Musik ins Museum!

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Die Kieler „Musikwerkstatt unterm Fernsehturm“ machte sich im Jahre 2003 Gedanken zum Thema „Musik im Freilichtmuseum“  und bietet seitdem eine interessante und preisgünstige Dienstleistung für den gesamten norddeutschen und mitteldeutschen Raum an!

Zum besseren Verständnis unserer Intention hier eine kleine, anschauliche Geschichte, wie sie sich momentan in jedem Freilichtmuseum abspielen könnte:

Der interessante Museumsbesuch: ein Sommertag im Freilichtmuseum bäuerlicher Kulturdenkmale. Es ist 14.30 Uhr. Familie Meier aus Wuppertal hat nun etwa zwanzig Häuser besichtigt. Eine leichte Müdigkeit macht sich breit. Immerhin war man an diesem sonnigen Samstagmorgen schon ganz früh aufgestanden und hat bereits einige Stunden Autobahnfahrt hinter sich.

Man überlegt nun, das Café auf dem Museumsgelände aufzusuchen (zumal die Kinder schon leicht quengeln…). „Oder doch erst später?“ - „Mal gucken, vielleicht kommt ja da hinten noch was Interessantes….ich hör da was!“ sagt Frau Meier. Nach ein paar Schritten sieht Familie Meier sich plötzlich einem älteren Ehepaar gegenüber: er mit Hut, leicht abgetragener Kleidung spielt Harmonika, seine Frau im weiten Rock – wie man ihn früher auf dem Lande trug – spielt eine alte Geige.

„Hör mal, das ist ja wie früher!“ sagt Frau Meier. „Ja, die kommen wohl aus der alten Zeit!“ sagt Herr Meier. Die Kinder haben alle Müdigkeit vergessen und fangen schon an, nach dem Rhythmus der Polka zu hüpfen.

Das alte Musikantenpaar lächelt, spielt noch einen Walzer ...und dann gehen sie weiter. „Kommt, jetzt hab ich Lust, noch ein paar Häuser zu sehen…jetzt bin ich wieder munter!“ sagt Frau Meier. „Du, das war ja toll…so muss das früher gewesen sein!“ sagt Herr Meier. Die Kinder tanzen schon voraus, haben noch die Klänge und Rhythmen im Ohr.

Später hören die Meiers an einem anderen Haus noch mehr Musik.
Dann kurz vor 18.00: Familie Meier verlässt das Museum. Vor dem Ausgang treffen sie das musizierende Ehepaar wieder (die sind jetzt auch auf dem Nachhauseweg).

„Machen Sie das hauptberuflich?“ will Herr Meier wissen.

„Nein, wir sind Musiklehrer und Folkmusiker, da bietet sich sowas ja geradezu an. Ausserdem mögen wir Museumsdörfer.“

„Machen Sie das denn ehrenamtlich?“

„Nein, das können wir nicht, weil wir von Musik allein leben. Man braucht auch einiges Grundwissen und möglichst eine volkskundliche Ausbildung, um diesen Job gut zu machen. Schliesslich braucht es auch Einiges an Vorbereitung. Denn wir spielen schon genau jene Musik, die für den Zeithorizont dieses Museum hier authentisch und belegt ist. Aber es muss ja nicht viel kosten, wenn wir während der Saison hin und wieder mal hier aufkreuzen. Für Musik hat schliesslich jedes Museum einen Etat.“

„Sehr schön! Wenn wir wiederkommen, möchten wir aber noch mehr hören!“

„Kein Problem: jedes Jahr haben wir ein neues Programm! Gute Heimfahrt!“......

Der geschichtliche Hintergrund: Bei all den heute üblichen Volkstanzgruppen in phantasiereichen „Trachten“  vergisst man all zu leicht, dass im späten 19. Jahrhundert in Norddeutschland hauptsächlich semiprofessionelle Musiker für Unterhaltung auf dem Lande sorgten.

Die meisten waren Bauern, Handwerker oder Landarbeiter, die nach Feierabend oft weite Strecken zu Dorfkrügen zurücklegten, um dort am Samstagabend zu spielen. Auch auf Hochzeiten und Dorffesten wurde viel musiziert und getanzt, und zwar meist sehr einfach und in den wenigstens Fällen in festlichen Trachten.

Zusätzlich gab es wandernde Musiker - in Westfalen z.B. waren es sehr oft polnische Musiker - die diese Alltagskultur bereicherten. Die Musik ist ziemlich gut überliefert, und die Musikwerkstatt Rzeszut arbeitet seit Jahren an der Interpretation früherer Volksmusik, die als wesentlicher Bestandteil der Alltagskultur in Schleswig - Holstein und Dänemark nachgewiesen und volkskundlich gut aufgearbeitet ist.

Die Quellenlage ist ausreichend gut, da zahlreiche Musiker sich damals zum einüben und tradieren ihre eigenen Noten schrieben. Diese wurden dann später auf Dachböden oder in Nachlässen gefunden. Wie etwa die umfangreiche Sammlung mit Geigenstücken (Tanzstücken/Liedmelodien) aus den 70iger und 80iger Jahren des 19.Jahrhunderts aus dem Großraum Leck, die der Geiger und Hausschlachter H.C. Davidsen (1859 bis 1939) aus Bramstedt aufgezeichnet hatte.

Es spricht also bei dieser guten Quellenlage nichts dagegen, diese Musikantentradition mit Originalinstrumenten und besonders im Rahmen eines Freilichtmuseums bäuerlicher Kulturdenkmale wieder aufleben zu lassen.

Unser Angebot: Jolanta Rzeszut (Geige a.d. Jahre 1890) und Martin Rzeszut (Ziehharmonika, Nachbauten von 1850 und 1875) ziehen als Musikantenehepaar durch Ihr Museumsdorf. Sie spielen mal hier, mal dort etwa 8 Stücke oder mehr.

Man sucht sich Wegekreuzungen, Hauszufahrten oder freie Plätze aus. In einigen Freilichtmuseen befinden sich auch Cafés, in deren Nähe etwas Musik aus alter Zeit die rechte Atmosphäre schafft.

Wenn sich die Gelegenheit bietet, könnten natürlich auch einfache Tänze ohne viel Drumrum angeleitet werden und das so einfach wie möglich und nicht in bekannter Volkstanzmanier. Die Grundtypen wären Polkas, Walzer, Schottisches oder Rheinländer.

Die Stücke des älteren Ehepaares wären hauptsächlich instrumental, aber es könnte auch das eine oder andere “Mudder Witsch”-Tanzlied oder „Freut euch des Lebens!“ dabeisein.

Das musizierende Ehepaar würde etwa in der Alltagskleidung zur Zeit um 1900 auftreten, eben nicht in Festtagstracht (...aber die hätten wir natürlich auch!) Wir können uns durchaus dem jeweiligen Zeitrahmen Ihres Museums anpassen.

Martin Rzeszut gehört übrigens zu den Begründern der Inititiative „Museum-Interaktiv“, die sich im Mai dieses Jahres (2008) erstmalig im Freilichtmuseum Molfsee traf, um generell Konzepte für die Belebung von Freilichtmuseen zu schaffen bzw. auf wissenschaftlicher Basies zu erarbeiten.

Martin Rzeszut setzt sich dabei vornehmlich für eine musikalische Belebung und Nutzung der Häuser ein. Interaktive Workshops mit Museumsbesuchern und die Kreation des Typus eines „200 Jahre alten wandernden Musikers mit der Handharmonika“ sind seine Ideen.

Mehr zu Museum Interaktiv finden Sie auf folgender Website:
http://web.me.com/falkmuenchbach/Website/Willkommen.html

Sollten Sie als Leiter/-in eines Museums oder einer mit Museumsarbeit befassten Institution Interesse an unseren Workshops und Aktionen bekommen haben, so kontaktieren Sie uns bitte per Mail unter dem Stichwort „Musik ins Museum!“ Wir können jederzeit spezielle Konzepte ausarbeiten.

Ansonsten erinnern wir daran, dass Trauungen, Hochzeitsfeiern, Kindergeburtstage, Tagungen von Heimatverbänden oder Bauernmärkte durchaus auch von der bodenständigen, unsentimental dargebotenen Volksmusik des Duo JOLKA profitieren können. Für das Museum empfehlen wir die „Reise durch Europa“ mit einem Schwerpunkt Norddeutschland, kombiniert mit der Anleitung leichter Tänze unter dem Motto: “Europäische Volkstänze zum Mitmachen für Kinder und jung gebliebene Alte“ (laut einer Einladung des JSHHB im Herbst dieses Jahres)