Dienstag, 12. April 2011
Fukushima ist überall!
Atomkraftwerke jetzt abschalten!
Das Tönchen!Das Online-Magazin
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Atomkraftwerke jetzt abschalten!
Fukushima mahnt
...mein närrischer Beitrag zum Rosenmontag
Hatte man nach der letzten Attacke auf Zuwanderer im Oktober letzten Jahres (“Integrationsunwillige”) gehofft, dieser dümmliche Begriff “Deutsche Leitkultur” würde jetzt endlich einmal verschwinden, sah man sich unversehens eines anderen belehrt: der frisch gebackene Innenminister Hans-Peter Friedrich benutzte diesen schwammigen Unbegriff flux für einen kleinen - ?...nein: für einen großen - Hieb gegen den Islam. Dass er diesen in seiner Antrittsrede ausführte, erhöht die Brisanz.
Mit sichtlichem Wohlbehagen äusserte Friedrich in seiner Antrittsrede, dass er den Islam nicht als Teil Deutschlands sehen will. Ein paar Sätze nach dieser Bemerkung bemühte er die “Deutsche Leitkultur” und deren christlich-abendländische Wurzeln. Als Opposition und Islam-Verbände sich über diese Sichtweise empörten, lenkte Friedrich ein: Immerhin will er “den Dialog mit den Muslimen voranbringen” [zitiert nach Tagesschau, 7.3.11]
Ich meine: es reicht nun! Nachdem wir dieser Regierung also abnehmen sollten, dass das Zusammenkopieren von Doktorarbeiten ohne Quellennennungen durchaus Teil unserer Deutschen Leitkultur wäre (wie sonst bitte darf man sich die beschönigende Haltung unserer und schliesslich selbst promovierten Bundeskanzlerin im Fall Guttenberg wohl erklären?) sollen wir im Lande der christlichen Kirchenaustrittler wohl jetzt auch noch so tun, als ob es Koran-Gläubige bei uns nicht gäbe….? Wohl auch alles “Plagiate”, was?...Helau! Helau!
Es macht für mich keinen Sinn, gegenwärtig deutlich fühlbare Spannungen zum Thema “Religionen” in Politik und Gesellschaft argumentativ auf ein frühgeschichtliches Wurzel-Niveau zu verlegen. Jetzt ist jetzt. Heute ist heute. Ausserdem sollte Politik und Gesellschaft alles daransetzen, besonders jetzt die Stimmung gegen “fremde Religionen” nicht anzuheizen. Das Schlimmste, was aus solchen Provokationen uns allen erwachsen kann, sind Religionskämpfe und damit riskieren wir bürgerkriegsähnliche Zustände, von denen die Geschichte unseres Abendlandes voll genug ist.
Aus eigener Erfahrung weiss ich, wie eine solche Rhetorik aus friedlichen Mitbürgern ängstliche macht, die schon beim Anblick von Minaretten in unmittelbarer Nachbarschaft Unwohlsein empfinden. Erfolgreiche Integrationspolitik sollte sich durch das Abbauen von Ängsten auf allen Seiten auszeichnen. Und nicht durch das Hochreden von künstlichen Unterschieden. Schliesslich glauben alle religiös empfindenden Menschen auf dieser Welt an den einen Gott. Sogar die Atheisten setzen sich mit diesem einen Gott immer wieder gern auseinander.
Vielleicht sollte man sich mal um ganz andere “Wurzeln” bemühen: friedvolles Miteinander verschiedenster Religionen über Jahrhunderte. Das sind Tatsachen, die jeder Historiker kennt und die auch Politik und Gesellschaft nicht ignorieren sollten. Und Kultur als solche war und ist immer interreligiös geprägt. Nirgendwo gibt es jene scharfen Grenzen, die plötzlich beschworen werden. Die gab es bei uns immer nur als Hinweis auf verstärkt einsetzenden Nationalismus. Deshalb kann ich nur sagen: wehret den Anfängen!
Superfrisch: ein aktueller Artikel vom schwedischen Korröfestival von Sebastian Steinberg
Dieses Jahr machen wir Urlaub in Schweden. Den Entschluß fassen wir als es noch Winter ist und bitterkalt. Als Folkmusikfreunde stellt sich für uns natürlich die Frage, ob nicht der Besuch eines schwedischen Folkmusikfestes mit eingeplant werden kann. Nach ausführlicher Recherche kommen wir zu dem Schluß, dass das Korröfestival von der Lage des Veranstaltungsortes und vom Zeitpunkt her gut passen könnte. So kommen wir am 22.07. Abends auf einem Campingplatz ca. 6km. Von Korrö entfernt an. Alternativ dazu gäbe es noch die Möglichkeit auf einem “Naturcamp” ca. 600 m vom Festivalgelände entfernt zu Campen.
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Rotzfreche Asphaltkultur 1978-2010
Die Rotzfreche Asphaltkultur ist ein Zusammenschluß von linken und sozialkritischen Straßenkünstler_innen. Im Mai 2010 trifft sich die RAK in Kiel.
Ein Rückblick
Rotzfreche Asphaltkultur? „RAK- das sind die Anfangsbuchstaben von Rotzfreche Asphaltkultur, was wiederum die Bezeichnung für etwa hundert autonome und gesellschaftskritisch ausgerichtete Straßenmusiker und Kabarettisten ist, die sich ungefähr zweimal im Jahr treffen.“ * (1)

Man munkelt die RAK bildete sich 1978 als Dachverband verschiedener kultureller Gruppen auf dem “Bundeskongress der Bürgerinitiativen gegen Atomkraft”. Damals strebten viele MusikerInnen eine Vernetzung zum Austausch und zur gegenseitigen Solidarität an „und plötzlich war sie da, die RAK- mit einem dicken Treffen in Braunschweig, vorbereitet von der „Grölgruppe“, und weiteren Zusammenkünften in Würzburg („Knacko und Konfetti“),Hannover( „Hannoveraner Atommusiker“),Köln („Kölner Straßenmusiker“)…“ (2)
Schon bald organisierten sich Straßenmusiker, Liedermacher, Theatergruppen, Jongleure und Clowngruppen und viel mehr Kulturschaffende untereinander. Nicht alle waren bei der RAK dabei, aber alle die wollten, konnten mitmachen; die Organisation war schon immer sehr anarchisch. Es gab keine Hierarchie und keine Vorsitzenden (und wenn es einer versucht dann wird er meistens nicht ernst genommen). Wichtiger war die Solidarität und der gegenseitige Austausch.
Von Beginn an durften bei der RAK alle mitmachen, die mitmachen wollten, soweit sie im weitesten Sinne ein „linkes“ Selbstverständnis hatten. Von SPD bist autonom war alles vertreten. Eine Tendenz zu Anarchismus und Anarchischem, sowie eine ausgeprägte Freiheitsliebe der meisten RAK-AktivistInnen waren freilich nicht zu übersehen. Innerhalb dieser Grenzen zeichnet sich diese Un-Organisation bis heute durch ihre Offenheit aus. Es wird auf Statuten, Mitgliedsbeiträge und Vorsitzende getrost verzichtet. Regeln werden in der Regel abgelehnt. Kein Wunder, denn mit dem Beginn der RAK befürchteten viele Straßenkünstler, dass sich die RAK zur „deutschen Vereinsmeierei“ entwickeln könnte.
Mitte der 80er Jahre war das gesungene politische Lied die Hauptklammer der RAK. Aufgrund von Diskussionen, ob man nicht zu sehr den moralischen Zeigefinger erhebe, begannen sich mehr und mehr RAKis in Richtung Satire, Klamauk und Kleinkunst aufzumachen. Auch Akrobatik, Jonglage und Trommeln gewann an Beliebtheit. Dieser Trend setzte sich einerseits fort, brachte in den 90ern andererseits aber auch neue Gruppen und Leute hervor, die politische und soziale Anliegen wieder in das Zentrum ihres Programmes rückten. Die RAK wurde immer heterogener.
„Auch der Kreis der RAK- AktivistInnen blieb vom Auf und Ab sozialer Bewegungen nicht verschont. In den ersten Jahren waren viele dieser MusikerInnen auch gleichzeitig PolitaktivistInnen und hatten eine entsprechende Praxisnähe zu dem, was sie da sangen und sagten. Das war glaubwürdig, authentisch und tatsächlich rotzfrech, wenn beispielsweise zum Sabotieren des Baus von Atomanlagen aufgerufen wurde“ (3)
In den verschiedenen Ausrichtungen der Rotzfrechen Asphaltkultur flammte immer wieder eine Diskussion auf:
Ist RAK jetzt nur “politische Lieder gegen was” spielen, oder gehört auch Straßenmusik in weitestem Sinne dazu, wie z.B. Akkordeonmusik, die einfach die Innenstädte belebt? Ist “einfach Musik machen” schon politisch genug? Wirkt man damit schon genügend gegen das Establishment?
Aber Grundsatzdiskussionen zogen sich niemals zu lange hin: Wortführer wurden einfach gepackt und an den Beinen aus dem Fenster gehalten. Erwies sich das als zu schwierig, übte man sich im Ignorieren von Kritik.
Ein Ausblick
Die Rotzfreche Asphaltkultur sieht sich bis heute in Opposition zur Massen-Konsumkultur, als publikumsnah und unkommerziell und hat viele Bands inspiriert und beeinflusst. Viele alte Bekannte waren (oder sind noch) Teil von ihr wie zum Beispiel: Milch und Blut, Der Wahre Helmut, Quetschenpaua, Klaus der Geiger und viele mehr.

Heute gibt es eine wachsende Zahl von „jüngeren“ Bands im Umfeld der RAK. Wie zum Beispiel: Früchte des Zorns, Revolte Springen, Teds´n Grog, Schall und Rauch, Geigerzähler und viele andere mehr. Auf einem großen Revivalkonzert in Braunschweig Mai 2009 trafen sich „jung und alt“ der RAK um gemeinsam auf 30 Jahre Rotzfreche Asphaltkultur zurückzublicken. Schon dort zeichnete sich ein nächstes neues RAK-Treffen ab, welches vom 27.- 31.Mai 2010 in Kiel stattfinden wird.
Auf der Internetseite des Treffens http://www.rak-treffen.de ist eine Art Selbstverständnis zu lesen:
„Wir sehen die Straße auch immer als Raum unsere Ideen, Kritiken und Träume in die Welt zu tragen und den grauen Alltag ordentlich auf den Kopf zu stellen. Musik allein hat zwar noch keine Gesellschafts"ordnung” umgeworfen, aber wir sehen unsere Kultur als ein Stück gelebte Utopie und glauben, dass sie unmittelbarer und direkter wirkt als verteilte Flugblätter. Trotz dem Straßenmusikverbot in vielen Städten, gingen wir immer wieder auf die Straße. Unvergessen bleiben jene Tage, in denen etwa 50 RAK-MusikerInnen Straßen und Plätze in Freiburg besetzten und immer dort musizierten, wo die Polizei gerade nicht StrassenmusikerInnen verhaftete.
Damals traf sich die RAK regelmäßig in diversen Städten wie Wuppertal, Braunschweig, Freiburg oder Bremen. Die Treffen endeten immer mit einem gemeinsamen Galaabend, an dem jede der teilnehmenden Gruppen 20 Minuten lang auftrat. Das Programm war meist sehr lang und zeigte oft ein breites Spektrum der Straßenkunst: vom anstrengenden und mit viel Inbrunst vorgetragenem “ganz linken Lied” und Spontantheater über mehr unterhaltsamere akrobatische Nummern, folkmusikalische Darbietungen bis hin zu sehr stillen Musikperformances gab es alles, was auf die Straße passte.“
Es lässt sich gespannt sein, wie sich die Rotzfrechen Asphaltkultur so entwickeln wird und welche Wege sie einschlagen wird.
Vom 27. - 31.Mai 2010 findet in Kooperation mit der Alten Meierei und der Hansa48 ein neues Treffen der Rotzfrechen Asphaltkultur statt. Es haben sich bereits sehr viele unterschiedliche Kulturschaffende und LiedermacherInnen angekündigt. Es wird viele Aktionen, Workshops und ein großes Galakonzert in der Hansa48 geben. Auf der Seite http://www.rak-treffen.de findet man weitere Informationen zum Treffen und zur Rotzfrechen Asphaltkultur im Allgemeinen.
(1) Klaus der Geiger: Deutschlands bekanntester Straßenmusiker erzählt. Köln 1996 (Kiepenheuer & Wisch), S.150
(2) Klaus der Geiger. Köln 1996
(3) Interview mit Yok. Go Stop Act!-Die Kunst des kreativen Straßenprotests.Frankfurt 2005 (TrotzdemVerlag). S.107
CD-Release-Party morgen abend - da schubst das Schaf!
Oh klasse! Da liegt sie, die neue und erste CD von “Julain’s Wake”: auf dem Cover blökt mich grinsend ein Schaf an. Titel “Kneipenfolk - Live im Studio” Das Label heisst “schafschubser records” ...aha, deshalb das Schaf….ja, immerhin liegen Kiel und Northumberland ungefähr auf gleicher nördlicher Breite.
Auf dieser CD geht es eindeutig um das Schaf! ...auch wenn quasi zur Tarnung das Foto zweier gemütlich schlafender (Schafhüte?-)Hunde die Scheibe ziert. Beim Anhören der CD reisst mich zu guter Letzt ein heftig lautes Schafgeschrei unmittelbar nach Track 18 heftig aus dem Sessel: no doubt about: Schleswig-Holstein gehört nun endlich zu den nördlichen britischen Inseln und ich sitze offensichtlich am Firth of Kyle!
“Julain"s Wake” nennt sich eine äusserst sympathische Kieler Folk-Formation, die seit ca. 2006 zunächst in wechselnden Besetzungen und nun als Quartett den Kieler Kneipengängern ein festes Repertoire von ca. 25 Stücken anbietet. Die vierköpfige Band lebt und arbeitet in der Aubrook-Community, einem der kreativsten kulturellen Zentren im Raum Kiels, dem wir u.a. auch die Kleszmer-Band “Di Chuzpenics” zu verdanken haben.

Das „statttheater Neumünster“ steht kurz vor dem 50.Geburtstag und ist somit eines der ältesten selbstverwalteten Theater in Deutschland. Man kann als Gründungsjahr des statt-Theaters, mit ruhigem Gewissen auf das Jahr 1961 festlegen.
Obwohl es schon vorher eine Theatergruppe der „Naturfreunde“ gab, trat es ab dann auch außerhalb des Mutterverbandes auf. Innerhalb der 50 Jahre wurden viel gearbeitet. Es gab politisches Kabarett, Straßentheater, Demonstrationstheater, Schülertheater, eine eigenständige Kindertheatergruppe.
Anfangs wurde sogar noch durch Jugendzentren und Schulen getourt. Es gab Akrobatikgruppen, Musikgruppen und ab und zumal wurde mit ihnen sogar auch mal nach England und Schottland getourt. Viele Generationen haben bereits am Projekt „stattTheater“ mitgewirkt und somit ein Stück Gegenkultur möglich gemacht. Ab den frühen 90ern hat sich das stattTheater eine eigene Bühne in einer alten Lederfabrik in Neumünster gebaut, die mittlerweile aus der Kulturlandschaft Neumünsters nicht mehr weg zudenken ist.
Wenn gerade keine eigene Produktion ansteht, leistet die Gruppe die derzeit aus etwa 25 Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zwischen 10 und 34 Jahren besteht, so einiges an Kulturarbeit.
Regelmäßige Veranstaltungsreihen mit (Klein)Künstlern werden durchgeführt, und für eine Zeit lang gab es sogar eine Kinogruppe für kommunales Kino.
Derzeit befindet sich die Gruppe jedoch in einer Eigenproduktion an der einfach alles selbst gemacht wurde. Egal ob Text, Musik, Bühnenbau, Regie etc. alles wird selbst gemacht. Theater wird also „gemacht“ und nicht nur „gespielt. Die Arbeit erfolgt komplett ehrenamtlich – die Belohnung liegt in der Freude über das Geleistete und dem, was man in der Zeit gelernt hat. Ein fertiges Theaterstück wird gespielt und diskutiert, denn der Kontakt zum Publikum ist wichtig. Neue Ideen entstehen, Freundschaften werden geschlossen, Projekte geplant und durchgeführt und vieles mehr. Theater ist also unser Weg, die Vielfalt des Lebens um uns herum wahrzunehmen und darauf zu reagieren.
Das aktuelle Theaterstück „Schmetterling“ bewegt sich zwischen Fantasie, Trash und Horror und bietet neben fetziger Musik, auch jede Menge an Akrobatik und schwarzen Humor. Die Premiere lief am Samstag den 7.November 2009 und feierte in den lokalen Medien große Erfolge.
Quellen:
http://www.shz.de/lokales/holsteinischer-courier/artikeldetails/browse/1/article/807/eine-reise-zu-den-kreaturen-der-nacht.html
http://www.kn-online.de/lokales/neumuenster/122371-Makaber-duesterer-Theaterspass-fuer-das-Publikum.html
Aufgrund des riesigen Erfolges gibt es noch eine letzte Verlängerung:
Samstag, 9. und 16. Januar 2010, jeweils 19 Uhr und Sonntag, 10. und 17. Januar 2010, jeweils 17 Uhr
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Erhältlich in der Buchhandlung Clement (Kuhberg 9)direkt am HBF Neumünster. Kartenvorbestellungen: Tel. 04321/400596 oder unter
...es muss nicht immer Castagnari sein
In Hinblick auf die Frage, welches diatonische Knopfakkordeon (Holzgehäuse, zweichörig, Stimmung G/C, Stimmen in Tipo-a-mano-Qualität) ich Neueinsteigern empfehlen sollte, kam kürzlich das Thema „Beltuna“ auf.
Beltuna ist eine italienische Firma, die mir seit Jahren eigentlich nur durch die Herstellung chromatischer Akkordeons bekannt war. Der Darmstädter Diatonie-Spezialist Oliver Stoffregen schreibt auf seiner sehr informativen Website http://www.diatonie.de : “Seit 2003 fertigt Beltuna auch diatonische Modelle mit Holzkorpus für den Folk-Bereich. Diese Instrumente zeichnen sich aus durch extrem leichtgängige Mechaniken und die Verwendung ausschließlich handgefertigter Stimmen bei allen Modellen. Der Klang ist sehr brilliant im Diskant verbunden mit einem kräftigen Bass. Als Hölzer für den Korpus stehen zur Auswahl: Kirsche (hellbraun), Nußbaum (dunkelbraun) und Padouk (rotbraun).“
Zum Test schickte er mir kürzlich eine Sara 2 in Kirsche, Katalogpreis (Diatonie) 1740€, also deutlich günstiger als ähnlich ausgestattete Castagnaris (die vergleichbare Laura liegt dort bei 1960€).
Diese Sara 2 nun kam auf unseren Werktisch und wurde bei uns in der Musikwerkstatt Rzeszut in Kiel „auf Herz und Nieren“ geprüft.
...mit der Frage, ob er bei seinem Indienbesuch Menschenrechtsverletzungen angesprochen habe
Sehr geehrter Herr Aussenminister Dr. Steinmeier!
Ihre Behörde, das Auswärtige Amt warnt per Website vor Reisen in den Distrikt Kandhamal/Orissa „wegen Ausschreitungen gegen Christen und ihre Einrichtungen“. Wie Sie wissen, handelt es sich bei diesen Ausschreitungen nicht nur um Einzelfälle, sondern um organisierte Menschenrechtsletzung in grossem Stile und mit einer gewissen Tradition und Vorgeschichte.
Die Pogrome von Orissa sind – wie Sie sicherlich selbst wissen - auch bedingt durch eine planmässige agressive Entvölkerungspolitik im Zuge von unverhältnismässigen, geradezu antisozialen Kapitalinteressen im Rahmen der von Ihnen genannten „rasanten Entwicklung“ indischer Wirtschaft, von denen letztlich nur eine dünne und sehr wohlhabende Oberschicht profitiert, während Millionen Menschen chancenlos verhungern, weil sie ihr Land und ihren Wald verloren haben. Man sollte die Ursache der Orissa-Pogrome deshalb und überaus kritisch im gesamtwirtschaftlichen Kontext des „neuen Indien“ sehen.
Sehr geehrter Herr Dr. Steinmeier, Ihr Wunsch „diejenigen, die dabei nicht täglich Gewinner seien, in das demokratische System zu integrieren“ - wie Sie formuliert haben - wird so wie es zur Zeit aussieht nur auf internationalen Druck hin in Erfüllung gehen!
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV, Göttingen/Berlin) entsandte unlängst den Göttinger Menschenrechtler Dr. James Albert in das betroffene Gebiet im Kandhamal – Distrikt und fordert nach Auswertung dieser Informationen nun mit Nachdruck unverzügliche juristische Aufarbeitung der pogromartigen Überfälle.
Es wurde bei diesen wissenschaftlich durchgeführten Recherchen der GfbV deutlich, dass die Pogrome in Orissa mit Wissen der dortigen kommunalen Verwaltungsebene und der indischen Bundes- und Innenbehörden geschahen und weiterhin geschehen. Alle staatlichen Institutionen haben in Sachen Aufarbeitung der Vorfälle „versagt“ bzw. ihr Desinteresse signalisiert. Die strafrechtliche Verfolgung bzw. die juristische Aufarbeitung der Morde wird nur schleppend oder garnicht aufgenommen.
Die Zustände sind so katastrophal, dass die GfbV das Einschalten des Central Bureau of Investigation (CBI) empfiehlt. Weiter rät die Göttinger Menschrechtsorganisation dazu, radikale hinduistische Organisationen (VHP, Bajrang Dal, RSS) in ganz Indien zu verbieten, „...da ihre Agitation ethnische und religiöse Auseinandersetzungen schürt“.
Nationalen und internationalen Hilfsorganisationen wird der Zugang zu den von der Öffentlichkeit abgeschotteten Gebieten offiziell nicht gestattet. Auch der Wiederaufbau der zerstörten Häuser, Kirchen und sozialen Einrichtungen wird in keiner Weise gefördert. Flüchtlinge werden in grossen Lagern, auf engstem Raum und für unbestimmte Zeit zusammengepfercht. Die GfbV fordert grundsätzlich eine Verstärkung des Schutzes religiöser Minderheiten und ihrer Einrichtungen. „Binnenflüchtlingen muss eine menschenwürdige Rückkehr in ihre Heimatdörfer ermöglicht werden oder sie müssen bei ihren Bemühungen unterstützt werden, um in anderen Regionen des Landes Aufnahme zu finden“.
Sie – Sehr geehrter Herr Aussenminister! - waren gerade auf Indienbesuch. Haben Sie denn – neben den beschrieben Wirtschafts- und Kulturthemen – nun auch diese Pogrome angesprochen? Wenigstens liegen nach unseren Informationen dem indischen Premierminister Dr. Manmohan Singh zahlreiche Protestschreiben aus Deutschland vor (auch ich bin einer der Unterzeichner), so dass die besagte Kandhamal-Thematik sicherlich nicht unerwähnt bleiben konnte. Der Zeitpunkt für eine Kritik wäre hervorragend gewesen. Und sicherlich waren Sie und Ihr Ministerium auch von der Gesellschaft für bedrohte Völker über die Menschnrechtsverletzungen informiert worden.
Ich kann der Website des Auswärtigen Amtes allerdings und leider keinen Hinweis darauf entnehmen, dass Menschenrechtsverletzungen in Indien von Ihnen deutlich angesprochen oder kritisiert wurden. Der entsprechende Artikel über Ihren Indienbesuch (Website Auswärtiges Amt/ Stand 22.11.08) berichtet ausschliesslich und glücklich über neue wirtschaftliche und kulturelle Beziehungen, aber nicht über etwa geäusserte Kritik am Umgang mit Menschenrechten.
Ich würde mich freuen, wenn Sie mir über Ihre Kritik am Umgang mit den Menschenrechten in Indien im Rahmen von Gesprächen mit Manmohan Singh, Außenminister Pranab Mukherjee und Oppositionsführer Lal Krishna Advani berichten könnten!
Zu meiner Person: ich bin deutscher und verantwortungsbewusster Staatsbürger, der sich für Menschenrechte einsetzt. Meiner Website (Link: http://www.musikwerkstatt-rzeszut.de/index.php/mwr/) dürfen Sie gern Informationen über meine Person bzw. zum Thema Orissa entnehmen.
Für Ihre Aufmerksamkeit herzlichen Dank! Ich erwarte Ihre Antwort.
Mit freundlichen Grüssen,
Martin Rzeszut aus Kiel
Bericht von Dr. James Albert und Ulrich Delius, GfbV Göttingen
Im Folgenden nun der im TÖNCHEN! am 22.Nov. angekündigte „Orissa-Report“ von Dr. James Albert und Ulrich Delius.
Der Hintergrund: Ende Oktober /Anfang November dieses Jahres gelang es Dr. Albert mittels einer offiziellen Genehmigung von indischer Seite die von der Außenwelt abgeriegelte Krisenregion von Bhubaneswar aus zu besuchen. Wie er vermutet waren er, sein Fahrer und ein Dolmetscher (für die lokalen Dialekte) die ersten Augenzeugen einer Hilfsorganisation. Sie durften die betroffene Gegend drei Tage lang besuchen und einige Flüchtlingslager besichtigen. Dr. Albert führte dabei und im Auftrag der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) zahlreiche Interviews mit vertriebenen Christen durch und fotografierte Zerstörung und Leid.
Die Kapitel 1 und 2 wurden bereits im TÖNCHEN!-Artikel „Ghandis zweiter Tod – Christenverfolgungen in Indien -Bestandsaufnahme und Hintergründe“ zitiert bzw. referiert. Dort finden TÖNCHEN! - LeserInnen auch Kommentare von Dr. James Albert, die im Rahmen von Exklusivinterviews aufgezeichnet wurden.
Hier werden nun die Kapitel 3 bis 18 dieser Veröffentlichung der Gesellschaft für bedrohte Völker, Göttingen unverändert und unkommentiert wiedergegeben.
TÖNCHEN! macht darauf aufmerksam, dass die Lektüre dieses Artikels für Kinder unter 16 Jahren ungeeignet ist. Die Schilderungen sind zu grausam. Ich bitte um Verständnis.
Alle Abbildungen in diesem Artikel zeigen Flüchtlingslager und Menschen in den besprochenen Gebieten und wurden der TÖNCHEN! - Redaktion freundlicherweise für diese Veröffentlichung zur Verfügung gestellt - Herzlichen Dank! [Alle Fotos Dr. James Albert im Auftrag der GfbV]
Tolle, freundliche, informative und mit profunder Fachkenntnis geschriebene Rezension. Da lernt auch ein dicker Hippie noch was. Tausend goldene Fleißpunkte!