Donnerstag, 28. Juni 2007
Ich möchte Schlagzeug lernen und ein Einsteigerkit kaufen…
... was muss ich wissen?
Zunächst: nicht alles muss stimmen, was Musikalien-Händler manchmal so sagen. Da ist von „grossen Namen“ und „berühmten Schlagzeugern“ die Rede. Und da wird sehr oft das neueste Produkt am Markt hochgelobt, auch wenn es nur vielleicht nur trendig aussieht und technisch die wesentlichen Anforderungen nur schlecht oder garnicht garnicht erfüllen kann.
Sehr oft vertreten Händler nur das Sortiment, an das sie sich vertraglich gebunden fühlen, sowie die Meinung ihrer Grosshändler. Und teurer ist nicht immer und unbedingt besser. Grundsätzlich lässt sich sagen: jedes Einsteiger-Kit um die 800 € ist brauchbar, um als Schlagzeuganfänger zunächst zufrieden zu sein. Jedes Markenfabrikat (PEARL, YAMAHA, SONOR oder TAMA) bietet Einsteigerkits unter 1000€ an. Und sehr viel teurere Kits müssen nicht unbedingt und wirklich besser sein.
Merke: es kommt zunächst hauptsächlich darauf an, dass Du die Koordination Deiner Arme und Beine trainierst! Den Sinn für den „besonderen“ Klang Deines Kits wirst Du ja erst mit der Zeit entwickeln. Die Abstände z.B. der Toms zueinander sind zunächst einmal wichtiger als die Klangqualität der Felle. Den „guten Klang“ Deines Schlagzeugs kannst Du wirklich erst beurteilen, wenn Du auch darauf zu spielen gelernt hast. Pedale sollten allerdings einigermassen gut sein.
Der Vorteil, gleich mit Kauf eines Markenartikels sozusagen den Grundstein für ein späteres „customized“ (also ein auf Deine Wünsche zugeschnittenes) Schlagzeug zu legen, ist klar. Gehen mechanische Teile mal kaputt, so bieten etablierte Marken oft passende Ersatzteile, und das über Jahrzehnte. Deshalb sollte man auch bei Gebrauchtinstrumenten sich immer für ein Markenfabrikat entscheiden. Die Normung gewisser Teile innerhab einer Marke sollte man nicht unterschätzen: PEARL-Stative passen auch immer in ein PEARL-Schlagzeug! Ich bekomme auch heute noch PEARL – Tom – Haltearme für mein Schlagzeug aus den 1980iger Jahren!
Ich persönlich kann auch deshalb den durchaus schon seit Jahren erhältlichen Typ PEARL EXPORT empfehlen, weil auch der Gebrauchtmarkt mit PEARL EXPORT -Equipment gut ausgestattet ist. Das PEARL EXPORT ist ein solides Schlagzeug aus ursprünglich japanischer Fertigung und heute „made in Taiwan“, was aber keinen Qualitätsverlust bedeutet. Das PEARL EXPORT ist sozusagen der „Volkswagen“ unter den Schlagzeugen und kostet gegenwärtig um die 750€, wofür man gute Sachen bekommt.
Kauft niemals ein zu billiges Kit nur um des Preises wegen! Das wird meistens enttäuschend. Materialfehler und Konstruktionsfehler sind typisch für den Billig-Markt. Allerdings gibt es „no name“-Drumkits (mit Phantasiebezeichnungen oder unbekannten Namen), die von Markenfirmen hergestellt werden. Hier sollte man aber genau den Händler fragen bzw. besser mit Schieblehre und Zollstock durch den Laden gehen und die Materialstärken mit Markenware vergleichen.
Denn die metrische Normung einzelner Komponenten innerhalb einer Marke ist immer gegeben: Durchmesser der Tom- oder Cymbalständer, Wandstärken der Toms sowohl Konstruktionsdetails der Fittings. Durch Vergleich im Detail lassen sich so meist „No name“-Produkte einer bestimmten Marke zuordnen. Und warum sollte die Suche nach einem geeigneten Schlagzeug nicht ein paar Tage dauern? Damit lässt sich schliesslich wirklich Geld verdienen.
Man sollte beim Kauf eines Einsteiger-Drum-Kits unbedingt wissen: man kauft zunächst mal die Grundausrüstung, um „Schlagzeug zu lernen“. Da man seinen späteren Weg und die sehr persönliche Spezialisierung auf einen bestimmten Stil noch nicht kennt, reicht ein einfaches aber stabiles Kit für die ersten drei Jahre Unterricht vollkommen aus. Hier gilt mal wieder: „weniger ist mehr“. Zu viel Equipment lässt den Blick für das Wesentliche doch zu sehr verschwimmen. Es macht sich vielleicht optisch gut…aber Musizieren geht doch über die Ohren, oder nicht? Machen wir Lärm oder machen wir Musik?
Wer das anders sehen sollte und schon jetzt „alles“ spielen möchte (obwohl er/sie das noch garnicht kann!), sollte hier den Rat annehmen, dass jedes einfache aber solide konstruierte (Marken-)Schlagzeug später entsprechend der geforderten Spezialisierung (auf Jazz, Rock, Pop, Folk usw.) leicht erweitert und ergänzt werden kann. Dazu später mehr.
Das ideale Einsteigerkit wäre für mich z.B. nach wie vor das erwähnte PEARL Export (das ich selbst habe und auf dem ich auch unterrichte). Es verfügt über eine 18’‘-Bassdrum und drei Toms mit den Durchmessern 12’‘, 13’‘ und 16’‘ (Floortom). Die beiden hohen Toms sind mittels stabiler Stativstangen und justierbar auf der Bassdrum befestigt.
Weiter gibt es eine Snaredrum mit 14’‘ Durchmesser und 51/2 ’‘ hoch. Holz für die Snaredrum halte ich zunächst für die bessere Wahl. Ist zum Üben zuhause geeigneter als Blech. Es ist aber durchaus bei einigen Musikläden möglich, sich eine bestimmte Snaredrum auszusuchen: ich würde in diesem Fall immer die flachere (5’‘ hoch) wählen!
Ob der Snare-Teppich (die „Spiralfedern“ am Resonazfell) breit oder schmal ist, ist bedeutungslos. Denn die Lautstärke der Snaredrum lässt sich über die Spannvorrichtung regulieren oder zusätzlich mit Papier abdämpfen.
Die Gehäuse der fünf Trommeln sind aus Holz. Für Einsteigerkits nimmt man gern Pappelholz, das preislich vorteilhaft, leicht ist und sich auch sehr gut verarbeiten lässt. Für das PEARL Export werden 6 einzelne Schichten unter Hitze, Dampf und hohem Druck zusammengeleimt. So entsteht eine Wandung von 7,5 mm Stärke. Eine dünne Wandung ist für einen guten Klang extrem wichtig. Die Qualität des Holzes (mit den berühmten „Klangeigenschaften“) dagegen ist vollkommen unwichtig und hat nur optische Bedeutung. Denn durch die Sperr-Verleimung (Multiplex-Technik) können die positiven Schwingungsqualitäten gewisser Holzsorten wie Fichte oder Mahagony überhaupt nicht zum Tragen kommen. Die Homogenität eines Materials ist beim Schlagzeug wichtiger. Die Shells (Trommelgehäuse) können deshalb auch aus Fiberglas sein.
Nicht unwichtig für den Klang ist das Beschichten der Holzkessel mit Plasten, Folien usw. Ich kenne Schlagzeuger, die auf jegliche Beschichtung verzichten (sie sogar herunterreissen), damit der Kessel leichter wird (was dem Klang und der Transportabilität zugute kommt). Mein vor 20 Jahren im schottischen Aberdeen gekauftes PEARL - Drumkit enthält eine Plastbeschichtung, die Edelstahl vortäuscht…na ja, das liess sich nicht ändern: es war das einzige Drumkit im ganzen Laden! Und sie ist bis heute drauf. Sie sieht nicht zu doof aus, als dass ich sie abgezogen hätte und sie ist mir letztlich egal. Entscheidend für mich ist, dass diese Beschichtung genügend fest auf den Kesseln aufliegt. Denn eine lockere Beschichtung - wie bei älteren Drums schon gesehen - würde alle Schwingungen des Holzkessels erbarmungslos dämpfen. Die Beschichtung hat übrigens eine echte Schutzfunktion: beim rauhen Transport Deines Schlagzeugs „on the road“ schützt sie die Holzkessel vor Beschädigungen.
Nicht unwesentlich für die Stabilität und Rutschfestigkeit einer Bassdrum sind die verstellbaren zwei Beine mit Gummifüssen. Von Leichtbau-Beinen rate ich ab. Ob sie gut gebaut und sich vor allem optimal einstellen lassen, merkt man, wenn man sich zur Freude des Händlers kurz etwas vorn auf die Bassdrum setzt. Machen die Beine der Bassdrum dabei dann die Grätsche, so würde ich schnell aufspringen und mich schleunigst dem Kit eines anderen Herstellers zuwenden.
Die sog. „Fittings“ (Beschläge) auf den Trommeln, mit denen das Fell befestigt ist, sollten schwer genug gebaut sein, um die hohen Kräfte, die beim Spannen des Fells auftreten, ohne Verbiegung und Gewindeausrisse auffangen zu können. Die Frage, ob „Einzelböckchen“ oder zusammenhängende Spannvorrichtungen besser sind, ist ziemlich egal. Entscheidend ist der Durchmesser der Gewindebolzen und die Qualität der metallenen Spannringe, die nicht verbogen sein dürfen. Übrigens habe ich mich damals aus genau diesen Stabilitätsgründen für ein PEARL EXPORT entschieden: die Fittings sind überaus robust und mein Kit hat über Jahre drei Auftritte pro Woche mit jeweils Auf- und Abbauen und schonungslosem Transport durch Hotelflure, Lagerräume, enge Kneipen-Firedoors und freien Fall aus zwei Metern Höhe problemlos überstanden.
Zum PEARL Export Kit gehören zwei stabile Cymbal-Ständer, ein Ständer für die Snaredrum und ein Hihat-Ständer mit Fusspedal. Ebenfalls ein Fusspedal mit Schlägel („beater“, nicht zu hart, nicht zu weich) gehört zur Bassdrum. Ein Schlagzeughocker gehört meist nicht zur Grundausstattung. Auch – ganz wichtig! - meistens nicht die Becken („Cymbals“). Hocker und Cymbals muss man also extra kaufen. Dazu unten mehr.
Die Robustheit der Cymbal-Ständer ist bei PEARL ebenfalls kein Problem und die Zwingen klemmen noch heute so gut wie vor 20 Jahren. Der Ständer („stand“) für die Ride-Cymbal sollte einen Galgen haben, an dessen Ende ein Gewicht sinnvoll ist. Dies auch in Hinblick auf den späteren Ausbau, denn besonders die Ride-Cymbal wird man sich gern in ein paar Jahren in grösserer und schwererer Version zulegen, wozu man jetzt schon einen stabilen Stand kaufen sollte.
Nicht überzeugt hat mich damals beim Neukauf meines PEARL EXPORT die Qualität des Hihat-Ständers mit seiner Fussmaschine, und hier würde ich zu robusterem (sprich zu einem teuren Modell) raten. Man muss dabei durchaus nicht bei der Marke des Drumkits bleiben, denn der Hihat-Ständer ist eine „autarke“ Einrichtung und muss in erster Linie ein bequemes Pedal, eine gute kettengetriebene, verschleissfreie Mechanik (ohne viele Kunststofflager!) Ein guter Hihat-Ständer kostet durchaus um die 200€. Doch für den Anfangsunterricht wird der zum Einsteiger-Kit gehörende Hihat-Ständer erstemal reichen. Kommt doch die Fein- und Feinst-Arbeit mit der Hihat frühestens im zweiten „Lehrjahr“ dran…
Auch die PEARL-Export Fussmaschine reicht nach meiner Einschätzung erstmal aus…hier gilt dasselbe wie für den Hihat-Ständer und ich habe mir allerdings schon sehr früh eine sehr teure aber robuste DIXON-Fussmaschine für die Bassdrum angeschafft.(Übrigens: bitte kein Doppelpedal für den Anfängerunterricht! Das wäre viel zu viel…) Ob die Fussmaschine für die Bassdrum nun „mit Kette“ oder „mit Riemen“ läuft, ist piepegal. Da wird in manchen Musikläden auch mehr Händlerschnack gemacht, als sinnvoll ist.
Felle: dieser nette alte Name wird immer noch für die „drumheads“ aus Plastik benutzt und deutet auf die ursprünglich tierische Herkunft des Materials hin, auf das man schlägt. Schon lange werden Naturfelle nicht mehr für Rock-, Pop- oder Jazz - Schlagzeuge verwendet. Sie wären auch dauernd verstimmt, weil sie Wasser ziehen („hygroskopisch“ sind). Plastik-“Felle“ verstimmen sich praktisch nie und können sehr lange halten. Dennoch kommen Naturfelle bei klassischem Schlagwerk im Orchester immer noch hauptsächlich zur Anwendung, weil es dort auf grossen Obertonreichtum ankommt.
Alle Trommeln eines Kits einschl. Snaredrum haben zwei Felle: das Schlagfell (dicker) und das Resonanzfell (dünner). Ich habe alle Resonanzfelle (mit Ausnahme bei der Snaredrum) schon frühzeitig ausgebaut, um mein Kit lauter und klarer im Klang zu machen. Auf jeden Fall wird das Schlagzeug damit leichter, denn nicht nur die Resonanzfelle, besonders auch die Spannringe und Schraubbolzen fallen weg. Man kann diese Teile ja irgendwo auf dem Dachboden lagern und jederzeit wieder anschrauben, wenn man meint, sie benutzen zu sollen. Allen, die ihr Drumkit andauernd auf- und abbauen bzw. transportieren müssen, sei dieses Abtakeln angeraten.
Das Resonanzfell der Bassdrum ist manchmal keines, denn es hat ein grosses Loch, um das Mikrofon für die Bassdrum da hineinschieben zu können. Hat dein Einsteigerkit noch ein solches Loch, so ist das in Ordnung. Es schadet nicht dem Klang. Durch das Loch lassen sich dämpfende Materialien schieben (Sofakissen) und die Katze hat ein nettes Zuhause.
Die Schlagfelle an einem neuen Einsteiger-Drumkit liegen qualitativ und besonders klanglich immer „in der Mitte“ und sind durchweg brauchbar. Über das Tunen Deines Drumkits mittels neuer Drumheads kannst Du in einem späteren TÖNCHEN! - Artikel lesen.
Cybals: vielleicht gehören zu einem neuen Einsteiger-Drumkit auch ein Satz Becken (obwohl das meistens nicht der Fall ist). Hier mein wichtiger Rat: verzichte auf diese Becken, denn sie könnten echt billig sein: klanglich! Gute Becken mit türkischen Sounds sind aus handwerklichen Gründen immer teuer! Also: wenn sie blechern oder schepperig klingen, frage, ob Du für etwas Aufpreis bessere Becken bekommen kannst. Bessere Becken sind schlicht Markenbecken mit warmem und obertonreichem Klang sowie langem Sustain (Nachschwingen). Sie heissen (für mich) SABIAN oder ZILDJIAN und können locker den Preis des Einsteiger-Drumkits (also etwa 800€) bei weitem übersteigen…wenn man da nicht aufpasst. Auch die etwas billigeren (aber handwerklich einwandfreien) PAISTE-Cymbals (mit der Einsteigerserie „101 Brass“) sind allemal besser als No-name-Produkte.
Deshalb ist mein Rat jetzt besonders wichtig, wenn Du Cymbals einkaufst: entscheide Dich zunächst für die billigste („Einsteiger“-)Serie eines Markenanbieters und beschränke Dich auf kleine Durchmesser. Kaufe nur eine Ride-Cymbal, eine Crash-Cymbal und ein Paar für die Hihat. Keine „China“, keine „Splash“ o.a., auch wenn der Händler noch so sehr darum bittet….
Beispiele: SABIAN hat für Einsteiger die B8-Serie entwickelt: eine 14’‘ Crash kostet ca. 70€, eine 18’‘ Ride etwas über 100€ und ein paar Hihat-Cymbals 13’‘ kosten 125€. Die sehr gut für Jazz und Folk geeigneten ZILDJIAN ZBT gibt es bei denselben Grössen zu ähnlichen Preisen. Insgesamt sollte man also für einen vernünftigen Satz Marken-Becken noch mal um die 300€ einkalkulieren: das ist nicht zu ändern. Aber lieber an den Trommeln (bzw. deren schicken Beschichtung) sparen, als sich mit schlechten Cymbals die Ohren oder den Spass am leisen(!) Schlagzeugspiel zu verderben!
Last not least brauchst Du einen guten Hocker zum Draufsitzen, der weder wackelt noch quietscht, nicht in seine Einzelteile auseinanderfällt, wenn Du ihn trägst und sich gut und einfach in der Höhe justieren lässt. Sowas kostet dann nochmal um 130€. Zur Zeit empfehlenswert: PEARL D-1000. Hocker für 50€ sind Mist. Aber wenn ein Hocker zum Einsteigerkit dazugehört, nimm ihn erstmal und lerne, mit einem schlechten Hocker umzugehen. Um so lieber sparst Du dann für den besseren…
Für den Unterricht brauchst Du ein Paar Sticks mit der Bezeichnung 7A (z.B. Vic Firth für 10€) und ein Paar Besen (die billigsten um 25€, aber zum Einziehen in den Griff). Keine Rods! Die Sticks (bitte nur aus Holz!) solltest Du beim Kauf auf dem Ladentisch etwas rollen lassen: wenn sie wirklich rollen, so sind sie gerade. Nur mit geraden Sticks kannst Du wirklich genau spielen. Der zweite Test: sie müssen gleich dick, gleich lang und gleich schwer sein. Sie sollten sich auch gleich ausbalancieren lassen. Aber Dank automatisierter Fertigungsmethoden ist das heute kein Problem mehr. Markensticks sind da immer in Ordnung, weil die fehlerhaften aussortiert werden. Die kommen dann meist als „no name“-Sticks auf den Einsteiger-Markt….
Damit wären wir insgesamt nun bei etwa 1300€, die der ganze Einsteiger-Spass kosten wird. Damit wirst Du aber zufrieden sein und es wird jahrelang vorhalten. Und da alles neuwertig gekauft wurde, kannst Du den ganzen Kram wieder mit gutem Preis verkaufen, falls Dir Schlagzeug doch nicht so liegt (was Du aber erst bitte nach einem Jahr intensiver Erprobung feststellen solltest…)
Natürlich kann man auch ein gebrauchtes Schlagzeug kaufen. Es mit neuen Fellen frisch machen und sich für das so Ersparte noch bessere Cymbals kaufen. Oder ganz einfach weniger Geld ausgeben. Besonders, wenn man es nicht hat. Wichtig nur bei Gebrauchten: alle mechanischen Teile müssen einwandfrei funktionieren (die Klemmen müssen wirklich klemmen!), nichts darf scheppern, quietschen oder rasseln, keine überdrehten Gewinde bei den Stativen und keine ausgeleierte oder schadhafte Fussmaschinen!
Ich bin gern bereit, Schülern unserer Musikwerkstatt beim „Fertigmachen“ von alten Schlagzeugen zu helfen. Es sind oft nur wenige Dinge zu trun, für die man aber feinmechanisches Know How besitzen sollte. Und Gebrauchtware, bei der Gewinde vermurkst, Schraubbolzen krumm oder Shells zerborsten sind, solltest Du niemals kaufen. Alle mechanischen Teile sollten unversehrt sein. Festsitzende, selbst leicht angerostete Schrauben sind dagegen kein Problem (solange das Gewinde in Ordnung ist) und kaputte Trommelfelle auch nicht: eine komplette Neubestückung kann ein uraltes Schlagzeug wie neu klingen lassen! Selbst total verstaubte Hardware und leicht verbeulte Shells lassen nach hartem Spülbürdteneinsatz oft noch Qualität erkennen.
Will man dann nach einiger Zeit - wenn man sich genügend schlagzeugerisches Grundwissen angeeignet hat - den Klang seines Schlagzeugs bzw. die spielerischen Möglichkeiten verändern, dann kann man das folgendermassen tun: etwa tiefer klingende Felle kaufen (z.B. „Hydraulik“ von EVANS wie wir sie in der Musikwerkstatt haben), eine Fussmaschinefür 150 € , einen Hihat-Ständer für 180 €, weitere Cymbal-Ständer und vor allem mehr und bessere Cybals mit Klangeigenschaften, die dem nach einigen Jahren gebildeten eigenen Musik-Geschmack oder den Wünschen Deiner Band entsprechen. Die schnelle Ansprache einer Cymbal lässt sich der Hersteller eine Menge kosten: Cymbals sind immer noch Handarbeit und türkische Werkstätten sind Marktführer. Behandle Deine teuren Cymbals gut, dann altern sie nicht zu schnell.
Weitere Experimente kann man mit verschieden grossen (hohen) Toms machen, die auch aus verschiedenen Materialien bestehen können und sehr unterschiedlich zwischen „hoch“ und „tief“, „offen“ und „definiert“ klingen können.
Kleinpercussion wie Agogo bell, Cowbells, Splash, Chimes, Schellenringe sowie Timbales oder die laute China-Cymbal lassen sich immer leicht anbringen. Bongos, Congas, Darabouka oder Djembe können ein Schlagzeugkit ebenfalls ergänzen. Man hat auch inzwischen das Xylofon als Bereicherung für das Drumkit wiederentdeckt.
Trotz all dieser vielen Möglichkeiten, sein Schlagzeug seinem Geschmack anzupassen, habe ich immer wieder erlebt, dass gute Schlagzeuger auf jedem Kit gut spielen können: egal wie teuer es mal war, wie alt es ist und wie besonders die Auswahl der einzelnen Komponenten ist. Und trotzdem macht es dem Menschen immer wieder ungeheuren Spass, sein „ganz eigenes und undividuelles Kit“ zusammenzustellen. Besonders Anfänger mögen das und die Eltern sollten das auch gebührend beim Einkauf berücksichtigen…..
Zusammenfassung: ein gutes Einsteigerkit sollte Bassdrum, drei Toms, Snaredrum, Crash- und Ride-Cymbal sowie eine Hihat mit gutem Ständer enthalten. Ein leichtgängiges Fusspedal für die Bassdrum und ein stabiler, leicht verstellbarer Sitz gehören ebenfalls zur Grundausstattung. Dazu Sticks und Besen. Ein zusammenklappbarer Notenständer für die Übungsblätter aus dem Unterricht kann eine gute Ergänzung sein.Ohrstöpsel sind bei längerem Üben ein MUSS!
Willst Du schon bald mit Bandarbeit anfangen, so wäre es sinnvoll, ein besonders leichtes Schlagzeug anzuschaffen (was man oft teuer bezahlen muss). Das bedeutet aber nicht nur (teure) Wandstärken von unter 7,5 mm, sondern ganz einfach Reduzierung der Durchmesser! So hat ein „reiselustiges“ Schlagzeug (wie z.B. das „Rick Marotta“ von YAMAHA, um die 2000€) eine 16’‘ Bassdrum, zwei Toms 10’‘ und 12’‘ und extrem wenig Hardware. Die Cymbals sollten allerdings nicht die typischen Durchmesser (Crash 14’‘/Ride 20’‘) unterschreiten. 8’‘-Toms sowei Floortoms lassen sich auch einzeln kaufen und man kann jedes kleine Set noch nach Bedarf mit grösseren ergänzen.
Ist der Platz in Deinem Zimmer nur begrenzt, so reicht auch ein Drumkit ohne Floortom, die das Schlagzeug ja nach rechts erheblich verbreitert. Ich selbst war jahrelang mit nur einer 13’‘-Tom zufrieden. Doch für den Schlagzeugunterricht empfehle ich mindestens zwei Toms, die unterschiedlich klingen müssen.
Kurz vor Schluss noch ein Wort zu Übungspads: NEIN!
Ein ebensolches zu rein elektronischen Drums: NEIN! Selbst das Argument der hellhörigen Nachbarn zählt da nicht, denn ein vernünftiges elektronisches Kit hat „real cymbals“, also real existierende Becken, denn die können digital nur schwer generiert werden. Es ist aber immer möglich, ein akustisches Einsteiger-Kit mit relativ billigen anschraubbaren Impulsgebern („Trigger“) zu einem digitalen Kit umzugestalten und unter Dämpfung der Felle hätte man dann ein relativ leises, nachbarschaftsfreundliches Misch-Monstrum aus digitalem und akustischen. „Real Sounds“ sind immer noch unübertroffen und digitale Elektronik hat nur begrenzte Lebensdauer und ist überdies anfällig für gelegentlichen Tonausfall. Der Hauptgrund meiner feindlichen Einstellung digitaler Drums gegenüber ist aber das langweilige Spielverhalten der Trigger-Pads und die oft ja nur schlechte Umsetzung der vielleicht guten Sounds. Welche PA packt es schon, den Sound eines Schlagzeugs sauber rüberzubringen? Und du willst Dich doch nicht mit Verstärkern und Boxen abschleppen, oder?
Ausserdem: mit einem digitalen Schlagzeug in Deiner Band hast Du nicht wirklich echten, direkten musikalischen Kontakt zu Deinen Bandkollegen. Ich habe das selber vor Jahren ausprobiert: meine Band (die schottische Herculean Ceilidh Band mit Rock, Pop, Jigs&Reels) sagte mir: “Du bist zu laut!“ daraufhin kaufte ich eines der ersten digitalen Drumkits. Der ganze Kontakt oder auch: der ganze „musikalische Kurzschluss“ ging einzig über die Monitore. Grauenhaft nicht zuletzt für mich, der mit seinem Schlagzeug die Band rhythmisch zusammenhalten musste. Brachte ich dann plötzlich wieder das akustische Set, schrieen sie alle „Hurra! Wir hören dich endlich wieder!“
Viele Begriffe in Zusammenhang mit Schlagzeugen und Schlagzeugteilen sind - wie wir hier auch in diesem Artikel sehen - englischsprachig. Es macht auch oft keinen Sinn, sie ins Deutsche zu übersetzen. Die internationale Musikersprache ist sowieso Englisch. In der Tat hat „das Schlagzeug“ eine vornehmlich britisch-amerikanische Geschichte, obwohl die ersten Anfänge des heutigen „Kits“eher in Österreich (um 1900) liegen, wo man sich chinesische und afrikanische Handtrommeln aus den Ursprungsländern schicken liess und jeder Schlagzeuger montierte sich die erforderlichen Sounds selbst um die grosse Basstrommel herum zusammen.
Zum Schluss noch eine Bemerkung zum besseren Verständnis aller Maßangaben: alle Maße im Schlagzeugbereich – ganz ähnlich wie beim Fahrrad - sind in engl. Zoll angegeben (z.b.16’‘ bedeutet: „sechzehn Zoll“) und es macht Sinn, eins jener seltenen Metermaße mit in den Schlagzeugladen zu nehmen, mit dem man in Zoll messen kann – oder etwa einen alten „Zollstock“. Vier Zoll entsprechen ungefähr 10 cm. Eine 13’‘ Tom hat ein Fell von genau 33 cm Durchmesser. 16’‘ entsprechen 406 mm.
So, und jetzt viel Spass beim Kaufen! Ich berate gern. Für weitere Fragen benutzt bitte unser Kontakt-Formular auf dieser Website.