Samstag, 22. Dezember 2007
Das Weihnachtsfest in der Waldhütte im Bärengebirge
Weihnachtserzählung von Martin Rzeszut

Er rutschte, stolperte, blieb an Ästen hängen, überschlug sich und landete in einem Bach. „Au Mann!“ sagte der Bär, „So ein Mist aber auch!“ Dann sagte und dachte er eine Weile gar nichts mehr. Sein Fell war nass. Er war total erschöpft. Er wollte gar nicht mehr leben. Langsam kroch er aus dem Bach heraus, schüttelte sich und lehnte sich gegen einen Baum. „So ein Mist aber auch!“
„Wie?....was?“ fragte der Fuchs. „Ach, Fuchs! Was willst du denn jetzt hier?“ - “Schlecht gelaunt, Gevatter Bär?“ - “Hm….“
“Was ist denn?“ - “Ach, diese Menschen. Sie haben mich mal wieder fast umgebracht!“
“Da im Dorf an der Grenze warst du also?“ - “Ja ja.—Und dabei heisst das hier das Bärengebirge. Aber für Bären haben die Menschen überhaupt keinen Sinn. Dabei könnten wir denen so nützlich sein!.....wenn die uns nur lassen würden….“
“Also, was ist denn los, Bär?“ - “Hmmm…..ich ging mit meiner Frau da zum Dorf, so ganz normal. Wollten mal gucken, ob da irgendwas schönes wäre, was man fressen könnte..“ - “Pah!“ machte der Fuchs, „also Bär!! Das weiss man aber doch nun schon langsam in deinem vorgerückten Alter, dass das Quatsch ist! Die Menschen ballern nun mal alles ab, was sie abballern können!....also: versteh ich das richtig: die wollten euch abballern?“ - “Ja, die wollten mich umlegen,“ erzählte der Bär.
“Aber es fing alles ganz harmlos an,“ erzählte er nun etwas freundlicher. „Da war eine Holzhütte mit nem Schild, da stand drauf: BÄREN SIND HIER WILLKOMMEN! ....na ja, wir gehen da natürlich rein und wollten gucken, was da schönes ist. KNACKS!! macht das, wo wir drin sind und meine Frau…..huhu…schluchz…“
„Ja, was denn, Bär!“ tröstete ihn der Fuchs und legte ihm die Pfote auf die Schulter. „Was war mit deiner Bärin?“
“Sie sitzt nun in der Hütte und kommt da nicht mehr raus. Das war nämlich eine Falle…und diese fiesen Menschen, du, ich könnte die zerreissen!....“
„Nee nee, du, das lass man, das ist auch keine Lösung….aber Moment mal: also deine Frau sitzt da in der gastfreundlichen Falle und du?....du bist entkommen?“
„Ja, man so grade. Die Klappe krachte mir aufs Kreuz und ich konnte noch schnell den Kopf einziehen und mich rausdrücken. Die Bauern waren schon hinter mir her und jagten mich, aber ich bin ja noch so grade…..ach, Fuchs! Bitte hilf mir!.....was können wir tun? Wie kommt meine Frau da wieder raus aus dem Kasten?“
„Bär! Hör zu! Das ist überhaupt kein Problem so wahr ich Gustav Fuchs heisse! Lass mich mal machen! Mit diesen netten Bärenhotels im Dorf kenne ich mich ein bischen aus. Warte hier, ich komme wieder!“
“Och, Fuchs! Danke dir!“ (schluchz schluchz) - „Nicht dafür!“ sagte der Fuchs, „und warte mal ab, das wird noch ein schöner Abend heute!“
Der Bär legte sich ne kleine Weile aufs Ohr (er war jetzt ein wenig beruhigter) und der Fuchs düste los. Da kam ein Eichhörnchen: “Hallo Bär, schläfst du?“ - „Ja!“ - „Muffig? Hast deine Frau im Dorf verloren? Habs gerade mitbekommen! So ein Mist auch! Willste ne Nuss?“ - „Hmm…. danke Eichhörnchen. Ja, ich bin so hungrig!...danke!“
„Du, da soll heute ein Fest sein, Bär!“ - „Ja und?.....erzähl mir was anderes!“ - „Ja, ein Weihnachtsfest! ....so heisst das glaube ich…willste nich noch ne Nuss?“ - „—(schluchz)—“ - „Ach Bär, nu friss mal was und heul nich rum! Auf Gustav Fuchs ist nu mal Verlass!“
Es krachte im Gebüsch. Da kam der Fuchs geritten, oben auf der Bärin! Das war ja ein Bild für die Götter!
„Hä hä!Hä hä!“ gackerte der Fuchs. Sie kugelten beide den Abhang hinunter und landeten auf dem traurigen Bären…immerhin nicht im Bach.
“Oh Mann,“ stöhnte die Bärin und das Eichhörnchen kicherte: „Oh, wie romantisch! Jetzt haben sie sich wieder.“
„Fuchs, wie hast du das gemacht?“ fragte der Bär begeistert. Er hatte sich wieder gefasst. - „Päh! Ganz einfach…ich kenn ja diese Bärenfallen…also..da hängt ein Strick, da ziehst du dran, dann bewegt sich ein Holz, da drückst du drauf, dann wackelt da ein Brett, das muss in einer Sperre einrasten und dann musst du nur noch an dem anderen Strick ziehen, um die Feder auszulösen….oder: umgekehrt?... ach, keine Ahnung….also alles typisch Mensch….wie der das immer macht, komplizierter geht’s nich….aber Gustav Fuchs kann das alles, jaha der durchschaut das alles, jawohl!“
„Gut gemacht Fuchs, wir danken Dir, du bist einfach toll!“ sagten Bär und Bärin und drückten ihn mal kurz, dass ihm fast die Luft wegblieb.
„Kinders, nu aber ab zum Fest!“ rief das Eichhörnchen und grabschte noch eine Nuss als Wegzehrung „lass uns nun mal losgehen!“
„Fest?“ freute sich die Bärin „Au ja!....und ich hab Hunger! Äh….wasn fürn Fest?“ - „keine Ahnung!“ meinte das Eichhörnchen, „soll nen Weihnachtsfest sein oder so.“
„Hoffentlich nicht wieder so eine Menschenerfindung!“ meinte der Bär, “da hab ich nämlich genug von erstmal.“
„Ach was,“ sagte der Fuchs, „Weihnachtsfest ist für alle da! Da haben sogar mal die Tiere mit angefangen, hat mir mal ein Esel erzählt, dessen Urururururopa dabei war und….“
„Ja, is ja gut, Fuchs, nun sag aber mal, wo das Fest denn hier läuft überhaupt!“
„Mmm…“ machte der Fuchs, „geradeaus oder so ...keine Ahnung!“
„Immerhín ne Richtung,“ brummte der Bär und sie machten sich also auf den Weg das Weihnachtsfest zu suchen.
Sie gingen und gingen. Der Schnee war hoch, es hatte ja wochenlang geschneit. Es war ganz schön anstrengend. Selbst für das Eichhörnchen, das ja nun jeden Baum auch noch dreimal nach Essbarem untersuchen musste, denn inzwischen aßen sie alle Nüsse. Was anderes gab es ja nicht. Auch der Fuchs aß Nüsse, obwohl er eigentlich an was anderes dachte…..“Ach, diese Menschen da vorhin im Dorf an der Grenze, was die alles so in den Küchen machten…da waren Gänse und Kaninchen und Rehe und Wildschweine….aber natürlich nicht mehr lebendig…äh….“
„Ach, halt die Klappe, Fuchs!“ - Wer war denn das? Hohes Stimmchen, fremder Akzent, leichtes Lispeln…und frech irgendwie….
“....hatten die nicht auch Möhren im Topf kochen, Fuchs?“ fragte das Stimmchen.
„Ach, duuuu bist das, Häschen!....Hä hä....hallo Häschen!...nett irgendwie dich zu sehen! Aber ...oh, ich muss mich aber jetzt ganz schön anstrengen…..he, Eichhörnchen, schmeiss noch ne Nuss runter, ich hab Hunger!“
„Au mann,“ sagte der Bär. „Ach, lass man,“ sagte Frau Bär „Heute ist der Fuchs vernünftig und frisst keine Häschen. Schliesslich ist Weihnachten!“
„Wieso?“ fragte das Eichhörnchen, „sind Weihnachten die Füchse denn auf Diät?“
„Nee….eigentlich nicht….aber es ist doch das Fest der Liebe und des Friedens….hast noch ne Nuss, Eichhorn?“ fragte der Fuchs.
Sie gingen und gingen. Der Schnee knirschte. Die Tannenzweige hingen schwer vom Schnee bedeckt und es gab keinen Weg.
„Es gibt keinen Weg?!“ sagte der Bär. - „Ja und?“ regte sich der Fuchs auf, „wäre ja noch schöner…auf dem Weg sind immer Menschen….nee danke….die ballern uns ab….die ballern alles ab, was denen in den Weg kommt….die sind einfach…!“
„Ja ja, is ja gut Fuchs!“ sagte das Eichhörnchen. „Fuchs ist traumatisiert…zu viele Jagdpächter hier im Bärengebirge“ gab es zu verstehen.
„Ja ja, Bärengebirge…aber die Bären mögen sie nicht….“ brummte der Bär.
„S-till!“ lispelte das Häschen, „nu redet nicht so schlecht über die Menschen. Das sind auch nur arme Schweine, alte Esel, dumme Kühe, Angsthasen und schlaue Füchse, genau wie wir, Leute! Passt lieber auf, dass ihr nicht den Weg verliert, sonst kommen wir ja nie an!“
„Pah…!“ machte der Fuchs „Häschen in der Grube, saß und schlief, hat den Weg verloren, der Schnee war tief.“ - „Sing nicht so doof!“ sagte das Eichhörnchen. „Das ist Rapgesang!“ sagte der Fuchs ganz stolz. „Ich kenne das!“
„Siethst du dath da?“ lispelte das Häschen und guckte triumphierend und aufgeregt in die Runde. Es zeigte auf Spuren im Schnee.
„Pah!“ machte der Fuchs: „Kenn ich!....Spuren im Schnee….hier war schon mal wer….“ - „Oh mann…das sind unsere Spuren!“ fachkundelte der Bär „....Hm….sind wir denn im Kreis gelaufen!“ Alle kicherten und gnäckerten und das Eichhörnchen spendierte noch ne Runde Nüsse.
„Jetzt einen Bärenschnaps!“ sagte der Bär. - „Nee!“ sagte die Bärin, „dann läufst du ja garnich mehr gerade aus!“ - „Ach, nur ein Gläschen!“ flehte der Bär.
„Bär phantasiert schon,“ meinte Fuchs, „wird Zeit, dass wir zum Weihnachtsfest kommen….ähm….immer geradeaus, Leute!“
Das Bärengebirge war hier wild und zerklüftet. Kaum jemand traute sich hier her. Die Rehe hatten immerhin ein paar Wildwechsel angelegt und der Bär schnupperte an den Bäumen, denn seine Verwandten waren ziemlich gut mit dem Anbringen von Duftmarken, an denen man sich wenigstens etwas orientieren konnte.
„Miau! Ich glaub du bist die Bärenfrau!“
Wer war das? Der Stimme nach zu urteilen eine Katze. Sie saß auf einem Ast hoch über ihnen und fragte: “Wo geht ihr hin? Ist hier irgendwo ne Party? Ich hab noch Lust, was zu erleben heute abend! ....miau!!“
„Ja, irgendwo soll hier so ein Fest sein. Sie nennen das Weihnachtsfest…weiss nicht…irgendwo hier!“
„Miaujaujau….Weihnachtsfeste sind schön,“ schnurrte die Katze, „da gibt’s viel zu sehen! Da gibt’s Katzenfutter kiloweise und Milch…hmmm….Miiiilch!.....“ sie schleckte sich das Maul.
„Wieso?“ fragte der Fuchs, „das weiss ICH ja noch nicht mal! Wie willst du das wissen?“
„Miau!....Ich war jahrelang Hauskatze im Dorf an der Grenze, aber die Hunde waren mir da zu nervig und ich wollte sowieso mal ein paar Abenteuer erleben…mich zogs halt wieder in die ruhigen Wälder. Immer wurde ich von Kindern gestreichelt und musste auf zwei Beinen gehen und son Quatsch…nee, das reicht einem dann mal…“
„Ja, und man muss TOT spielen und sich legen wenn es heisst LEG DICH!! Sich setzen, wenn es heisst SITZ!“
„Oh mann, das kann ja nur ein Hund sagen sowas,“ meinte der Bär.
Und tatsächlich. In der Dämmerung sahen sie einen Hund entgegenkommen. „Hallo Hund!“ sagten alle.
„Hallo Tiere, ich heisse Syphax!“ sagte Syphax, der Hund und reichte ihnen allen die Pfote.
„Witziger Name!“ sagte der Fuchs.
„Noch nie gehört! Mussn Ausländer sein“ vermutete das Eichhörnchen.
„Na ja, das haben halt die Menschen erfunden und die wissen ja nicht, wie wir wirklich heissen,“ konterte Syphax.
„Wie heisst du denn nun wirklich?“ - “Ach, tut nicht zur Sache…nennt mich einfach Syphax“ sagte Syphax. Er hatte gerade gemerkt, dass er ja gar keinen anderen Namen hatte. Und so schlecht war der immerhin nicht. Zumindest sehr selten. „Ein sehr seltener Name!“ grübelte der Fuchs. „Lass uns jetzt mal zum Weihnachtsfest weiter!“
Knirsch, knirsch….es frostet also heute Nacht. Sternklar ist es auch. Na, das wird ja noch was. Tiere haben wenigstens kein Problem in der Dunkelheit. „Ein Mensch hätte sich jetzt hier schon dreimal verlaufen!“ sagte der Fuchs. “Die kramen ihre Lampen aus, wenn es dämmrig wird. Dann gehen sie noch hundert Meter, dann ist der Strom in der Batterie weg und sie stehen im Dunkeln und schreien HILFE! Und dann komme ich meistens und erzähl ihnen, wie sie zum Dorf an der Grenze kommen und…“
„Ja ja, nun prahl man nich so rum, Fuchs!“ sagte die Katze. „Dath s-timmt,“ meinte das Häschen frech, „der Fuchsth prahlt ganz s-chön.“
„Vertragt euch!“ grunzte die Bärin. „Guckt lieber wohin ihr geht und sucht das Fest im Walde!“
Nach einem sehr beschwerlichen und rutschigen Aufstieg kamen sie auf einem Felsplateau an.
“Ich hab Hunger!“ brummelte der Bär. „Die Nüsschen sind einfach zu winzig!“- „Immerhin besser als nüscht!“ keckerte das Eichhorn und warf ihm noch ein paar Haselnüsse zu.
„Wo holst du die eigentlich alle her?“ fragte der Fuchs „Ja, ich bin halt schlau!“ machte sich das Eichhorn wichtig. „Ich und meine Verwandten haben hier überall Vorräte angelegt. Jeder nimmt sich, was er braucht und für Freunde ist auch genug da. Wisst ihr, meine Ur-ur-ur-ur-grossmutter war nämlich in Russland, wo sie den Komm-nuss-is-mus….äh….komm-iss-nuss-muss….oder….ach, keine Ahnung!“
(„Typisch Eichhörnchen,“) sinnierte der Fuchs, („immer etwas oberflächlich…“)
Sie verliessen die Felsenregion und kamen in den dichten Tannenwald. Das Bärengebirge hat noch viel Urwald. Aber an vielen Stellen sind die Hänge schon kahlgeschlagen.
„Neulich haben die Menschen aus dem Dorf unseren schönen Wald abgeholzt, wo wir immer Winterschlaf machen!“ sagte die Bärin. „Deshalb müssen wir ja in diesem Winter rumtrotten, weil es keinen Platz mehr für den Winterschlaf gibt!“
„Ja, genau!“ sagte der Bär, „neulich hörte ich von einem Vetter, der kroch im Herbst schön vollgefressen in seine Höhle. Als er dann nach richtig gutem Winterschlaf wach wurde und langsam aus der Höhle trottete…ja, da rieb er sich aber die Augen, Kinder! Da stand doch jemand und sagte: Bär, du hast deinen Arbeitsanzug nicht an, hier ist einer! Los, zieh den an, Bär! Und mein Vetter musste dann einen Blaumann anziehen. Dann gab ihm noch wer ne Pappkarte in die Hand und er sollte zu einer Stechuhr und die Karte da rein tun…“
„Kenn ich“ sagte der Fuchs. „Wath tu nich sagst“ witzelte das Häschen.
„War er wenigstens dann arbeitslosenversichert?“ kicherte das Eichhörnchen.
„...und dann merkte mein Vetter, dass er gar nicht mehr im Wald war. Die Menschen hatten den Wald weggeholzt während er in der Höhle schlief, hatten da ne Fabrik gebaut wo sie massenweise kleine Autos bauten und mein Vetter der Bär musste da am Fliessband stehen und Rückleuchten montieren….was anderes hatte er ja nicht gelernt, wisst ihr? Das hatte er nun davon. Hätte er sich eine andere Höhle für den Winterschlaf gesucht, dann….“
„...wäre er vermutlich in einer Papierfabrik aufgewacht!“ versicherte der Fuchs.
„...wäre er sicherlich in einer Hundefutterfabrik wieder aufgewacht! Wuff!“ meinte Syphax.
„Diese Menschen sollte man alle in den Zoo einsperren!“ sagte der Wolf plötzlich hinter ihnen.
„Uaaaaah! Ein Wolf!“ schrie der Fuchs „nix wie weg hier!“ und er fegte davon.
„Quatsch, bleib hier!“ sagte der Wolf, „ich bin alt und habe keine Zähne mehr. Deshalb bin ich Vegetarier….und überhaupt, heute ist doch das Fest des Friedens! Komm zurück, ängstlicher Fuchs!“
„Jahahahaha“ zitterte der Fuchs „Da-a-as ha-a-ast du a-a-aber schön gesagt, lieber Wolf!“
„Wo wollt ihr denn hin?“ fragte der Wolf, „also, ich gehe zum Fest hier im Wald!“
„Führ uns hin,“ sagte der Fuchs erleichtert, „du kennst dich hier doch am besten aus!“
„Allerdings!“ sagte der Wolf stolz, „das ist ja auch mein Revier hier!“ - „Jawoll, Herr Revierförster!“ lispelte das Häschen. - „Vertragt euch!“ fauchte die Bärin.
Mit lautlosen Flügelschlägen schwebte ein grosser Uhu herbei. „Moin!“ sagte er. „Huhu!“ schrien die anderen und lachten. „Ja, macht euch nur lustig über mich! Ihr schreit auch nicht besseres Deutsch. Bei mir sind halt viele U-Laute dabei, kann ich dafür? Bin eben aus Uhungarn.“
„Armer Uhu! Wir wollten dich doch nicht aufziehen! Wir sprechen alle irgendwie witzig…also, lieber Uhu, was gibt’s neues? Du weisst doch immer so viel!“ flötete der Bär.
„Uhu! Juhu! Das tut gut….tja, es gibt Neues, unheimlich Gutes…uhu! Das Haus im Wald ist bewohnt! Juhuhu! Weist duhu?“
„Weiss ich!“ sprach der Fuchs wichtig „Nu quatsch nich immer dazwischen!“ keckkerte das Eichhorn,“ gibts da denn Nüsse?“
„Duhu, das wundert mich nicht dass duhu das fragen tuhust! Nein, da gibt’s nichts zu fuhuttern,....aber die brauchen uhuns nuhun!“
„Du sprichst in Rätseln, Uhu! Wer braucht uns?“ fragte die Bärin.
„Am besten du zeigst uns dein Haus im Wald, Uhu…flieg einfach voraus! Ist das diese olle vermuffte Holzfällerhütte, die sie mal vor 100 Jahren gebaut haben?“
„Juhu! Duhu hast es gefuhunden! Vor huhundert Jahren haben duhumme Menschen die gebaut, wuhunderbar! Uhunheimlich guhut bist duhu!“
„Wölfe sind nun mal schlaue Füchse!“ prahlte der Wolf und der Fuchs guckte etwas genervt. Schliesslich kannte er die Bruchbude auch und er hatte gestern beobachtet, wie sich da zwei Gestalten hineinschlichen.
„Wer weiss, wer da jetzt wohnt…man weiss ja nie…und so nah an der Grenze….“ rätselte der Fuchs.
„Ich denke, du weisst immer alles?“ konterte der Bär. Der Fuchs schwieg.(nachher wohnen da Räuber drin, dachte Fuchs, doofe Menschen, die alles abballern, was ihnen in den Weg kommt dachte Fuchs, die Fuchsfallen aufstellen und uns zu Tode quälen und….) „Fuchs, hör auf zu denken!“ tröstete das Eichhörnchen, „Vielleicht sind die ja auch nett!“
Da standen sie vor der Hütte! Alte morsche Bretter, Fenster kaputt, Dach schief. Überhaupt: ganze Hütte schief. Dicker Schnee lag drauf. „Wo ist die Tür denn hier?“
„Hier gibt’s keine Tür, tretet ein! Herzlich Willkommen!“ hörten sie eine Stimme aus dem Inneren. Der Bär lugte vorsichtig in eine kleine schwarze Öffnung hinein und sah nichts. Nur der Uhu konnte was sehen „Huhuh!....da ist ein ....uuuh!....Mensch! Wer bist den duhu?“
„Hallo Uhu, ich bin der Josef! Grüss dich, bring deine Freunde einfach rein. Wir haben nicht aufgeräumt, weil….wir haben ja gar nix, haha! Bis auf den Hunger, meine ich…kommt rein!“
„Hallo Josef!“ sagten die Tiere und standen geduckt unter der niedrigen Decke. „Au , mann!“ Der Bär hatte sich gerade den Kopf gestossen und die Hütte wackelte ein wenig.
„Tja, „ sagte Josef „im Gasthof im Dorf wollten sie uns nicht aufnehmen. Meine Frau war zwar schwanger, aber das interessierte die überhaupt nicht. Ausländer wollen wir nicht! Haben die gesagt. Wir hatten halt kein Geld. Und dann haben die uns gefragt, wo wir herkommen. Und wir haben gesagt, dass wir aus der Walachei kommen und friedliche Leute sind. Das haben die uns aber nicht geglaubt. Zigeuner wären wir…na ja, die hatten damit ja auch nicht ganz Unrecht…... Aber was macht das schon. Sind doch auch Menschen. Was kann ein Zigeuner dafür, dass er Zigeuner ist, nicht wahr, Bär?“
„Klar,“ sagte der Bär „...wenn auch mein Urgrossvater noch an einer Kette gehen musste und tanzen…“-“Scht!“ zischte die Bärein,“nu erzähl das man hier nicht gerade jetzt in diesem Moment! Mann!“
„Oh, sorry for that, Bär….kann ich nix für. Also. Wir machen Musik, und das ganz ohne Bärentanzen!...ach ja, da hinten auf den Brettern, da liegt Maria, meine Frau! Und der kleine Matz da, den nennen wir Christos. Ist nen griechischer Name. Ist gerade eben geboren worden. Schläft gerade, seid etwas leise. Aber kommt ruhig mal her und seht euch das an! Toll was?“ Josef zündete ein Teelicht an.
„Aua!....oh mann!“ stöhnte der Bär. Er hatte sich gerade wieder den Kopf gestossen an den niedrigen Balken.
Maria lag da zufrieden und blinzelte unter ihrem dicken Kopftuch hervor. „Des isch scho schee, dasch ihr kommet!“ sagte sie zu den Tieren, die jetzt alle nacheinander sich zu der Ecke vorarbeiteten, dass die Hütte krachte. („Maria muss irgendwo aus dem Süden kommen, hört man deutlich,“ dachte der Fuchs.)
„Oh, wie süth!“ lispelte das Häschen. „Ganz wie der Vater!“ sprach der Bär „Nö, überhaupt nicht, sieht aus wie seine Mutter“ meinte das Eichhörnchen. „Kann man noch gar nicht sehen!“ brummte der Wolf. - „Miau! Schau! Es lacht! Miau! Miau!“ kicherte die Katze und fuchtelte mit ihren Pfoten vor Christos Gesicht herum. „Und jetzt macht es die Augen zuhuhu!“ sprach der Uhu.
„Ist abern büschen kalt hier, oh mann!“ sagte der Bär und rieb sich die Tatzen. „Da muss aber mal was passiern hier, Kinder!“ sagte die Bärin, „Los, Petzi, geh raus inn Wald und fäll mal kurz nen Baum!“ - „Gute Idee!“ sagte der Bär. „Oh mann, wenn ich jetzt ne Tatze voll Honig hätte, würd ich den glatt dem Christos schenken…..“ brummelte er vor sich hin.
Er verliess die Hütte, guckte sich um, lehnte sich an einen morschen Baum und brach ihn um. Knirsch, knursch, ramsch…“Oh Mann! Ein Wildbienennest! Ob die mir Honig geben?“ Die Bienen schliefen alle und er nahm sich eine Tatze, ohne das das weiter bemerkt wurde.
Und mit lauter kleinen Baumstückchen und einem fabelhaften Geschenk für den kleinen Christos kam der König der Tiere zurück in die kleine Hütte. „Oh, des is schee, liebschter Bär! Des mog i!“ lachte Maria und stemmte Christos hoch in die Luft, das er den Honig sehen konnte. „Da gugescht aber, gell! Des kennscht nur net, Kleiner.“
Das Eichhorn sammelte Reisig, das der Fuchs unter dem Schnee fand und der Wolf trabte los und biss ein paar Tannenzweige irgendwo ab „damit das hier schön aussieht!“ knurrte er.
„Komm un iss nuss!“ keckerte das Eichhörnchen zu Christos, aber Maria schmunzelte und sagte: „Nee, des kannscht net zu ihm sage, der mag Milch!“
„Hmmmm…..Milch!...“ schwärmte die Katze. Sie schlich dreimal durch die Hütte, kratzte etwas an den Brettern und legte sich zu Maria und Christos. Wärmte beide mit ihrem kuscheligen weichen Fell. Maria freute sich: “des isch ja echt wie in de Bibel beschriebe: wir heisset Josef und Maria, un des ist hier nen Stall, ihr Tiere seid bei ons und eben habisch g’dacht, wir nennen den Kleinen hier ganz einfach Christos,....wie sonscht? Gut, was? Des pascht,....oh, bin i ko und mir ischt so hungrig.“
„Kein Problem!“ sagte der Fuchs. - „Das kenn ich!“ echote der Wolf. - „Du sagst es!“ sprach der Fuchs. - „Von Worten werden wir nicht satt!“ meinte der Bär - „Du thagst es!“ traute sich das Häschen zu sagen, „ich hab nochn Möhrchen in meiner Jackentasche gefunden, das können wir in die Suppe tun!“
„Häschen, du phantasierst schon! Du hast gar keine Jacke an!“ - „Achtho?“ lispelte das Häschen, “s-chade!“
„Suppe?“ sagten alle wie aus einem Munde „Oh Mann! Suppe!“ stöhnte der Bär und wär vor Freude fast wieder mit dem Kopf an die Balkendecke geknallt..
„AUA!“ schrie der Wolf und stiess sich die Pfote an was hartem, was unter dem Schnee vergraben lag. „Uhu! Guhut“ uhute der Uhu. Der Wolf kam rein mit einem grossen Kochtopf „Diese Menschen schmeissen auch alles in den Wald!“ murrte er. - „Genau! Genau! Wauwau!“ meinte Syphax und leckte den Topf sauber. - „Ein Glück, dass sie das tun,“ meinte die Katze, sonst können wir ja keine Suppe kochen!“ - „Genau! Wie schlau!“ sagte der Fuchs.
Die Bärin holte ein paar Felsbrocken und baute einen kleinen Ofen. Josef reparierte mit dem Bär zusammen das Fenster, denn es zog wie Hechtsuppe durch die kleine Bude.
Syphax zog den Topf nun draussen durch den Schnee – der Fuchs meinte, das gäbe dann Wasser für die Suppe. Ein Glück, dass wenigstens Streichhölzer da waren. „Was lernen wir hier?“ fragte der Fuchs „Ohne Streichhölzer geht garnichts! Jawohl!“ - „Hätten wir glatt auch so gewusst, Gustav!“ meinte der Bär und schichtete ein paar Holzscheite auf. Das Reisig und dazu noch ein paar Tannenzapfen - das reichte für ein schönes gemütliches Feuerchen, das die Herzen aller wärmte.
Wir hatten jetzt das schönste Fest laufen. „Wieso wir?“ frage ich, das ist doch eine Geschichte. „Nee, sagte der Fuchs, „denk mal nach: du bist doch schon lange dabei! Hast du das noch nicht gemerkt?... Und alle, die zuhören, sind doch schon lange bei uns, nicht wahr?“ - „Oh mann, sagte der Bär, Menschen können ja ganz schön schwer von Begriff sein!“ - „Das kenn ich! Aber wie!“ sagte der Fuchs.
Ich nickte. Das ist ja keine ausgedachte Geschichte, das erleben wir doch gerade alle, oder?
Wie schön, wir alle sind tatsächlich jetzt hier im Wald und das Feuerchen knistert. „Wie war das mit der Suppe?“ fragte Syphax, „schliesslich war ich mal lange bei den Menschen und habe genau geguckt, wie die kochen! Wuff!“
„Jo, gleich kocht das!“ sag ich. „Und hier! Trara! Die Zutaten!“ Herein kamen Katze, Uhu, Eichhörnchen. Mäuler, Pfoten, Schnäbel voll mit Pilzchen, Wurzelstückchen, Tannenspitzen, Baumrinde, Kräutern, die sie unter dem Schnee gefunden hatten.
„Hmmm….sogar Bärlauch!“ sagte der Bär, „mein Lieblingsgemüse!“
„Miau! Und Katzenminze!“ - „Und Fuchskraut!“
„Oh, wir haben Besuch! Soooo viele Menschen sind gekommen! Wie schön! Und die Suppe wird guhut“ freute sich der Uhu und flog schnell noch mal raus, um weitere Zutaten zu holen.
In der Tat: ausser etwa zwanzig verschiedenen Tieren waren noch einige Menschen gekommen: zwei Bauersleute, ein Förster und zwei Jäger. Hirten waren auch da und auch welche, die hatten orientalische Geschenke dabei. Es duftete nach Weihrauch. Plötzlich gab es Wein und schönes Gebäck stapelte sich auf dem Tischchen. Alle hatten vom Fest in der kleinen Hütte gehört und wollten Marias Kindchen sehen. Pardon – Josef und Marias Kindchen natürlich!
Die Katze rührte fleissig die Suppe und Syphax würzte mit Salz, das die Jäger draussen ausgelegt hatten, um die Rehe anzulocken. „Klar, damit man sie besser erschiessen kann,“ sagte Fuchs. - „Wuff! Und das hab ich denen jetzt geklaut!“ Ein Jäger grinste.
Die Hütte wackelte plötzlich und es donnerte „Happy birthday to you, hier kommt Tante Kuh! Meinen Glückwunsch kleiner Christos, wie schön lächelst du!“ Mama Muh, die Kuh, mochte immer schon gern reimen. Sie polterte lustig herein in die Hütte und drückte alle anderen beiseite. „Na, dass du aber auch gekommen bist!“ sagte der Fuchs „Na ja, war nen büschen anstrengend, musste erst mal den Weidezaun aufdröseln, aber jetzt bin ich da! Essen schon fertig?“ fragte Mama Muh. „Bär und Tiger kommen später, sagen sie, die müssen noch mit dem schnellen Hasen über Weihnachtspost reden! - Übrigens: ich hab jede Menge Milch dabei, Leute! Josef, melk mich mal bitte!“
Das war gar nicht so einfach ohne Eimer, aber jemand fand noch einen weiteren alten Topf, bei dem man das Loch mit Moos verstopfen konnte. Das reichte für die Milch. Die war sowieso ganz schnell weggetrunken!
„I aa…..I aaah….I ahhh“ kratzte es draussen rostig und der Esel steckte seinen Kopf durch die Türöffnung. Im Maul hatte er eine Christrose! Na sowas! Wo finden Esel sowas denn?
„Esel sind schlau!“ meinte Gustav und der Esel trabte zum kleinen Christos hin und legte ihm die Christrose auf die Wolldecke. Maria grinste: „Jo, des isch a Überraschung! Dank dir Eselchen!“
„Jetzt muss ich aber mein Lied singen, dass ich auswendig gelernt hab. Also, das geht so:
(äähm….räusper) ....Ich bin ein Esel alt und schwach, ich habe in der heiligen Nacht im Stall zu Bethlehem gewacht und manchmal leis I – A gemacht. I-A, I – A , I – A…..Das Christkind war so sonderbar, es zupfte mich an Bart und Haar…I-A, I – A….“
Der Esel war wirklich sehr gut im Auswendiglernen und sein Lied hatte acht Strophen! Den Refrain konnte er besonders gut, weil der in original Eselssprache war.
„Bravo, Bravo!“ riefen wir alle im Chor. Die Katze guckte indigniert und meinte: „Naja, also – Esel singen ja wirklich nicht schlecht, aber wenn ihr erstmal mich hört!“
Sie setzte sich in Positur, wischte kurz mit der Pfote über die Schnurrhaare, kratzte sich etwas nervös hinter dem Ohr und begann zu singen (räusper räusper): „ miau hörst du mich schreien? Miau! Miau! Ich will dich freien! Miau, heissgeliebte Katze! Miau! Gib mir deine Tatze!....“
OH! ein Liebeslied war das! „Klar ohne Liebe keine Geburt“ lachte der Bär und knallte Josef freundlich seine Pranke auf die Schulter, so dass der fast umgefallen wäre. „Jau, Alter, da hast du aber recht!“ meinte Josef und grinste zu Maria. „Und was da in der Bibel steht mit Jungfrau und so, das stimmt einfach nicht. Das war einfach nur ne junge Frau, so wie Maria da! Josef und Maria hatten schon ihren Spass damals, da gibt’s nix!“ der Bär grinste und drückte seine Bärin.
„Sodele, jetzt muscht oi ma was trinke!“ meinte Maria und legte Christos an. Und bald schmatzte es zufrieden unter den Wolltüchern.
„Musik, Musik!“ krächzte eine Eule und der Uhu guckte verwundert: „duhu hier?“ Josef nahm seine Quetsche aus dem Beutel. „Mensch, was ist das?“ fragte ich „Wie? Kennste nich? Das ist das zweireihige Roma aus Castelfidardo, mit a-mano-Stimmzungen. In D/G-Stimmung. Das war echt teuer, aber lohnt sich wirklich. Die Castagnaris sind echt spitzenmässig!“ - „Stimmt, ich hab das Mory in G/C, nur nicht jetzt mit natürlich.“
Josef legte los und die Hütte bebte. Die meisten tanzten schon draussen. Der Schnee rieselte vom Dach und die Suppe dampfte und duftete. Syphax der Meisterkoch schmeckte ab und würzte. Die Katze – sie hiess Semiramis, was sie zur Feier des Tages preis gab – rührte und schleckte. Alle Mägen fingen an zu knurren und einigen wurde beim Tanzen schwindelig vor Augen. Noch eine Polka, noch einen Schottisch. Dann klappte Josef erstmal erschöpft auf der Pritsche zusammen – er hatte sich so angestrengt beim Spielen, dass ihn alle Kräfte verliessen.
„Essen!“ rief der Bär. Inzwischen hatte das Eichhörnchen Wallnüsse aufgegabelt und so geknackt, dass sie alle eine Art Löffel hatten. „Einen Nobelpreis für den, der den Löffelstiel erfunden hat!“ sagte ich, als ich mir die Finger in der Suppe verbrannt hatte. Doch je kühler sie wurde, desto besser klappte das mit der Nussschale. Der Topf ging reihum und jeder schlürfte einen Schluck daraus.
„Katzen haben ihren Löffel immer dabei!“ sagte Semiramis stolz.
Christos schlürfte wieder Milch….
Wo war der Fuchs?
„Oh mann“ sagte der Bär „wo ist mein Freund Gustav?“
„Hier!“ vernahm es sich undeutlich und der Fuchs torkelte leicht beschwipst herein. „Hej Gustav, was issn mit dir los?“ - „Gar kein Problem! .... hicks! ..... kenn ich! ..... hicks! ...... wisst ihr was? ....Da issson Hochstand, aber der doofe Jäger war nich zu Hause und ich dann da rauf und sofort gesehen dassda was liegt….ne Fffflasche Schnapps…hadder glatt vergessen da….hicks…un der isso gut…hicks!...ich musste den ja probieren…..hätte ja auch Fuchs-Gift drin sein können, nicht wahr?“ - „Ja, Gustav! Gut gemacht! Klasse!“
Da stand ein Mann auf und sagte: „der doofe Jäger ist aber doch zuhause! Du, das ist meine Flasche, haha!“ - (der rote Fuchs wurde leichenblass!) - „Ich hab noch nie in meinem Leben einen angeduselten Fuchs gesehen! Gut gemacht Alter! Lass uns auf ewige Freundschaft anstossen, Gustav! Und ich schwör hier beim kleinen Christos, dass ich keinen Fuchs mehr schiessen werde!“
Und die Wallnussschalen klapperten gegeneinander und alle riefen „Prost!“ Der Fuchs schwankte und freute sich und fiel dem Jäger um den Hals. Der Jäger schwankte und freute sich und fiel dem Fuchs um den Hals!
Ja, das sind Geschichten, was Kinder? Kaum zu glauben, aber doch wahr! Keine Lüge!
Die Suppe war alle. Die Nusschalen wurden gefüllt und man trank auf den kleinen Christos! „Hoch soll er leben, hoch soll er leben, dreimal hoch….“ Alle schnatterten, muhten, krächzten, miauten, bellten, brummten, lispelten und menschensprachelten durcheinander.
Ich klopfte an den Suppentopf und rief „Bitte Ruhe! Ich will was singen für den Kleinen!“ Josef gab mir die Harmonika und ich sang natürlich mein Lieblingslied:
Es saß ein klein Wildvögelein – auf einem grünen Ästchen. Es sang die ganze Winternacht, sein Stimm tat hell erklingen. „Oh, sing mir doch, oh sing mir doch, du kleines wildes Vöglein! Ich will dir Gold und Seide in deine Federn spinnen!“ - „Behalt dein Gold! Behalt dein Seid! Ich will dir nimmer singen! Ich bin ein klein wild Vögelein…und niemand kann mich zwingen.“ - „Geh du heraus aus diesem Tal, der Reif wird dich erdrücken!“ - „Drückt mich der Reif, der Reif so kalt, Frau Sonn wird mich erquicken!“
Christos grinste. Er verstand den Text genau, das weiss ich. Schliesslich kennt er sich aus mit all den Kirchenliedern, nicht wahr?
„Ja,“ brummte der Bär, „ich würde auch nur tanzen, wenn keiner sagt, dass ich das tun muss. Und Gold und Seide….haha, wer braucht son Zeugs schon?“ und er drückte mal eben so nebenbei die kleine Hütte mit seinen grossen starken Tatzen wieder gerade.
Plötzlich wurde es ganz hell draussen. Alle gingen raus: der Himmel war erleuchtet! „Das muss Nordlicht sein!“ sagte jemand „Kenne ich!“ sagte Gustav. Er war plötzlich ganz klar im Kopf. Alle schwiegen. Es war einfach schön.
Nein, es war kein Nordlicht: es war warmes Licht. Es durchströmte uns alle. Es wärmte und beruhigte. Es tröstete und machte schöne Stimmung. Es beseitigte die letzten Reste von Zweifel, von Hass, von Unfrieden, von Zerstörung….in der Hütte lachte Christos auf.
Maria seufzte zufrieden und sang: „O klare Sonn, du schöner Stern, dich wollen wir anschauen gern. Oh Sonn geh auf, ohn deinen Schein in Finsternis wir alle sein….“
Und alle sangen sie das schöne alte Lied mit und ihre Augen glänzten. Der kleine Christos lachte und freute sich, dass sich alle so schön freuten!
Vom Dorf an der Grenze her läuteten die Weihnachtsglocken. „Die feiern jetzt auch da und essen ihre Gänse auf!“ bemerkte der Fuchs trocken.
„Oh mann,“ brummte der Bär zufrieden „Ist mir schön warm! So ein schönes Fest! Und jetzt tanzen wir wieder, nicht wahr?“ Josef holte die Harmonika aus dem Rucksack und los gings.
Es gab ein rauschendes Fest. Das Feuer brannte heiss und die Tannenzweige dufteten in der Wärme. Bald gab es keine Teelichter mehr. Der Bär musste noch öfter die Hütte wieder gerade drücken….und….naja, und mehr kann ich euch nicht erzählen, ihr schlaft ja gleich schon fast ein. Es war einfach schön alles. Aber ihr wisst es ja selbst. Ihr wart schliesslich dabei. Was soll ich also noch mehr erzählen.
Am nächsten Morgen wird es langsam hell. Weihnachtsmorgen! Der Schnee vom Dach war getaut. Überall liegen Tiere und Menschen herum und schnarchen wohlig und zufrieden vor sich hin. Sie liegen alle durcheinander, aneinandergekuschelt, einige mit Fellen und Jacken zugedeckt. Der Fuchs schlummert friedlich in einer Kaninchenhöhle. Ich stehe auf, es war schön mild. Der Frost hat sich verzogen. Da! Die Sonne geht auf! Wie schön! „O klare Sonn…“ ging mir durch den Kopf.
Na, Maria, Josef und Christos schliefen bestimmt noch zufrieden auf ihren Brettern. Mit der Katze auf dem Bauch, mit den Bären an der Seite.
Ich ging zwischen den Bäumen umher. Der Schnee knirschte. Man sollte vielleicht schon mal Holz suchen für den Morgenkaffee aus Eicheln…..oh, was war das da?
Was war denn DAS da?
Da war was in den Schnee geschrieben! Da hatte wer reingeschrieben:
„Danke euch allen für das schöne Geburtstagsfest! Wir müssen weiter, Arbeit suchen! Es gibt viel zu tun! Schöne Weihnachten!
Erzählt allen, was ihr erlebt habt gestern abend. Wir vergessen Euch nie! Und wir werden uns alle wiedersehen! Und vergesst nie nie die Musik!
Maria und Josef mit Christos“