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Montag, 6. März 2006

Ethnomusikologische Forschung - ein veralteter aber informativer Text aus Göttingen

Informationen aus der Wissenschaft - Weltmusikfreaks aufgepasst! Und wann kommt endlich mehr…?

Meine Internet-Archäologie der letzten Jahre brachte folgenden Befund: musikwissenschaftliche Arbeit findet meist im Verborgenen statt. Es wird geschrieben und doziert und nur wenige Menschen bekommen es mit. Die Forderung mancher Professoren und Studenten der 70iger Jahre, wissenschaftliche Ergebnisse des philosophischen Fachbereiches einem breiteren Publikum zur Verfügung zu stellen, verhallte im Wald der festgefügten gesellschaftlichen Strukturen: warum sollte etwas sein, was niemals war?
Dank Internet haben sich die Zeiten jetzt zumindest technisch geändert: der normale Mensch kommt per Internet an Information heran, von der vor 30 Jahren selbst Studenten träumen durften. Besonders im Bereich der Musikwissenschaft begann man sich langsam zu öffnen. Doch immer noch nicht genügend.
Das weiter unten angekündigte Proseminar aus dem Jahre 2003, von dem man z.B. als eingeschriebener Gasthörer der Universität Göttingen profitieren konnte, ist für jeden Musiker, Festivalveranstalter, Musiklehrer oder sonstigen musikinteressierten Menschen dermassen interessant, dass man sich wundert, warum nicht auch Referate und Seminarergebnisse nach Abschluss der Veranstaltung offen und für alle zugänglich sind.
Es geht um die Gewinnung der Grundlagen einer wissenschaftlich fundierten Sicht von Musik in aller Welt. Es geht darum: was ist authentische Musik und wie lernen wir sie kennen? Wie kann man forschen? Wie sind Ergebnisse der musikethnologischen Feldforschung zugänglich und nutzbar für “Anwender”, die sich mit dem musikalischen Material der Welt befassen, um Anregungen für eigene Musik zu bekommen?
Im folgenden ein Info-Text aus dem Vorlesungsverzeichnis der Uni Göttingen zu diesem Proseminar, den ich für informativ genug halte, um ihn hier zu veröffentlichen. Musikanalyse ist immer der erste Schritt, wenn man sich mit unbekannter Musik bekanntmachen möchte. Wie gehe ich vor? Und vor allem: wie authentisch sind meine Ergebnisse?
Manchem Weltmusik-Träumer gehen dann alle Ohren auf! Nicht das romantisierende Klischee, sondern die Realität einer Musizierpraxis wird wahrgenommen.
Wie schön, wenn musikethnologische Forschung mehr bekanntgemacht würde. Ein solches Proseminar kommt immer wieder: man schaue mal im aktuellen Vorlesungsverzeichnis nach. Und: Ergebnisse? Ein paar ausführliche Texte? Eine schöne Zusammenfassung? Ein paar ausgewählte Aufsätze? Das TÖNCHEN! steht für eine gern auch ausgiebige Zusammenfassung der Ergebnisse dieses und anderer Seminare zur Verfügung.
Im Folgenden der von mir zufällig ausgegrabene Infotext, dem man einige wesentliche Information über muskethnologische Feldforschung entnehmen kann. Vielleicht wird ja wer neugierig…

Ethnomusikologische Transkription
Dozent: Dr. Brenner
Proseminar, 2 SWS
Termin: Dienstag, 16:15 - 17:45 Uhr
Ort: Hörsaal des Instituts
Studienrichtungen / Studienfächer: MUW 1-4
Kommentar:
Gegenstand ethnomusikologischer Forschung sind ganz überwiegend solche Musikstile, die von ihren Trägern entweder gar nicht oder aber nicht vollumfänglich in Form schriftlich fixierter Werke, sondern - unter fortwährender Variantenbildung - auf der Basis gedächnismäßig überlieferter Modelle und Strukturierungsregeln produziert und weitergegeben werden. Da diese - ähnlich wie die Grammatik der gesprochenen Sprache - oft mehr oder weniger implizit bleiben, also von den Musikern zwar praktisch beherrscht (“prozedurales Wissen”), aber nicht oder nur in geringem Maße begrifflich reflektiert und zum Gegenstand verbaler Kommunikation gemacht werden (“deklaratives Wissen”), ist man im allgemeinen darauf angewiesen, diese Modelle und Strukturierungsregeln auf analytischem Wege aus der Beschaffenheit klingender musikalischer Aufführungen zu erschließen. Dieses Verfahren der “explorativen Analyse” (Kaden) setzt die akustische Wiederholbarkeit der je einmalig realisierten Klanggestalten durch entsprechende Schallaufzeichnung voraus und beginnt mit deren Niederschrift - eben der Transkription. Hierzu bedient man sich je nach den Erfordernissen des betreffenden Musikstils entweder einer modifizierten Form der europäischen Notenschrift oder einer eigens dafür entwickelten Notationsform. Die Transkription gehört, seit durch Edisons Erfindung des Wachswalzen-Phonographen erstmals die technischen Voraussetzungen dafür geschaffen waren, zu den grundlegenden Methoden der Ethnomusikologie. Ihre theoretischen Voraussetzungen und methodologischen Probleme waren und sind Gegenstand einer umfangreichen und bis heute nicht verebbten Fachdiskussion.
Dieses Proseminar bietet eine Einführung in Theorie und Praxis dieser Methode. Da der Prozeß des Transkribierens seinem Wesen nach bereits der erste Schritt - und damit zugleich die Grundlage für alle weiteren Schritte - der Analyse ist, werden in diesem Zusammenhang immer wieder auch Probleme der ethnomusikologischen Analyse berührt.
Voraussetzungen für den Erwerb eines Leistungsscheins sind regelmäßige aktive Teilnahme und die Anfertigung einer Transkription als Hausarbeit.
Literatur und eine Bibliographie werden im Handapparat in der Bibliothek bereitgestellt. Tonbandkopien der Transkriptionsaufgaben erhalten Sie gegen Ende des Semesters.

Geschrieben von Martin Rzeszut am 6. März 2006 um 18:06 Uhr

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