das toenchen-voegelchen

Das Tönchen!

Das Online-Magazin
der Musikwerkstatt-Rzeszut

 

:

:

Tönchen-Home | Home | Über uns | Kontakt | Impressum

Donnerstag, 16. November 2006

Aus dem Alltag des Arno Linksquetsch - DAS LEBEN IST WUNDERBAR!

...diesmal wieder aus Würzburg!...spiele eingeschlichene Fehler aus dem einen Stück raus.

Manch einer fragt sich vielleicht, wie so ein Tag eines Straßenmusikers abläuft. Gibt es einen Alltag? Oder ist jeder Tag verschieden?

Grundsätzlich passiert fast jeden Tag den man in der Fußgängerzone Musik macht etwas neues. Abgesehen davon, dass es öfters passiert, dass sich ein Ladenbesitzer aus seinem anliegenden Geschäft gestört fühlt, und mir das (meist freundlich) zu verstehen gibt (ein Akkordeon kann auch wirklich ganz schön laut sein), sind die kleinen Ereignisse und Begegnungen während der Straßenmusik fast immer von freundlicher Natur.

Doch finden sich in meinem Tagesablauf auch viele gewohnte Strukturen die mich jeden Tag begleiten.

EIN TAG IN WÜRZBURG!

Mit meinem Tourbus stehe ich gerade auf dem Parkplatz des AKW (Autonomes Kulturzentrum Würzburg) vor einem alten relativ schönen Fabrikgebäude.
Auf zwei der acht alten Tore steht “Gartenamt Würzburg”. So rumpelt es auch jeden Morgen, wenn einige emsige Arbeiter die Tore öffnen und ihre Arbeit beginnen, wärend ich noch eingekuschelt im Bett liege.
An der Ecke des Gebäudes an dem ich parke ist ein edelstählerner Briefkasten montiert, mit der werbenden Aufschrift:
“landart-bildhauerei-kunstomizing: Carina E. Kutzberger”.
Scheint für so eine Art Atelier zu sein, dessen Eingang sich an der Hinterseite des Hauses befindet.

Die Weckfunktion meines emailfähigen Mobiltelefons sorgt dafür, dass ich um 8Uhr vorübergehend wach bin. Vorübergehend deswegen, weil die erste Handbewegung des Tages auf die am weckenden Handy befindliche Taste für Schlummerfunktion abzielt.
So bleibe ich noch eine Weile liegen, schaue durch die Hippiegardine aus dem Fenster (och Mensch, immer noch Schmuddelnieselregenwetter!), es zieht sich bis um neun hin mit dem Aufstehen.

Also - raus aus dem warmen Bett, rein in die heute nicht ganz so kalten Klamotten, Gashahn aufdrehen, Wasser für Kaffee aufsetzen, Apfel für’s Müsli schnippeln, Cowboykaffee aufgießen, Milch aufsetzen, Müsli mit Apfel zusammen in eine Schüssel, warme Milch in’s Müsli und in den Kaffee, und fertig ist mein alltägliches Frühstück.

Da das Wetter heute zum Spielen auf der Straße nicht geeignet ist, lasse ich mir gaaanz viel Zeit.

Nach dem Frühstück Zähne putzen, ein Gang in’s Gebüsch, abwaschen, das Bett machen, und mich mit dem Mobiltelefon auf meine Schlafstätte packen und Emails abfragen und schreiben.

So vergeht der Morgen ganz entspannt, und schwupps, ist schon wieder Mittagzeit.

Heute gibt die Küche mal wieder Nudeln mit roter Soße her. Dazu ein Stück Gurke um die Verdauung anzuregen und Apfelsaft aus der Tüte.
Wieder abwaschen (in so einer kleinen Wohnung ist das wirklich Nötig, sonst gibt es Chaos), und anschließen mit einer kleinen Lektüre die Bequemlichkeit der Schlafstätte auskosten.

Zack, weggedöst, und pünktlich zur Teetime wieder wach.

14.30Uhr ist es jetzt. Tee machen, Kekse aus meinem Rumpelschrank holen, und das Leben könnte nicht schöner sein. Oder?

Mein Blick richtet sich aus dem Fenster zum Himmel (bei Seiferts macht man das so), um festzustellen, dass es nicht mehr nieselt und trocken wird.
Toll, dann kann ich mal wieder etwas Geld verdienen! Also - Apfel, Wasserpulle und mein Windlicht zum Instrument in den Akkordeonrucksack stecken, und auf geht es zum halbstündigen Fußmarsch in die Innenstadt. Vorher noch am Bahnhof vorbei (einen Treffpunkt wegen Mitfahrgelegenheit nach Tübingen angucken), und rein in die Einkaufswelt einen guten Platz zum Spielen suchen.

Aber oh je! was ist das!? Heute machen die Leute wirklich besonders lange Gesichter, wärend ich auf der Suche nach dem Spielort bin. Is irgend was? Das Wetter ist doch nur trüb? Deswegen muss man doch nicht so ein Gesicht machen! Oder leidet ihr alle an der Konsumwelt die hier allgegenwärtig ist?

Ich beschließe mein fröhliches Gemüt beizubehalten, und mich nicht anstecken zu lassen von der Stimmung in der Stadt.

An einer Ecke fällt mir ein Harfenspieler auf. Gegen eventuelle feuchte Witterung von oben geschützt, sitzt er da unter einem großen aufgespannten Schirm.
Ich bleibe stehen, halte inne und lass mich von den schönen Klängen einhüllen. Wärend dessen hasten die Menschen vom Einkaufswahn getrieben an dem Musikanten und mir vorbei, ein Buss brummt um die Ecke, und trotzdem erweckt der gute Mann in mir ein Gefühl von Glückseeligkeit und Zufriedenheit.
Nach zwei Stücken gehe ich zu ihm, lobe seine Fingerkunst, und gehe schließlich weiter um an einer anderen Stelle auch mit meiner Musik die Menschen etwas zu befreien.

Es findet sich ein netter Platz am einen Ende der Fußgängerzone vor einer Sparkasse und neben einer Tramhaltestelle, in der Nähe der alten Mainbrücke.
Ich packe mein Akkordeon aus, zünde das Windlicht an (es ist schon dunkel) und stelle es neben die Akkordeontasche mit dem Hasenkörbchen darauf, binde mir meine Glöckchen um den rechten Knöchel am “Beatbein”, hänge die Quetsche vor den Bauch, setze die “Tanzmaus” auf den Zeigefinger am Bass, und Lege los.

Ich habe richtig gute Laune und es macht Spaß zu spielen. Das merken auch die Passanten. Doof ist dann nur oft, dass wenn ich so gute Laune habe, ich mich so schnell verausgabe, und nach einer Halben Stunde schon schlapp mache.

Also hilft nix, und ich muss schon die Apfelpause einlegen. [An apple a day keeps the doctor away, d.Redaktör]

Dann geht es weiter mit guter Laune. Ich schaffe es mehr und mehr Leute aufzumuntern, die eben noch griesgrämig an der Haltestelle auf ihre Bahn warteten, und spiele mir in eineinhalb Stunden (länger kann ich diesen Nachmittag irgend wie nicht), 36€ ein.
Mensch, nicht schlecht; denke ich mir, und komme beim Einpacken mit ein paar netten Menschen ins Schnacken und ernte Lob und gute Wünsche. Nebenbei drückt mir ein Herr noch eine Tüte mit einem Krapfen in die Hand.

Mein Licht geht aus (weil ich puste), ich geh’ nicht nach Haus… Sondern setze im nächsten Internetcafe die Mitfahrgelegenheit in’s Netz, und lasse mir anschließend in meiner Lieblingskneipe Cafe-KULT zur Belohnung ein leckeres Abendessen für den Feierabend bereiten. Dazu eine Bionade, und das Leben könnte nicht schöner sein. [Bitte keine Werbung in einer Kulturzeitung! d.Redaktör]

Mit vollgeschlagenem Bauch mache ich mich auf Richtung AKW zu meinem kleinen Wohnmobil.

Doch bevor ich es mir im Tourbus gemütlich einrichte, schlendere ich noch mit meinem Kanister zur nahegelegenen Tankstelle und besorge Trinkwasser.
Die Kerzenheizung angezündet (fünf Kerzen auf einer leeren Apfelsafttüte), mache ich es mir mit meinem Buch wieder bequem.

21.30Uhr haben wir es. Das Kapitel ist zu Ende. Und jetzt? Schon schlafen? Och nee!

Ich schnalle mir das Akkorden noch mal vor den Bauch, übe neue Lieder, und spiele eingeschlichene Fehler aus dem einen Stück raus. [TOLL!!! dein Akkordeonlehrer]

Ich sitze musizierend auf dem umgedrehten Beifahrersitz, zwei Frauen kommen aus dem Atelier an meinem Bus vorbei (wir lächeln uns freundlich an) [nett! d.Red.], setzen sich in ihre Autos und machen sich wohl auf den Weg zum Feierabend.

Nun, vielleicht sollte ich den Tag jetzt auch beenden. Oder?

Nein! Es soll nicht so sein.

Nach zwei Minuten kommt die eine Frau (Künstlerin?) wieder herbeigefahren, luschert noch einmal zu mir in mein Auto, und ich öffne die Schiebetür. [...jetzt wirds spannend! d.Red.]

Sie meinte, sie hat meinen Bus hier jetzt schon einige Tage stehen sehen, und Musik hat sie daraus auch schon einmal vernommen. Und so fragt sie, ob ich irgend was brauche, und bietet mir an, sie am nächsten Tag in Ihrem Atelier zu besuchen.
“Och ja, gerne”, sage ich, und wir kommen weiter ins Schwätzen. Schließlich gehen wir jetzt doch noch hoch in den ersten Stock in die Künstlerstätte.

Huiii! Voll schöne Dinge die sie hier mit ihren Kolleginnen macht. So ein Atelier strahlt oft eine ganz besondere Stimmung aus, und ich mag diesen Ort auf Anhieb. [was warn da, ey? d.R.]

Als wir wieder vor dem Haus vor meinem Bus stehen, meint sie (Caria), ich könne dort auch Duschen, Essen warm machen, das Klo benutzen und einfach da sein und musizieren oder so.

Gesagt getan. Sie drückt mir den Atelierschlüssel in die Hand, und macht sich auf den Heimweg. [Mann, die Frau ist aber in Ordnung! d.Red.]

“Toll, heute doch nicht nur die Katzenwäsche”.

So nehme ich mir meine Seife und frische Wäsche aus dem Bus, schließe mir die Tür zum Atelier auf, schalte Licht ein, und während das Wasser im Boiler warm wird, bewundere ich noch ein wenig die vielen Kunstgegenstände die hier geschaffen wurden. [...werde immer neugieriger! FOTOS! d.Red.]

Nach dem Duschen (ein Handtuch durfte ich mir auch nehmen), schließe ich wieder fein ab, verschwinde in meinem Bulli, kuschel mich schön aufgewärmt in mein gemütliches Bett, und spüre:
“DAS LEBEN IST WUNDERBAR”.

Schöne Grüße aus Würzburg, und bis Bald aus Trossingen.

[Foto Bobby Langer, Würzburg]

Geschrieben von arnolinksquetsch am 16. November 2006 um 9:01 Uhr

Kommentare

Dieser Eintrag kann nicht mehr kommentiert werden.