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Mittwoch, 29. November 2006

DER LIEDERBÄR…wär das nicht ein Weihnachtsgeschenk?

Unser “Standard-Liederbuch”: handfest und benutzerfreundlich gebunden!

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Das 2001 erschienene Liederbuch liegt nun mittlerweile in dritter Auflage vor. Es ist eigentlich nicht nur ein Kinderliederbuch, Erwachsene mögen es auch. Besonders solche, die wie ich als Kind mit Ida-Bohatta-Wichtelmann-Bildchen konfrontiert wurden. Der nette geigende Bär auf dem Coverbild könnte mein Bruder sein und die tanzenden Kinder, Tiere, Wichtel, Märchengestalten, der Apfel und der Suppentopf lassen genau jene Athmosphäre wiedererstehen, die mir als Kind so wichtig war - und mir heute noch wichtig ist.

Die schönen farbigen Abbildungen von Charlotte Panowsky (bezeichnender Weise nur ein Jahr älter als ich, hat als Kind vermutlich auch mit Ida Bohattas Wichtelmännchen Freundschaft geschlossen…) ziehen sich lustig durch das ganze Buch. Ich finde die Bilder mindestens so wichtig wie die Lieder; und beides zusammen ergibt genau die richtige Mischung zur Kinder- und Hausmusik.

Das Buch ist so beliebt, dass es neulich bei uns aus einem der Unterrichtsräume in der Musikwerkstatt verschwand. Wie man weiter unten lesen wird, bin ich sehr froh darüber. Die Neubeschaffung habe ich hier zum Anlass genommen, noch einmal Werbung für dieses “Standardwerk” zu machen, besonders eben vor Weihnachten. Bei diesem Buch stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis wirklich!...nein, eigentlich müsste das Buch 30€ kosten! Dann wäre auch für die Kindernothilfe mehr übrig! [grins!...d. Sätzer]

Der 1923 gegründete Bärenreiterverlag ist ja bekannt für Liederausgaben im Sektor Volksmusik/Volkslied. Während der 50iger und 60iger Jahre gab es praktisch keinen Musiklehrer und keine Musiklehrerin, die nicht irgendwelche kleinen Heftchen über “Hausmusik” in den dunklen Holzregalen neben Notenständer, Flötenständer, Lampentisch und Röhrenradio liegen hatten. Diese Tradition wird bei diesem in Kassel beheimateten Verlag bis heute durchgezogen, auch wenn man sich inzwischen laut Info auf der Website auch “dem Vertrieb von klassischer Musik auf dem höchsten Niveau” verschrieben hat. (Bärenreiter-  Website ist https://www.baerenreiter.com)

So wundert es niemanden, dass genau jene Lieder auch im “Liederbären” enthalten sind, die damals irgendwie typisch für die Hausmusikbewegung der 50iger und 60iger Jahre waren. Meine Mutter Erna Bartling-Kopp (Musiklehrerin/ Orff-Dozentin/ Hausmusikerin) war damals aktiv im “Arbeitskreis für Hausmusik” (Herrn Jöde mochte sie aber nicht…) ...und ich trete haargenau in ihre Fussstapfen (auch ich finde Herrn Jöde blöde!). Ohne Bärenreiter-Literatur geht hier nichts im Haus! Der Arbeitskreis für Hausmusik - den gibt es heute hier im Haus!...aber auf jeden fall jödefrei. [...is ja gut! d.Sätzer]

Also: ich wundere mich garnicht, dass mir die Liedauswahl im “Liederbären” so ausnahmslos gut gefällt! Also genau das passende Buch für Leute zwischen 40 und 60! Doch gibt es durchaus erfrischende Ergänzungen mit neueren Liedern: “Heute hier, morgen dort” von Hannes Wader (tschuldigung….ist ja auch meine Generation!...) oder “Zehn kleine Fledermäuse” von Fredrik Vahle.

Neben sehr vielen Liedern für sehr kleine Kinder (“Das liebe Fröschlein”/“Ein Männlein steht im Walde”/“Backe, backe Kuchen”) gibt es Lieder für die Primarstufe oder die Mittelstufe. Standards wie “Ich weiss nicht, was soll es bedeuten” oder “Die Gedanken sind frei” gehören ebenso dazu wie “Hey Pippi Langstrumpf” oder “Drei Chinesen mit dem Kontrabass”. Im Grunde ist der “Liederbär” also ein Buch für Eltern und deren Kinder…. und deren Kinder…, denn es ist hervorragend kräftig gebunden und äusserst dauerhaft. Vererbbar also über mehrere Generationen!

Da bei uns in der Musikwerkstatt öfters mal gesungen wird und viele Menschen Probleme mit Liedtexten haben, schafften wir vor Jahren einfach vier Exemplare dieses Buches an. Gerne hätte ich 30 gekauft, doch überstieg das einfach unsere Möglichkeiten. Hat man mehrere Exemplare, können Singende und Musizierende im Kreis sitzen und haben den gleichen Text, dieselben Tonarten und dieselben Seitenzahlen, was schnelles Stückewechseln erleichtert.

Den ewig kopierenden Mitmenschen sei gesagt: lasst das man, das lohnt sich nicht! Das Buch ist mit 22.95 € wirklich günstig und dann bekommt ihr die Lieder noch auf wirklich gutem Papier und schön farbig und sauber gedruckt. Und ausserdem geht ja auch ein Teil des Geldes an die Kindernothi….hilfe? [...ach, nicht alles auf einmal…d.Red.]

“Der Liederbär” ist hervorragend für den Schul-Musikunterricht als Materialsammlung geeignet! Er dürfte in keinem Musikraum fehlen. Der feste Einband und das kräftige zähe Papier macht dieses Werk für den Schullalltag voll tauglich. Die einfachen, klaren und leicht lesbaren Noten fördern den Spass beim Notenlernen. Die Akkordsymbole ermöglichen instrumentale Begleitung des Singens. Jede Schule sollte 100 Exemplare zum täglichen Gebrauch einfach liegen haben!

In unserem privaten Instrumentalunterricht hat sich “Der Liederbär” auch hervorragend für den Anfängerunterricht bewährt. Wer das Spielen eines noch neuen, unbekannten Instruments erlernen möchte, wird zunächst “Fuchs du hast die Gans gestohlen” oder “Alle Vögel sind schon da” nach Erinnerung und noch ohne Notenlesen auf seinem neuen Instrument ertasten. Die Noten im “Liederbären” sind wegen ihrer Klarheit sehr gut für das Notenlernen geeignet. Können Anfänger dann so ein einfaches und bekanntes Stückchen auf dem Akkordeon oder dem Klavier nach Erinnerung spielen, genügt oft ein Blick auf die Noten im “Liederbären” und allen ist sehr schnell klar “wie das mit den Noten geht”.

Der Liederbär ist in unserem Unterricht so beliebt…das neulich ein Exemplar spurlos verschwand. Warum sich darüber ärgern: es wird dann ja hoffentlich woanders weiterbenutzt und erfüllt seinen Zweck. Zum anderen war die Neuanschaffung jetzt mal ein Anlass, die dritte Auflage anzusehen, die sich von der ersten nur unwesentlich unterscheidet. Der Gebrauchswert ist von keinerlei Veränderungen geschmälert. Die dritte Auflage ist also nicht “erweitert” und mit älteren Auflagen seitenkompatibel. Offensichtliche Fehler der ersten Auflage sind korrigiert (z.B. las man im Inhaltsverzeichnis, dass es “Ein Ele-Zwele-Trelefant” gäbe…aber das Stück gabs gar nicht…).

Was mich an der ersten Auflage des “Liederbären” wirklich begeistert hat, war das Vorwort von Christina Rau. Sie empfahl das Buch so: “Der Liederbär will dazu helfen, dass Kinder singen und dass es ihnen Freude macht. Eltern sollen neue Texte und Melodien kennenlernen und sich an alte und vertraute Kinderlieder erinnern können…”

Ich zitiere Christina Rau weiter:”...Aus dem Erlös des ‘Liederbärs’ soll die Kindernothilfe gefördert werden, die seit 40 Jahren von ungezählten Menschen in Deutschland getragen wird und die Kindern in aller Welt Erziehung und Förderung, Zuhause und Ausbildung zu vermitteln und zu finanzieren sucht. Es gibt ja nicht nur unsere meist behütete und übersichtliche Welt der Länder, die als zivilisiert gelten, sondern arme Länder und Armut auch bei uns.. Damit wir nicht bloß klagen, sondern ändern, darum ist auch der ‘Liederbär’ so wichtig. Ich wünsche ihm viel Erfolg!”

Hinter den Seiten mit den Gitarrenakkorden gab es im Exemplar der Erstauflage Informationen über die Kindernothilfe, kontaktaddressen und Werbung für Kinderpatenschaften. Ich erinnere mich auch, dass ca. 10% des Verkauspreises beim Kauf des “Liederbären” direkt auf das Spendenkonto der Kindernothilfe ging. Ich fand und finde das ausgesprochen gut!

Ich habe auch deshalb dieses Buch den Eltern unserer Schüler und überhaupt vielen Menschen empfohlen: “Dieses Buch ist einfach schön und wenn Ihr es kauft, unterstützt ihr auch die Kindernothilfe mit zwei oder so Euro!”

Das kann ich mir also jetzt abschminken! Statt Christina Rau lacht dort Sebastian Krumbiegel auf dem Foto…ja, der von den “Prinzen” (...und darauf weist er sogar von alleine hin). Und der Text ist auch keine Empfehlung wie oben zitiert, sondern “Prinz” erzählt von seiner musikalischen Familie und wie toll sich alle Kinder so musikalisch entwickelten. Werbung pur würde ich sagen. Und den Liederbären gabs bei Familie Krumbiegel damals ja noch garnicht, allenfalls jene Heftchen vom Bärenreiterverlag….Allerdings weist “Prinz” auf die Wichtigkeit von Kinderliedern überhaupt hin und schon für den ersten “Liederbären” hatte er schon ein nettes Liedchen geschrieben. Also: irgendwo schon ganz in in Ordnung dieser Typ. Ich meins nicht so bös.

Ärgern tut mich wirklich gewaltig, dass von “Kindernothilfe” nun nichts mehr zu lesen ist. Auch die beiden Info-Seiten im hinteren Teil des Buches gibt’s nicht mehr….doch! Halt…stop….die gibt’s schon noch: die neuen Bärenreiter-Bilder-Sachbücher werden dort vorgestellt…wieder Werbung pur! Sollte es so in einem “guten Buch” nicht geben, denn dafür gibts schliesslich separate Verlags-Prospekte. Oder das Internet. Sowas passt einfach nicht, finde ich. Obwohl diese Bücher wirklich schön sind, also…ich meine nur: es passt einfach nicht, die Kindernothilfe da sozusagen runterzuschubsen und auf diesen sozusagen “reservierten” Seiten Werbung für einen Verlag zu machen…den wir sowieso schon alle mögen. Beweis:  wir haben ja den “Liederbären” schon gekauft!

Und warum wird weder für die Kindernothilfe Werbung gemacht, noch offensichtlich Geld aus dem Verkaufserlös weiterhin an selbige abgeführt? Darf ein Verlag - der auf sich hält und das mit Recht - so ein Konzept ändern? Muss er nicht damit rechnen, das gerade ein solches Hilfskonzept “Kindernothilfe” mit dem Phänomen “Der Liederbär” dauerhaft(!) verbunden wird, dass sich so etwas herumspricht und dass Musiklehrer wie ich immer noch nichtsahnend den Kauf des Buches empfehlen mit Hinweis auf das Spendenpotential für die Kindernothilfe? Denken die verehrten Direktoren bei Bärenreiter denn nicht daran, dass ein eifrig werbender, vollkommen begeisterter Musiklehrer sich total blamiert, wenn er solche Sachen erzählt, die offensichtlich wohl garnicht mehr stimmen?

Ich werde das sowohl die Direktorin bzw. den Direktor Bärenreiterverlag als auch die Kindernothilfe bzw. Christina Rau - deren Einsatz für Hilfsprojekte ich überaus schätze! - fragen und hoffe auf erschöpfende Antworten. Nicht nur dass: ich hoffe, dass der inzwischen auflagenstarke und in dritter Auflage vorliegende “Liederbär” jetzt weitaus mehr Geld für die Kindernothilfe sammeln kann/könnte/sollte als noch im Jahr 2001!

Mir drängt sich irgendwo der Verdacht auf, dass ein bedeutender deutscher und auch internationaler Liederbuchverlag sich das damals mit der Kindernothilfe geschickt ausgedacht hat, um ein neu aufgelegtes Werk in Umlauf zu bringen. Jetzt, wo der Umsatz brummt, wird klammheimlich genau dort Eigenwerbung, Verlagswerbung positioniert, wo es vorher um einen selbstlosen Spendenaufruf ging. Entschuldigen Sie bitte diese Theorien, verehrtes Bärenreiter-Management…ich bin sicher, dass sie nicht stimmen. Musiklehrer sind manchmal einfach nur überarbeitet und neigen zu Überreaktionen….

Wurde dieses Spendenkonzept etwa schon für die zweite Auflage gekippt? Ich weiss es nicht. Will es auch nicht hoffen. Ich rede nämlich schon seit 2001 von der Verknüpfung Liederbär-Kindernothilfe mit heller Begeisterung! Schade, dass mir nicht schon eher ein “Liederbär” aus dem Unterrichtsraum gemopst wurde: ich hätte diesen Artikel dann schon viel früher geschrieben. Aber noch ist es nicht zu spät!

Ich lasse mir das nämlich leider nicht gefallen: dass dieses Liederbär-Kindernothilfe-Konzept sang und klanglos gekippt wurde und hoffe, dass der “Liederbär” weiterhin für seinen ursprünglich guten Zweck aufspielt. “Damit wir nicht bloß klagen, sondern ändern, darum ist auch der ‘Liederbär’ so wichtig.” schreibt Christine Rau. Damit beschreibt sie eindeutig ein hervorragendes und populäres Konzept. Und das lautet: “Liederbär” und Kindernothilfe gehören zusammen! Selbst wenn dieses Konzept damals allein nur als Marketingkonzept “entwickelt” wurde (was ich wirklich allen Ernstes nicht glauben kann!), so ist es dennoch da und bekannt. Solche Konzepte sind genausowenig änderbar wie der Elch bei Ikea…. Es wäre also schade, wenn die Glaubwürdigkeit eines bekannten deutschen Liederbuch-Verlages derart leiden würde. Also: meistern Sie bitte den Elchtest!

Wäre Weihnachten nicht eine gute Gelegenheit, das alte Konzept für den “Liederbären” wieder hervorzukramen, lieber Bärenreiter-Verlag?....schliesslich bin ich seit 1957 - dem Jahr, wo ich mit Blockflöte begann - Ihr bester Kunde!

Und ich bitte Sie hiermit ganz freundlich darum!

Herzlichst,
Ihr Martin Rzeszut
(brother of liederbär)


ISMN M-006-50726-9
ISBN 3-7618-7777-3

Geschrieben von Martin Rzeszut am 29. November 2006 um 12:34 Uhr

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