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Donnerstag, 29. September 2011

Schleswig-Holsteinisches Freilichtmuseum - Projekt-Schule mit Zukunft?

PROJEKTSCHULE MUSEUM zum Tag der Region 2012

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Das Museum liegt für uns in Fahrradentfernung und just hinter dem für die Stadt Kiel so wichtigen Grüngürtel nach Süden hinaus.
Und heute haben meine Frau und ich Glück: warme Sonne ist nach all den Regentagen eine Wohltat - ja, und es soll ja auch Bauernmarkt im Museum sein! Na, dann man los zum Freilichtmuseum Molfsee!

Der absolute Vorteil dieses Freilichtmuseums bäuerlicher Kulturdenkmale liegt in seiner landschaftlich wunderschönen Lage. Es befindet sich mit seinen rund 70 Häusern sozusagen auf einer Insel und wird umrauscht von der Eider, vom Verkehr der Hamburger Chaussee und vom Verkehr der Hamburger Landstraße. Also: optimal erreichbar, selbst mit dem Kajak - wenn es denn einen entsprechenden Eingang gäbe….übrigens stört der Verkehrslärm nur bei Westwind.

Das Gelände von insgesamt ca. 60 ha - wobei ein großer Teil noch ungenutzt östlich der L 318 (Hamburger Chausee) liegt - ist landschaftlich sehr abwechselungsreich. Wir finden die für Ostholstein typischen Landschaftskomponenten Wald, Wasser, Feldwege, Wiesen und ländliche Bebauung. Einige Häuser - nach Landschaften in Schleswig-Holstein geordnet - sind zu Weilern zusammengefasst, so dass kleine Zentren entstehen. Leider ist die Eider nicht in die Museumslandschaft integriert und ein Bach sickert nur bei starkem Regen vor sich hin. Immerhin gibt es zwei großflächige künstlich angelegte Teiche und einen kleinen Mühlenteich, der das intakte Mühlrad der frisch restaurierten Wassermühle zum großen Bedauern der Museumsbesucher nicht in Bewegung setzen kann.

Ein Besuch im Freilichtmuseum erfreut besonders all jene, die sich jahrelang Gedanken um die Zukunft bzw. die Geschäftsfähigkeit des Museums Gedanken gemacht haben. Wie wir an anderer Stelle berichtet hatten, stand das Museum vor noch nicht allzulanger Zeit kurz vor der Insolvenz. Doch mit gezielten Finanzspritzen, einem engagierten Einsatz der Museumsleitung und vor allem mal wieder zahlreichen ehrenamtlichen Helfer und Helferinnen gelang die vorläufige “Rettung” des Museums in letzter Sekunde.

Was zur nachhaltigen Stabilisierung besonders der finanziellen Verhältnisse jedoch unbedingt notwendig wäre: die Angliederung des Museums an die Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf. Das Zieldatum ist der 1.Januar 2012. Hoffen wir, dass diese Perspektive sich auch bewahrheite!

Um es gleich vorwegzunehmen: wir von PROJEKTSCHULE MUSEUM stellen mit Freude fest, dass zahlreiche Ideen zur Belebung dieses Museums bäuerlicher Kulturdenkmale, die wir der Museumsleitung seinerzeit nahegelegt haben, teilweise oder ansatzweise aufgenomment wurden. Seinerzeit - das war noch während der drohenden Insolvenzgefahr. Unsere spontan gegründete regionale Bürgerinitiative nannten wir MUSEUM INTERAKTIV. Daraus entwickelte sich dann die von der Initiative Regionalgenossenschaft e.V. konzipierte PROJEKTSCHULE MUSEUM.

Natürlich liegt uns von PROJEKTSCHULE MUSEUM das Molfseer Freilichtmuseum weiterhin am Herzen, auch wenn wir inzwischen überregional orientiert sind. Wie könnte es auch anders sein: liegt es doch unmittelbar “vor unserer Haustür”. Es erweitert sozusagen den in den 1920iger Jahren vom Stadtplaner Leberecht Migge konzipierten Kieler Grüngürtel als dringend benötigten Erholungsraum der Stadt.

Neben dem Kulturzentrum Hof Akkerboom in Mettenhof hätten wir im Molfseemuseum weiteres Potential für ein Stadtteilzentrum bzw. einen kulturellen Fokus nahe der Landeshauptstadt. Neben dieser regionalen Bedeutung könnte das Museum zu einem Touristenmagnet erster Güte werden und ähnlich wie Schloss Gottorf und dessen angegliederte Museen Weltruf erlangen. Voraussetzung dafür ist allerdings eine deutlich höhere Besucherzahl sowie eine optimale Einbindung des Museums in regionale und landesweite öffentliche, aber auch wirtschaftliche Strukturen.

Wir nenen hier beispielsweise die intensive Zusammenarbeit mit schleswig-holsteinischen Schulen, den Support durch Handel und Handwerk oder die Nutzung des Museums als Veranstaltungsort für kulturelle Veranstaltungen, wobei wir da nicht nur an die für Normalbürger kaum erschwinglichen Konzerte des S-H-Musikfestivals denken: Kultur beginnt zuhause in der Region und muss für alle erschwinglich sein.

Auf Grund seiner diversifizierten Strukturen und seines kultur- und sozialgeschichtlich orientierten Erscheinungsbildes kann dieses Museum bäuerlicher Kulturdenkmale eine hervorragende Rolle in “Erziehung” und “Erinnerung” bieten.  Junge Menschen bringt es auf berufliche Ideen, Senioren erinnern ihre Jugend, unsere sog. “Bestagers” mitte 50 plus bringen konstruktive Gestaltungsideen ins Museum ein und für einige “Midagers” wäre das Museum und sein Netzwerk eine Perspektive, um sich etwa aus wirtschaftsverschuldeter Arbeitslosigkeit herauszuarbeiten und eine kulturell orientierte Selbständigkeit aufzubauen.

Das Museum der Zukunft ist ein Bürgertreff für alle. Die Grundlagen einer Zivilisation zu erfassen und die Vielschichtigkeit der eigenen Kultur zu begreifen erfordert nicht intellektuelle Distanz, sondern direkte und unmittelbare emotionale Anteilnahme. Lassen wir etwa die Enge des Deldorfer Armenhauses auf uns wirken und lesen wir die Dokumentationen über Armut in der jüngeren Geschichte, so entfährt uns vielleicht jener Seufzer: ” Oh mann….ein Glück, dass es uns besser geht als denen damals in diesem Haus.”

Und “die damals im Armenhaus” könnten ähnlich geseufzt und dem Bürgermeister gedankt haben, dass sie nicht als Obdachlose der Winterskälte ausgeliefert sein mussten.- Wohlstand ist relativ und das direkte Gefühl dafür könnte uns angesichts von Facebook und Bad Banks leicht verloren gehen. Das Museum hilft! Und es lehrt uns, was lebensdienliches und nachhaltiges Wirtschaften im kleinen und im großen Stil bedeuten kann.

“Unser Museum” sind wir selber mit all unseren Erfahrungen, Skills, Hoffnungen und Sehnsüchten. Aber auch mit unseren Ängsten. “In der Geschichte der Menschheit diente die Technik dem Menschen zum Überleben, die Kultur dem Zusammenleben…Nur wenn wir die Leitwerte unserer Kultur in der Welt des technischen Zusammenlebens dauerhaft und immer wieder neu verankern, wird ihre Rolle eine heilsame sein und nicht eine, die unsere Gesellschaft zersplittert und unseren Gemeinsinn zerstört.” [R.D. Precht, Die Kunst kein Egoist zu sein, München 2010,S.485] - Genau das: im Museum lässt sich Gemeinsinn erkennen und erleben - wenn es denn genügend “belebt” ist.

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Geschrieben von Martin Rzeszut am 29. September 2011 um 19:44 Uhr
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Projektschule Museum - Sozialgeschichte begreifbar vermitteln

Mittwoch, 11. Mai 2011

Projektschule Museum - Sozialgeschichte begreifbar vermitteln

...auf der Landesgartenschau Norderstedt wurde Richtfest gefeiert

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Brütende Hitze - die staubige Kiesfläche will so garnicht zu einer “Landesgartenschau” passen. Ein starker Wind weht von der Wasserfläche und eine Fünfjährige sägt mit einer Puksäge die 20 x 20 mm Leiste aus wohlduftendem Kiefernholz sauber und gerade auf 140 mm Länge ab. Ihr zwei Jahre ältererer Bruder leimt den Türsturz vorsichtig auf und wischt den überquellenden Kaltleim sorgfältig ab. “Wozu ist diese Tür? Ging das hier in die Küche?” - “Ja, in die kleine Küche und Backstube - da war auch ein Backofen.” - Aha!” - “Wo waren denn die Schweine?” - “Schweine hatten die Kolonisten nicht - zu arm - keine Essensreste zum Füttern.” - “Aha!...die armen…nicht mal Schweine…”.

Der Türsturz schwimmt etwas auf dem Leim, bewegt sich, die Leiste kann noch ein paar Sekunden justiert werden - dann sitzt sie fest. Vorher hatte eine Vierzehnjährige die Wand neben dem Türdurchlass auf 40 mm erhöht und gab dem helfenden Pädagogen locker zu verstehen: “Lass man…ich mach das hier schon alleine…” Sie hatte nicht zum ersten Mal eine Säge in der Hand, das war schnell zu merken. “Auf dem Dachboden lag das Getreide, oder?” - “Ja, die Halme mit dem Stroh. Gedroschen wurde später auf der Deele. aber soviel Getreide gabs damals garnicht. Die Kolonisten bauten Buchweizen an und Kartoffeln.” - “Aha…Buchweizen? Kenne ich garnicht.” - “Eine alte Pflanze aus Asien, die kleinen Nüßchen musste man mühsam schälen und aus den kleinen Kernen konnte man Grütze kochen.” Ein etwa Zehnjähriger baute ziemlich verbissen alle Fensteröffnungen der Südostwand mit einer Genauigkeit von 2 mm ein. Das alles war am Nachmittag. Das Haus steht nun im Rohbau (siehe Fotos). Eine Komposition aus Kiefernholz und Leim.

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Geschrieben von Martin Rzeszut am 11. Mai 2011 um 16:38 Uhr
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Donnerstag, 10. Januar 2008

Der Bielefelder Expressionist Ernst Sagewka

Würdigung zum 125. Geburtstag des masurisch-westfälischen Malers von Martin Rzeszut

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Am 20. März 1939 loderten im Hof der Feuerwache Berlin in der Köpenicker Strasse die Flammen: in Anlehnung an die sog. „Verbrennung von Büchern missliebiger Autoren“ im Jahre 1933 lagen da nun etwa 1000 Ölbilder und 4000 Aquarelle, Zeichnungen, Radierungen, Holzschnitte auf dem Scheiterhaufen. Auch das Gemälde „An der Windwehe“ und das Aquarell „Herbstwald“ von Ernst Sagewka vermutet man darunter.

Ernst Sagewka - einer der bekanntesten Bielefelder Maler (1883 - 1959) - war damals 54 Jahre alt. Ein Jahr älter als ich! Wie muss man sich fühlen, wenn man im Volksempfänger hört, dass in Berlin 5000 Bilder brennen? Und „meine“ dabei? Ja, es lässt sich sehr gut vorstellen. Ich seh Ernst Sagewkas hageres Gesicht vor mir: still und wütend, vielleicht auf dem Stiel seiner Pfeife herumbeissend.

„Vergessene Künstler“ nennen heute vereinzelt Kunstkenner die Opfer der Hitler-Diktatur pauschal. Vermutlich denken sie dabei über den Sinn dieser Bezeichnung nicht viel nach.

Ernst Sagewka -  hat dabei noch Glück gehabt: seine Bilder wurden nach 1937 nicht mehr gehenkt. Seine Farben auf den Ölbildern seien „zu schreiend“ gewesen. Wahrscheinlich hat man den Sinn der Komplementärfarben nicht verstanden.

Aber da gab es Maler, die wurden aufgehenkt, weil ihre Kunst nicht gleichgeschaltet genug daherkam. Merkwürdiger Weise wirkt das im dritten Reich verliehene Stigma der sog. „entarteten Kunst“ anscheinend immer noch nach. Ja, bis heute!

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(Nebenstehende Abb.: Gemälde von Ernst Sagewka “Am Spiekermeer Wittingsmoor” 1953, Öl auf Leinwand)

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Geschrieben von Martin Rzeszut am 10. Januar 2008 um 9:35 Uhr
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