung im Sommer gänzlich in Dich verliebt (doch Du hältst treu zu mir), im Kloster Stühlingen entzückten wir zusammen die Brüder und Schwestern, und spielten zu einer katholischen Festlichkeit entsprechend schwermütige Klänge.
In Tübingen sind wir natürlich immer wieder gern. Hier trafen wir in den netten kleinen Gässchen auf den Percussionisten E., den Gitarristen S., die Nyckelharpa J., die Jongloere C. & J., die Geige S., und viele viele andere liebe nette Menschen und Instrumente.
Über die Weihnachtsfeiertage sausten wir kurz in den Norden Deutschlands um auf das Christkind zu warten, und dann waren wir ziemlich schnell schon wieder in Tübingen. Dort sammelten wir die Geigenspielerin S. ein, und machten uns auf Richtung Portugal. Auch mit ihr machten wir auf dem Weg einige Male Straßenmusik. Doch irgendwie war dieser Teil Europas nicht wirklich mein Fall, und so mussten wir unsere Kumpanin in Valencia (Spanien) absetzen, denn es zog uns einfach wieder zurück nach Tübingen. Dieser hübsche kleine Ort am Neckar, mit den hunzelligen Häusern, und den vielen netten großzügigen Menschen.
Anfang Januar war es, als wir aus Spanien wieder in jener Universitätsstadt eintrafen.
Häuslich eingerichtet sind wir auf diesem grünen Parkplatz am Rande der Stadt auf dem Schlossberg, und wenn es uns zu kalt wurde, konnten wir bisher stets in das Rothenburghaus (18er-WG) Wärme tanken, und ich meinen Dreck los werden.
Knapp drei Monate sind wir nun fast am Stück in Tübingen, wir beide haben uns bestens integriert, und es wird immer schwieriger diesen Ort zu verlassen. Mit Percussionisten E. und Nyckelharpa J. gründeten wir die Band Janus, mit der wir auf unserem ersten Konzert am 23.April den Saal zum Tanzen brachten, und ich glaube, bald mache wir mit einer kürzlich kennen gelernten weiteren Geigenspielerin Straßenmusik auf Stelzen.

Also- Silvetta! Ich würde sagen wir sind einfach das Traumpaar. Ob wohl ich früher nicht so richtig wusste was ich von Deinem Namen halten soll. Wer hat Dir den eigentlich gegeben? Als ich ihn das erste Mal hörte musste ich an Mineralwasser oder Papiertaschentücher denken. Aber nicht schlimm, und hoffentlich bist Du jetzt nicht gekränkt wenn ich Dir so etwas schreibe. Habe mich schnell daran gewöhnt. Namen sind nicht so wichtig. Wichtig ist, dass wir beide gut miteinander auskommen. Und das tun wir alle Male. Ich kann Dich so oft in die Arme nehmen wie es mir lieb ist, oder auch einfach nicht, und Du bist jederzeit genau so gut oder schlecht drauf wie ich selbst. Diese Berechenbarkeit ist übrigens sehr zu schätzen. Außerdem hast die wunderbare Gabe mich in die Gegenwart zurückzuholen, wenn mir durch irgendetwas Sorgenfältchen zu wachsen drohen.

Eins ist sicher, wir werden noch lange zusammen sein wenn Du willst. Tolle Konzerte möchte ich mit Dir weiterhin geben, viele hunderte Euro einsacken, hoffentlich bald in norwegischer und schwedischer Zweisamkeit eigene Stücke komponieren, und ich lasse mich von Dir gerne weiterhin mit schönen Geigenspielerinnen verkuppeln. Wie machst Du das eigentlich? Wir beiden sind ein Herz und eine Seele, und wenn mal gelegentlich Frauen ins Spiel kommen, habe ich Dich bisher nie eifersüchtig erlebt? Ist das vielleicht eine Eigenart dieser sanft und warm klingenden Handzuginstrumente aus der Schaumanufaktur? Sie lassen sich durch nichts aus der Ruhe bringen, verzeihen einem so ziemlich jede Untreue, und wenn sich mal ein anderer Musiker in jenes verliebt, dann kommt es doch immer wieder zu seinem Partner zurück. Zu mindest kenne ich das von Dir so. Mein geliebtes schwarzes Blümchenakkordeon.
In guten wie in schlechten Zeiten werde ich immer zu Dir halten. Und wenn das eines Tages möglich sein sollte ein Akkordeon zu heiraten, und sich vielleicht sogar steuerliche Vorteile daraus ergeben, dann sollten wir nicht lange zögern.

Denn ... nur Du ... mein treues Silvetta, Du gehörst zu mir, wie mein Name an dem Tourbus.

Selige Grüße aus Tübingen.

Geschrieben von arnolinksquetsch am 26. April 2007 um 10:30 Uhr

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