Montag, 14. November 2005
Letter to a M.P. - Beispiel für angewandte politische Verantwortung
Aus gegebenem Anlass wird heute im TÖNCHEN! eine neue Kategorie feierlich eröffnet: Menschenrechte. Es wurde aber auch Zeit. Schon beim gestrigen Bericht über das “GipsyStyle”-Musical in der Kieler Michaelis-Kirche schaute mich meine Tastatur so kritisch an: “Musik” oder “Menschenrechte”? Na ja, sagen wir….noch “Musik”. Ein Tag später fällt dann eine solche Entscheidung. “Bürgerrechte” wär auch nicht schlecht, doch gleiches Recht für alle Menschen ist das Ziel. Darum ging es auch im Musical in der Michaelis-Kirche.
Wenn mir etwas nicht passt, was ich über Politik in der Zeitung lese? - Ganz einfach: ich lege die Zeitung weg! Dann passt mir die Politik wieder. Oder: ich vergesse es einfach! Dann kann man sich an nichts mehr erinnern. Oder: ich erinnere mich daran, dass ich als mündiger Staatsbürger nicht nur allein zu Kreuzchen auf Wahlzetteln befugt bin. Multiple choice - was ist richtig?
Richtig! Auf TÖNCHEN!-Leser kann man sich verlassen! Wir legen nicht die Zeitung weg und vergessen tun wir schon garnichts. Wir sind gewohnt, unsere Ideen, Gedanken und Vorschläge frei zu äussern: wir leben nämlich in einer Demokratie! Was gar nicht so selbstverständlich ist und was unsere Eltern- und Grosselterngenerationen hart zu erkämpfen wussten - für uns übrigens! Und die Demokratie wäre ohne unsere Beteiligung bald vergessen. Wir sollten sie also erhalten. Genauso wie unseren festen Glauben an das Gute im Menschen.
Nicht jeder gibt sich allein mit Kreuzchen auf Wahlzetteln zufrieden. Wie wir grade in Deutschland sehen, spiegelt sich die Botschaft der Wahlkreuzchen nicht unbedingt in der Grossen Koalition - die Franz Müntefering kürzlich verschmitzt als “Lebensabschnittspartnerschaft” (Angela Merkel lächelte zustimmend) bezeichnete. Natürlich kann man selbst aktiv Politik machen, in eine Partei eintreten und politisieren. Doch dafür eignet sich nicht jeder Mensch. Wofür wir uns aber alle ganz hervorragend eignen, ist: den Mund aufzumachen, wenn uns etwas stört. Aktuell: wenn es um Flüchtlinge und Zuwanderer geht und die Beschneidung deren Rechte.
So ging es auch dem englischen Journalisten und Redakteur Hamish McNair-Wilson (25). Abgesehen davon, dass er Politik und Geschichte in Durham studiert hat, ist Hamish ein selbstbewusst und verantwortungsvoll denkender britischer Staatsbürger. Ihn störte etwas, was uns auch gestört hätte, würden wir im United Kingdom zuhause sein. Und wir zitieren hier seinen Brief an den zuständigen und liberalen M.P. (Member of Parliarment) in Colchester ungekürzt und wegen seiner literarischen Qualitäten auch unübersetzt. Das Problem, um das es geht, ist weltweit von Interesse: es geht uns also alle an! Auch bei uns war darüber in der Presse zu lesen - eher kleingedruckt und leider nur am Rande. Doch es hat mit Menschenrechten zu tun. In Europa.- Thanks Hamish!
Dear Bob Russell,
I writing to express my concern about a clause included in the Immigration,
Asylum and Nationality Bill due to be discussed on November 16th. While I
could ramble on until I was blue in the face at the extent to which I feel
refugees are unduly chastised within our society, there is one specific
clause in this bill which I believe to be of particular concern.
While the purpose of Clause 51 is clearly to make a statement and ensure
our protection from terrorism in a difficult international climate, the 1951
Refugee convention and UK criminal law effectively ensures our legal
security on this level. This prospective, new clause will, however,
significantly undermine our ability to protect those very people the laws
were instituted to protect: those suffering political persecution in their
own countries.
It is noteworthy that under this clause any individual that has engaged in
armed struggle, caused damage to property or disrupted electronic systems
will immediately be classified as a terrorist and negate their right to
protection. In a world where tyranical dictatorships are still reign free,
we are effectively leaving the Mandelas of today to the mercy of them, with
no constitutional right to protection under British law. As a Liberal
Democrat MP, I hope you will share in these reservations…
Yours sincerely,
Hamish McNair-Wilson