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Donnerstag, 23. Februar 2006

Arno spielt Akkordeon andersrum (falschrum?)

Ein Akkordeonschüler der Musikwerkstatt berichtet über seine Erfahrungen mit dem seitenverkehrt gehaltenen Akkordeon

Im Frühjahr 2005 fiel mir ein Kinderakkordeon in die Arme, und irgendwie bekam ich auf einmal Lust, Musik zu machen. So ließ ich mir eine Akkordeonschule schenken, und durch einen Redaktionsfehler in jenem Heft, spiele ich jetzt andersrum (falschrum?) Akkordeon. Nach Anschaffung eines größeren Instrumentes begann ich Unterricht zu nehmen und stellte fest: ich halte das Akkordeon nicht falschrum, sondern andersrum. So behaupte ich nun, dass Linkshänder keine Scheu haben brauchen, ein Akkordeon in die Hand zu nehmen.

Mit einem HOHNER MignonII (12Bass) begann meine Musikalische Laufbahn, und durch eine recht altmodische Akkordeonschule von Kanter und Bauderer (“Die neue Akkordeonschule”), habe ich dann die ersten einfachen Stücke auf dem Kinderakkordeon meines Vaters gelernt. In den ersten Seiten des Heftes wird beschrieben, wie ein Akkordeon zu halten und zu spielen ist. Zunächst als Text, und dann auch mit Bildern. Im Text wird beschrieben, das Akkordeon sei so zu halten, dass der Diskantteil (Pianotastatur) von der rechten Hand gespielt, und der Bassteil von der linken Hand. Dagegen ist schließlich auch nichts einzuwenden. Eine Seite weiter wird das Ganze noch mal anhand von Bildern dargestellt. Hier ist dann aber seltsam, dass die Abbildungen nicht zu der schriftlichen Beschreibung passen. Denn auf den Bildern wird die linke Hand am Diskantteil gezeigt, und die rechte Hand am Bass. Und auch ein kurzer Schriftzug unter den Bildern sagt, die linke Hand gehört an den Diskant, und die rechte an den Bass. Beim genaueren Betrachten lässt sich dort dann erkennen, dass die Bilder einfach spiegelverkehrt abgedruckt sind.

Nun gut, wie es dann manchmal meine Art ist, schaute ich bei meinen ersten Schritten mehr auf die Bilder als auf den Text. So habe ich mir dann also angewöhnt, das Ding eben andersrum zu spielen. Und da ich mit Tasteninstrumenten zu diesem Zeitpunkt noch keine Erfahrung hatte, hat es sich auch nicht merkwürdig oder falsch angefühlt. Ins Stutzen kam ich dann nur, als die Akkordeonschule von Kanter und Bauderer Übungen vorgab, die ich mit der Haltung gar nicht spielen kann. Denn da wurde empfohlen mit der rechten Hand Übungsmelodien zu spielen. Doch da bei mir die rechte Hand ja am Bass ist, ging das natürlich nicht ohne weiteres. Ich spielte aber trotzdem weiter die anfänglichen Lieder aus diesem Heft. Zu erwähnen sei an dieser Stelle vielleicht die Fingerhaltung am Bassteil: Der Ringfinger bediente zunächst die Grundbässe, und der Mittelfinger die Akkorde.

So verging etwa ein Vierteljahr, und bald war ich dann auch stolzer Besitzer eines HOHNER Student IVm (32Bass). Mit diesem schönen alten Instrument aus den Fünfziger-Sechziger Jahren, nahm ich dann bald Kontakt zum besten Akkordeonlehrer Kiels auf. Unvermeidlicher Weise war er dann also mit dieser Problematik konfrontiert. Und so musste er dann auch erst mal nachdenken und mir auf die Finger schauen, um zu empfehlen, ob ich wieder wie gewohnt spielen soll, oder ich mir doch die “richtige” Haltung angewöhnen müsse. Denn so ein Fall ist ihm bis zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht untergekommen. Doch meine Fingerchen schienen auf ihn so geschickt zu wirken, dass ich es weiter andersrum spielte. Im Unterricht gab es zwar öfters kleine Missverständnisse, weil alles halt irgendwie andersrum ist, aber daran haben wir uns schnell gewöhnt. Und so weiß ich auch immer gleich, dass ich den Grundton im Diskant mit dem kleinen Finger spielen muss, wenn der Lehrer mir sagt: “Daumen auf den Grunton!”

Nach etwa zwei Monaten Unterricht setzte mir der Lehrer dann den Flusen in den Kopf, dass ich mal ein größeres Akkordeon sielen soll. Und so entdeckte ich bei ihm auch ein Akkordeon, mit dem ich mich vorerst anfreundete: ein Blümchenakkordeon (“Folkloreakkordeon”) von der Schaumanufaktur aus Klingenthal. Dadurch stellte ich dann fest, dass bei meinem Student IVm und dem Mignon II die Bassknöpfe weiter als gewöhnlich auseinander liegen. Und so bekam ich Probleme mit dem Fingersatz auf dem Bass. Vor allem wenn Grundbass und der entsprechende Dur-Akkord gleichzeitig gedrückt werden. Da ist es ergonomisch bedingt dann einfach zu eng. So probierte ich dann bald, wie es besser passen könnte, damit ich das alles nicht doch noch umlernen muss. Und so kam ich dann auf die Lösung, den Grundbass mit dem Mittelfinger zu spielen, und den Akkord mit dem Ringfinger. Das war zu Anfang natürlich ungewohnt, aber die beiden Finger wurden schnell immer geschickter. Und zusätzlich habe ich jetzt noch den Zeigefinger frei für irgend welche Wechselbasstechniken.

Aufällig war dann nur noch, dass mir schnell der Handballen (vom Daumen) ewas schmerzte. Denn durch die andere Haltung liegt die Basshand nicht mit dem kompletten Handballen am Akkordeongehäuse. Doch das schien einfach eine Sache der Gewöhnung zu sein. So haben sich jetzt wohl entsprechende Muskeln und Gewebe gebildet, die keinen Schmerz mehr aufkommen lassen.

Geschrieben von arnolinksquetsch am 23. Februar 2006 um 15:09 Uhr

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