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Mittwoch, 14. Dezember 2005

Fest der Stille? Quiet party? oder Quite a party?

In Clacton on Sea , wo ich seit 1986 lebe, bemerke ich immer wieder die Riesenunterschiede, wie in den beiden Laendern Weihnachten gefeiert wird. Auch nach fast 20 Jahren hier ist mir noch kein passendes Wort fur “besinnlich” ueber den Weg gelaufen. Waehrend ich immer noch versuche, mich irgendwann an den Festtagen mit Kerzen und Haendels Messias in eine stille Ecke zu verziehen, wird hier gefeiert was das Zeug haelt, Office Parties mit sylvesteraehnlichem Schmuck, Besaeufnisse und schicke Partykleidchen bestimmen die letzten paar Tage vor Weihnachten, Riesenplakate die mit Bildern von Krankenwagen oder Unfallrettungshubschraubern und Slogans wie “Young Father taken to a better place (heaven) vor Alkohol am Steuer warnen. Heiligabend gibt’s is dem Sinne gar nicht, es sei denn als eine letzte Chance Geschenke zu kaufen und nochmal ordentlich zu feiern, fast wie Karneval und Fastenzeit.

Die Frauen sind total am Rotieren, aber das is wohl wieder eine Gemeinsamkeit. Nicht nur muessen sie 10 Pfund abnehmen, um in das Partykleidchen zu passen, sondern sie muessen ja auch noch das Haus putzen, wenn nicht gar renovieren, Weihnachtskarten kaufen fuer saemtliche Leute die sie kennen, plus immer ein paar Extra, falls jemand unverschaemterweise einem eine unvermutet aufdrueckt, womit man nicht gerechnet hatte (schwierig bei grossen Schulkollegien), am besten man schreibt die Karten namenlos vor und setzt dann im letzten Moment den Namen ein, den man dann ja auch gleich richtig buchstabiert abschreiben kann.

Dann natuerlich der Riesenessenseinkauf, als wuerde eine Hungersnot anstehen und trotz verzweifelter Versuche, das ganze Jahr auf die Linie zu achten, werden jetzt Pfundweise Pralinen gekauft, Knabbergebaeck, und Partyfutter und dann noch enorme Truhthaehne, die wie strangulierte Kleinkinder aussehen und mehrere Nachtische und und und.

Dann erwisch ich mich immer dabei, die Verwandtschaft zu hassen, und die Vorstellung dass ich da jetzt fuer 12 -14 Leute kochen soll, vollgestresst, mit hektischen roten Flecken, schwitzend und voellig unattraktiv. Dann fehlt hier noch ein Stuhl und da noch ein Bett und ich bemerk den Staub an der Decke und moechte nur raus hier. und denk das ist doch alles Quatsch, es soll doch eigentlich ein Fest der Stille sein, das Fest des Herrn….............. und dann ploetzlich fiel mir heute morgen ein, dass wir es doch genau richtig machen so,alle etwas oder sehr ueberfordert, etwas oder sehr genervt, ueberempfindlich, weil da ploetzlich mehr Leute sind als sonst, alles ist anders, die Bude ist voll, ueberall Krach, Geschenkpapier, Bonbonpapiere, Fernsehen, Playstation, Computer, alles ist gleichzeitig an. Ploetzlich muss man auch noch Gesellschaftsspiele spielen, weil das gehoert sich so fuer Weihnachten, man sitzt nach dem Essen voellig erledigt mit albernen Papierkronen aufm Sofa und schlaeft ein oder unterdrueckt in der Kueche gemeine Kommentare ueber die Andersartigkeit der Abwasch-und Aufraeumtechniken der verschiedenen Opas und Omas oder der voellig verwoehnten Kinder die schlecht gelaunt, weil uebereizt sind.und da dachte ich schliesslich, ist ueberhaupt wahr…........, irgendwie…....... irgendwie hat das alles was…...Weisst du was? Wir verlegen einfach das Fest der Stille. auf vorher und hinterher. Die Stille kommt sowieso.

Die Stille kommt, wenn sie wieder alle weg sind. In Bethlehem wars auch nicht still, da war remmi demmi, deswegen fanden sie ja in dem ueberfuellten Ort auch kein Hotelzimmer. Also sollten wir diesmal vielleicht den Innkeeper spielen und auch mit unserem Herzen sagen. Jou, kommt man alle her, irgendwie kriegen wir euch noch unter, obwohl alles schon aus den Naehten platzt. Und dann wollten die ja nicht nur da pennen, die kriegte dann auch noch’n Baby, so’ne Schweinerei, also bereit sein all diese Komplikationen, die das Leben uns so hinwirft, dann zu bejahen. und nicht nur das, dann haben die auch noch Gaeste, die Gaeste. so wildes Hirtenvolk, ungewaschen und grob und dann bisken spaeter so komische Heinis mit dickem Schmuck und ich sach dir, da war sogar ‘nen Schwarzer dabei, also ich weiss auch nicht. und dieses Parfuem, ekelig. Was so’n Kind damit soll, weiss ich auch nicht.
Also, das ist schon alles richtig so, mit der Hektik und der Aufregung und der Nerverei. Das Leben ist immer so. Auch Babies kommen in unpassenden Momenten zur Welt.

Gut dass unser Herr Jesus es nicht bei diesem einen Versuch belaesst, sondern das ganze Jahr , unser ganzes Leben lang freundlich und liebevoll und unheimlich geduldig darauf wartet, dass wir ihn reinlassen, in unsere Bude, in unser Leben, in unser Denken, das immer gerade zu voll ist, zu beschaeftigt, zu kompliziert, zu schwierig.

Aber er verspricht auch, dass wenn wir ihn einlassen, er mit uns essen wird und nicht nur das, er wird einfach bei uns sein und bleiben und uns beschuetzen, lieben, verstehen, fuehren , ein Leben lang. Aber wir haben die Tuerklinke in der Hand. Wir koennen entscheiden, ob wir das Risiko eingehen wollen. Ich bin es eingegangen. Kann es nur empfehlen.

Happy Christmas everybody!

Geschrieben von Martin Rzeszut am 14. Dezember 2005 um 14:00 Uhr

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