Donnerstag, 20. Dezember 2007
Chromatisches Knopfakkordeon System C-Griff
Umfassende Didaktische Überlegungen zum Diskantspielfeld Teil 2
[ACHTUNG! Dieser Aufsatz ist lang und besteht aus zwei Teilen. Sie befinden sich hier bereits im zweiten Teil, der Spieltechniken auf dem CKA detailiert beschreibt. Möchten Sie mehr über das Umfeld des Chromatischen Knopf Akkordeons (CKA) in C-Griff wissen, so kann ich Ihnen erstmal die Lektüre von Teil 1 empfehlen. Den finden Sie auf der TÖNCHEN! -“Home”-Seite unter der Unterüberschrift: “Umfassende Didaktische Überlegungen zum Diskantspielfeld Teil 1”!]
Im Folgenden möchte ich nun die beiden wesentlichen Diskant-Spieltechniken a.d. fünfreihigen CKA- C-Griff erläutern. Dazu gehört zunächst ein Blick auf die Logistik des Spielfeldes, ohne den wir die verschiedenen möglichen Spieltechniken nicht verstehen können. Diesen Ansatz vertritt auch ELSBETH MOSER. Am besten besorgen wir uns eine Darstellung des Knopffeldes in C-Griff, z.B. von der hervorragenden schwedischen Webseite von HANS PALM, der C-Griff-CKA spielt: http://www.accordionpage.com/diskant.html
Zum Verständnis des Knopffeldes lege man nun den Dispositionsplan (etwa den von Hans Palm oder den, den es in der Musikwerkstatt für meinen Unterricht gibt) so vor sich hin, dass die tiefen Töne dem Betrachter zugewandt sind. Würde man also bei umgehängtem Akkordeon und mit vornübergeneigtem Kopf das Diskantknopffeld betrachten, hätte man die gleiche Perspektive. Der Plan des Diskantknopffeldes ist gross genug, um mit den Fingern darauf spazieren gehen zu können. Die schwarzen Knöpfe wurden eingeschwärzt, um die weissen Knöpfe mit ihren Bezeichnungen mehr hervortreten zu lassen. Denn nur die weissen Knöpfe – die den weissen Tasten auf einer Pianotastatur entsprechen - brauchen wir zunächst, um hier beschriebene Spieltechniken namentlich diatonisch geprägter Musik nachvollziehen und zunächst „trocken“ auf der „Knopf-Landkarte“ üben zu können.
Das Diskantknopffeld lässt sich als System von Reihen verschiedener Richtung definieren, deren Kenntnis für das Verstehen der Knopffeldsystematik wichtig ist. Denn über diese Reihen sind die insgesamt zur Verfügung stehenden Töne (das sind zwölf Töne pro Oktave, auch „ Materialtöne“ genannt) dann mit entsprechender Handhaltung und den passenden Fingerfolgen schnell für die erforderlichen Melodietöne (die den sog.“Gebrauchstonleitern“ wie z.B. unseren diatonischen Skalen entstammen) abrufbar.
Typisch für das Diskantknopffeld ist, dass jeder Knopf (bzw. Ton) zu den benachbarten Knöpfen (Tönen) im gleichen Verwandschaftsverhältnis steht! Das heisst auch: Richtung der Knöpfe und Abstand der Knöpfe zueinander ist bei allen Tonintervallen gleich! Das ist zum Verständnis bzw. zum Finden der für uns optimalen Spieltechnik von erheblicher Bedeutung. Beispielsweise können wir das Spielen auf den weissen Knöpfen des CKA in ein oder zwei leicht erkennbaren Tonarten (etwa C-Dur und A-Moll) erlernen. Ein Transponieren all dieser Anfangs- Übungsstücke in andere Tonarten ist dann sehr einfach und nur mittels Versetzen der Hand möglich. Ein Umorganisieren der Fingersätze für das Transponieren - wie das beim PA erforderlich ist - fällt beim CKA erfreulicherweise flach.
Schauen wir uns zum Vergleich ein anderes Instrument an, das aber grifflogistisch mit dem CKA verwandt ist: die Gitarre. In gewisser Weise haben die Diskant-Tonreihen auf dem CKA Ähnlichkeit mit diesem Saiteninstrument: auf einer Gitarre befinden sich sechs Saiten, die im ersten Bund unterschiedliche Töne produzieren. Nach jedem Bund aufwärts klingt jede Saite einen halben Ton höher. Jede Saite hat ihre eigene Tonsystematik und spielt man alle Bünde einer Seite nacheinander, so ertönen Halbtonreihen.
Innerhalb jedes Bundes auf der Gitarre herrschen senkrecht (also von der tiefsten Saite zur höchsten) stets die gleichen Tonverwandschaften. Wegen unterschiedlicher Grundstimmung der einzelnen Gitarrensaiten sind die „waagerechten“ Halbtonreihen gegeneinander verschoben und ermöglichen deshalb der Greifhand das Spielen von Akkorden und Gebrauchstonleitern aus einer bequemen und anatomisch günstigen Handhaltung heraus.
Wir finden deshalb auch gleich hohe Töne über das ganze Griffbrett verteilt und haben damit eine gewisse Wahlmöglichkeit – je nach den Erfordernissen unserer Musik. Daraus lässt sich logisch schliessen, dass die optimale Grundstimmung der einzelnen Gitarrensaiten sich aus dem meistens auf der Gitarre gespielten musikalischen Material und aus der Anatomie der Greifhand ergibt: häufig gespielte Tonfolgen (Gebrauchstonleitern) müssen leicht spielbar sein, sonst taugt die Stimmung des Instruments nichts. Typisch für die Gitarre ist die Anwendbarkeit ein- und desselben Griff-Patterns an unterschiedlichen Stellen des Griffbrettes, denn jeder gegriffene Ton steht in demselbem komplexen Verwandtschaftverhältnis zu seinen Nachbartönen.
Zurück zum Chromatischen Knopfakkordeon: hier steht also auch jeder Ton (bzw. Spielknopf) zu seinen Nachbartönen im selben räumlichen Verwandtschaftsverhältnis und alle erkennbaren Knopf-/Tonreihen folgen einer durchlaufenden Intervall-Logik (man nennt dies auch „isomorphic layout“). Typisch für das CKA ist also ebenso wie bei der Gitarre die Anwendbarkeit ein- und desselben Griff-Patterns an unterschiedlichen Stellen des Knopffeldes.
Facit: wir spielen unsere Melodien also immer mit oder in denselben Fingerfolgen, egal auf welcher Stelle des Knopffeldes wir beginnen. Wir können unser Stück also in jede beliebige Tonart transponieren, Hautsache: die Fingerprogression läuft gleich ab. Das ist eine wichtige Erkenntnis, für die wir das Knopffeld nicht einmal genau kennen müssen. Sie trifft natürlich auch auf das B-Griff-System zu.
Beim Forschen nach kontinuierlichen Tonreihen fallen uns zunächst vielleicht die sog. Kleinterzreihen auf. Sie werden traditionell wie folgt numeriert: I („aussen“), II, III, IV und V („Innen“). Sie verlaufen „senkrecht“, wenn wir das Akkordeon umgehängt tragen und auf das Diskant-Knopffeld schauen. Die Töne innerhalb dieser senkrechten Materialtonreihen liegen im Kleinterzabstand und die Tonhöhe nimmt – aus der Sicht des Spielers bei umgehängtem Instrument - „räumlich nach unten“ zu. Jede Materialtonreihe enthält nur vier Töne, die allerdings für jede Oktave vorhanden sind. Mit dreimal vier Tönen haben wir alle 12 Materialtöne unseres westlichen Tonsystems, aus denen wir die jeweils benötigten Gebrauchstonleitern oder Gebrauchsskalen (sprich: die diatonischen Tonfolgen unserer Melodien) zusammensetzen können.
Die Reihen IV und V sind (wie wir sahen seit dem Jahre 1898 und seit der Geburt der Symphonetta) mit den Reihen I und II mechanisch gekoppelt, wenn auch leicht vertikal versetzt. Die zusätzlichen Reihen IV und V erhöhen also nicht – wie man das manchmal hört – den Tonvorrat der alten Dreireiher, sondern erleichtern die Fingersätze und erhöhen die Transponierfähigkeit. Ausserdem ermöglichen sie fabelhaft einfaches Spielen von fetten Akkorden mit allen fünf Fingern!
Die fünf Kleinterzreihen sind nebeneinander so angeordnet, dass „waagerechte“ Reihen mit Tönen die sog. Ganztonreihen bilden. Die Tonhöhe nimmt innerhalb der (waagerechten) Ganztonreihen von innen nach aussen zu. Der traditionell eingebürgerte Begriff „waagerecht“ ist leider unzutreffend, bilden sie doch aus spieltechnischen Gründen einen Winkel von ca. 45° zu den Kleinterzreihen. Trotzdem hat sich „waagerecht“ z.B. im Begriff „waagerechte Spieltechnik“ (analog zur Gitarrenterminologie) bis heute gehalten und wir benutzen ihn deshalb auch im Unterricht. In der Akkordeonnomenklatur gibt es überhaupt einige unpräzise Begriffe, an die man sich gewöhnen sollte: sagt man z.B. „120 Bässe“, so weiss man natürlich, dass es sich nicht nur um Bässe, sondern um eine Mischung aus Bass- und Akkordknöpfen handelt.
Ausserdem ergeben sich aus der Knopfsystematik noch „seitlich schräg nach unten“ über alle senkrechten Reihen verlaufende Knopffolgen mit chromatischer Tonfolge (Beispiel c – cis – d – dis – e) und in der Tonhöhe aufsteigend von aussen (Reihe I) nach innen (V). Das Spielen dieser Reihen erfordert eine „von unten“kommende Spielhand und erscheint mir persönlich etwas umständlich. Doch wer auf dem CKA -C-Griff chromatische Musik spielen möchte, wird sich mit dieser Handhaltung abfinden müssen. Alles ist am Ende Gewöhnung. Und diese chromatischen Reihen lassen sich auch sehr gut mit den Fingern 2,3 und 4 über die Reihen I,II und III spielen.
Die schräge Anordnung der waagerechten Ganztonreihen hat ergonomische Gründe: sie ermöglicht eine bequeme Haltung der Spielhand, die bei leicht angewinkeltem Unterarm „schräg von oben“ kommt. Im Idealfall bilden Mittelfinger, Handgelenk und Unterarm des Spielenden eine Linie.
Die Erkenntnis, dass Vielspieler den Daumen nicht unbedingt brauchen sowie die grössere Bequemlichkeit beim Transponieren sorgte damals Ende des 19. Jahrhunderts für die innovative Konzeption eines fünfreihigen CKA . Die für flüssiges Spielen perfekt geformten Finger 2,3 und 4 können nun quasi wie auf Schienen über die Kleinterzreihen rutschen: jeder Finger hat so „seine“ Reihe (die vom Anfänger aus Orientierungsgründen möglichst nicht verlassen werden darf!) Jede Reihe hat vier Töne, die es sich zu merken gilt. Da die meisten Menschen mit der C-Dur-Tonleiter (bzw. der parallelen A-Moll-Tonart) vertraut sind, merkt man sich in Mitteleuropa die weissen Knöpfe zuerst. Daumen und Kleiner Finger agieren gelegentlich als Hilfsfinger.
Aus den schräg angeordneten und allgemein als „waagerecht“ bezeichneten Ganztonreihen lassen sich nun sehr einfach die benötigten Gebrauchstonleitern herausfiltern bzw. als weissknöpfige Tonfolgen herauslesen. Teile diatonischer Tonfolgen sind klar erkennbar: es fallen z.B. die Tonfolgen a-h, c-d-e und f-g-a deutlich auf. Es gilt also, nun einen Fingersatz zu entwickeln, mit dessen Hilfe wir diese „Skalenbruchstücke“ zu flüssig gespielten diatonischen Reihen zusammenfügen können.
Um es gleich zu sagen: bei der Konzeption der Logistik des Knopffeldes hat man Ende des 19. Jahrhunderts die Dur-/Moll-Tonalität (Diatonie) ganz eindeutig und offensichtlich bevorzugt. Allerdings lassen sich auch Kirchentonarten auf dem CKA relativ leicht spielen. Osteuropäische Skalen und Blues erfordern einige Vorplanung, sind aber letztlich auch dann leicht spielbar.
Jede Skala erfordert also eine spezifische Fingerprogression, bei der meistens der Grundton oder das tonale Zentrum mit einem bestimmten Finger verbunden ist. Bei Dur- und Mollskalen ist es bei mir der Zeigefinger. Bei Kirchentonarten auch der Mittelfinger. Auf welchem Grundton die Skala aber letztlich basiert, ist spieltechnisch unwichtig, denn durch Versetzen der Hand können wir jede skalenspezifische Melodie in jede gewünschte Tonart transponieren. Der besseren Übersichtlichkeit halber beschränken wir uns im Folgenden auf Tonarten mit ausschliesslich weissen Knöpfen und hier erstmal mit der Tonleiter für A-Moll.
Am Beispiel einer A-Moll-Gebrauchstonleiter könnten wir also die Zusammensetzung einer diatonischen Tonleiter genauer zeigen: beim Blick auf das Knopffeld fallen wie gesagt die Tonfolgen a-h, c-d-e und f-g-a deutlich auf, die sich auf drei Ganztonreihen und über vier Kleinterzreihen verteilen. Wir benötigen nun einen Fingersatz, der diese Fragmente verbindet und schnelles Spiel über alle Knöpfe dieser Gebrauchstonauswahl ermöglicht. Die leicht versetzt angeordneten Teile der diatonischen Reihe fördert dabei die Bequemlichkeit der Hand.
Interessant auch, dass immer drei Töne der Gebrauchstonleiter nebeneinander liegen. Aus der Anordnung der diatonischen Teilbereiche können wir auf ein schrittweises Vortasten der Finger schliessen. In der Tat bevorzugt die Logistik des Knopffeldes den Einsatz der drei längsten und auch beweglichsten Finger der Spielhand: Zeige-, Mittel- und Ringfinger. Erforderlich für flüssiges Spielen ist daher eine optimale Fingertechnik, die der Ergonomie der Hand sowie den Erfordernissen unserer Musik (schneller Wechsel der Töne/ rhythmisch glatte Überbrückung grösserer Intervalle/Legato- und Stakkatospiel) optimal genügt.
Die sog. waagerechte Technik genügt diesen Ansprüchen auf jeden Fall. Sie ermöglicht ergonomisch richtiges Spielen von Skalen und Melodien und ihr sollte man für das Melodiespiel - entgegen anderslautender Meinungen - eindeutig den Vorzug geben. Denn typisch für die waagerechte Melodiespieltechnik ist wie schon kurz erwähnt, dass jeder Finger seine eigene (senkrecht verlaufende) Knopfreihe zur Verfügung hat und die Hand so auf allen fünf Fingern quasi wie auf Schienen über das Knopffeld gleitet. Die Finger sind dabei leicht geschlossen und lästige Spreizungen werden vermieden (was besonders Spielern mit durch Erkrankungen verursachte Bewegungseinschränkungen der Hand und kurzfingrigen Spielern entgegenkommt).
Die Finger werden also bei waagerechter Spieltechnik dort bewegt, wo sie auch bei sonst allen anderen menschlichen Tätigkeiten bewegt werden: in den Fingergelenken. Wir stellen uns vor, dass wir mit unseren drei mittleren Fingern (2,3 und 4) vorwärts und rückwärts gehen. Wir können uns bei diesen Gehbewegungen wirklich auf nur drei senkrechte Reihen beschränken, auch wenn wir Knöpfe unserer gewünschten Tonleiter in allen fünf Reihen sehen. Die Kopplung der Reihe I mit IV bzw. II mit V macht eine sinnvolle und fingergerechte Auswahl der passenden und bequemen Knöpfe möglich.
Die übliche Fingerfolge (auch „Fingerprogression“ genannt) für z.B. das Spielen der aufsteigenden A-Moll-Skala über eine Oktave sieht dabei so aus: Start mit Zeigefinger auf a. Dann Mittelfinger auf h. Danach spielt Zeigefinger c, dann Mittelfinger d, der Ringfinger darauf e. Der Mittelfinger sucht nun f, der Ringfinger zieht nach zum g und der Kleine Finger spielt letztlich a. Der Daumen muss nicht arbeitslos sein. Man kann ihn zusätzlich für das g in der Reihe V einsetzen (vorausgesetzt, wir spielen nicht weiter in die tiefere Oktave hinein) oder er sucht sich passende tiefere Oktavtöne, wofür er wegen seiner hohen Abspreizfähigkeit gut geeignet ist.
Doch sowohl Daumen als auch Kleiner Finger sind für das flüssige und schnelle Spiel unserer Molltonreihe nicht wirklich und wesentlich von Bedeutung. Und das erleichert doch offensichtlich schon mal unsere Handarbeit. Bereits bei diesem Testlauf merken wir: die Technik des „waagerechten Melodiespiels“ kommt klar den Bedürfnissen unserer Hand nach möglichst einfachen Finger- und Handbewegungen entgegen. Das Spiel fühlt sich „organisch“ an, die Hand agiert relaxt und es gibt keine fingersatzbedingte Ermüdung, da den Fingern keine Spreizung abverlangt wird und der Daumen nicht per Untersetzen die Position der Hand vermitteln muss.
Bequem fühlt sich sicherlich auch die Position der Spielhand an: sie wird – wie anfangs bei unserem kleinen Versuch ausprobiert - ergonomisch optimal „schräg von oben“ gehalten und sollte mit dem Unterarm eine Linie bilden bzw. nicht seitlich abgewinkelt sein. Die Kröpfung des Handgelenkes sollte nicht zu stark sein. Ist dies nicht der Fall (ist also das Handgelenk zu sehr abgewinkelt), so muss das Instrument tiefer oder schräger hängen, da sonst wegen Reibung der Sehnen im abgeknickten Handgelenk bei längerem Spiel eine Sehnenscheidenentzündung droht.
Manche Menschen müssen allerdings auch erst die Beweglichkeit ihrer Hand etwas trainieren, bevor sich die „schräg von oben“-Haltung bequem anzufühlen beginnt. Wichtig ist immer, dass die Hand locker und entspannt und wie von selbst „schräg von oben“ hängt. Beim Spiel über mehrere Oktaven wird das Handgelenk kräftig bewegt und der Winkel Hand zu Unterarm wird mal grösser und mal kleiner. Für Abwechselung der Handhaltung ist also gesorgt: eine wichtige Voraussetzung für entspanntes Spielen.
Effektiv ist diese „waagerechte Technik“ - die für das Spielen von Melodien bevorzugt wird - allerdings und wie gesagt nur auf dem fünfreihigen CKA. Aber man sollte das öfters wiederholen. Diese Erkenntnis gilt besonders – und das ist ja auch offensichtlich – beim Benutzen aller fünf Finger, wie wir das gerade ausprobiert hatten. Wer nun aber ein dreireihiges CKA hat, kann diese Zeilen trotzdem weiterlesen und übt die Fingerprogressionen eben auf D-Moll bzw. F-Dur. Die für das dreireihige CKA typische C-Dur-Progression mit Daumengebrauch ist sogar weiter unten noch beschrieben, weil sehr viele Spieler des Fünfreihers sie mögen.
Mit der Dreifingertechnik haben wir also die optimale Spieltechnik für das fünfreihige CKA gefunden. Sie ergibt sich logisch aus der Anordnung und Systematik der Knöpfe. Technisch möglich sind damit: schneller Tonartenwechsel (allein durch Versetzen der ganzen Hand), schnelles Spielen über mehrere Oktaven und hohe Gleichmässigkeit im Spiel etwa bei Achtel- oder Sechzehntelgruppen. Mit „Dreifingertechnik“ meine ich, dass nur drei Finger (2,3 und 4) bei den meisten Knopfwechseln eingesetzt werden. Natürlich agieren weiterhin gelegentlich Daumen und Kleiner Finger, wenn dies opportun erscheint und die Flüssigkeit des Spiels nicht bremst.
Mit hauptsächlich drei Fingern können wir also sehr schnell spielen, ohne dass es hastig oder unscharf klingen muss. Bei Geläufigkeitsübungen können wir feststellen: je schneller wir spielen, desto mehr verwischt die Grenze zwischen Staccato und Legato. Das Springen von einer waagerechten Reihe zur nächsten erfordert von Natur aus schon mal ein leichtes Staccatospiel. Das ist sehr gut für rhythmisches Spielen, wo Staccato durchweg für Klarheit und Transparenz des Klangeindrucks sorgt.
Doch auch für Liebhaber des Legato gibt es Tipps und Tricks, wie sie das mit drei Fingern hinbekommen können. Die Formung und der Abstand der Knöpfe ist da massgeblich und Erfahrung mit der Mischung aller hier beschriebenen Spieltechniken. Bei Legatospiel wird sicherlich auch der Daumen als wichtigsterer Hilfsfinger an Bedeutung zunehmen: er muss an jeder Stelle der Skala im wahrsten Sinne des Wortes schnell einspringen können und in Dauerbereitschaft sein. Absolute Daumenkontrolle ist also der wichtigste Tipp für hochgradiges Legatospiel. Andere erlernt man dann in meinem Unterricht.
Wir wollen nun wissen, ob das wirklich stimmt: „mit hauptsächlich drei Fingern können wir schnell spielen“. Denn es klingt ein wenig unglaubwürdig, nur mit drei Fingern komplexe Tonfolgen (einschliesslich gelegentlich eingestreuter Zweiklänge) spielen zu wollen, für die man auf dem PA möglichst 8 Finger haben sollte….
Erweitern wir also versuchsweise einmal den Tonraum, den wir eben auf eine Oktave beschränkt haben. Als Fingersatz- Beispiel nehmen wir wieder die A-Moll-Tonleiter, diesmal über drei Oktaven. Beachte: der Zeigefinger spielt ausschliesslich Knöpfe auf der Reihe IV, der Mittelfinger rutscht auf der Reihe III und der Ringfinger spielt ausschliesslich auf der Reihe II. Die Hand darf nicht seitlich verrutschen! Wenn wir diese Regel grundsätzlich beachten, wird nichts schief gehen. Sobald die Finger aber ihre Reihen verlieren, droht Orientierungsverlust.
Wir hängen das Instrument um und starten mit Finger 2 auf a, dann weiter mit 3 auf h. Jetzt wechseln wir zur nächst höheren waagerechten Reihe mit 2 auf c’. Dann 3 auf d’, dann 4 auf e’. Und weiter zur nächsten Reihe mit 3 auf f’, dann 4 auf g’.
Achtung: jetzt kommt eine Art Sprung, mit der die Reihe der schwarzen Knöpfe (fis’, gis’ und b’) übersprungen wird. Das kostet anfangs etwas Übung (oder Überwindung, je nach dem). Wir springen also mit 2 nach a’ und ziehen dann 3 nach zum Knopf h’. Der Zeigefinger wechselt nun zur nächsthöheren Reihe zu c’‘, dann spielt der Mittelfinger d’‘, dann Finger 4 e’‘. Weiter mit 3 auf f’‘, dann mit 4 auf g’‘.
Wieder haben wir den „schwarzen Graben“, über den wir mit dem Zeigefinger zu a’‘ springen. Zwei Oktaven in A-Moll sind nun bewältigt. Jetzt geht es ohne Anleitung in die dritte Oktave! Viel Spass! Es wird klappen, solange wir unsere Bewegungen langsam und bewusst ausführen und jeder Ton klar und deutlich unter Einsatz von Balgimpulsen zu hören ist. Geschwindigkeitsrausch darf gern ein paar Wochen später erprobt werden….
Dies nennen wir die Moll-Fingerprogression. Man sollte sie einige hundert Male aufwärts üben, bevor man sich an die Abwärtsreihe macht. Das Spielen der einzelnen Töne sollte stets langsam und bewusst erfolgen. Die Knopffeldlandkarte sollte dabei vor einem liegen und jede Fingerbewegung wird darauf mit den Augen nachvollzogen. Das Schauen auf die Hände und Knöpfe beim Spielen sollte man in Grenzen halten. Letztlich zählt die Verinnerlichung dieser Fingerprogression. Wir sollten uns also das schwarzweisse Knopffeld innerlich vorstellen.
Natürlich kann auch wieder der Daumen - wenn Platz ist - beim Spiel über mehrere Oktaven als Hilfsfinger fungieren, der die Aufgabe des „Entfernungsschätzens“, des „Vorfühlens“ oder zusammengefasst der Orientierung hat . Das kommt z.B. immer in Frage, wenn innerhalb einer Melodie sehr grosse „Sprünge“ oder starke Tonhöhenunterschiede grifftechnisch zu meistern sind. Ebenso lässt sich der Kleine Finger überall dort einsetzen, wo es bequem ist: z.B. auch innerhalb der Ringfingerreihe! Erlaubt ist immer, was für die Hand bequem ist und der Musik nützt!
Man muss hier nicht erläutern, dass für die Dur-Progression die Knopffolge (sprich: die Fingerprogression) dieselbe ist. Gestartet wird halt nur bei c’ mit dem Zeigefinger und nach zwei Oktaven enden wir ebenfalls mit dem Zeigefinger auf c’‘. Die „schwarzen Gräben“ liegen bei der C-Dur-Progression an anderer Stelle – das ist alles. Unsere Progression fühlt sich bei Durreihen anders an. Man kann in Anlehnung an Musik auch sagen: die Phrasierung der Bewegungsfolgen ist eine andere. Ideale Übungsstücke für Anfänger auf dem CKA sind deshalb kleine kurze Melodien, die diesen Bewegungsphrasen zunächst einmal rhythmisch folgen.
Weitere Skalen oder die Kirchentonarten erfordern andere Fingerprogressionen, die den Rahmen dieses Aufsatzes sprengen würden. Natürlich werden in meinem Unterricht unterschiedlichste Skalen angeboten. Anbei ein Hinweis an meine Akkordeonlehrer-Kollegen: guter Unterricht bedeutet nicht, dass die Schüler möglichst bald komplexe Stücke fehlerfrei spielen können. Vielmehr besteht er im erfolgreichen Erklären und Unterrichten der hier beschriebenen Fingerprogressionen. Erste Übungsstücke für CKA sollten sehr einfach sein. So können sich die Schüler nach der elementaren Grundschulung selbst Stücke erarbeiten. Zunächst sollte es jedoch um den Werkzeugkasten und das optimale Hantieren mit den Werkzeugen (sprich: Fingern) gehen.
Bei der Dreifingertechnik agieren also hauptsächlich Zeigefinger, Mittelfinger und Ringfinger, die ähnlich lang und relativ symmetrisch an der Hand angeordnet sind. Schon deshalb garantieren sie eine gewisse feinmotorische Gleichmässigkeit der Bewegungsabläufe.
Andersherum gesagt: ungleichmässige Fingerkraft, ungleiche Fingerlänge aller fünf Finger oder die spieltechnisch störende Asymmetrie der Hand muss nicht wie beim Pianoakkordeon durch kraftzehrende Handbewegungen ausgeglichen werden. Das vereinfacht den Spielvorgang enorm. Hat man den Bogen raus und fühlt, wie die Hand ganz leicht und mit ziemlicher Geschwindigkeit über den Raum von zwei bis drei Oktaven wandert, weiss man, wovon ich hier rede.
Jetzt zur zweiten und deutlich unterschiedlichen Spieltechnik auf dem CKA! Akkorde oder akkordlastige Melodien (nach Arpeggio-Manier oder „Melodien aus gebrochenen Akkorden“) spielen wir auf dem CKA mit der verblüffend einfachen und ergonomisch äusserst bequemen „senkrechten Technik“. Ebenso Melodien, die von Kleinterzintervallen geprägt sind und aus gebrochenen verminderten Akkorden bestehen. Auf zwei bis drei nebeneinanderliegenden Reihen (etwa I, II und III) werden mit Handhaltung „von der Seite“ (wie beim Pianoakkordeon) Skalen entlang der senkrechten Reihen gespielt.
Beim Spielenlernen von Akkorden mittels senkrechter Technik auf dem fünfreihigen CKA ist es vorteilhaft, sich auf die grundständigen Akkorde zu beschränken (tiefster Ton Grundton/mittlerer Ton Terz/ höchster Ton Quint), die überdies auf dem Akkordeon am stärksten klingen und sich hervorragend für Akkordbegleittechniken mittels Diskant eignen.Wir unterscheiden hier meistens grundständige Durakkorde und Mollakkorde. Beide Akkordtypen zeichnen sich durch unterschiedliche Fingerstellung aus. Der Wechsel der Akkorde erfolgt immer mit der ganzen Hand unter Beibehaltung der Fingerpositionen („eingefrorene Stellung“). Dabei dient der Daumen als Orientierung.
Gehen wir sofort in die Praxis und beginnen wir mit Dur-Akkorden. Bei C-Dur liegt der Daumen auf c’, Zeigefinger auf e’, Mittelfinger auf g’, Kleiner Finger auf c’‘. Der Ringfinger kann die Septime b’ bei Bedarf spielen. Jeder Durakkord hat exakt diese Fingerpositionierung und es lassen sich so schnell wechselnde Durakkorde auf jedem beliebigen Grundton spielen. Man schaut beim Wechsel der Hand auf den Daumen. Bald zeigt sich auch beim Akkordespielen, wie vorteilhaft ein fünfreihiges Spielfeld ist! Wir wären nämlich extrem in der Auswahl der Akkorde eingeengt, hätten wir nur drei Reihen.
Und leider muss ich hier feststellen: diese Technik ist nichts für Besitzer von dreireihigen CKAs in C-Griff. Zwar lassen sich darauf auch einige wenige Akkorde spielen, doch stehen wir bei komplexen Akkordfolgen dumm da. Ihr übt also weiter das Melodiespiel oder geht ein Fünfreihiges kaufen!
Wie sieht es bei Moll-Akkorden aus? Wie äusserst sich der kleine Unterschied (kleine Terz) grifftechnisch? Beim Beispiel A-Moll liegt der Daumen auf a, Zeigefinger auf c’, Mittelfinger auf e’, Kleiner Finger auf a’. Der Ringfinger kann die Septime g’ bei Bedarf spielen. Es ändert sich also allein die Position des Zeigefingers. Das Akkordspiel auf dem CKA ist also durchaus überschaubar. Auch der Wechsel von Mollakkorden zu Durakkorden und umgekehrt dürfte bei guter Zeigefingerkontrolle kein Problem sein.
Für diatonische Tonleitern und sonstige Skalen lässt sich diese senkrechte Technik leider nicht so gut verwenden, obwohl es auch Spieler gibt, die sich an den ziemlich umständlichen Fingersätzen nicht stören. Lange und schlanke Finger ermöglichen schliesslich auch das scheinbar Unmögliche. Es gibt auch genügend Musik, in der Akkordtöne innerhalb von geschlossenen Melodiephrasen eine tragende Rolle spielen und sich in diesem Fall die senkrechte Technik unkompliziert anwenden lässt. Ich denke hier an Zydeco- und Cajun-Musik mit ihren minimalmusikalischen Tonfolgen.
Weil man sie erstaunlich oft bei CKA-C-Griff-Spielern antrifft, sei hier ein kurzer Exkurs in die Technik des Melodiespiels unter hauptsächlicher Benutzung der senkrechten Fingertechnik eingefügt. (Achtung!Besitzer dreireihiger CKAs können hier wieder weiterlesen!)
Spiel über mehrere Oktaven ist hier meist nur unter Zuhilfenahme des Daumens ( „Stummer Fingerwechsel“) möglich. Klassisches Beispiel (auch für immer noch gelehrte Umständlichkeit auf dem CKA) ist die C-Dur-Skala über die Reihen I , II und III.
Die Aufwärts-Folge sieht folgendermassen aus: Daumen startet auf c’, Zeigefinger spielt dann d’ , Mittelfinger e’, Zeigefinger f’, Mittelfinger g’, Ringfinger a’, Zeigefinger h’ und Daumen wieder c’‘ (im Falle einer Fortsetzung der C-Dur-Skala in die höhere Oktave, sonst Ringfinger auf c’‘). Die Position des Tones h’ ist gewöhnungsbedürftig und erscheint unlogisch. Das merkt man besonders beim Spielen der Aufwärtsreihe von A-Moll, wo h’ als zweiter Ton der Skala die Fingerprogression irgendwie zu stören scheint.
Das Melodiespiel in senkrechter Technik ist für die Spielhand keinesfalls ergonomisch günstig: durch Positionierung des Daumens in Reihe I wird die Hand in einen Winkel gedrückt, bei dem sich die Finger 2 bis 3 gegenseitig behindern. Je stärker die Finger ausgebildet sind, desto grösser wirkt sich dieses Problem aus. Verfechter dieser Spieltechnik sollten sich da besser ein Pianoakkordeon zulegen, dass dem Bedürfnis, die Hand nur „von der Seite“ einzusetzen weitaus glücklicher entgegenkommt. Oder eben ein CKA-B-Griff-Instrument.
Bei Melodien aus „gebrochenen Akkorden“ oder bei Arpeggios auf dem CKA -C-Griff ist die senkrechte Technik allerdings wieder wie gesagt vorteilhaft. Ebenso bei Melodien, in denen der Kleinterzabstand harmoniebildend ist. Ansonsten braucht man – will man alle Tonarten auf dem dreireihigen CKA spielen – drei verschiedene Fingersätze für Dur-Skalen sowie drei verschiedene Fingersätze für Moll-Skalen. Bevorzugte Tonarten auf dem dreireihigen CKA sind daher C-Dur, D-Moll und A-Moll.
Da die optimale Fingertechnik auf dem CKA immer auch vom musikalischen Material bestimmt wird, kennt der versierte Spieler natürlich Mischtechniken. Vielleicht hat er einmal auf Grossvaters altem Dreireihigen angefangen und spielt Melodien in C-Dur grundsätzlich mit dem Daumen auf C in der ersten Reihe. Bei anderen Tonarten wendet er vielleicht ausschliesslich die waagerechte Technik an. Andere Musikanten wiedrum spielen Melodien, die viele Akkorde enthalten, hauptsächlich in der senkrechten Technik und wenden innerhalb dieser auch Akkordgriffe an, wobei es sich oft um Akkordumkehrungen (also nicht grundständige Akkorde) handelt.
Ebenso kann man sich vorstellen, dass innerhalb langer waagerecht gespielter Melodiephrasen einzelne Akkordeinschlüsse oder Tonfolgen im Kleinterzabstand beispielsweise durch plötzliches Drehen der Hand „senkrecht“ gespielt werden. Die geplante Drehung der Spielhand im richtigen Augenblick ist dabei für flüssiges Spiel entscheidend. Sehr oft sieht man äusserst sicher ausgeführte Positionswechsel der Hand (sog. „Würfe“, siehe dazu auch MOSER), die sich nicht in „senkrecht“ oder „waagerecht“ einordnen lassen, weil die Fingerkuppen der Spielhand einen Kreis oder ein Dreieck beschreiben. Das erinnert dann manchmal an Sternzeichen und beweist, wie vielfältig doch die Griffweisen beim CKA sein können.
Die Auswahl der passenden Technik sowie die Zuhilfenahme der Hilfsfinger (Daumen und Kleiner Finger) bei der waagrechten Technik bleibt also sehr subjektiv und wird nach längerem Techniktraining mehr oder weniger intuitiv eingesetzt. Und immer entscheidend: die gute Rhythmik der Musik darf nicht unter umständlichen Handbewegungen leiden. Auch Fingersätze sollten deshalb stets bewegungsrhythmisch verlaufen. Fingersätze sind umso effektiver und damit besser, je weniger sich die Hand oder die Finger bewegen müssen! Langsames oder schnelles Spiel bedingt ebenfalls Unterschiede in der Spielmethodik: je schneller das Spiel, desto weniger Zeit ist für Drehungen der Hand übrig. Etwaige Mängel im Legatospiel bei waagerechter Technik spielen bei höherer Geschwindigkeit allerdings keine Rolle.
Facit: je schneller das Spiel, desto mehr sollte man sich allein auf die waagerechte Technik konzentrieren. Stakkatospiel sollte bei stark rhythmischer Musik immer überwiegen. Das heisst in diesem Falle: die einfache waagerechte Fingerprogression ist dann auch die beste, weil sie Staccatospiel begünstigt.
Kurz noch zum Unterschied C-Griff zu B-Griff. Bei der besonders in Russland und in Ländern der ehemaligen UdSSR gebräuchlichen B-Griff -Systematik bilden die hier als „waagerecht“ bezeichneten Knopfreihen Chromatische Tonfolgen mit ansteigender Tonhöhe von der inneren Reihe (V) zur äussersten (I). Diese Systematik ist daher für das Spiel chromatische Skalen bzw. zwölftöniger Harmonien prädestiniert.
Diatonische Reihen in waagerechter Spieltechnik sind jedoch nach entsprechender Übung ebenso spielbar, auch wenn sie vom System her nicht so (wie beim C-Griff) begünstigt werden.
Akkordspiel in senkrechter Technik ist beim B-Griff ebensowenig ein Problem wie beim C-Griff. Die B-Griff-Systematik scheint m.E. das Greifen von Mollakkorden zu begünstigen, weswegen es kein Wunder ist, dass B-Griff besonders in Russland geliebt wird. Beim C-Griff-Akkordeon sind es dagegen die Dur-Akkorde, die einfach und bequem zu spielen sind.
Doch alle diese Unterschiede lassen sich durch entsprechendes Üben sicherlich ausgleichen, so dass zwischen beiden Griffarten letztlich kein sehr grosser und wesentlicher Unterschied besteht, der musikalisch von Bedeutung wäre. Auch das einfache Transponieren einer Melodie durch Versetzen der Hand ist auf dem fünfreihigen B-Griff-System ebenso unproblematisch.
Es ist jedoch sinnvoll, sich für nur ein System zu entscheiden. Man sollte sich genügend Zeit nehmen, um beide Systeme ausführlich auszuprobieren. Dann sollte man sich spontan für dasjenige entscheiden, auf dem man kleine bekannte Melodien am komfortabelsten spielen kann. Es gibt in beiden Systemen durchaus grundsätzlich unterschiedliche Stellungen der Spielhand: bei C-Griff läuft das Melodiespiel „schräg von oben“, bei B-Griff im wesentlichen „von der Seite“ und manchmal auch von unten her.
Man sollte bei Unentschlossenheit auch hier nach Bequemlichkeit der Handstellung entscheiden. Eine höchst subjektiv gefällte Entscheidung ist meistens die beste! Bei mir war für die Entscheidung zum C-Griff einmal die Vorliebe für französische, schwedische und Zydeco-Musik ausschlaggebend, zum anderen entsprach das C-Griff-System sicherlich den Eigenschaften meiner Hand. Meine auf festen diatonischen Skalen basierende Improvisationen und Kompositionen spielen sich auf dem C-Griff wie von selbst. Ich halte auch die Fingerprogression beim Spielen von Moll- und Dur-Skalen auf dem C-Griff für logischer. Auf dem B-Griff dagegen machen mir chromatische Improvisationen im Stil von „Free Jazz“ grossen Spass. Doch es war nur das und deshalb entschied ich mich zum C-Griff, auf dem ich auch inzwischen chromatisch strukturierten Jazz spielen kann.
Dreireihig oder fünfreihig? Eigentlich sollte diese Frage im Laufe dieser Ausführungen überflüssig geworden sein. Wollen wir alle Vorteile eines CKA ausnutzen, brauchen wir ein fünfreihiges. Doch höre ich immer wieder von meist älteren Praktikern, dass spieltechnisch kein Unterschied zwischen einem dreireihigen und einem fünfreihigen CKA bestünde. Da das nach meiner Sicht der Knopflogistik überhaupt nicht der Fall ist, interessiert hier abschliessend vielleicht noch die Frage, wie denn solche in meinen Augen realitätsfremde Statements zu erklären sind.
Ich wage hier eine Theorie! Beim Blick auf die Produktionsgeschichte etwa der marktführenden Hohner-CKAs fällt auf, dass die dreireihigen CKA-Modelle meistens auch kleine Akkordeons waren und sind. Auf kleinen Akkordeons fängt man meistens das Akkordeonspielen an. Eine plausible Erklärung wäre also: wer sich schon als Kind oder im jugendlichen Alter an die unbequemen Fingersätze eines dreireihigen Akkordeons gewöhnt hat (verschiedene Fingersätze müssen für unterschiedliche Tonarten beim C-Griff-System erlernt werden), wird auch später nichts vermissen und die Reihen IV und V auf „dem Grossen“ garnicht erst benutzen, denn die „waagerechte Fingerprogression“ hauptsächlich unter Einsatz der Finger 2,3 und 4 müsste komplett neu gelernt werden.
Also liegt die Vermutung nahe, dass all jene, die auf einem dreireihigen CKA angefangen haben, auch weiterhin auf den Reihen I, II und III spielen, selbst wenn sie sich ein Fünfreihiges angeschafft haben – und folglich und logisch wirklich keinen Unterschied zwischen Drei- und Fünfreiher sehen und fühlen.
Bei älteren Spielern, die auf dem Dreireihigen gelernt haben, stelle ich manchmal fest, dass sie sich die senkrechte Akkordspieltechnik nach dem Kauf des neuen Fünfreihers noch angeeignet haben, weil diese wirklich einfach zu lernen ist.
Ein weiterer möglicher Grund für das Favorisieren des dreireihigen CKAs (sowohl bei Herstellern als auch bei Spielern)könnte das Imitieren der Fingersätze des B-Griff-Systems sein. Zwar ist das C-Griff-System eine Spiegelung des B-Griff-Systems, doch sollen angeblich B-Griff-Spieler mit nur drei Reihen weniger Probleme haben und sich kaum eingeschränkt fühlen. Das mag an der mehr chromatischen Struktur der gespielten Musik liegen. Melodien können chromatisch, diatonisch oder als aneinander gereihte Arpeggios verlaufen. Jede Melodiestruktur erfordert spezifische Fingersatztechniken. Deshalb sind solche Statements immer sehr vom Tonmaterial der gespielten Musik abhängig.
Auch deshalb sollte der Entscheidung für B-Griff oder C-Griff unbedingt eine Analyse der am liebsten gespielten Musik vorausgehen. In jedem Fall fordert aber das dreireihige CKA schwierigste Fingersatztechniken. Wegen des eingeschränkten Spielfeldes braucht wie schon öfters gesagt nahezu jede Tonart einen eigenen Fingersatz, wobei wir es durchaus nicht mit flüssig verlaufenen homogenen Griffstrukturen zu tun haben.
Der Einsatz des Daumens liegt auf dem dreireihigen CKA bewegungsstatistisch gesehen bei 40% und ist der zweithäufigst benutzte Finger bei mittelschweren Standardstücken. Beim intelligent gespielten fünfreihigen CKA liegt der Einsatz des Daumens beim selben musikalischen Material dagegen bei nur 10% (Zeigefinger 30%, Mittelfinger 40%, Ringfinger 20%) Daraus folgt: das dreireihige CKA ist eine Fehlkonstruktion und bedientechnisch sogar dem Pianoakkordeon weit unterlegen!
Die fünf Reihen sind also ein Muss! Ich persönlich würde selbst beim B-Griff-System zu fünf Reihen raten. Und zwar hauptsächlich aus Gründen der Ergonomie: der Einsatz ähnlich langer und annähernd gleich bewegungsstarker Finger (2,3 und 4 unter Unterstützung der Hilfsfinger 1 und 5) wäre für mich immer das Hauptargument für den Fünfreiher. Da spielt dann die Art der dargebotenen Musik m. E. gar keine Rolle mehr.
Man hört manchmal das Argument, ein dreireihiges CKA sei leichter, weil es „weniger Töne“ habe. Das stimmt überhaupt nicht! Die Anzahl der Töne und damit die Anzahl der Stimmplatten ist dieselbe, ob es nun ein dreireihiges oder fünfreihiges Instrument gleicher Normgrösse ist. Denn die zusätzlichen zwei Reihen IV und V sind Wiederholungen der Reihen I und II. Das leicht höhere Gewicht des Fünfreihers ist durch etwas mehr mechanische Teile und etwas mehr Holz im Diskantgriff zu erklären. Der Unterschied beträgt jedoch nicht mehr als 300 bis 500 Gramm und macht sich beim Tragekomfort nicht bemerkbar. Um die grossen Vorteile eines Chromatischen Knopfakkordeons voll ausschöpfen zu können, empfehle ich daher ausnahmslos das fünfreihige Instrument. Am Gewicht sparen kann man z.B., indem man ein zweichöriges Instrument bevorzugt.
Ich selbst bin mit einem 96-bässigen CKA zufrieden. Leider gibt es bei dieser anscheinend für italienische Akkordeonbauer ungewöhnlichen Norm ein paar Blindknöpfe im Diskantknopffeld, die mir zuwieder sind, weil ich immer wieder beim Spiel auf sie reinfalle. Sie sind nur aus optischen Gründen da. Nur das Instrument von Harmona hat keine Blindknöpfe. 96 Bässe sind m.E. Ausreichend, um die hervorragenden Transponiermöglichkeiten des CKA voll nutzen zu können. Ein 120-bässiges hätte mein Tragvermögen gesprengt und allein aus Gewichtsgründen mir keinen Spass gemacht.
Hier eine Zusammenfassung dessen, was ich über Spieltechniken geschrieben habe: Wir unterscheiden im wesentlichen zwei Arten, das Knopffeld zu sehen. Daraus resultieren zwei unterschiedliche Spieltechniken, die man als „senkrecht“ und „waagerecht“ unterscheidet. Reihen I bis V, bei denen die Töne unter- bzw. übereinander Kleinterzfolgen ergeben (z.B. a – c- dis – fis der Reihe I in aufsteigender Tonhöhe). „Waagerecht“ nennen wir jene seitlich und leicht schräg verlaufenden Reihen, bei denen Teile diatonischer Tonfolgen klar erkennbar sind, etwa (von links nach rechts bzw. in aufsteigender Tonhöhe bezeichnet) die Knöpfe g-a-h, c-d-e und f-g-a.
Ausserdem ergeben sich aus der Knopfsystematik noch „seitlich schräg nach unten“ über alle senkrechten Knopfreihen verlaufende Knopfreihen mit chromatischer Tonfolge (Beispiel c – cis – d – dis – e) und in der Tonhöhe aufsteigend von aussen (Reihe I) nach innen (V).
Für effektives Musizieren auf dem CKA bei gleichzeitiger Schonung unserer Hände brauchen wir ohne Frage das fünfreihige Instrument. Wendet man die intelligente waagerechte Fingerprogression für diatonische und andere Skalen an, so werden alle fünf Finger unserer Spielhand entsprechend ihrer anatomischen Möglichkeiten optimal benutzt. Zeige-, Mittel- und Ringfinger – die ähnlich lang und ähnlich stark gebaut sind, laufen bequem und in Richtung der Finger auf festen Knopfreihen. Man orientiert sich über die Ellbogenbewegung und am Winkel des Handgelenks ähnlich wie beim Spiel des Standardbasses und braucht somit nicht den Daumen zur Überbrückung grösserer Distanzen oder zum Untersetzen.. Daumen und Kleiner Finger müssen kaum oder selten als Hilfsfinger eingesetzt werden. Eine Spreizung der Hand – wie sie beim dreireihigen CKA und besonders beim Pianoakkordeon notwenig ist – ist beim Spiel auf dem fünfreihigen CKA nicht erforderlich. Sowohl Melodie- als auch Akkordspieltechnik laufen bequem aus der leicht geschlossenen Hand heraus („Glockenhaltung“).
Mischformen zwischen waagerechter und senkrechter Fingertechnik sind möglich und können durch das musikalische Material erforderlich werden. Legato und Staccato bzw. Zwischenformen erfordern manchmal eine genaue Planung des Fingersatzes. Die Folge: Fingersätze auf dem CKA unterliegen sehr stark subjektiven Vorstellungen, Spielgewohnheiten und hängen immer auch mit der Länge der Finger und Beweglichkeit der Hand zusammen.
Spielt man Übungen zu den hier beschriebenen Fingertechniken – wie dies in meinem Unterricht natürlich der Fall ist – so ist langsames und bewusstes Spielen das A und O. Um sich die systemspezifischen Fingerprogressionen einzuprägen, sollte man anfangs immer die „Diskantlandkarte“ auf dem Notenständer liegen haben. Denn Ziel ist, nach ein paar Monaten des Suchens jeden Ton auf dem Knopfgriffbrett mit geschlossenen Augen finden zu können.
Nur so ist es unserem fabelhaft arbeitenden Zentralnervensystem möglich, alle Bewegungen der Spielhand abzuspeichern und bei Bedarf wieder abrufbar zu machen, so dass wir die erlernten Stücke flüssig und fehlerfrei spielen können. Der grösste Fehler der meisten mir bekannten CKA-Anfänger ist, dass sie in rasender Eile mit dem System „fertig werden“ wollen. Sie vergessen vollkommen, dass bei dieser hektischen Einstellung das System „die Spieler fertigmacht“...
Ich hoffe, dass meine Leser und Leserinnen mir bis zum Schluss folgen konnten. Ich hielt es für durchaus notwendig, gewisse Tatsachen öfters zu wiederholen, jedoch stets unter anderen Blickwinkeln. Ich hoffe, mir ist es gelungen, Sie bzw. Euch ein wenig für das Chromatische Knopfakkordeon mit C-Griff zu begeistern. Und vielleicht haben einige von Ihnen, von Euch, die schon länger C-Griff-Akkordeon spielen, nun ein etwas intensiveres Verhältnis zum Instrument.
In meinem Unterricht sind alle willkommen, die das CKA-C-Griff lernen möchten. Wir peilen dabei ein niedriges bis mittleres technisches Niveau an. Verspürt man irgendwann Lust, in die leistungsorientierte Wettbewerbsmusik einzusteigen, ist man bei uns auch dafür bestens geschult worden. Unsere Musikerziehung möchten wir als elementar bezeichnen und unsere SchülerInnen gehen meist sehr schnell sehr eigene Wege: mal in die Hausmusik, mal in den Profibereich der Bühnenmusik. In unserem Unterricht geht es zunächst nur darum, das CKA begreifen zu lernen und spielerisch und mit viel Spass schöne Musik zu machen!
Wie gesagt freue ich mich sehr über Ergänzungen, Kritik oder die Schilderung eigener Erfahrungen mit dem CKA-C-Griff. Schreibt hier unten in das Editorfeld munter drauf los!
Vielen Dank!
[alle von Fotos M.Rzeszut]
Chromatisches Knopfakkordeon System C-Griff