Freitag, 28. September 2007
1,5 Millionen Euro Zuschuss vom Land! - Plopp!
Das Land Schleswig-Holstein fördert die Klangkultur!
Unglaublich: haben wir – eine Handvoll Musikpädagogen - doch vor Jahren schmerzlich einsehen müssen, dass eine Förderung der Jugend Folk Band Schleswig-Holstein nicht zustande kam, weil die Mittel fehlten. So haben wir auf vierzig bis fünfzig musikpädagogisch gestützte Jugendprojekte mit Langzeitwirkung schlichtweg verzichten müssen. Eineinhalb Millionen Euro würden voll ausreichen, um locker 500 Jugendband-Projekte zu realisieren, Musikreisen zu finanzieren und ca. 10 Planstellen für die JFB-Organisation zu schaffen, ...die es leider garnicht mehr gibt.
Doch jetzt ist es endlich soweit! Zwar wird kein JFB-Projekt von diesem warmen Geldregen profitieren, doch freut es uns ausserordentlich, dass unsere Landesregierung 1,5 Millionen in die Klangforschung investiert. Das ist schliesslich viel viel besser als Jugendmusikförderung! Jawohl, das ist Kulturförderung auf hohem Niveau! Wer würde sich nicht darüber freuen!
Nun aber fördert das Land mit diesem Geld die Volksmusik! Ach ja? Kaum zu glauben….wirklich?...na endlich!
Wer hier an Gastspiele bekannter Gruppen aus Bayern denkt, den muss ich leider enttäuschen: die eineinhalb Millionen werden nicht für einen Auftritt mit „Franz Waigel und seinen bayrischen Löwen“ ausgegeben. Die Stones….? Wäre nicht schlecht, aber 1,5 Mille wären ja etwas mickrig, zumal weitaus lukrativere Gigs auf Parties von Investmentbankern winken. Wie neulich in Barcelona: da haben Mick Jagger und seine Crew ihre Welttournee unterbrechen müssen, um vor 700 Managern im Nationalen Kunstmuseum Kataloniens (MNAC) eineinhalb Stunden lang zu spielen. Es war also nach dem Aufführungsort zu urteilen eine Kunstveranstaltung! Diese habe inclusive Imbiss vor dem Konzert 4 Millionen Euro gekostet, was aber im Investmentbanking ein stinknormaler Regelsatz wäre. Klar, lässt sich ja auch locker unter Werbekosten absetzen! Bedenken wir, dass Herr Ackermann von der Deutschen Bank um die 6000 € pro Stunde verdient, müssen wir doch wirklich einsehen, dass jene Party in Barcelona aus der Peanuts-Kaffeekasse bezahlt wurde.
Nein, in Schleswig-Holstein werden eineinhalb Millionen natürlich mit viel viel mehr Verantwortung ausgegeben, das ist sicher. Ausschliesslich für Kultur, die sozusagen näher am Volke sitzt. Dabei geht es sicherlich auch nicht nur um den Klang, sondern in erster Linie um das Symbol für „den Norden“ schlechthin – und so etwas ist von vornherein schon mal förderungswürdig. Schliesslich tun wir ja auch was für unsere armen Kreuzfahrer und Traumschiffreisenden: wir bauen reichlich Anleger und Abfertigungshallen, die alle wie kleine Konzertsääle aussehen, aber natürlich nicht sind. Traumschiffe sind halt das Traum-Symbol schlechthin für den Norden und schliesslich lässt auch – statistisch gesehen – jeder Traum- und Kreuzfahrer bei jedem Kielbesuch 100€ da. Da muss man nur etwas abwarten und 50-Millionen-Investitionen sind da ganz schnell wieder im Sparschwein, damit die Kultur auch was bekommt. Kreuz- und Traumfahrer sind auch so kulturbeflissen, dass sie sich in Shuttlebussen zum Freilichtmuseum Molfsee fahren lassen und ihnen dort die alte Baukultur nahegelegt wird. Da aber das Museum leider nicht zu den erweiterten Traumschiff-Kaianlagen gehört, wird es leider nicht mitgefördert, obwohl die Dächer verrotten und die Mühle zu Staub zerfällt.
Doch ich schweife ab: wofür nun bitte gibt das Land eineinhalb Millionen Bucks zur Förderung von Klangsensationen aus? Der NDR brachte kürzlich eine interessante Dokumentation zum Thema und wir sind seit diesem wissenschaftlichen Beitrag nicht verwundert, dass auch die Fachhochschule Flensburg an diesem förderungswürdigen Projekt beteiligt wird, wie heute einem Artikel der Kieler Nachrichten zu entnehmen war. Obwohl: eigentlich hätte doch die Kieler Musikschule den Zuschlag bekommen müssen. Mal ganz ehrlich: wo die sich doch mit der feuchten und halligen Margarinefabrik begnügen müssen, wären die doch geradezu prädestiniert zur Forschung am Klang! Auch Margarine hat schliesslich mit Volkskultur zu tun. Aber nein, einen solch schnöden Ort im Kieler Orient, wo nicht einmal die Busse halten, hat unser Landesvater nicht zur Förderung bestimmt.
Vielmehr geht der grosse Preis nach Flensburg! Wär hätte das gedacht! Doch Insider wissen: in Flensburg sitzen die Macher der Folk Baltica, des grössten Volksmusikspektakels der Welt. In Flensburg muss jeder Volksmusiker über ein Repertoire von mindestens 300 schwedischen Polskas verfügen, sonst hätte er keine Chance, als norddeutscher Schwede bei Folk Baltica auftreten zu dürfen bzw. überhaupt irgendwie förderwürdig zu sein. Genausowenig wie ein Posaunist in Salzau null Chancen hätte, sähe er nicht wie Nils Landgren aus. Doch sieht er so aus und beherrscht er seine 300 Polskas auf hohem Niveau, so darf er sich durchaus auf der Jazz- und der Folk Baltica gleichzeitig bewerben ohne damit rechnen zu müssen, von den Veranstaltern nicht ernst genommen zu werden. Reicht das immer noch nicht zur Auftrittsgenehmigung, muss er einen zweiten Wohnsitz in Südschweden nachweisen. Jawoll! Leitkultur ist schliesslich Leitkultur, da gibt’s nix umsonst!
Doch ich schweife ab. Was fördert unser Land nun Musikalisches in Flensburg? Spannen wir unsere Leser nicht mehr allzulange auf die Folter: gefördert wird der Ton! - Jawohl: der Ton! Mit eineinhalb Millionen Euronen fördert man hierzulande nur einen Ton! Wer jetzt an die Aufführung eines Spätwerkes von John Cage denkt, den muss ich leider enttäuschen: für jenes Stück mit dem einen Ton – an den wir als Kenner natürlich alle sofort denken! - wäre die GEMA-Abgabe einfach zu hoch (...man munkelt, Ralf Siegel hätte die Rechte…). Eineinhalb Millionen Euro reichen da nicht. Auch die Aufführung ausserhalb der Dreimeilenzone (also ausserhalb des Zugriffsbereiches der GEMA) kommt nicht in Frage. Und gäbe es eine solche schleswigholsteinische Insel, so wäre sie schon vor langer Zeit von einem Investmentbanker für den Briefkasten gebraucht worden. Nein, bei Cage sollte sich jeder Veranstalter mit dem Stück 4’33’‘ begnügen: da wird ein paarmal der Klavierdeckel auf und zu gemacht, es ertönt kein Ton einer Klaviersaite und folglich hat die GEMA da nichts abzukassieren. Allenfalls für den Ton des Klavierdeckels. Kann sein, dass die jetzt schon abkassieren, wenn jemand nur seinen Instrumentenkoffer mal kurz öffnet….
Aha!... denken wir nun: Schleswig-Holstein fördert eine Aufführung des Stückes Vier-Minuten-dreiunddreissig-Sekunden von John Cage? Möglich wäre es, denn das Auf-, besonders aber das Zuklappen des Klavierdeckels ist besonders bei grossen Flügeln ein besonders förderungswürdiger Ton auf sehr hohem Niveau von ungefähr 110 cm über dem Parkett. Doch der Leser irrt, handelt es sich doch eher um einen Ton, der unserer Leitkultur entspricht. Schliesslich gehört unser Landesvater der Christlich Demokratischen Union an! Und wie wir vom Hausmeister des Gästehauses der Landesregierung wissen, spielte dort auf dem Flügel zuletzt die Heide. Und das muss lange vor Peter Harry’s Wahl gewesen sein.
Nein, es ist nicht der Klang eines Flügels, der die Landesregierung fasziniert. Das wäre doch zu simpel.
Stichwort Leitkultur! Erinnern wir uns: kamen die ersten Schreckensmeldungen von Gammelfleisch in der Republik, wurde zeitgleich zur Leitkultur ermahnt. Das TÖNCHEN! kommentierte damals die Sache und ich betone deutlich, dass beide Meldungen nichts miteinander zu tun haben sollten, auch wenn sie zufällig im selben Artikel abgehandelt wurden. Nichtsdestotrotz erdreistete sich seinerzeit Hans Scheibner im Kulturforum der Landeshauptstadt Kiel zu dieser Feststellung: “Fressen und Saufen rund um die Uhr, dass ist der Deutschen Leitkultur!“ Ich muss ihm ausserordentlich recht geben. Der Leser wird nachher selber feststellen müssen, dass dies stimmt! Hans Scheibner halte ich sowieso für den grössten lebenden und glücklicherweise noch nicht ausgewanderten Kulturphilosophen des Nordens….auch, wenn er leider in Hamburg lebt.
„Unser Norden“ - das wäre das Stichwort! Na….? Grüne Segel, Seemannsakkordeon, trocken norddeutscher Humor nach Art des Landesvaters, Wortspielereien und Wortkargheit (nach Art des scheidenden Innenministers), breiter Dialekt…nüchterne Denkart…trockene und scheinbar witzige, in Wahrheit jedoch unwichtige Bemerkungen. Hier stossen wir zwangsläufig auf einen weiteren grossen Kulturphilosophen der Gegenwart: Brösel. Nein, ich schweife nicht ab, Ihr werdet sehen!
Waaat?....Brösel kricht die anderthalb Milliönchen Mäuse? Nä! Obwohl das echte Kulturförderung wäre. Als damals der Achterbahnverlag in den Seilen hing, sah Brösel alt aus. Nix grosses Geld. Aber ...na ja….die Sozialdemokratische Partei Deutschlands konnte sich nicht zu einer Finanzspritze für den Kulturschaffenden Brösel erwärmen. Schade, wo doch Brösel der Flensburger Brauerei soviel Werbung bescheert hat, dass er locker von den Honoraren hätte leben können. Zumal Brösel seine Karriere in Flensburg bei der Nordrepro begonnen hat….“Öl fürs Gehirn!“ - „Bölkstoff – Werners Kultsaft“...“Plopp!“
Nein, ich schweife nicht ab. Es geht nämlich hier um jenen Plopp, der Schleswig-Holstein erst richtig zu dem gemacht hat, was es heute ist: sturmverwachsen, standfest und leitkulturbewusst! Aussenminister Joschka Fischer (obwohl er doch Hesse ist?) brachte seinem amerikanischen Kollegen eine Kiste Flens als Geschenk (heute käme er damit in kein Flugzeug mehr rein, weil das als flüssiger Sprengstoff mistaken worden wäre). Der Plopp, von Brösel erfunden, wandert um die Welt! Die Rumfabrik in Flensburg musste dicht machen (es gab leider keine helfende Finanzspritze vom Land), die Fischräuchereien mussten dicht machen, weil sie die teuere Technik für die erforderliche Reinigung des Rauches nicht zahlen konnten (es gab leider keine helfende Finanzspritze vom Land), die Flensburger Brauerei blieb Sieger und konnte sich bisher sogar davor retten, von Investmentbankern und Bierbrau-Grosskonzernen aufgekauft zu werden. Der Plopp ist Kult! Der Plopp sind wir! Die Werbung sagt das auch: „absolut traumhaft, du sagst es!“ Doch zurück zur Volksmusik.
Der Beweis, dass Flens Musik-Kultur ist, bringt zum Beispiel der sog. „Bongo“- TV-Werbespot (man suche ihn auf http://www.flens.de): vor einem alten VW-Bus am Strand sitzt ein Grüppchen Cover-Hippies, das Transistorradio dudelt den üblichen Kram. Da betritt big Conga-Man die Szene, schlägt (etwas ungeübt) einen Trommelruf: das Radio schweigt. Der Trommelruf wird beantwortet von einer Reihe Plopps im Rhythmuspattern des Trommelsignals, die den Bierflaschen der Cover-Hippies entstammen. Oder besser: entstammen sollen, denn so genau sieht man das im Spot nicht (ich wette, das ist sowieso im Studio entstanden).
Abgesehen davon, dass die Werbeagentur eine Conga mit einer Bongo verwechselt (vielleicht ein norddeutsches Wortspiel im Stil der Werbung?) haben wir es hier offensichtlich und ganz sicher mit Volks….pardon! Flensmusik zu tun. Die drei Instrumente Conga, Radio und Bierflasche ergeben eine dreisätzige Sonate. John Cage hätte es nicht besser machen können. Ralf Siegel wird sicherlich die Rechte an diesem Stück schon erworben haben und für das Abspielen dieses Stückes im Internet wird die Flensburger Brauerei sicherlich hübsche Sümmchen an die GEMA abführen müssen….das flenzt!
Das Land Schleswig-Holstein fördert die Klangkultur! [Für jene Leser zitiert, die sich bereits nicht mehr richtig an den Untertitel dieses Artikels erinnern können, weil die Masse der Information sie schon erschlagen hat. Anmerkg. d. Red.]. Wer jetzt noch nicht versteht, was hier gefördert wird, sollte unbedingt noch einmal alle Werbespots auf der http://www.flens.de durchhören, durchsehen und nachdenken. Nein, es werden keine Werbespots gefördert….!
Diese Werbespots sollten mehrmals gehört, gesehen und auswendig gelernt werden, weil Kulturinteressierte sich so besser in der vom Land geförderten Leitkultur zurechtfinden werden. Eine Verinnerlichung der Fakten und eine Vertiefung des Wissens aus der Flens-Werbung erhöht das Denkvermögen und fördert die Intelligenz. Ausserdem können Sie mitreden! Das Wort „Plopp“ reicht meistens, und Sie sind anerkannt! Sollten Sie allerdings Suchtsymptome – hier besonders das Zucken der Hand nach einer nicht vorhandenen oder doch vorhandenen Bierflasche mit Bügelverschluss - bemerken, so schalten Sie bitte sofort den Computer ab und vertrauen sich umgehend Ihrem Arzt an!
Es geht jetzt aber allein um den Bügelverschluss, über den es auf http://www.flens.de folgendes zu lesen gibt: „Biologisch [hier feehlt echt das ee! d.Sätzer] Sicherheit durch optimalen Einsatz der verschiedenen Komponenten sowie höchstmögliche Beständigkeit.“ - „Bessere Abdichtung und Innendruckfestigkeit durch veränderte Dichtungsgeometrie und bessere Masshaltigkeit durch die neue Sinterkeramik.“ - Ferner gibt es „keinen Spalt zwischen Dichtung und Keramikkopf“, wär hätte das gedacht! - „Die Kappe wird im Zweikomponenten-Spritzverfahren aus zwei Materialien hergestellt. Zum einen aus thermoplastischem Elastomer mit roter Einfärbung, das sich seit einigen Jahren als Verbesserung gegenüber der Naturkautschukscheibe deutlich bewährt hat. Zum anderen aus Polypropylen, dass seit Jahren erfolgreich in unterschiedlichen Bereichen der Lebensmittelindustrie eingesetzt wird.“
Eine dermassen dezidierte Beschreibung der Materialien unseres Musikinstrumentes wünsche ich mir auf der HOHNER-Website bei der Vorstellung deren chinesischer Akkordeons! Dieser Verschluss ist ein technisches Meisterwerk von hoher musikalisch-technischer Relevanz. Doch die Frage bleibt: gehört der Bügelverschluss nun zu den Ärophonen, denn immerhin ist Luft bzw. Kohlensäuregas im Spiel. Die Nähe etwa zum Bügelhorn, zur Volksschalmei, zum Doppelrohrblattinstrument oder zum Dudelsack, ja, sogar zum Akkordeon ist frappant. Wird doch das Akkordeon besonders gern zu feuchtfröhlichen Gelagen gespielt (ich bevorzuge allerdings Wein).
Kenner behaupten, es handele sich bei diesem besonders häufig anzutreffenden Hausmusikinstrument um ein Idiophon, denn neben dem Plopp ist das begleitende Rasselgeräusch der Drahtkonstruktion typisch. Leider waren auf http://www.flens.de keine präzisen Angaben zu Sorte, Härte oder Beschaffenheit des verwendeten Materials für den Draht in Erfahrung zu bringen. Doch es beruhigt uns, wenn wir lesen: „Kappe und Kopf werden durch Schnappverschlusstechnik miteinander verbunden. Die Komponenten sind so aufeinander abgestimmt, dass die einzelnen Materialien den unterschiedlichen Anforderungen entsprechen.“
Und weiter lesen wir: “Die hohe Qualität der Materialien garantiert eine sichere und langlebige Funktion dieses neuartigen Verschlusssystems.“ Ja, ist das neuartig? Ich habe schon als Kleinkind mit Bügelverschlussflaschen gespielt. Nach der Frage, wie alt dieses Verschluss-System denn sei, informiert uns wieder http://www.flens,de, nämlich „120 Jahre“. Also eine Entwicklung so alt wie das Fahrrad. Der Bügelverschluss ist langlebig und gut durchkonstruiert. Wie ein Fahrrad.
Doch die Qualität eines Musikinstrumentes hat das Fahrrad noch nicht erreicht (sieht man mal von älteren Exemplaren von „vor der Währungsreform“ ab: mein erstes Fahrrad hat mich nachweislich zum Perkussionisten ausgebildet!) Der Bügelverschluss nun, das haben wir gelernt, ist ganz klar ein Musikinstrument!....Plopp!...und der Inhalt nach Brösel „Öl fürs Gehirn“. Verschluss und Inhalt ersöffnen geradezu multimediale Möglichkeiten!
Das hat unsere Landesregierung natürlich sofort erkannt! Als Förderer nördlicher Musikkultur auf hohem Niveau erkannte man allerdings noch mehr: der Plopp von nationaler Bedeutung bedarf einer erheblichen Verbesserung in punkto Klangqualität. Der o.g. NDR-Bericht im Schleswig-Holsteinmagazin zeigte dazu mehrere Versuchsreihen. Da der Bericht wie üblich viel zu kurz war, konnte ich mir Zwischenergebnisse nicht merken (und der Mitschnittservice ist mir dort einfach zu teuer!...Plopp!) Wir hoffen aber, dass vielleicht Meeno Schrader den Plopp mit dem Wetterbericht in Verbindung bringen wird. Werbung tut ja immer gut, wenn es kalt wird.
Ein Gerücht ist und bleibt, dass unser verehrter Herr Landesvater Peter Harry – der Klavier spielt! - den herkömmlichen Bügelverschluss getestet haben will und nach einigen Kisten Flens beschlossen haben soll, eine grundsätzliche Neuentwicklung dieses populären Hausmusikinstrumentes mit 1,5 Millionen Euro zu fördern!...das flenzt!
Tatsache ist, dass die 1,5 Millionen € an die Flensburger Brauerei fliessen werden! Und das ist kein Witz!
Warum mit gleich so viel, fragt sich der verdutzte Freund der Kultur? Brösel hat zwar getan, was er konnte: durch ihn ist der Verschluss zum Leitsymbol schleswigholsteinischer Leitkultur geworden („Moin Loide!...plopp!“) Was wären wir ohne diesen Ton im Ausland wert (etwa in Bayern) oder gar bei unseren amerikanischen Freunden? Nichts, rein garnichts. Also wird das alles schon ganz richtig sein, was die Politiker da beschlossen haben. Natürlich bekommt der Plopp eine Finanzspritze….wasn sonst, hä?
Die Entwicklung eines vollkommen neuen Bügelverschlusses unter Mitwirkung der FH Flensburg hat also oberste Priorität für den Standort Schleswig-Holstein! Zwar hat unser Land immer noch Schulden über Schulden, doch für den Plopp tun wir alles! Zwar versichert die Brauerei, ihr Musikinstrument hätte „eine sichere und langlebige Funktion“, doch bestätigt die Förderungsaktion des Landes, dass dem anscheinend nicht so ist. „Der „Plop“-Verschluss solle die Produktion erleichtern, länger halten und einfacher zu handhaben sein, teilte das Kieler Wirtschaftsministerium gestern mit“ schrieben soeben die Kieler Nachrichten.
Da gehen mittelständische Firmen in unserem Land massenhaft in die Insolvenz, ohne dass sie an Förderung nur denken dürfen, da fällt wegen angeblichem Lehrermangel an jeder Schule massenhaft Unterricht aus. Und da wird ein umsatzstarker und florierender Bierbrauer für eine technische Innovation massenhaft und in meinen Augen unverhältnismässig hoch aus Steuermitteln gefördert, die er ohne weiteres selbst hätte bezahlen und anschliessend locker und eigenständig hätte erwirtschaften können. In meinen Augen flenzt das überhauptnich! Gekotzt wird später!
Für eineinhalb Millionen Mäuse wird der Plopp-Kult jedenfalls grandios werden, besonders, wenn der neue millionenschwer subventionierte Bügelverschluss „einfacher zu handhaben“ sein wird! So ein grosser schwarzer Flügel kostet ja auch seine 30 000 Mäuse. Da muss die Bölkstoff-Orgel schon mithalten können. Wir werden auf der Folk Baltica, der Jazz Baltica und auf dem nächsten Schleswig-Holstein Musikfestival die allerschönsten Kompositionen für Bügelverschluss mit Orchester, Plopp Solo oder Plopp unplucked erleben. Nicht nur das: das Volksinstrument der Flensburger Brauerei wird sich Dank der Initiative unseres Landesvaters zum Klassischen Musikinstrument entwickeln. Man munkelt, die Kappe wird in Steinway-Schwarz gestaltet.
Schon jetzt soll es Gespräche mit dem Vorstand der Deutschen Bank geben, nachdem Plopp-Konzerte die Stones ablösen werden (bzw. die Stones sich „The Plopps“ nennen wollen) und Flensburger Bier gibt es dann als offizielle Heuschreckenlabung nur noch auf den Seychelleninseln.
Sicherlich steht dann im neuen Gästehaus der Landesregierung ein Plopp-Raum zur Verfügung, um Gästen aus aller Welt mit dem nationalen Klang des Bügelverschlusses anzufreunden. Bei Diplomatenempfängen stehen dort jugendliche MusikerInnen, halten den Gästen nett ihre Bierflaschen entgegen und machen „plopp!“ Wir sind froh, jetzt dazuzugehören! Denn die Schweizer haben ihr Alphorn, die Australier ihr Didgeridoo, die Amerikaner die Bierdose und den Colt (manchmal drücken sie beide gleichzeitig ab), die Schweden ihre Nyckelharpa, die Finnen ihre Kantele, die Schotten ihren Dudelsack, die Polen ihr Akkordeon und die Bayern ihre Maß. Und nun haben wir, die Norddeutschen endlich unsere Identifikation gefunden und spielen ganz offiziell und auch (Dank sei Peter Harry!) auf finanziell sehr hohem Niveau unser Flenzophon! [Dieser Begriff „Flenzophon“ ist als unser geistiges Eigentum hiermit und ab heute ausdrücklich urheberrechtlich geschützt, wird aber von der Musikwerkstatt Rzeszut gern für mindestens 1,5 Millionen € an die Landesregierung oder an die Flensburger Brauerei (hier gewähren wir die übliche Ermässigung für Hartz IV-Empfänger) verkauft. Wir warten auf Angebote! d. Red.]
Endlich sind wir also wieder wer in der musikalischen Welt, hatten wir doch nur den Sound gelber Gummistiefel, Schäfer- und Kuhrufe vorzuzeigen! „Flenzen und saufen rund um die Uhr, das ist die geförderte Leitkultur“ wird es nun im Kulturforum heissen.
„An der Nordseeküste ...-plopp-plopp-plopp-plopp- ...am plattdeutschen Strand, sind die Fische im Wasser, und das Flens ploppt in der Hand!“ [Dieser Text ist ausdrücklich nicht unser geistiges Eigentum (die Brauerei bekommt ihn gratis!) und geht deshalb automatisch in das Eigentum der GEMA über, deren Mitglied wir nicht sind. Plopp! Anmerkg. d.Red.]
Resigniert stellen die Kieler Nachrichten fest: „Am Flensburger „Plop“-Sound wird sich nichts ändern.“.....Waaaas? Trotz der eineinhalb investierten Förder-Millionen? Ja….aber dann ist doch alles umsonst?.....kein Nationalinstrument….keine Leitkultur mehr….ja, wo landen wir denn dann?
Nein, also: das glaube ich nicht! DAS WIRD WAS! Hau wech die S…...e! Das wird kein Plopp!
Moin Loide!...plopp…ex…unhopp!
[Anmerkg. d. Redaktion: dieser Artikel wurde nicht von der Flensburger Brauerei in Auftrag gegeben oder gar gesponsert. Ferner wird die DAS TÖNCHEN! noch nicht mit Mitteln der Landesregierung gefördert. Wir bitten ferner um Verständnis dafür, dass wir bei der Schreibweise des Wortes „Plopp“ nicht sicher sind, ob wir es mit einem, mit zwei oder gar mit drei Ps schreiben sollen. Wir werden uns aber umgehend bei der Kultusministerin informieren und fragen, was die Landesregierung hier vorschlägt.]