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Freitag, 28. Juli 2006

Arno Seifert unterwegs mit dem Akkordeon: Heidelberg und Freiburg

Im TÖNCHEN berichtet er regelmässig über seine Erlebnisse mit Strassenmusik

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Arno Seifert ist TÖNCHEN-Lesern bereits als akkordeonspielender Ska-Musiker bekannt. Für diesen Sommer machte er sich kürzlich auf zu einer Tour ganz besonderer Art: nur mit Akkordeon und schwerem Rucksack (auf einer Sackkarre montiert) ausgerüstet wandert er durch Europa. Wir wissen nicht genau, wohin es ihn verschlagen wird - und er auch nicht. Sicher jedenfalls ist: er verdient sein Geld mit Akkordeonmusik in den Fussgängerzonen der schönsten Städte. Dabei hilft ihm ein Repertoire von etwa einem Dutzend Stücken osteuropäischer, schwedischer und norddeutscher Herkunft. Außerdem jede Menge Improvisiertes. Auch “Alle, die mit uns auf Kaperfahrt fahren…” wird er als typisch norddeutsches Stück im heissen Süden bringen.- Das Foto (das ein sehr netter Journalist machte: Bobby Langer, bei dem Arno freie Unterkunft bekam) zeigt ihn auf der Mainbrücke in Würzburg. Man beachte das Körbchen mit dem Hasen bzw. den Hasen mit dem eingebauten Körbchen. Der nimmt Arno die Arbeit des Geldeinsammelns ab.
Doch hören wir von ihm selbst, was er erlebt:

Heute Morgen um 10.30h bin ich in Freiburg eingetroffen. Vom Bahnhof kommend habe ich ein zweites Frühstück eingenommen, und anschließend ein Plätzchen zum musizieren gesucht. Der Rathausplatz schien mir sehr geeignet. So packte ich mein Fanclubinstrument [Anm. 1] aus, weckte die Maus [Anm. 2] auf, und schon stand ein freundlicher Zivilpolizist vor mir, und äußerte die Vermutung, ich wolle Musik machen. Er lag mit der Vermutung natürlich richtig, und fragte mich, ob ich die Straßenmusikerregeln in Freiburg kenne.

“Nein, tut mir Leid”, war meine Antwort, “ich bin gerade erst in Freiburg eingetroffen”.
Selbst etwas genervt von deutscher Bürokratie, erläuterte er mir in Ruhe, wie das in Freiburg geregelt ist.:
-Werktags von 10.00-11.45Uhr, und von16.00-18.30Uhr darf in der Hauptfußgängerstraße (Kaiser-Josef-Straße) gespielt werden.
-Am Samstag darf durchgehend von 10.00-16.00Uhr gespielt werden. Dann auch in den Seitenstraßen.
-Eine Weitere Regelung ist, dass man immer “viertel vor der vollen Stunde” den Platzt wechseln muss.

Aha!? Wo bin ich denn hier gelandet? Dacht ich, und fragte ihn nach der Urzeit um noch etwas zu spielen.
“Viertel nach 10”, antwortete der freundliche Mann, und wir verabschiedeten uns nach diesem netten Plausch.

Viertel nach 10. Das heißt also, ich könne nach den Freiburger Auflagen jetzt noch eine halbe Stunde spielen. So ging ich um die nächste Ecke auf die Kaiser-Josef-Straße, und suchte nach einem geeigneten Platz. War aber alles schon besetzt. Und für meinen Geschmack auch nicht sehr gut geeignet zum spielen.

Also beschloss ich, mir einfach eine schattige Bank im Park zu suchen, um zu üben und zu dösen. So lange, bis ich die Querflöte Annika um 16.00Uhr am Bahnhof empfange.

Da ging das mit der Musik in den anderen Städten wirklich besser.

In Heidelberg z.B. gibt es zwar nur bestimmte Plätze, an denen zu bestimmten Zeiten gespielt werden darf, aber ich hatte den Eindruck, die Polizei geht bei guter Musik, die an der falschen Stelle gespielt wird, oft mit ‘nem zugedrückten Auge vorbei.

So habe ich in Heidelberg den Marktplatz als guten Spielort entdeckt. Da steht eine große sehenswerte Kirche drauf, und in der Nähe ist auch die sehenswerte alte Neckarbrücke. Das heißt, dass dort jede Menge Touristengruppen vorbeiziehen. 2/3 von jenen scheinen aus Japan und China zu kommen, und sehen perfekt organisiert aus. Die Jugendruppen aus dem fernen Osten sind alle einheitlich gekleidet, um sich gegenseitig nicht zu verlieren, und die Erwachsenen laufen brav hinter einer Nummer her, die vom Touristenführer (selbst ein/e Landsmann -frau) hochgehalten wird. Dabei erzählt jener/jene ständig in ein Kleines Mikrofon, welches dezent an der Kleidung befestigt ist. Und was er da sagt, wird seinen Schützlingen dann direkt ins Ohr gesendet. “Hi Tech, made in China!”

Wer schaut sich eigentlich all die Fotos an, die von den unzähligen Kameras der Fernöstler aufgenommen werden.
Also ehrlich, ich wurde noch nie von so vielen Chinesen und Japanern fotografiert wie in Heidelberg. Und es war gar nicht so einfach die Ruhe zu behalten um sich nicht zu verspielen, wenn sie dann noch anfingen sich dekorativ neben mir zu postieren um mit auf dem Foto zu sein.
Da fehlte dann bloß noch das Schild, “Fotografieren/5€”, und ich hätte Heidelberg als reicher Mann verlassen.

—-soweit Arnos aktuelle Mail, die er auf seinem Handy schrieb, Fortsetzung wird sicherlich bald folgen—-

Anmerkungen:
Anm. 1: das “Fanclubinstrument” ist Arnos Silvetta-Akkordeon von der Schaumanufaktur in Klingenthal liebevoll gebaut. Für diese Instrumente einen Fanclub zu gründen ist von der Musikwerkstatt geplant.
Anm. 2: die Maus ist eine Fingerpuppe aus Filz, die auf Arnos Zeigefinger der rechten Hand (Basshand!) sitzt, weil dieser Finger sonst nichts zu tun hat….auch der Rattenfänger von Hameln setzte damals Mäuse ein, um recht populär zu werden.

Geschrieben von arnolinksquetsch am 28. Juli 2006 um 12:21 Uhr

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